Der tägliche Chumasch-Abschnitt

12. Tamus 5786

Samstag, 27. Juni 2026

Heute

Chukat – Balak

7. Alija

(Bamidbar 23:27 – 25:9)

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וַיֹּ֤אמֶר בָּלָק֙ אֶל־בִּלְעָ֔ם לְכָה־נָּא֙ אֶקָּ֣חֲךָ֔ אֶל־מָק֖וֹם אַחֵ֑ר אוּלַ֤י יִישַׁר֙ בְּעֵינֵ֣י הָאֱלֹהִ֔ים וְקַבֹּ֥תוֹ לִ֖י מִשָּֽׁם׃
27
27
Es sagte Balak zu Bilam: Komm doch, ich will dich mitnehmen an einen anderen Ort; vielleicht wird es recht sein in den Augen G‑ttes, dass du mir dieses Volk verfluchst von dort.
dass du es mir verfluchst
Dieses וְקַבֹּתוֹ („dass du verfluchst“) ist nicht die Befehlsform wie (zuvor, Vers 13) וְקָבְנוֹ, sondern die Form der Zukunft, vielleicht wird es in G‑ttes Augen recht sein, dass du mir von dort verfluchst. Auf Französisch maldiras lui, „du wirst verfluchen“.
Raschi
וַיִּקַּ֥ח בָּלָ֖ק אֶת־בִּלְעָ֑ם רֹ֣אשׁ הַפְּע֔וֹר הַנִּשְׁקָ֖ף עַל־פְּנֵ֥י הַיְשִׁימֹֽן׃
28
28
Und Balak nahm Bilam mit auf den Gipfel des Peor, der auf die Einöde hinabschaut.
Gipfel des Peor
Balak war ein Magier und sah, dass sie wegen des Peor geschlagen würden; er wusste aber nicht, auf welche Weise. Darum dachte er, dass vielleicht von dort aus die Flüche auf sie herabkommen würden. So ist es mit allen Sterndeutern: sie sehen etwas, aber wissen nicht, was sie sehen.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר בִּלְעָם֙ אֶל־בָּלָ֔ק בְּנֵה־לִ֥י בָזֶ֖ה שִׁבְעָ֣ה מִזְבְּחֹ֑ת וְהָכֵ֥ן לִי֙ בָּזֶ֔ה שִׁבְעָ֥ה פָרִ֖ים וְשִׁבְעָ֥ה אֵילִֽים׃
29
29
Und Bilam sagte zu Balak: Baue mir hier sieben Altäre und bereite mir hier sieben Stiere und sieben Widder.
וַיַּ֣עַשׂ בָּלָ֔ק כַּאֲשֶׁ֖ר אָמַ֣ר בִּלְעָ֑ם וַיַּ֛עַל פָּ֥ר וָאַ֖יִל בַּמִּזְבֵּֽחַ׃
30
30
Und Balak tat, wie Bilam gesagt hatte, und brachte dar einen Stier und einen Widder auf jedem Altar.
וַיַּ֣רְא בִּלְעָ֗ם כִּ֣י ט֞וֹב בְּעֵינֵ֤י יְהוָה֙ לְבָרֵ֣ךְ אֶת־יִשְׂרָאֵ֔ל וְלֹא־הָלַ֥ךְ כְּפַֽעַם־בְּפַ֖עַם לִקְרַ֣את נְחָשִׁ֑ים וַיָּ֥שֶׁת אֶל־הַמִּדְבָּ֖ר פָּנָֽיו׃
1
1
Bilam sah, dass es in den Augen des Ewigen gefiel, Israel zu segnen, und er ging nicht mehr wie die vorigen Male auf Zauberei aus, sondern wandte sein Gesicht zur Wüste hin.
Bilam sah, dass es in den Augen des Ewigen gefiel, Israel zu segnen
Ich brauche nicht noch einmal den Ewigen auf die Probe zu stellen, denn Er will sie nicht verfluchen.
Raschi
er ging nicht mehr wie die vorigen Male
כְּפַעַם בְּפַעַם, wie er zwei Mal getan hatte.
Raschi
auf Zauberei aus: durch Zauberei zu versuchen, ob sich ihm vielleicht der Ewige offenbaren würde, wie es ihm gefiele. Sondern er sagte, ob Er sie verfluchen will oder nicht, ich werde ihre Sünden erwähnen, und die Verfluchung wird auf die Erwähnung ihrer Sünden herabkommen.
Raschi
wandte sein Gesicht zur Wüste hin
Wie Targum Onkelos sagt [וְשַׁוִי לְמַדְבְּרָא אַנְפּוֹי לְמַדְכַּר עֲלֵיהוֹן עוּבְדָא דְעֵיגְלָא דַעֲבָדוּ תַּמָן „zum Kalb, das sie in der Wüste gemacht hatten“].
Raschi
וַיִּשָּׂ֨א בִלְעָ֜ם אֶת־עֵינָ֗יו וַיַּרְא֙ אֶת־יִשְׂרָאֵ֔ל שֹׁכֵ֖ן לִשְׁבָטָ֑יו וַתְּהִ֥י עָלָ֖יו ר֥וּחַ אֱלֹהִֽים׃
2
2
Und Bilam erhob seine Augen und sah Israel nach seinen Stämmen gelagert, da kam über ihn der Geist G‑ttes.
Und Bilam erhob seine Augen
Er wollte sie mit dem bösen Blick (עַיִן הָרָע) treffen. Nun hast du seine drei Eigenschaften vollständig: böser Blick, Hochmut und die Gier, die schon zuvor erwähnt wurden (Bam. 22:13 und 18; siehe Pirke Awot 5:19).
Raschi
nach seinen Stämmen lagernd
Bilam sah jeden Stamm für sich lagern und nicht vermischt; und er sah, dass die Eingänge ihrer Zelte nicht einander gegenüber waren, damit einer nicht in das Zelt des anderen sehen könne (Bawa Batra 60).
Raschi
da kam über ihn der Geist G‑ttes: kam in sein Herz, sie nicht zu verfluchen.
Raschi
וַיִּשָּׂ֥א מְשָׁל֖וֹ וַיֹּאמַ֑ר נְאֻ֤ם בִּלְעָם֙ בְּנ֣וֹ בְעֹ֔ר וּנְאֻ֥ם הַגֶּ֖בֶר שְׁתֻ֥ם הָעָֽיִן׃
3
3
Und er begann mit seinem Spruch und sagte: Das ist der Ausspruch Bilams, Sohn von Beor, das ist der Ausspruch des Mannes geschlossenen Auges.
Sohn von Beor
[ בְּנוֹ בְעֹר [ist zu lesen als בֶּן בְּעֹר] „Sohn von Beor“, wie (Teh. 114:8) לְמַעְיְנוֹ מָיִם „in eine Wasserquelle“.
Der Midrasch sagt, beide waren größer als ihre Väter: בָּלָק – ״בְּנוֹ צִפֹּר״ (Bam. 23:18), Zipor war nur „der Sohn“ Balaks in der Herrschaft. Und בִּלְעָם – ״בְּנוֹ בְעֹר״, Bilam war größer als sein Vater an prophetischer Gabe (נְבִיאוּת), er war eine ganze Maneh, Sohn einer halben Maneh.
Raschi
Die Formulierung בְּנוֹ בְעֹר scheint zu bedeuten „sein Sohn ist Beor“, woraus folgt, dass Bilam der Vater von Beor war. Zuvor (22:5) hieß es jedoch, Bilam sei der Sohn von Beor.]

„Sohn von Beor“: Die Endsilbe ו (Waw) im Wort בְּנוֹ bedeutet nicht „sein“, sondern ist bloß ein stilistisches Element. So ist auch das Wort לְמַעְיְנוֹ als לְמַעְיָן zu lesen.

Maneh: Gewichtseinheit und Münze. „Eine ganze Maneh, Sohn einer halben Maneh“: ein übertragener Ausdruck für einen Sohn, der seinen Vater überragt.
geschlossenen Auges
שְׁתֻם הָעָיִן: sein Auge war ausgehackt und herausgenommen, und die Augenhöhle war offen sichtbar. Der Ausdruck שְׁתֻם kommt auch in der Mischna vor (Awoda szara 69a) כְּדֵי שֶׁיִשְׁתּוֹם וְיִסְתּוֹם וְיִגֹּב „dass man öffnen, schließen und mit einem Spund versehen kann“.
Unsere Lehrer sagen, weil er gesagt hatte (Bam. 23:10) וּמִסְפָּר אֶת רֹבַע יִשְׂרָאֵל „Wer kann die Zahl der Nachkommenschaft Israels zählen“. Der Ewige sitzt und zählt die Nachkommen Israels, wann ein Keim komme, aus dem ein Zaddik entstehen werde, und er in seinem Herzen gedacht hatte, Er, der heilig und dessen Diener heilig sind, soll auf solche Dinge schauen? Dafür wurde das Auge Bilams geblendet (Nidda 31a).

Manche erklären שְׁתֻם הָעָיִן im Sinn von פְּתוּחַ הָעַיִן „offenen Augen“, wie Onkelos übersetzt [דְּשַׁפִּיר חָזֵי, der gut sieht]. Aber aus der Formulierung „offenen Auges“ und nicht „offener Augen“ [in der Mehrzahl] lernen wir, dass er an einem Auge blind war.
Raschi
dass er an einem Auge blind war: Obgleich der Vers gemäß dieser Auslegung nicht ausdrücklich von Bilams Blindheit spricht, lässt sich daraus, dass er sein Sehvermögen nur einem einzelnen Auge zuschreibt, folgern, dass das andere Auge blind war. [Beer Majim Chaim; Beer Jizchak; Raschi zu Sanhedrin 105a, ד״ה שתום העין]
Tatsächlich beschreibt sich Bilam selbst im unmittelbar folgenden Vers als וּגְלוּי עֵינָיִם „mit offenen Augen“ unter Verwendung der Mehrzahl „Augen“. Das lässt sich jedoch auf die Zeit vor seiner Erblindung zurückführen.
Tosafot zu Nidda 30b, ד״ה שתום העין; Diwre David
נְאֻ֕ם שֹׁמֵ֖עַ אִמְרֵי־אֵ֑ל אֲשֶׁ֨ר מַחֲזֵ֤ה שַׁדַּי֙ יֶֽחֱזֶ֔ה נֹפֵ֖ל וּגְל֥וּי עֵינָֽיִם׃
4
4
Das ist der Ausspruch dessen, der die Worte G‑ttes hört, der die Erscheinung des Allmächtigen schaut, der hinfällt mit offenen Augen.
der hinfällt mit offenen Augen
Der einfache Sinn ist wie der Targum, dass Er ihm nur in der Nacht erschien, wenn er auf seinem Bett lag. Der Midrasch sagt, wenn Er ihm erschien, hatte Bilam nicht die Kraft, aufrecht stehen zu bleiben, sondern er fiel aufs Gesicht, weil er unbeschnitten war und zu verächtlich, dass G‑tt ihm erschienen wäre, während er aufrecht vor Ihm stand.
Raschi
מַה־טֹּ֥בוּ אֹהָלֶ֖יךָ יַעֲקֹ֑ב מִשְׁכְּנֹתֶ֖יךָ יִשְׂרָאֵֽל׃
5
5
Wie schön sind deine Zelte, Jaakow, deine Wohnungen, Israel!
Wie schön sind deine Zelte
Weil er sah, dass ihre Eingänge nicht einander gegenüber waren.
Raschi
deine Wohnungen
„Deine Wohnungen“: deine Niederlassungen, wie der Targum sagt בֵּית מִשְׁרָךְ. Andere Erklärung: Wie schön sind deine Zelte, wie gut ist das Zelt von Schilo und der Bet haMikdasch, solange sie bestehen, dass man in ihnen Opfer zur Sühne für sie darbringen kann. Deine Wohnungen, auch wenn sie zerstört sind, weil sie ein Pfand (מִשְׁכָּן – מַשְׁכּוֹן) für euch sind und ihre Zerstörung eine Sühne für die Seelen; wie es heißt (Echa 4:11) כִּלָּה ה׳ אֶת חֲמָתוֹ „gestillt hat der Ewige Seinen Zorn“, und wodurch hat Er ihn gestillt? וַיַּצֶּת אֵשׁ בְּצִיּוֹן „Indem Er Feuer entzündete in Zion“.
Raschi
כִּנְחָלִ֣ים נִטָּ֔יוּ כְּגַנֹּ֖ת עֲלֵ֣י נָהָ֑ר כַּאֲהָלִים֙ נָטַ֣ע יְהוָ֔ה כַּאֲרָזִ֖ים עֲלֵי־מָֽיִם׃
6
6
Wie Bäche strecken sie sich hin, wie Gärten am Strom, wie Aloebäume, die der Ewige gepflanzt hat, wie Zedern am Wasser.
Wie Bäche strecken sie sich hin
Sind sind lang dahingezogen, dass sie sich bis in die Ferne ausdehnen. Unsere Lehrer sagen, aus den Segnungen jenes Bösen können wir entnehmen, wie er beabsichtigt hatte, sie zu verfluchen, als er dachte, der Wüste sein Gesicht zuzuwenden. Und als der Ewige seine Rede umwandelte, segnete er sie entsprechend jenen Verfluchungen, die er hatte aussprechen wollen, wie im Abschnitt ›Chelek‹ (Sanh. 105b) vorkommt.
Raschi
Strom: großer Fluss.
wie Aloebäume
כַּאֲהָלִים, wie der Targum sagt [כְּבוּסְמַיָּא דִּנְצַב ה׳ „wie die Gewürzbäume, die der Ewige gepflanzt hat“], vom Wort (Teh. 45:9) מֹר וַאֲהָלוֹת „Myrrhe und Aloe“.
Raschi
die der Ewige gepflanzt hat: im Garten Eden. Andere Erklärung: כַּאֲהָלִים נָטַע ה׳ „wie die Zelte, die der Ewige ausgespannt hat“, wie der Himmel, der wie ein Zelt ausgespannt ist.
Raschi
die der Ewige gepflanzt hat
נָטַע ה׳ „die der Ewige gepflanzt hat“: wir finden den Ausdruck נְטִיעָה auch bei Zelten, so heißt es (Dan. 11:45) וַיִּטַּע אָהֳלֵי אַפַּדְנוֹ „er schlägt die Zelte seiner Residenz auf“.
Raschi
יִֽזַּל־מַ֙יִם֙ מִדָּ֣לְיָ֔ו וְזַרְע֖וֹ בְּמַ֣יִם רַבִּ֑ים וְיָרֹ֤ם מֵֽאֲגַג֙ מַלְכּ֔וֹ וְתִנַּשֵּׂ֖א מַלְכֻתֽוֹ׃
7
7
Es fließt Wasser aus seinen Brunnen und seine Saat wächst an mächtigem Gewässer, höher als Agag ist sein König und sein Reich wird sich hoch erheben.
aus seinen Brunnen
מִדָּלְיָו im Sinn von מִבְּאֵרוֹתָיו, aus seinen Brunnen. Die Bedeutung davon ist, wie der Targum sagt: יִסְגֵּי מַלְכָּא דְּיִתְרַבַּא מִבְּנוֹהִי, ein mächtiger König wird ihm entstammen.
Raschi
und seine Saat wächst an mächtigem Gewässer
Das bedeutet Gedeihen, wie Saat, die am Wasser ausgesät ist.
Raschi
höher als Agag ist sein König: ihr erster König bezwingt Agag, den König von Amalek.
Raschi
und sein Reich wird sich hoch erheben
Das Reich Jaakows, immer höher, auf ihn folgen David und Schlomo.
Raschi
אֵ֚ל מוֹצִיא֣וֹ מִמִּצְרַ֔יִם כְּתוֹעֲפֹ֥ת רְאֵ֖ם ל֑וֹ יֹאכַ֞ל גּוֹיִ֣ם צָרָ֗יו וְעַצְמֹתֵיהֶ֛ם יְגָרֵ֖ם וְחִצָּ֥יו יִמְחָֽץ׃
8
8
G‑tt, der das Volk Israel aus Mizraim geführt hat mit der Kraft der Erhabenheit, die Er vermag, verzehrt die Völker, die seine Feinde sind, lässt ihre Knochen abnagen, Seine Pfeile in ihrem Blut färben.
ihre Knochen: der Bedränger; abnagen: Menachem erklärt das Wort יְגָרֵם mit „zerbrechen“; ebenso (Zef. 3:3) לֹא גָרְמוּ לַבֹּקֶר „sie lassen keinen Knochen unversehrt bis zum Morgen“; ebenso (Jech. 23:24) וְאֶת חֲרָשֶׁיהָ תְּגָרֵמִי „und zerbricht seine Scherben“. Ich meine aber, das Wort יְגָרֵם bedeutet „Knochen“: dass man das Fleisch mit den Zähnen ringsum abnagt und das Mark von innen und den Knochen kahl übriglässt.
Raschi
Menachem ben Saruk (ca. 920–970, Spanien), Verfasser des hebräischen Wörterbuches Machberet.
Seine Pfeile färben
Die Worte וְחִצָּיו יִמְחָץ übersetzt Onkelos mit אַרְעָתְהוֹן יַחְסְנוּן „die Länder seiner Bedränger wird es in Besitz nehmen“, den Anteil seiner Bedränger, ihren Teil; wie im Vers (Ber. 49:23) בַּעֲלֵי חִצִּים „die Herren der Pfeile“, Targum מָרֵי פַלְגוּתָא „seine Miterben“ (von Teilung und Hälfte); ebenso יִמְחָץ „nimmt es in Besitz“ von (Richt. 5:26) וּמָחֲצָה וְחָלְפָה רַקָּתוֹ „teilte und durchbohrte seine Schläfe“. Israel nimmt ihr Land in Besitz. Man kann יִמְחָץ auch wörtlich mit „Pfeile“ übersetzen: die Pfeile des Ewigen tauchen in das Blut der Bedränger, tauchen und benetzen sich mit ihrem Blut; wie im Vers (Teh. 68:24) לְמַעַן תִּמְחַץ רַגְלְךָ בְּדָם „dass dein Fuß sich mit Blut benetze“. Doch verliert das Wort nicht die Bedeutung von „Wunde“; wie (Dew. 32:39) מָחַצְתִּי „ich verwunde“; denn ein mit Blut Benetzter sieht aus, als wäre er verwundet und getroffen.
Raschi
כָּרַ֨ע שָׁכַ֧ב כַּאֲרִ֛י וּכְלָבִ֖יא מִ֣י יְקִימֶ֑נּוּ מְבָרֲכֶ֣יךָ בָר֔וּךְ וְאֹרְרֶ֖יךָ אָרֽוּר׃
9
9
Es kniet nieder, legt sich wie Löwe und wie Löwin, wer will es aufreizen? Wer dich segnet, ist gesegnet, und wer dich verflucht, ist verflucht!
Es kniet nieder, legt sich wie ein Löwe
כָּרַע שָׁכַב כַּאֲרִי hat die Bedeutung, wie der Targum sagt [יְנוּחַ יִשְׁרֵי בִּתְקוֹף כְּאַרְיָא, es soll ruhen, es soll weilen wie ein Löwe]. Israel werden sich in ihrem Land voll Kraft und Stärke niederlassen.
Raschi
וַיִּֽחַר־אַ֤ף בָּלָק֙ אֶל־בִּלְעָ֔ם וַיִּסְפֹּ֖ק אֶת־כַּפָּ֑יו וַיֹּ֨אמֶר בָּלָ֜ק אֶל־בִּלְעָ֗ם לָקֹ֤ב אֹֽיְבַי֙ קְרָאתִ֔יךָ וְהִנֵּה֙ בֵּרַ֣כְתָּ בָרֵ֔ךְ זֶ֖ה שָׁלֹ֥שׁ פְּעָמִֽים׃
10
10
Da entbrannte der Zorn Balaks gegen Bilam und er schlug seine Hände zusammen; und Balak sagte zu Bilam: Damit du meine Feinde verfluchst, habe ich dich gerufen, und jetzt hast du sie schon drei Mal gesegnet!
er schlug seine Hände zusammen
וַיִּסְפֹּק אֶת כַּפָּיו „er schlug seine Hände zusammen“: schlug die Hände aufeinander.
Raschi
וְעַתָּ֖ה בְּרַח־לְךָ֣ אֶל־מְקוֹמֶ֑ךָ אָמַ֙רְתִּי֙ כַּבֵּ֣ד אֲכַבֶּדְךָ֔ וְהִנֵּ֛ה מְנָעֲךָ֥ יְהוָ֖ה מִכָּבֽוֹד׃
11
11
Und nun fliehe an deinen Ort! Ich sagte, ich werde dich ehren; aber siehe, der Ewige hat dir die Ehre versagt.
versagt: verhindert.
וַיֹּ֥אמֶר בִּלְעָ֖ם אֶל־בָּלָ֑ק הֲלֹ֗א גַּ֧ם אֶל־מַלְאָכֶ֛יךָ אֲשֶׁר־שָׁלַ֥חְתָּ אֵלַ֖י דִּבַּ֥רְתִּי לֵאמֹֽר׃
12
12
Da sagte Bilam zu Balak: Habe ich nicht schon deinen Boten, die du zu mir geschickt hast, gesagt:
אִם־יִתֶּן־לִ֨י בָלָ֜ק מְלֹ֣א בֵיתוֹ֮ כֶּ֣סֶף וְזָהָב֒ לֹ֣א אוּכַ֗ל לַעֲבֹר֙ אֶת־פִּ֣י יְהוָ֔ה לַעֲשׂ֥וֹת טוֹבָ֛ה א֥וֹ רָעָ֖ה מִלִּבִּ֑י אֲשֶׁר־יְדַבֵּ֥ר יְהוָ֖ה אֹת֥וֹ אֲדַבֵּֽר׃
13
13
Wenn Balak mir sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so kann ich doch nicht den Befehl des Ewigen übertreten, Gutes oder Böses aus meinem Herzen zu tun; was der Ewige reden wird, das muss ich reden.
den Befehl des Ewigen übertreten
לַעֲבֹר אֶת פִּי ה׳ „den Befehl des Ewigen übertreten“. Hier steht nicht אֱלֹהָי „meines G‑ttes“ wie das erste Mal (Bam. 22:18), weil er wusste, dass er sich gegen den Ewigen aufgelehnt hatte und verstoßen worden war.
Raschi
וְעַתָּ֕ה הִנְנִ֥י הוֹלֵ֖ךְ לְעַמִּ֑י לְכָה֙ אִיעָ֣צְךָ֔ אֲשֶׁ֨ר יַעֲשֶׂ֜ה הָעָ֥ם הַזֶּ֛ה לְעַמְּךָ֖ בְּאַחֲרִ֥ית הַיָּמִֽים׃
14
14
Und nun gehe ich zu meinem Volk; komm, ich will dir raten wegen dessen, was dieses Volk tun wird deinem Volk in späteren Zeiten.
Und nun gehe ich zu meinem Volk
Von jetzt an bin ich gleich meinem übrigen Volk; denn der Ewige hatte sich von ihm entfernt.
Raschi
komm, ich will dir raten
Was du tun sollst, und worin bestand der Rat? Der G‑tt dieses Volkes hasst die Unzucht, wie im Abschnitt ›Chelek‹ (Sanhedrin 106a) vorkommt. Du kannst daran erkennen, dass Bilam diesen Rat gegeben hatte, sie durch Unzucht zum Wanken zu bringen, weil es später heißt (Bam. 31:16) הֵן הֵנָּה הָיוּ לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל בִּדְבַר בִּלְעָם „siehe, diese veranlassten die Kinder Israel nach dem Wort Bilams“.
Raschi
was dieses Volk tun wird deinem Volk in späteren Zeiten
Es ist das ein kurzer Vers: ich will dir raten, sie zum Wanken zu bringen, und sage dir, was sie in späteren Zeiten dem Volk Moaw Böses tun werden.
Raschi
וַיִּשָּׂ֥א מְשָׁל֖וֹ וַיֹּאמַ֑ר נְאֻ֤ם בִּלְעָם֙ בְּנ֣וֹ בְעֹ֔ר וּנְאֻ֥ם הַגֶּ֖בֶר שְׁתֻ֥ם הָעָֽיִן׃
15
15
Und er begann seinen Spruch und sagte: Das ist die Rede Bilams, Sohn von Beor, das ist die Rede des Mannes geschlossenen Auges.
נְאֻ֗ם שֹׁמֵ֙עַ֙ אִמְרֵי־אֵ֔ל וְיֹדֵ֖עַ דַּ֣עַת עֶלְי֑וֹן מַחֲזֵ֤ה שַׁדַּי֙ יֶֽחֱזֶ֔ה נֹפֵ֖ל וּגְל֥וּי עֵינָֽיִם׃
16
16
Das ist der Ausspruch dessen, der die Worte G‑ttes hört und die Absicht des Höchsten kennt, der die Erscheinung des Allmächtigen schaut, der hinfällt mit offenen Augen.
und die Absicht des Höchsten kennt: den Zeitpunkt zu beobachten, in dem Er zürnt (Sanh. 105b).
Raschi
אֶרְאֶ֙נּוּ֙ וְלֹ֣א עַתָּ֔ה אֲשׁוּרֶ֖נּוּ וְלֹ֣א קָר֑וֹב דָּרַ֨ךְ כּוֹכָ֜ב מִֽיַּעֲקֹ֗ב וְקָ֥ם שֵׁ֙בֶט֙ מִיִּשְׂרָאֵ֔ל וּמָחַץ֙ פַּאֲתֵ֣י מוֹאָ֔ב וְקַרְקַ֖ר כָּל־בְּנֵי־שֵֽׁת׃
17
17
Ich sehe es, doch nicht jetzt; ich schaue es, doch nicht nahe. Ein Stern geht auf aus Jaakow, ein Zepter erhebt sich aus Israel, er durchbohrt die Enden Moaws und erschüttert alle Söhne von Schet.
ein Stern geht auf: wie der Targum sagt [יְקוּם מַלְכָּא מִיַּעֲקֹב, ein König ersteht], wie im Vers (Echa 2:4) דָּרַךְ קַשְׁתּוֹ „Er spannte Seinen Bogen“, weil der Stern wie ein Pfeil dahinschießt, auf Französisch destent „losgelassen“. Das heißt, ein Stern geht auf.
Raschi
ein Zepter erhebt sich: ein König, der niederwirft und beherrscht.
Raschi
Zepter: besonderer Stab als Zeichen der Macht und Würde eines Königs.
er durchbohrt die Enden Moaws: das ist David, von dem es heißt (2 Schmu. 8:2) הַשְׁכֵּב אוֹתָם אַרְצָה וַיְמַדֵּד שְׁנֵי חֲבָלִים לְהָמִית „er ließ sie auf die Erde niederlegen und maß von ihnen je zwei Schnüre, um sie zu töten“.
Raschi
er warf sie zur Erde nieder: „Dann schlug [David] Moaw und maß sie mit der Schnur ab, indem er sie auf die Erde niederlegen ließ; zwei Schnüre maß er ab, sie zu töten, und eine Schnur voll, sie am Leben zu erhalten.“ David teilte die Moawim in drei Gruppen, jede in einem gesonderten Abschnitt. Die beiden äußeren Gruppen – „die Enden Moaws“ – ließ er töten, die mittlere Gruppe erhielt er am Leben. Der Vers beschreibt König Davids harten Vergeltungsschlag gegen die Moawim, die seine Eltern und Brüder ermordet hatten (siehe Bamidbar Rabba 14:1).
und erschüttert
קַרְקַר bedeutet ausgraben, wie im Vers (2 Kön. 19:24) אֲנִי קַרְתִּי „ich grub“; (Jesch. 51:1) מַקֶּבֶת בּוֹר נֻקַּרְתֶּם „auf die Brunnenhöhlung, aus der ihr gegraben seid“; (Misch. 30:17) יִקְּרוּהָ עוֹרְבֵי נַחַל „sollen die Raben am Bach ausgraben“, auf Französisisch forjier.
Raschi
alle Söhne von Schet: alle Völker; denn alle stammen von Schet, dem Sohn des ersten Menschen.
Raschi
denn alle stammen von Schet: Der erste Mensch Adam hatte drei Söhne: Kain, Hewel und Schet (siehe Ber. 4:1–2, 25). Hewel hatte keine Nachkommen, und Kains Nachfahren kamen in der Sündflut um. Daher geht die gesamte Weltbevölkerung auf Schet zurück, über dessen Nachfahren Noach.
וְהָיָ֨ה אֱד֜וֹם יְרֵשָׁ֗ה וְהָיָ֧ה יְרֵשָׁ֛ה שֵׂעִ֖יר אֹיְבָ֑יו וְיִשְׂרָאֵ֖ל עֹ֥שֶׂה חָֽיִל׃
18
18
Und Edom wird sein Erbe, und Se’ir wird das Erbe seiner Feinde, und Israel wird Tapferkeit üben.
und Se’ir wird das Erbe seiner Feinde: wird das Erbe Israels.
Raschi
וְיֵ֖רְדְּ מִֽיַּעֲקֹ֑ב וְהֶֽאֱבִ֥יד שָׂרִ֖יד מֵעִֽיר׃
19
19
Es herrscht der aus Jaakow und vernichtet den Überrest in der Stadt.
Es herrscht der aus Jaakow: und noch ein anderer Herrscher kommt von Jaakow.
Raschi
und vernichtet den Überrest in der Stadt: der vornehmen Stadt, das ist Rom. Vom gesalbten König spricht er so, von dem es heißt (Teh. 72:8) וְיֵרְדְּ מִיָּם עַד יָם „er herrscht von Meer zu Meer“; (Ow. 1:18) וְלֹא יִהְיֶה שָׂרִיד לְבֵית עֵשָׂו „und vom Haus Esaw wird es keinen Entronnen geben“.
Raschi
וַיַּרְא֙ אֶת־עֲמָלֵ֔ק וַיִּשָּׂ֥א מְשָׁל֖וֹ וַיֹּאמַ֑ר רֵאשִׁ֤ית גּוֹיִם֙ עֲמָלֵ֔ק וְאַחֲרִית֖וֹ עֲדֵ֥י אֹבֵֽד׃
20
20
Und Bilam sah Amalek und begann seinen Spruch und sagte: Das erste der Völker ist Amalek; sein Ende ist — der Untergang.
sah Amalek: betrachtete die Bestrafung Amaleks.
Das erste der Völker ist Amalek: er war der erste von allen, der Israel bekriegte; so übersetzt auch Onkelos [רֵישׁ קְרָבַיָּא דְּיִשְׂרָאֵל הֲוָה עֲמָלֵק, Die erste der Schlachten Israels wurde durch Amalek ausgelöst]. Und sein Ende ist: durch sie unterzugehen, so heißt es (Dew. 25:19) תִּמְחֶה אֶת זֵכֶר עֲמָלֵק „sollst du das Gedenken Amaleks austilgen“.
Raschi
וַיַּרְא֙ אֶת־הַקֵּינִ֔י וַיִּשָּׂ֥א מְשָׁל֖וֹ וַיֹּאמַ֑ר אֵיתָן֙ מֽוֹשָׁבֶ֔ךָ וְשִׂ֥ים בַּסֶּ֖לַע קִנֶּֽךָ׃
21
21
Und er sah den Keni und begann seinen Spruch und sagte: Fest ist dein Wohnsitz, auf Felsen ist gebaut dein Nest.
Und er sah den Keni: weil Keni neben Amalek wohnte, wie es heißt (1 Schmu. 15:55) וַיֹּאמֶר שָׁאוּל אֶל הַקֵּינִי וגו׳ „Schaul sagte zum Keni …“ erwähnt er ihn nach Amalek. Er sah die Größe der Söhne Jitros, von denen es heißt (1 Chr. 2:55) תִּרְעָתִים שִׁמְעָתִים שׂוּכָתִים „Tiratim, Schimatim, Suchatim“.
Raschi
Fest ist dein Wohnsitz
אֵיתָן מוֹשָׁבֶךָ „fest ist dein Wohnsitz“: ich wundere mich, auf welche Weise du dir das erworben hast, warst du nicht mit mir bei dem Plan (Schem. 1:10) הָבָה נִתְחַכְּמָה לוֹ „Lasst uns [das Volk Israel] überlisten“? Und nun wohnst du auf festem Boden und im Schutz Israels (Sanh. 106a).
Raschi
כִּ֥י אִם־יִהְיֶ֖ה לְבָ֣עֵֽר קָ֑יִן עַד־מָ֖ה אַשּׁ֥וּר תִּשְׁבֶּֽךָּ׃
22
22
Denn wenn Kain vertrieben wird, wohin wird dich Aschur wegführen.
Denn wenn Kain vertrieben wird
Glücklich du, dass du auf diesem festen Boden wohnst, sodass du nicht mehr aus der Welt verstoßen werden kannst. Denn selbst, wenn du mit den zehn Stämmen einst auswandern musst und vertrieben wirst aus dem Ort, wo du wohnst, was schadet das! Wohin wird dich Aschur wegführen: wohin wird er dich in die Verbannung bringen, vielleicht [in die fernen Länder von] Chalach und Chawor. Das ist keine Ausstoßung aus der Welt, sondern nur eine Versetzung von einem Ort zum anderen, und du wirst mit den anderen Verbannten wieder heimkehren.
Raschi
Chalach und Chawor: Als Sancheriw die Zehn Stämme in die Verbannung schickte, siedelte er sie „in Chalach, in Chawor, beim Fluss Gosan“ an (1 Chron. 5:26, 2 Kön. 17:6).
וַיִּשָּׂ֥א מְשָׁל֖וֹ וַיֹּאמַ֑ר א֕וֹי מִ֥י יִחְיֶ֖ה מִשֻּׂמ֥וֹ אֵֽל׃
23
23
Und er begann mit seinem Spruch und sagte: Wehe! Wer wird leben, wenn G‑tt solches tut!
Und er begann mit seinem Spruch: weil er der Wegführung durch Aschur gedacht hatte, sagte er: אוֹי מִי יִחְיֶה מִשֻּׂמוֹ אֵל „Wehe, wer wird leben, wenn G‑tt solches tut“: wer kann sich am Leben erhalten, wenn Er dies tut, dass Er, der dies verhängt hat, es ihm nicht auferlegt, denn Sancheriw wird sich erheben und alle Völker durcheinander mischen. Und weiters werden (nächster Vers) צִים מִיַּד כִּתִּים „Schiffe von der Küste der Kitim“ kommen; die Kitim, das sind die Römer, werden in großen Schiffen nach Aschur übersetzen.
Raschi
וְצִים֙ מִיַּ֣ד כִּתִּ֔ים וְעִנּ֥וּ אַשּׁ֖וּר וְעִנּוּ־עֵ֑בֶר וְגַם־ה֖וּא עֲדֵ֥י אֹבֵֽד׃
24
24
Und Schiffe kommen von der Küste der Kitim und demütigen Aschur und demütigen Ewer, auch sie gehen unter.
und demütigen Ewer: demütigen jene, die jenseits des Euphrat wohnen.
Raschi
auch sie gehen unter
So hat auch Daniel (7:11) gedeutet עַד דִּי קְטִילַת חֵיוְתָא וְהוּבַד גִּשְׁמָהּ „bis das Tier getötet wurde und sein Körper dahinschwand“.
Raschi
Schiffe
צִים, große Schiffe. Wie es heißt (Jesch. 33:21) וְצִי אַדִּיר „und ein mächtiges Schiff“, was auf Aramäisch mit וּבוּרְנִי רַבְּתָא (Joma 77b) übersetzt wird.
Raschi
וַיָּ֣קָם בִּלְעָ֔ם וַיֵּ֖לֶךְ וַיָּ֣שָׁב לִמְקֹמ֑וֹ וְגַם־בָּלָ֖ק הָלַ֥ךְ לְדַרְכּֽוֹ׃
25
25
Dann machte sich Bilam auf und ging und kehrte zurück an seinen Ort, und auch Balak ging seines Weges.
וַיֵּ֥שֶׁב יִשְׂרָאֵ֖ל בַּשִּׁטִּ֑ים וַיָּ֣חֶל הָעָ֔ם לִזְנ֖וֹת אֶל־בְּנ֥וֹת מוֹאָֽב׃
1
1
Und Israel ließ sich in Schitim nieder, und das Volk fing an, Unzucht zu treiben mit den Töchtern Moaws.
in Schitim: so hieß der Ort.
Raschi
ließ sich in Schitim nieder
Warum wurde dieser Ort שִּׁטִּים („Schitim“) genannt? Weil Israel dort Taten der Narrheit (שְׁטוּת, Schtut) beging.
Sanhedrin 106a
Unzucht zu treiben mit den Töchtern Moaws: infolge des Ratschlages von Bilam, wie im Abschnitt ›Chelek‹ (Sanh. 106a) steht.
Raschi
וַתִּקְרֶ֣אןָ לָעָ֔ם לְזִבְחֵ֖י אֱלֹהֵיהֶ֑ן וַיֹּ֣אכַל הָעָ֔ם וַיִּֽשְׁתַּחֲוּ֖וּ לֵֽאלֹהֵיהֶֽן׃
2
2
Diese luden das Volk zu den Opfermahlen, die sie ihren Göttern bereitet hatten; das Volk aß mit und warf sich vor ihren Göttern nieder.
warf sich vor ihren Göttern hin: wenn seine Begierde entbrannt war und er zu ihr sagte, folge meinem Wunsch, nahm sie ein Bild des Peor aus ihrem Schoß und sagte zu ihm, erst bücke dich vor diesem.
Raschi
וַיִּצָּ֥מֶד יִשְׂרָאֵ֖ל לְבַ֣עַל פְּע֑וֹר וַיִּֽחַר־אַ֥ף יְהוָ֖ה בְּיִשְׂרָאֵֽל׃
3
3
Und Israel schloss sich dem Baal Peor an; da entbrannte über Israel der Zorn des Ewigen.
Peor
פְּעוֹר, weil man sich vor ihm entblößte (פּוֹעֲרִין לְפָנָיו) und die Notdurft verrichtete; das war seine Anbetung.
Raschi
entbrannte der Zorn des Ewigen
Er schickte ein Sterben in ihre Mitte.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יְהוָ֜ה אֶל־מֹשֶׁ֗ה קַ֚ח אֶת־כָּל־רָאשֵׁ֣י הָעָ֔ם וְהוֹקַ֥ע אוֹתָ֛ם לַיהוָ֖ה נֶ֣גֶד הַשָּׁ֑מֶשׁ וְיָשֹׁ֛ב חֲר֥וֹן אַף־יְהוָ֖ה מִיִּשְׂרָאֵֽל׃
4
4
Und der Ewige sagte zu Mosche: Nimm alle Häupter des Volkes und hänge die Schuldigen angesichts der Sonne vor dem Ewigen auf, so wird der Zorn des Ewigen von Israel ablassen.
Nimm alle Häupter des Volkes: um diejenigen zu richten, die Peor angebetet hatten; und hänge auf: diejenigen, die angebetet haben.
Das Wort הוֹקַע bedeutet „aufhängen“. Wie wir bei den Söhnen Schauls finden (2 Schmu. 21:6) וְהוֹקַעֲנוּם לַה׳ „dass wir sie vor dem Ewigen aufhängen“. Dort ist der Begriff „aufhängen“ [des Körpers nach der Hinrichtung] ausgesprochen. [Für unseren Vers bedeutet das: G‑tt befahl durch Mosche den Anführern des Volkes, die Anbetenden des Peor zu verurteilen, hinzurichten und ihre Körper anschließend an einem Pfahl aufzuhängen. Der Grund für das Aufhängen der Leichen ist,] dass Götzendienst mit dem Tod durch Steinigung bestraft wird, und [die Halacha legt fest, dass] alle Gesteinigten danach aufgehängt werden (Sanh. 34b).
Raschi
hänge auf
Das Wort הוֹקַע bedeutet: ein Schwert in ihren Bauch stoßen.
Abarbanel
angesichts der Sonne: vor aller Augen. Der Midrasch sagt, die Sonne zeigte die Sünde an, die Wolke zog sich vor einem solchen zurück, dass ihn die Sonne bestrahlte (Tanchuma, Abschn. 19).
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר מֹשֶׁ֔ה אֶל־שֹׁפְטֵ֖י יִשְׂרָאֵ֑ל הִרְגוּ֙ אִ֣ישׁ אֲנָשָׁ֔יו הַנִּצְמָדִ֖ים לְבַ֥עַל פְּעֽוֹר׃
5
5
Da sagte Mosche zu den Richtern Israels: Jeder töte die von seinen Leuten, die sich dem Baal Peor angeschlossen haben.
Jeder töte die von seinen Leuten: jeder einzelne von den Richtern Israels töte [zumindest] zwei Götzendiener. Es gab 78.000 Richter in Israel, wie in Sanhedrin (18a) vorkommt.
Raschi
וְהִנֵּ֡ה אִישׁ֩ מִבְּנֵ֨י יִשְׂרָאֵ֜ל בָּ֗א וַיַּקְרֵ֤ב אֶל־אֶחָיו֙ אֶת־הַמִּדְיָנִ֔ית לְעֵינֵ֣י מֹשֶׁ֔ה וּלְעֵינֵ֖י כָּל־עֲדַ֣ת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵ֑ל וְהֵ֣מָּה בֹכִ֔ים פֶּ֖תַח אֹ֥הֶל מוֹעֵֽד׃
6
6
Da kam ein Mann von den Kindern Israel und führte eine Midianitin zu seinen Brüdern hin, vor den Augen Mosches und vor den Augen der ganzen Gemeinde der Kinder Israel, die am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft weinten.
Da kam ein Mann von den Kindern Israel
Der Stamm Schimon hatte sich bei Simri, der sein Oberhaupt war, versammelt und zu ihm gesagt, wir werden zum Tode verurteilt, und du sitzst hier …, wie im Abschnitt אֵלּוּ הֵן הַנִּשְׂרָפִין (Sanh. 82a) vorkommt.
Raschi
Midianitin: Kosbi bat Zur.
Raschi
vor den Augen Mosches
Sie sagten zu ihm: Mosche, ist diese verboten oder erlaubt? Wenn du sagst, verboten; wer hat dir die Tochter Jitros erlaubt … wie dort vorkommt.
Raschi
weinten
Sie weinten, weil ihnen die Halacha verborgen war, dass jemand, der mit einer aramitischen Frau schläft, den töten die Eiferer. Bei der Sünde mit dem Goldenen Kalb trat Mosche 600.000 Menschen entgegen, wie es heißt (Schem. 32:20) וַיִּטְחַן עַד אֲשֶׁר דָּק „er mahlte es, bis es fein war“; und hier ermatteten seine Hände! Das war nur, damit Pinchas komme und erhalte, was ihm gebührte.
Raschi
וַיַּ֗רְא פִּֽינְחָס֙ בֶּן־אֶלְעָזָ֔ר בֶּֽן־אַהֲרֹ֖ן הַכֹּהֵ֑ן וַיָּ֙קָם֙ מִתּ֣וֹךְ הָֽעֵדָ֔ה וַיִּקַּ֥ח רֹ֖מַח בְּיָדֽוֹ׃
7
7
Als Pinchas, der Sohn von Elasar, Sohn Aharons des Kohen, das sah, da erhob er sich mitten aus der Gemeinde und nahm einen Speer in seine Hand.
Als Pinchas … das sah
Er sah die Tat und erinnerte sich der Halacha und sprach zu Mosche, ich habe von dir die Überlieferung, dass denjenigen, der mit einer aramitischen Frau schläft, die Eiferer töten. Da sagte er zu ihm, der den Brief zu lesen versteht, sei auch sein Überbringer. Sofort nahm er einen Speer in seine Hand. (Sanh. 82a)
Raschi
וַ֠יָּבֹא אַחַ֨ר אִֽישׁ־יִשְׂרָאֵ֜ל אֶל־הַקֻּבָּ֗ה וַיִּדְקֹר֙ אֶת־שְׁנֵיהֶ֔ם אֵ֚ת אִ֣ישׁ יִשְׂרָאֵ֔ל וְאֶת־הָאִשָּׁ֖ה אֶל־קֳבָתָ֑הּ וַתֵּֽעָצַר֙ הַמַּגֵּפָ֔ה מֵעַ֖ל בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
8
8
Und er folgte dem Israeliten in das Zelt und durchstach beide, den Israeliten und die Frau, durch den Körper; da wurde die Seuche unter den Kindern Israel aufgehalten.
in das Zelt
Das Wort קֻּבֶָּה bedeutet Zelt.
Raschi
durch den Körper
אֶל קֳבָתָהּ „durch den Körper“: so wie im Vers (Dew. 18:3) וְהַלְּחָיַיִם וְהַקֵּבָה „den Kinnbacken und den Magen“. Pinchas durchstach ihre Körper an der Stelle der Sünde, sodass alle sahen, dass er sie nicht umsonst getötet hatte; viele Wunder geschahen dort, wie die Gemara in Sanhedrin (82b) beschreibt.
Raschi
viele Wunder geschahen dort: Die Gemara führt fünf zusätzliche Wunder an, die Pinchas widerfuhren, als er Simri tötete.
(1) Naturgemäß hätte sich Simri sofort von Kosbi trennen müssen, als Pinchas das Zelt betrat. In diesem Fall hätte Pinchas ihn nicht töten dürfen, weil das Sonderrecht eines Eiferers zur Tötung des Sünders nur während der verbotenen Tat gilt. Simri trennte sich jedoch nicht.

(2) Obwohl Simri den Angriff von Pinchas bemerkte, rief er seine Wachen vor dem Zelt nicht zu Hilfe, sondern blieb stumm.

Halt auf der Lanze: Pinchas hob Simri und Kosbi gemeinsam auf seiner Lanze empor, auf dass jedermann ihr gemeinsames Vergehen erschauen konnte. Üblicherweise hätten die Körper von der Lanze herabgleiten müssen, doch sie blieben darauf aufgespießt.

(3) Pinchas hob Simri und Kosbi auf seiner Lanze empor, damit jedermann ihr Vergehen sehen könne. Üblicherweise wären die Körper von der Lanze gerutscht, doch sie blieben aufgespießt.

Erhöhung des Zelteingangs: Der Eingang des Zeltes war zu niedrig, als dass Pinchas es hätte verlassen können, ohne die Lanze zu senken, was ein Herabfallen der Leichen bewirkt hätte. Ein Engel jedoch erhöhte den Eingang, sodass Pinchas mit aufrechter Lanze heraustreten konnte.

(4) Der Zelteingang war zu niedrig, als dass Pinchas ihn mit aufrechter Lanze hätte verlassen können. Ein Neigen der Lanze hätte die Körper gelöst. Ein Engel hob den Eingang jedoch an, sodass Pinchas ungehindert mit erhobener Lanze hinaustreten konnte.

(5) Als Pinchas das Zelt inmitten der Männer des Stammes Schimon verließ, griff ein Engel die Stammesmitglieder an und schützte Pinchas vor deren Vergeltungsversuchen.
וַיִּהְי֕וּ הַמֵּתִ֖ים בַּמַּגֵּפָ֑ה אַרְבָּעָ֥ה וְעֶשְׂרִ֖ים אָֽלֶף׃
9
9
Die Zahl der an der Seuche Gestorbenen war 24.000.