וַיֵּ֥לֶךְ בִּלְעָ֖ם עִם־בָּלָ֑ק וַיָּבֹ֖אוּ קִרְיַ֥ת חֻצֽוֹת׃
39
39
Und Bilam ging mit Balak mit und sie kamen nach Kirjat Chuzot.
Kirjat Chuzot
Kirjat Chuzot: eine Stadt voll mit Märkten; Männer, Frauen und Kinder waren in ihren Straßen. Damit wollte er ihm sagen: Sieh selbst und erbarme dich, dass diese nicht ausgerottet werden.
Raschi
וַיִּזְבַּ֥ח בָּלָ֖ק בָּקָ֣ר וָצֹ֑אן וַיְשַׁלַּ֣ח לְבִלְעָ֔ם וְלַשָּׂרִ֖ים אֲשֶׁ֥ר אִתּֽוֹ׃
40
40
Und Balak schlachtete Rind und Schaf und schickte davon an Bilam und die Fürsten, die bei ihm waren.
Rind und Schaf: wenig, nur ein Rind und ein Schaf.
Raschi
וַיְהִ֣י בַבֹּ֔קֶר וַיִּקַּ֤ח בָּלָק֙ אֶת־בִּלְעָ֔ם וַֽיַּעֲלֵ֖הוּ בָּמ֣וֹת בָּ֑עַל וַיַּ֥רְא מִשָּׁ֖ם קְצֵ֥ה הָעָֽם׃
41
41
Und es war am Morgen, Balak nahm Bilam und führte ihn hinauf auf die Höhen des Baal; von dort sah er einen Teil des Volkes.
Höhen des Baal
בָּמוֹת בָּעַל bedeutet, wie Targum Onkelos übersetzt לְרָמַת דַּחְלְתֵיהּ „die Anhöhe seines Götzen“; בַּעַל (Baal) ist der Name eines Götzen.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר בִּלְעָ֜ם לְבָלָ֗ק הִתְיַצֵּב֮ עַל־עֹלָתֶךָ֒ וְאֵֽלְכָ֗ה אוּלַ֞י יִקָּרֵ֤ה יְהוָה֙ לִקְרָאתִ֔י וּדְבַ֥ר מַה־יַּרְאֵ֖נִי וְהִגַּ֣דְתִּי לָ֑ךְ וַיֵּ֖לֶךְ שֶֽׁפִי׃
3
3
Und Bilam sagte zu Balak: Bleibe bei deinem Opfer stehen und ich werde weggehen, vielleicht erscheint mir der Ewige, und was Er mir zeigen wird, will ich dir berichten; und er ging alleine.
vielleicht erscheint mir der Ewige: denn Er pflegt nicht am Tag mit mir zu sprechen.
Raschi
und er ging alleine
וַיֵּלֶךְ שֶׁפִי „und er ging alleine“; wie der Targum sagt יְחִידִי „allein“, in der Bedeutung von Ruhe und Stille, wo nur Schweigen um ihn war.
Raschi
וַיִּקָּ֥ר אֱלֹהִ֖ים אֶל־בִּלְעָ֑ם וַיֹּ֣אמֶר אֵלָ֗יו אֶת־שִׁבְעַ֤ת הַֽמִּזְבְּחֹת֙ עָרַ֔כְתִּי וָאַ֛עַל פָּ֥ר וָאַ֖יִל בַּמִּזְבֵּֽחַ׃
4
4
Und G‑tt erschien dem Bilam, und Bilam sagte zu Ihm: Die sieben Altäre habe ich errichtet und habe einen Stier und einen Widder auf jedem Altar dargebracht.
erschien
Das Wort וַיִּקָּר („erschien“) hat die Bedeutung „zufällig“ (לְשׁוֹן עֲרַאי), die Bedeutung „beschämend“ (לְשׁוֹן גְּנַאי), und die Bedeutung „unrein“ (לְשׁוֹן טֻמְאַת קֶרִי). Das heißt, nur ungern und beschämend, und Er erschien ihm nur darum am Tag, um Seine Liebe zu Israel zu zeigen.
Raschi
Die sieben Altäre
Es steht hier nicht שִׁבְעָה מִזְבְּחֹת עָרַכְתִּי „sieben Altäre habe ich errichtet“, sondern אֶת שִׁבְעַת הַמִּזְבְּחֹת „die sieben Altäre“. Bilam sagte vor Ihm: Die Vorväter dieses Volkes haben sieben Altäre vor Dir erbaut, und ich habe soviel wie alle zusammen errichtet. Awraham hat vier gebaut, (Ber. 12:7) וַיִּבֶן שָׁם מִזְבֵּחַ לַה׳ הַנִּרְאֶה אֵלָיו „er baute dort einen Altar dem Ewigen, der ihm erschienen war“; (Ber. 12:8) וַיַּעְתֵּק מִשָּׁם הָהָרָה „er zog von dort ins Gebirge [östlich von Bet El und spannte sein Zelt auf … und baute dort einen Altar für den Ewigen und rief den Namen des Ewigen]“; (Ber. 13:18) וַיֶּאֱהַל אַבְרָם „Awram schlug sein Zelt auf [… und ließ sich nieder in Elone Mamre, das bei Chewron ist, und baute dort einen Altar dem Ewigen]“, und einen weiteren Altar auf dem Berg Moriah [beim Binden seines Sohnes Jizchak, Ber. 22:9]. Jizchak baute einen (Ber. 26:25) וַיִּבֶן שָׁם מִזְבֵּחַ „er baute dort einen Altar“; und Jaakow baute zwei, einen in Sch’chem (Ber. 33:20) und einen in Bet El (Ber. 35:7).
Raschi
einen Stier und einen Widder: während Awraham nur einen Widder dargebracht hat.
Raschi
וַיִּשָּׂ֥א מְשָׁל֖וֹ וַיֹּאמַ֑ר מִן־אֲ֠רָם יַנְחֵ֨נִי בָלָ֤ק מֶֽלֶךְ־מוֹאָב֙ מֵֽהַרְרֵי־קֶ֔דֶם לְכָה֙ אָֽרָה־לִּ֣י יַעֲקֹ֔ב וּלְכָ֖ה זֹעֲמָ֥ה יִשְׂרָאֵֽל׃
7
7
Da begann er sein Gleichnis und sprach: Von Aram her führte mich Balak, der König von Moaw, von den Bergen des Ostens: Komm, fluche mir Jaakow! Geh, wirf Zorn auf Israel!
fluche Mir Jaakow … wirf Zorn auf Israel
Mit ihren beiden Namen sollte er sie verwünschen, wenn vielleicht der eine nicht deutlich wäre.
Raschi
מָ֣ה אֶקֹּ֔ב לֹ֥א קַבֹּ֖ה אֵ֑ל וּמָ֣ה אֶזְעֹ֔ם לֹ֥א זָעַ֖ם יְהוָֽה׃
8
8
Wie soll ich verfluchen, den G‑tt nicht verflucht? Was mit Zorn treffen, wo G‑tt nicht zürnt?
Wie soll ich verfluchen, den G‑tt nicht verflucht
Als sie verdienten, verflucht zu werden, wurden sie nicht verflucht. Als ihr Vater ihrer Sünde gedachte, (Ber. 49:6) כִּי בְאַפָּם הָרְגוּ אִישׁ „denn in ihrem Zorn erschlugen sie Männer“, da verwünschte er nur ihren Zorn, wie es dort heißt (Vers 7) אָרוּר אַפָּם „verflucht sei ihr Zorn“. Als ihr Vater mit List zu seinem Vater hineinging, verdiente er eine Verwünschung; was steht aber dort (Ber. 27:33) גַּם בָּרוּךְ יִהְיֶה „auch gesegnet soll er sein“. [Bezüglich der Stämme,] die auf dem für den Segen bestimmten Berg stehen sollten, heißt es (Dew. 27:12) אֵלֶּה יַעַמְדוּ לְבָרֵךְ „diese sollen stehen, das Volk zu segnen“. [Bezüglich der Stämme aber,] die auf dem für den Fluch bestimmten Berg stehen sollten, heißt es nicht „diese sollen stehen, das Volk zu verwünschen“; sondern „diese sollen bei der Verwünschung stehen“, G‑ttt will nicht die Bezeichnung „Fluch“ auf sie anwenden.
Raschi
wo G‑tt nicht zürnt
Ich selbst habe nicht die Kraft dazu. Ich verstehe nur, den Augenblick zu bestimmen, in dem der Ewige zornig ist; Er hat aber an all diesen Tagen, seitdem ich zu dir gekommen bin, nicht gezürnt; das ist, was geschrieben steht (Micha 6:5) עַמִּי זְכָר נָא מַה יָּעַץ גו׳ וּמֶה עָנָה אֹתוֹ בִּלְעָם גו׳ לְמַעַן דַּעַת צִדְקוֹת ה׳ „mein Volk, gedenke doch, was geplant hat … und was Bilam ihm erwiderte … um die Liebe des Ewigen zu erkennen“ (Sanh. 105b).
Raschi
כִּֽי־מֵרֹ֤אשׁ צֻרִים֙ אֶרְאֶ֔נּוּ וּמִגְּבָע֖וֹת אֲשׁוּרֶ֑נּוּ הֶן־עָם֙ לְבָדָ֣ד יִשְׁכֹּ֔ן וּבַגּוֹיִ֖ם לֹ֥א יִתְחַשָּֽׁב׃
9
9
Denn vom Gipfel der Felsen sehe ich es und von den Hügeln schaue ich: Ein Volk, gesondert wohnt es und unter die Völker wird es nicht gerechnet.
Denn vom Gipfel der Felsen sehe ich es
Ich betrachte ihren Anbeginn und ihre erste Wurzel und sehe, dass sie wie Felsen und Hügel fest gegründet sind durch Stammväter und Stammütter.
Raschi
Ein Volk, gesondert wohnt es
Das haben seine Stammväter für es erworben, wie der Targum sagt [בִּלְחוֹדֵיהוֹן עֲתִידִין דְּיַחְסְנוּן עָלְמָא, (ein Volk, das) zuletzt allein die Welt besitzen wird].
Raschi
unter die Völker wird es nicht gerechnet
וּבַגּוֹיִם לֹא יִתְחַשָּׁב, wie der Targum sagt וּבְעַמְמַיָּא לָא יִתְּדָנוּן גְּמִירָא, sie werden nicht mit den anderen Völkern untergehen. So heißt es (Jirm. 46:28) כִּי אֶעֱשֶׂה כָלָה בְּכָל הַגּוֹיִם „wenn Ich auch alle Völker vernichte …“. Sie aber werden nicht zu den anderen gerechnet. [Während die schuldigen Völker untergehen, bleibt das jüdische Volk verschont und erbt die Welt.]
Raschi
Andere Erklärung: Wenn sie sich freuen, freut sich keine Nation mit ihnen; so heißt es (Dew. 32:12) ה׳ בָּדָד יַנְחֶנּוּ „der Ewige führt es allein“; und wenn die Völker im Glück sind, genießen sie bei jedem von ihnen mit, ohne dass es ihnen angerechnet wird, das bedeuten die Worte וּבַגּוֹיִם לֹא יִתְחַשָּׁב „und unter die Völker wird es nicht gerechnet“.
Raschi
מִ֤י מָנָה֙ עֲפַ֣ר יַעֲקֹ֔ב וּמִסְפָּ֖ר אֶת־רֹ֣בַע יִשְׂרָאֵ֑ל תָּמֹ֤ת נַפְשִׁי֙ מ֣וֹת יְשָׁרִ֔ים וּתְהִ֥י אַחֲרִיתִ֖י כָּמֹֽהוּ׃
10
10
Wer kann den Staub Jaakows zählen und die Zahl der Nachkommenschaft Israels? Es sterbe auch meine Seele den Tod dieser Aufrechten, mein Ende sei wie das ihre!
Wer kann den Staub Jaakows zählen
Onkelos übersetzt die Worte עֲפַר יַעֲקֹב (wörtl. „Staub Jaakows“) mit „die Kinder des Hauses Jaakow, die sich wie der Staub der Erde vermehren mögen“; und die Worte רֹבַע יִשְׂרָאֵל als „die vier Abteilungen der Lager Israels“. Andere Erklärung: Ohne Zahl sind die Gebote, die sie mit dem Staub der Erde erfüllen: „Pflüge nicht mit Ochse und Esel zusammen“; „Säe nicht zwei Arten“; Asche der Roten Kuh; Staub für die Sotah (eine der Untreue verdächtigte Frau).
Raschi
Sotah: eine der Untreue verdächtige Frau.
die Zahl der Nachkommenschaft Israels
Ihre Nachkommen, die Kinder, die in ihren Familien entstehen.
Raschi
Es sterbe meine Seele den Tod der Aufrechten: unter ihnen.
Raschi
Bilam wollte den Tod eines rechtschaffenen Juden sterben, nicht den eines allgemein aufrechten Menschen. Das erklärt, warum diese Worte Bilams ein Segen für das jüdische Volk ist. Deshalb klagte Balak im nächsten Vers: „Damit du meine Feinde verfluchst, habe ich dich holen lassen, und jetzt segnest du sie ja!“
Misrachi
וַיֹּ֨אמֶר אֵלָ֜יו בָּלָ֗ק לְכָה־נָּ֨א אִתִּ֜י אֶל־מָק֤וֹם אַחֵר֙ אֲשֶׁ֣ר תִּרְאֶ֣נּוּ מִשָּׁ֔ם אֶ֚פֶס קָצֵ֣הוּ תִרְאֶ֔ה וְכֻלּ֖וֹ לֹ֣א תִרְאֶ֑ה וְקָבְנוֹ־לִ֖י מִשָּֽׁם׃
13
13
Da sagte Balak zu ihm: Komm doch mit mir an einen anderen Ort, von wo aus du das Volk sehen kannst; nur einen Teil von ihm wirst du sehen, das ganze Volk aber wirst du nicht sehen — und verfluche es mir von dort.
und verfluche es mir
Die Form וְקָבְנוֹ לִי ist Imperativ (Befehlsform) „Verfluche!“.
Raschi
וַיִּקָּחֵ֙הוּ֙ שְׂדֵ֣ה צֹפִ֔ים אֶל־רֹ֖אשׁ הַפִּסְגָּ֑ה וַיִּ֙בֶן֙ שִׁבְעָ֣ה מִזְבְּחֹ֔ת וַיַּ֛עַל פָּ֥ר וָאַ֖יִל בַּמִּזְבֵּֽחַ׃
14
14
Und er nahm ihn mit in das Feld Zofim, auf den Gipfel des Berges Pisga, und er baute sieben Altäre und brachte dar einen Stier und einen Widder auf jedem Altar.
Feld Zofim
שְׂדֵה צֹפִים „Feld der Wächter“: das war ein hochgelegener Ort, wo der Wächter stand, um zu beobachten, ob ein Heer gegen die Stadt ziehe.
Raschi
auf den Gipfel des Pisga
Bilam verstand die Zauberei nicht so gut wie Balak. Balak sah, dass von dort aus ein Einriss (פִּרְצָה) in Israel entstehen würde; denn dort starb Mosche. Darum dachte er, dass dort die Verfluchung auf sie fallen würde und das der Einriss sei, den er gesehen hatte.
Raschi
וַיֹּ֙אמֶר֙ אֶל־בָּלָ֔ק הִתְיַצֵּ֥ב כֹּ֖ה עַל־עֹלָתֶ֑ךָ וְאָנֹכִ֖י אִקָּ֥רֶה כֹּֽה׃
15
15
Und Bilam sagte zu Balak: Stelle dich hier neben dein Ganzopfer und ich werde dort zur Begegnung gerufen werden.
ich werde dort zur Begegnung gerufen werden
אִקָּרֶה „zur Begegnung gerufen werden“: von G‑tt; אִקָּרֶה ist passive Form (לְשׁוֹן אֶתְפָּעֵל).
Raschi
וַיִּקָּ֤ר יְהוָה֙ אֶל־בִּלְעָ֔ם וַיָּ֥שֶׂם דָּבָ֖ר בְּפִ֑יו וַיֹּ֛אמֶר שׁ֥וּב אֶל־בָּלָ֖ק וְכֹ֥ה תְדַבֵּֽר׃
16
16
Und der Ewige offenbarte sich Bilam und legte Worte in seinen Mund und sagte: Kehre zurück zu Balak und so sollst du reden.
legte Worte in seinen Mund
Worin bestand dieses Legen, was fehlte denn noch im Vers, wenn schon steht שׁוּב אֶל בָּלָק וְכֹה תְדַבֵּר „Kehre zurück zu Balak und so sollst du reden“? Nur, als er hörte, dass ihm nicht erlaubt wurde, zu verfluchen, sagte er, was soll ich zu Balak zurückkehren, um ihn zu betrüben. Da legte der Ewige seinem Mund einen Zaum an, wie wenn jemand ein Tier mit dem Gebiss zügelt, um es hinzuführen, wohin er will. Und Er sagte zu ihm: Gegen deinen Willen kehrst du zu Balak zurück!
Raschi
וַיָּבֹ֣א אֵלָ֗יו וְהִנּ֤וֹ נִצָּב֙ עַל־עֹ֣לָת֔וֹ וְשָׂרֵ֥י מוֹאָ֖ב אִתּ֑וֹ וַיֹּ֤אמֶר לוֹ֙ בָּלָ֔ק מַה־דִּבֶּ֖ר יְהוָֽה׃
17
17
Als er zu ihm kam, da stand er bei seinem Ganzopfer und die Fürsten Moaws bei ihm; und Balak sagte zu ihm: Was hat der Ewige gesprochen?
und die Fürsten Moaws mit ihm
„… und die Fürsten Moaws mit ihm“, und zuvor sagte der Vers (6) וְכָל שָׂרֵי מוֹאָב „und alle Fürsten Moaws“. Als sie nämlich sahen, dass nichts von ihm zu erhoffen war, ging ein Teil von ihnen weg, und nur ein Teil von ihnen blieb.
Raschi
Was hat der Ewige gesprochen?
Es ist das ein Ausdruck des Spottes, indem er ihm vorhielt, du bist nicht frei.
Raschi
וַיִּשָּׂ֥א מְשָׁל֖וֹ וַיֹּאמַ֑ר ק֤וּם בָּלָק֙ וּֽשֲׁמָ֔ע הַאֲזִ֥ינָה עָדַ֖י בְּנ֥וֹ צִפֹּֽר׃
18
18
Da begann er sein Gleichnis und sprach: Erhebe dich, Balak und höre! Horche auf mich, Sohn von Zipor!
Erhebe dich, Balak
Als er sah, dass er ihn verspottete, wollte er ihm Schmerz zufügen: Steh auf, du darfst nicht sitzenbleiben, denn ich bin im Auftrag des Ewigen zu dir gesandt.
Raschi
Sohn von Zipor
בְּנוֹ צִפֹּר [ist zu lesen als בֶּן צִפֹּר] „Sohn von Zipor“. Das Wort בְּנוֹ ist eine Form, die auch sonst in Versen vorkommt; wie (Teh. 104:20) חַיְתוֹ יָעַר „Tiere des Waldes“; (Ber. 1:24) וְחַיְתוֹ אֶרֶץ „Tiere der Erde“; (Teh. 114:8) לְמַעְיְנוֹ מָיִם „in eine Wasserquelle“.
Raschi
[Die Formulierung בְּנוֹ צִפֹּר scheint zu bedeuten „sein Sohn ist Zipor“, woraus folgt, dass Balak der Vater von Zipor war. Zuvor (22:2) hieß es jedoch, Balak sei der Sohn Zipors.]
Die Endsilbe ו (Waw) bedeutet nicht „sein“, sondern ist bloß ein stilistisches Element. Die Wörter sind so zu lesen, als gäbe es keinen zusätzlichen Buchstaben ו. Das Wort חַיְתוֹ ist zu lesen als חַיַת, das Wort וְחַיְתוֹ als וְחַיַת, und das Wort לְמַעְיְנוֹ als לְמַעְיָן.
לֹ֣א אִ֥ישׁ אֵל֙ וִֽיכַזֵּ֔ב וּבֶן־אָדָ֖ם וְיִתְנֶחָ֑ם הַה֤וּא אָמַר֙ וְלֹ֣א יַעֲשֶׂ֔ה וְדִבֶּ֖ר וְלֹ֥א יְקִימֶֽנָּה׃
19
19
Nicht ein Mensch ist G‑tt, dass Er lüge, nicht ein Menschensohn, dass Er bereue. Sollte Er versprechen und es nicht tun? Reden und es nicht erfüllen?
Nicht ein Mensch
Er hat ihnen schon mit einem Schwur zugesagt, sie in das Land der sieben Völker zu bringen und es ihnen zu geben; und du glaubst, sie in der Wüste töten zu können?!
Raschi
Sollte Er sprechen
הַהוּא אָמַר ist Frageform. Der Targum וְתָיְבִין וּמִתְמַלְכִין bedeutet, sie nehmen zurück und beschließen anders.
Raschi
הִנֵּ֥ה בָרֵ֖ךְ לָקָ֑חְתִּי וּבֵרֵ֖ךְ וְלֹ֥א אֲשִׁיבֶֽנָּה׃
20
20
Siehe, zu segnen habe ich übernommen; Er hat gesegnet und ich kann es nicht wenden.
Siehe, zu segnen habe ich übernommen
Du fragst mich, was der Ewige gesagt hat. Ich habe von Ihm empfangen, sie zu segnen.
Raschi
Du fragst mich, was der Ewige gesagt hat: zuvor, Vers 17 מַה דִּבֶּר ה׳ „Was hat der Ewige gesprochen?“.
Er hat gesegnet und ich kann es nicht wenden
Das Wort וּבֵרֵךְ ist so wie וּבִרֵךְ, so ist die Regel für den Buchstaben ר (Resch); wie im Vers (Teh. 74:18) אוֹיֵב חֵרֵף „der Feind hat gelästert“, so wie חִרֵף; ebenso (Teh. 10:3) וּבוֹצֵעַ בֵּרֵךְ „wer den Räuber segnet“: wer den Räuber lobt und sagt, fürchte dich nicht, denn du wirst nicht bestraft werden, Friede wird mit dir sein – der erzürnt den Ewigen. Man kann aber nicht sagen, בֵּרֵךְ sei ein Hauptwort; denn dann wäre es mit Patach-Katan (Segol) unter dem Buchstaben ר punktiert und auf der ersten Silbe betont. Weil es aber ein Zeitwort in der Form פִּעֵל ist, wird es mit Kamaz-Katan (Zere) punktiert und hat die Betonung auf der letzten Silbe.
Raschi
so ist die Regel für den Buchstaben ר (Resch): in der Form פִּעֵל erhält der mittlere Wurzelbuchstabe gewöhnlich ein Dagesch. Der Buchstabe ר aber nimmt kein Dagesch an; stattdessen wird der erste Wurzelbuchstabe mit einem Zere statt einem Chirik punktiert.
Beer Rechowot; siehe Raschi zu Tehillim 38:3
לֹֽא־הִבִּ֥יט אָ֙וֶן֙ בְּיַעֲקֹ֔ב וְלֹא־רָאָ֥ה עָמָ֖ל בְּיִשְׂרָאֵ֑ל יְהוָ֤ה אֱלֹהָיו֙ עִמּ֔וֹ וּתְרוּעַ֥ת מֶ֖לֶךְ בּֽוֹ׃
21
21
Er schaut kein Unrecht in Jaakow und sieht keine Schuld in Israel; der Ewige, sein G‑tt, ist mit ihm, und man jubelt dem König zu in seiner Mitte.
Er schaut kein Unrecht in Jaakow
Wie der Targum sagt. [אִסְתַּכַּלִית וְלֵית פָּלְחֵי גִּלּוּלִין בִּדְבֵית יַעֲקֹב, „Er schaut und es gibt keinen Götzendiener im Haus Jaakows“.] Der Midrasch schließt sich mit einer schönen Erklärung dem einfachen Sinn an.
Er sieht nicht – der Ewige – Unrecht in Jaakow: wenn sie Seine Worte übertreten, nimmt Er es nicht so genau mit ihnen, ihr Unrecht zu durchsuchen, und ihre Schuld: dass sie Sein Gesetz übertraten.
Raschi
keine Sünde in Israel
עָמָל bedeutet „Sünde“, wie (Teh. 7:15) הָרָה עָמָל „trägt Sündhaftigkeit“; (Teh. 10:14) כִּי אַתָּה עָמָל וָכַעַס תַּבִּיט „denn du siehst Sündhaftigkeit und Ärgernis“, weil die Sünde eine Mühsal und Last ist vor dem Ewigen.
Raschi
[Das Wort עָמָל bedeutet wörtlich „Mühsal“.]
הָרָה עָמָל „trägt Sündhaftigkeit“: Der Vers bezieht sich auf einen sündhaften Menschen, der ständig über neue Übeltaten nachdenkt und und mit solchen Gedanken gleichsam schwanger (הָרָה) geht.
der Ewige, sein G‑tt, ist mit ihm: auch wenn sie vor Ihm erzürnen und widerspenstig sind, weicht Er nicht aus ihrer Mitte.
Raschi
und man jubelt dem König zu in seiner Mitte
Das Wort תְרוּעַת [מֶלֶךְ] hat die Bedeutung Liebe und Freundschaft, wie (2 Schmu. 15:37) רֵעֶה דָּוִד „der Freund Davids“; (Richt. 15:6) וַיִּתְּנָהּ לְמֵרֵעֵהוּ „und gab sie seinem Freund“. Auch Onkelos übersetzt diese Worte mit וּשְׁכִינַת מַלְכְּהוֹן בֵּינֵיהוֹן „die Gegenwart ihres Königs ist in ihrer Mitte“.
Raschi
אֵ֖ל מוֹצִיאָ֣ם מִמִּצְרָ֑יִם כְּתוֹעֲפֹ֥ת רְאֵ֖ם לֽוֹ׃
22
22
Der Allmächtige führte es aus Mizraim mit der Macht der Erhabenheit, die Er vermag.
Der Allmächtige führte es aus Mizraim
Du sagst (Bam. 22:5) הִנֵּה עַם יָצָא מִמִּצְרַיִם „siehe, ein Volk ist aus Mizraim gezogen“. Es ist aber nicht von selbst ausgezogen, sondern G‑tt hat es herausgeführt.
Raschi
die Macht der Erhabenheit, die Er vermag
כְּתוֹעֲפֹת hat die Bedeutung Macht, Höhe und Erhabenheit. Ebenso im Vers (Ijow 22:25) וְכֶסֶף תּוֹעָפוֹת „Silber, aufgehäuft zu einer Festung“ hat das Wort תּוֹעָפוֹת die Bedeutung von „Macht“. Ich aber meine, es kommt von (Ber. 1:20) וְעוֹף יְעוֹפֵף „Vögel sollen fliegen“. Hier bedeutet es, der sich mit Höhe und Erhabenheit und großer Macht erhebt; תוֹעֲפֹת רְאֵם, die Schwungkraft Seiner Höhe. Andere Erklärung. תּוֹעֲפֹת רְאֵם im Sinn von, die Stärke der Re’emim. Unsere Weisen sagen (Gittin 68b), das sind die שֵּׁדִים (Dämonen).
Raschi
hat die Bedeutung Macht, Höhe und Erhabenheit: diese Deutung von תוֹעֲפֹת ist bei Menachem ben Saruk zu finden, Machberet, עף.
das sind die Dämonen: Nach dieser Deutung besagt der Vers, dass G‑tt es ist, der sie mit Wundern aus Mizraim führte, die Seine unmenschlichen, übernatürlichen Kräfte offenbarten. Freilich ist G‑ttes Kraft unendlich größer als die eines Dämons, weil Er selbst der Schöpfer der Dämonen ist. Doch übersteigt die g‑ttliche Kraft unsere Vorstellungskraft, während die Kraft eines Dämons dem Menschen vorstellbar bleibt. Aus Mangel einer passenden Beschreibung für G‑ttes furchtgebietende Macht wählt Bilam daher das Gleichnis eines Dämons.
Beer Majim Chaim
כִּ֤י לֹא־נַ֙חַשׁ֙ בְּיַעֲקֹ֔ב וְלֹא־קֶ֖סֶם בְּיִשְׂרָאֵ֑ל כָּעֵ֗ת יֵאָמֵ֤ר לְיַעֲקֹב֙ וּלְיִשְׂרָאֵ֔ל מַה־פָּ֖עַל אֵֽל׃
23
23
Denn es gibt keine Wahrsagerei in Jaakow und keinen Zauber in Israel; so wie zur Zeit jetzt wird es Jaakow und Israel immer gesagt, was G‑tt seinetwegen wirkt.
Denn es gibt keine Wahrsagerei in Jaakow
Sie sind des Segens würdig, weil es unter ihnen nicht gibt, die sich mit Aberglauben und Zauberei beschäftigen.
Raschi
so wie zur Zeit jetzt wird es Jaakow und Israel gesagt
In ferner Zukunft wird eine Zeit sein so wie diese Zeit, in der die Liebe zu ihnen vor den Augen aller offenbar wird, indem sie vor Ihm sitzen und aus Seinem Mund Torah lernen und ihr Aufenthalt näher [an G‑tt] als der Engel des Dienstes (מַּלְאֲכֵי הַשָּׁרֵת) sein wird, dass diese sie fragen, was hat G‑tt getan? Das bedeutet der Vers (Jesch. 30:20) וְהָיוּ עֵינֶיךָ רֹאוֹת אֶת מוֹרֶיךָ „und deine Augen werden deinen Lehrer schauen“. Andere Erklärung: יֵאָמֵר לְיַעֲקֹב „es wird Jaakow gesagt“ ist nicht Zukunft, sondern Gegenwart. Sie brauchen keinen Zeitendeuter und Zauberer. Denn zu jeder Zeit, wenn Jaakow und Israel gesagt werden muss, was der Ewige getan hat und welches Seine Beschlüsse im Himmel sind, wenden sie nicht Zeitendeutung und Zauberei an; sondern es wird ihnen durch den Ausspruch ihrer Propheten verkündet, was der Beschluss des Ewigen ist, oder die Urim und Tumim teilen es ihnen mit. Onkelos übersetzt nicht so.
Raschi
הֶן־עָם֙ כְּלָבִ֣יא יָק֔וּם וְכַאֲרִ֖י יִתְנַשָּׂ֑א לֹ֤א יִשְׁכַּב֙ עַד־יֹ֣אכַל טֶ֔רֶף וְדַם־חֲלָלִ֖ים יִשְׁתֶּֽה׃
24
24
Dieses Volk springt wie eine Löwin auf, wie ein Löwe erhebt es sich; es legt sich nicht nieder, bis es Raub frisst und Blut der Erschlagenen trinkt.
wie ein Löwe erhebt es sich
Wenn sie sich am Morgen von ihrem Schlaf erheben, stärken sie sich wie ein Löwe, um rasch die Mizwot zu erfüllen: legen den Tallit an, lesen das Schma und legen die Tefillin.
Raschi
es legt sich nicht nieder: in der Nacht auf sein Bett, bis er jeden Schädling vernichtet und zerstört hat, der es zerreißen möchte. Was besagt das? Dieses Volk liest das Schma im Bett und übergibt seinen Geist in die Hand des Ewigen. Kommt ein Lager oder ein Heer, um sie zu schädigen, so hütet sie G‑tt, Er führt ihre Kriege und lässt jene als Durchbohrte dahinsinken. Andere Erklärung, wie der Targum sagt לָא יִשְׁרֵי בְּאַרְעֵיהּ עַד דְּיִקְטוֹל קְטוֹל וְנִכְסֵי עַמְמַיָּא יֵירַת „es legt sich nicht nieder, bis es getötet hat und den Besitz der Völker einnimmt“.
Raschi
und Blut der Erschlagenen trinkt
Er sagte voraus, dass Mosche nicht sterben würde, bis er die Könige von Midian als Erschlagene hingestreckt haben und Bilam selbst mit ihnen getötet sein würde; wie es heißt (Jesch. 13:22) וְאֶת בִּלְעָם בֶּן בְּעוֹר הַקּוֹסֵם הָרְגוּ בְנֵי יִשְׂרָאֵל בַּחֶרֶב אֶל חַלְלֵיהֶם „und den Zauberer Bilam ben Beor erschlugen die Kinder Israel mit dem Schwert über ihren Durchbohrten“
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר בָּלָק֙ אֶל־בִּלְעָ֔ם גַּם־קֹ֖ב לֹ֣א תִקֳּבֶ֑נּוּ גַּם־בָּרֵ֖ךְ לֹ֥א תְבָרֲכֶֽנּוּ׃
25
25
Da sagte Balak zu Bilam: Verfluche es nicht und segne es nicht!
Verfluche es nicht und segne es nicht!
גַּם קֹב לֹא תִקֳּבֶנּוּ גַּם בָּרֵךְ לֹא תְבָרֲכֶנּוּ „Verfluche es nicht und segne es nicht!“: das erste גַּם fügt zum zweiten hinzu, und das zweite גַּם zum ersten. Ebenso im Vers (1 Kön. 3:26) גַּם לִי גַּם לָךְ לֹא יִהְיֶה „es soll weder mir noch dir gehören“; ebenso (Dew. 32:25) גַּם בָּחוּר גַּם בְּתוּלָה „sowohl Jüngling als auch Mädchen“.
Raschi