רְאֵ֣ה׀ לִמַּ֣דְתִּי אֶתְכֶ֗ם חֻקִּים֙ וּמִשְׁפָּטִ֔ים כַּאֲשֶׁ֥ר צִוַּ֖נִי יְהוָ֣ה אֱלֹהָ֑י לַעֲשׂ֣וֹת כֵּ֔ן בְּקֶ֣רֶב הָאָ֔רֶץ אֲשֶׁ֥ר אַתֶּ֛ם בָּאִ֥ים שָׁ֖מָּה לְרִשְׁתָּֽהּ׃
5
5
Siehe, ich habe euch G‑ttes Anordnungen und Rechtsvorschriften gelehrt, so wie mir der Ewige, mein G‑tt, befohlen hat, so zu tun in dem Land, wohin ihr kommt, es in Besitz zu nehmen.
וּשְׁמַרְתֶּם֮ וַעֲשִׂיתֶם֒ כִּ֣י הִ֤וא חָכְמַתְכֶם֙ וּבִ֣ינַתְכֶ֔ם לְעֵינֵ֖י הָעַמִּ֑ים אֲשֶׁ֣ר יִשְׁמְע֗וּן אֵ֚ת כָּל־הַחֻקִּ֣ים הָאֵ֔לֶּה וְאָמְר֗וּ רַ֚ק עַם־חָכָ֣ם וְנָב֔וֹן הַגּ֥וֹי הַגָּד֖וֹל הַזֶּֽה׃
6
6
Beachtet und führt sie aus, denn das ist eure Weisheit und euer Verstand vor den Augen der Völker, die all diese g‑ttlichen Anordnungen hören werden und sagen werden: Wahrlich, dieses Volk besitzt Weisheit und Verstand, ein großes Volk!
So beachtet: וּשְׁמַרְתֶּם, das ist die Mischna; und führt sie aus: וַעֲשִׂיתֶם, wie der einfache Wortsinn ist: führt die Mizwot aus; denn das ist eure Weisheit und euer Verstand: dadurch werdet ihr in den Augen der Völker für weise und verständig gelten.
Raschi
וּמִי֙ גּ֣וֹי גָּד֔וֹל אֲשֶׁר־ל֛וֹ חֻקִּ֥ים וּמִשְׁפָּטִ֖ים צַדִּיקִ֑ם כְּכֹל֙ הַתּוֹרָ֣ה הַזֹּ֔את אֲשֶׁ֧ר אָנֹכִ֛י נֹתֵ֥ן לִפְנֵיכֶ֖ם הַיּֽוֹם׃
8
8
Und welches Volk ist groß? Das gerechte g‑ttliche Anordnungen und Rechtsvorschriften hat wie diese ganze Torah (Lehre), die ich euch heute vorlege.
gerechte Anordnungen und Rechtsvorschriften
חֻקִּים וּמִשְׁפָּטִים צַדִּיקִם „Anordnungen und Rechtsvorschriften, die gerecht sind“: korrekt und einleuchtend.
Raschi
רַ֡ק הִשָּׁ֣מֶר לְךָ֩ וּשְׁמֹ֨ר נַפְשְׁךָ֜ מְאֹ֗ד פֶּן־תִּשְׁכַּ֨ח אֶת־הַדְּבָרִ֜ים אֲשֶׁר־רָא֣וּ עֵינֶ֗יךָ וּפֶן־יָס֙וּרוּ֙ מִלְּבָ֣בְךָ֔ כֹּ֖ל יְמֵ֣י חַיֶּ֑יךָ וְהוֹדַעְתָּ֥ם לְבָנֶ֖יךָ וְלִבְנֵ֥י בָנֶֽיךָ׃
9
9
So hüte dich und nimm dich sehr in Acht, dass du nicht die Dinge vergisst, die deine Augen gesehen haben, und dass sie nicht weichen aus deinem Herzen alle Tage deines Lebens; mache sie auch bekannt deinen Kindern und deinen Kindeskindern.
So hüte dich … dass du nicht vergisst die Dinge
Dann, wenn ihr sie nicht vergesst und sie wahrhaft ausführt, werdet ihr für Menschen voll Weisheit und Verstand gehalten werden (siehe zuvor, Vers 6).
Aber wenn ihr sie aus Vergesslichkeit und Nachlässigkeit verfälscht, dann werdet ihr für Narren gehalten.
Raschi
י֗וֹם אֲשֶׁ֨ר עָמַ֜דְתָּ לִפְנֵ֨י יְהוָ֣ה אֱלֹהֶיךָ֮ בְּחֹרֵב֒ בֶּאֱמֹ֨ר יְהוָ֜ה אֵלַ֗י הַקְהֶל־לִי֙ אֶת־הָעָ֔ם וְאַשְׁמִעֵ֖ם אֶת־דְּבָרָ֑י אֲשֶׁ֨ר יִלְמְד֜וּן לְיִרְאָ֣ה אֹתִ֗י כָּל־הַיָּמִים֙ אֲשֶׁ֨ר הֵ֤ם חַיִּים֙ עַל־הָ֣אֲדָמָ֔ה וְאֶת־בְּנֵיהֶ֖ם יְלַמֵּדֽוּן׃
10
10
Nämlich den Tag, als du standest vor dem Ewigen, deinem G‑tt, am Berg Chorew, als der Ewige zu mir sagte: Versammle Mir das Volk, dass Ich sie hören lasse Meine Worte, die sie lernen sollen, um Mich zu fürchten alle Tage, die sie leben auf dem Erdboden, und auch ihre Kinder darin belehren sollen.
den Tag, als du standest
Bezieht sich auf den vorigen Vers, in dem steht „die deine Augen gesehen haben“: am Tag, als du am Berg Chorew standest, als du die Donnerstimmen und Blitze sahst.
Raschi
die sie lernen sollen
יִלְמְדוּן „lernen“: sie selbst sollen lernen.
Raschi
belehren sollen
יְלַמֵּדוּן „belehren“: andere lehren.
Raschi
וַיַּגֵּ֨ד לָכֶ֜ם אֶת־בְּרִית֗וֹ אֲשֶׁ֨ר צִוָּ֤ה אֶתְכֶם֙ לַעֲשׂ֔וֹת עֲשֶׂ֖רֶת הַדְּבָרִ֑ים וַֽיִּכְתְּבֵ֔ם עַל־שְׁנֵ֖י לֻח֥וֹת אֲבָנִֽים׃
13
13
Und Er verkündete euch Seinen Bund, den Er euch befahl zu halten, die Zehn Worte und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.
Zehn Worte: die Zehn Gebote.
וְאֹתִ֞י צִוָּ֤ה יְהוָה֙ בָּעֵ֣ת הַהִ֔וא לְלַמֵּ֣ד אֶתְכֶ֔ם חֻקִּ֖ים וּמִשְׁפָּטִ֑ים לַעֲשֹׂתְכֶ֣ם אֹתָ֔ם בָּאָ֕רֶץ אֲשֶׁ֥ר אַתֶּ֛ם עֹבְרִ֥ים שָׁ֖מָּה לְרִשְׁתָּֽהּ׃
14
14
Und mir befahl der Ewige zu jener Zeit, euch zu lehren g‑ttliche Anordnungen und Rechtsvorschriften, dass ihr sie ausüben sollt in dem Land, wohin ihr zieht, es in Besitz zu nehmen.
Und mir befahl der Ewige, euch zu lehren: die Mündliche Torah.
Raschi
Das Wort לְלַמֵּד („lehren“) bezieht sich auf die Mündliche Torah. Anders als die Schriftliche Torah, auf die der Ausdruck נְתִינָה („geben“, „vorlegen“, s. zuvor Vers 8) passt, weil sie dem Menschen schriftlich vorliegt und er sie selbst lernen kann.
Gur Arye, Kizur Misrachi
פֶּ֨ן־תַּשְׁחִת֔וּן וַעֲשִׂיתֶ֥ם לָכֶ֛ם פֶּ֖סֶל תְּמוּנַ֣ת כָּל־סָ֑מֶל תַּבְנִ֥ית זָכָ֖ר א֥וֹ נְקֵבָֽה׃
16
16
Dass ihr nicht verderblich handelt und euch ein Bild macht, die Abbildung irgendeines Gebildes, die Gestalt eines männlichen oder weiblichen Wesens.
ein Bild
סָמֶל bedeutet צוּרָה, eine Gestalt.
Raschi
וּפֶן־תִּשָּׂ֨א עֵינֶ֜יךָ הַשָּׁמַ֗יְמָה וְֽ֠רָאִיתָ אֶת־הַשֶּׁ֨מֶשׁ וְאֶת־הַיָּרֵ֜חַ וְאֶת־הַכּֽוֹכָבִ֗ים כֹּ֚ל צְבָ֣א הַשָּׁמַ֔יִם וְנִדַּחְתָּ֛ וְהִשְׁתַּחֲוִ֥יתָ לָהֶ֖ם וַעֲבַדְתָּ֑ם אֲשֶׁ֨ר חָלַ֜ק יְהוָ֤ה אֱלֹהֶ֙יךָ֙ אֹתָ֔ם לְכֹל֙ הָֽעַמִּ֔ים תַּ֖חַת כָּל־הַשָּׁמָֽיִם׃
19
19
Und dass du nicht deine Augen zum Himmel erhebst und die Sonne und den Mond und die Sterne siehst, das ganze Heer des Himmels, dich verleiten lässt und dich vor ihnen bückst und ihnen dienst, die der Ewige, dein G‑tt, zugeteilt hat all den anderen Völkern, unter dem ganzen Himmel.
Und dass du nicht deine Augen zum Himmel erhebst: die Sache zu betrachten und ihr dein Herz zuzuwenden, um jene anzubeten.
Raschi
die der Ewige … zugeteilt hat all den anderen Völkern
אֲשֶׁר חָלַק ה׳ „die der Ewige zugeteilt hat“: ihnen zu leuchten (Megilla 9b).
Andere Erklärung (Awoda szara 55a): zur Anbetung. Er hinderte sie nicht, jene anzubeten, sondern ließ sie durch ihre Nichtigkeiten straucheln, um sie aus der Welt zu verdrängen. So heißt es auch (Teh. 36:3) כִּי הֶחֱלִיק אֵלָיו בְּעֵינָיו לִמְצֹא עֲוֹנוֹ לִשְׂנֹא „denn [die Missetat] lässt ihm den Weg eben erscheinen, dass Er seine Schuld findet und ihn hasse“.
Raschi
וְאֶתְכֶם֙ לָקַ֣ח יְהוָ֔ה וַיּוֹצִ֥א אֶתְכֶ֛ם מִכּ֥וּר הַבַּרְזֶ֖ל מִמִּצְרָ֑יִם לִהְי֥וֹת ל֛וֹ לְעַ֥ם נַחֲלָ֖ה כַּיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃
20
20
Euch aber hat der Ewige genommen und euch herausgeführt aus dem eisernen Ofen, aus Mizraim, damit ihr das Volk Seines Erbteiles werdet, so wie es heute ist.
aus dem eisernen Ofen
כּוּר, wörtl. „Tiegel“: ein Gefäß, in dem man Gold läutert.
Raschi
וַֽיהוָ֥ה הִתְאַנֶּף־בִּ֖י עַל־דִּבְרֵיכֶ֑ם וַיִּשָּׁבַ֗ע לְבִלְתִּ֤י עָבְרִי֙ אֶת־הַיַּרְדֵּ֔ן וּלְבִלְתִּי־בֹא֙ אֶל־הָאָ֣רֶץ הַטּוֹבָ֔ה אֲשֶׁר֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ נֹתֵ֥ן לְךָ֖ נַחֲלָֽה׃
21
21
Und über mich zürnte der Ewige wegen euch und schwur, dass ich nicht über den Jarden ziehe und dass ich nicht in das gute Land komme, das der Ewige, dein G‑tt, dir gibt zur Besitzung.
zürnte
הִתְאַנַּף, wurde von Zorn erfüllt.
Raschi
wegen euch
עַל דִּבְרֵיכֶם, euretwillen, wegen eurer Ehre (עַל עִסְקֵיכֶם).
Raschi
Aus der Mehrzahl עַל דִּבְרֵיכֶם (statt der Einzahl עַל דְּבַרְכֶם) ist zu entnehmen, dass der Vers mehr als eine einzige Handlung anspricht. Raschi nennt folglich zwei Dinge, mit denen sie G‑tt beim Streitwasser (מֵי מְרִיבָה) erzürnten. Zum einen das Schlagen des Felsens; zum anderen Mosches Aussage (Bam. 20:10) שִׁמְעוּ נָא הַמֹּרִים „Hört doch, ihr Widerspenstigen“. Das Schlagen des Felsens beschreibt Raschi mit den Worten „euretwillen“: wegen eurer Beschwerden über das Wasser geschah es. Und die Aussage Mosches „Hört doch, ihr Widerspenstigen“, beschreibt Raschi mit den Worten עַל עִסְקֵיכֶם, im Sinn von עַל עִסְקֵי כְבוֹדְכֶם, weil Mosche damit an der Ehre Israels gerührt hatte.
Maskil leDavid
כִּ֣י אָנֹכִ֥י מֵת֙ בָּאָ֣רֶץ הַזֹּ֔את אֵינֶ֥נִּי עֹבֵ֖ר אֶת־הַיַּרְדֵּ֑ן וְאַתֶּם֙ עֹֽבְרִ֔ים וִֽירִשְׁתֶּ֕ם אֶת־הָאָ֥רֶץ הַטּוֹבָ֖ה הַזֹּֽאת׃
22
22
Denn ich sterbe in diesem Land, ich ziehe nicht über den Jarden; ihr aber zieht hinüber und nehmt in Besitz dieses gute Land.
Denn ich sterbe … ich ziehe nicht hinüber
Wenn Mosche stirbt, wie soll er hinüberziehen? Nur, sogar seine Knochen nach dem Tod ziehen nicht hinüber.
Raschi
הִשָּׁמְר֣וּ לָכֶ֗ם פֶּֽן־תִּשְׁכְּחוּ֙ אֶת־בְּרִ֤ית יְהוָה֙ אֱלֹ֣הֵיכֶ֔ם אֲשֶׁ֥ר כָּרַ֖ת עִמָּכֶ֑ם וַעֲשִׂיתֶ֨ם לָכֶ֥ם פֶּ֙סֶל֙ תְּמ֣וּנַת כֹּ֔ל אֲשֶׁ֥ר צִוְּךָ֖ יְהוָ֥ה אֱלֹהֶֽיךָ׃
23
23
So hütet euch, dass ihr nicht vergesset den Bund des Ewigen, eures G‑ttes, den Er mit euch geschlossen hat, und euch ein Bild machet, die Abbildung von irgendetwas, die der Ewige, dein G‑tt, dir befohlen hat, nicht zu tun.
die Abbildung von irgendetwas
תְּמוּנַת כֹּל „die Abbildung von irgendetwas“, von irgendeiner Sache; so als stünde im Hebräischen תְּמוּנַת כֹּל דָּבָר.
Raschi
Damit wird das falsche Verständnis ausgeschlossen, es sei nur תְּמוּנַת כֹּל verboten: ein Herstellen „eines Bildes von allen Götzen“. Der Vers verbietet das Herstellen „jedes Götzen“.
Beer Maim Chaim
die der Ewige, dein G‑tt, dir befohlen hat
אֲשֶׁר צִוְּךָ ה׳ „dir befohlen hat“, es nicht zu tun.
Raschi
כִּ֚י יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ אֵ֥שׁ אֹכְלָ֖ה ה֑וּא אֵ֖ל קַנָּֽא׃
24
24
Denn der Ewige, dein G‑tt, ist ein verzehrendes Feuer, ein gegen Götzendienst eifernder G‑tt.
verzehren: aufbrauchen, verbrennen.
ein eifernder G‑tt
Er zürnt, Vergeltung zu üben; eifert in Seinem Zorn, die Götzendiener zu bestrafen, enprenment (Zorn) im Französischen.
Raschi
Obgleich der Begriff קִנְאָה an anderer Stelle in der Bedeutung „Eifersucht“, „Neid“ vorkommt, wie etwa im Vers (Ber. 26:14) וַיְקַנְאוּ אֹתוֹ פְּלִשְׁתִּים „und die Plischtim beneideten ihn“; und auch im Vers (Ber. 30:1) וַתְּקַנֵּא רָחֵל בַּאֲחֹתָהּ „Rachel beneidete ihre Schwester“, ist das hier gewiss nicht der Fall. Beim Ewigen sind Neid und Vergleich undenkbar. Der Begriff אֵל קַנָּא bedeutet, dass der Ewige Vergeltung übt an denjenigen, die Götzen dienen.
Misrachi, Gur Arye, Minchat Jehuda
כִּֽי־תוֹלִ֤יד בָּנִים֙ וּבְנֵ֣י בָנִ֔ים וְנוֹשַׁנְתֶּ֖ם בָּאָ֑רֶץ וְהִשְׁחַתֶּ֗ם וַעֲשִׂ֤יתֶם פֶּ֙סֶל֙ תְּמ֣וּנַת כֹּ֔ל וַעֲשִׂיתֶ֥ם הָרַ֛ע בְּעֵינֵ֥י יְהוָֽה־אֱלֹהֶ֖יךָ לְהַכְעִיסֽוֹ׃
25
25
Wenn du Kinder haben wirst und Kindeskinder und ihr alt geworden seid in dem Land, ihr aber handelt verderblich und macht euch ein Bild, die Abbildung von irgendetwas, und tut das Böse in den Augen des Ewigen, deines G‑ttes, dass ihr Ihn erzürnt.
ihr alt geworden seid
וְנוֹשַׁנְתֶּם „wenn ihr alt geworden seid“. Mosche deutete ihnen damit an, dass sie am Ende von 852 Jahren – wie die Gematria des Wortes וְנוֹשַׁנְתֶּם (852) – aus dem Land auswandern müssen. Er ließ sie aber schon früher, am Ende von 850 Jahren, auswandern und beschleunigte so die Strafe um zwei Jahre vor וְנוֹשַׁנְתֶּם, damit nicht in Erfüllung gehe, was [im nächsten Vers] steht אָבֹד תֹּאבֵדוּן „dass ihr bald umkommen werdet“. Das bedeutet der Vers (Dan. 9:14) וַיִּשְׁקֹד ה׳ עַל הָרָעָה וַיְבִיאֶהָ עָלֵינוּ כִּי צַדִּיק ה׳ אֱלֹהֵינוּ „und der Ewige beschleunigte das Böse und brachte es über uns, weil der Ewige, unser G‑tt, gerecht ist“: G‑tt zeigte uns Liebe, indem Er es beschleunigte und zwei Jahre vor seiner Zeit brachte (Sanh. 38a).
Raschi
Gematria des Wortes וְנוֹשַׁנְתֶּם: 6+50+6+300+50+400+40=852.
הַעִידֹתִי֩ בָכֶ֨ם הַיּ֜וֹם אֶת־הַשָּׁמַ֣יִם וְאֶת־הָאָ֗רֶץ כִּֽי־אָבֹ֣ד תֹּאבֵדוּן֮ מַהֵר֒ מֵעַ֣ל הָאָ֔רֶץ אֲשֶׁ֨ר אַתֶּ֜ם עֹבְרִ֧ים אֶת־הַיַּרְדֵּ֛ן שָׁ֖מָּה לְרִשְׁתָּ֑הּ לֹֽא־תַאֲרִיכֻ֤ן יָמִים֙ עָלֶ֔יהָ כִּ֥י הִשָּׁמֵ֖ד תִּשָּׁמֵדֽוּן׃
26
26
So nehme ich heute zu Zeugen gegen euch Himmel und Erde, dass ihr bald umkommen werdet von dem Land, wohin ihr über den Jarden zieht, es in Besitz zu nehmen; ihr werdet nicht lange darin leben, sondern ihr werdet vernichtet werden.
So nehme ich heute zu Zeugen
Ich setze Himmel und Erde ein, Zeugen zu sein, dass ich euch gewarnt habe.
Raschi
וַעֲבַדְתֶּם־שָׁ֣ם אֱלֹהִ֔ים מַעֲשֵׂ֖ה יְדֵ֣י אָדָ֑ם עֵ֣ץ וָאֶ֔בֶן אֲשֶׁ֤ר לֹֽא־יִרְאוּן֙ וְלֹ֣א יִשְׁמְע֔וּן וְלֹ֥א יֹֽאכְל֖וּן וְלֹ֥א יְרִיחֻֽן׃
28
28
Ihr werdet dort Göttern dienen, dem Werk von Menschenhänden, Holz und Stein, die nicht sehen und nicht hören und nicht essen und nicht riechen.
Ihr werdet dort Göttern dienen
וַעֲבַדְתֶּם שָׁם אֱלֹהִים „Ihr werdet dort Göttern dienen“: Wie der Targum sagt [וְתִפְלְחוּן תַּמָּן לְעַמְמַיָּא פָלְחֵי טָעֲוָתָא, „ihr werdet dort Völkern dienen, die Götzen dienen“]: wenn ihr ihren Anbetern dient, ist es, als ob ihr den Götzen selbst dienen würdet.
Raschi
בַּצַּ֣ר לְךָ֔ וּמְצָא֕וּךָ כֹּ֖ל הַדְּבָרִ֣ים הָאֵ֑לֶּה בְּאַחֲרִית֙ הַיָּמִ֔ים וְשַׁבְתָּ֙ עַד־יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ וְשָׁמַעְתָּ֖ בְּקֹלֽוֹ׃
30
30
Wenn du in Bedrängnis bist, wenn dich treffen werden alle diese Dinge im Verlauf der Zeiten, so wirst du zurückkehren zum Ewigen, deinem G‑tt, und Seiner Stimme gehorchen.
כִּ֣י אֵ֤ל רַחוּם֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ לֹ֥א יַרְפְּךָ֖ וְלֹ֣א יַשְׁחִיתֶ֑ךָ וְלֹ֤א יִשְׁכַּח֙ אֶת־בְּרִ֣ית אֲבֹתֶ֔יךָ אֲשֶׁ֥ר נִשְׁבַּ֖ע לָהֶֽם׃
31
31
Denn ein barmherziger G‑tt ist der Ewige, dein G‑tt; Er wird dich nicht loslassen und dich nicht vernichten und wird den Bund deiner Väter nicht vergessen, den Er ihnen geschworen hat.
Er wird dich nicht loslassen
לֹא יַרְפְּךָ „Er wird dich nicht loslassen“: dich mit Seinen Händen festzuhalten. Das Wort יַרְפְּךָ ist die Form הִפְעִיל, Er wird nicht Schwäche über dich kommen lassen, dich nicht von sich absondern.
Ebenso [das Wort אַרְפֶּנּוּ, Schir 3:4] אֲחַזְתִּיו וְלֹא אַרְפֶּנּוּ „ich ergreife ihn und lasse ihn nicht los“, was nicht אֶרפנו mit Segol ist. Der Ausdruck רִפְיוֹן bezieht sich überall auf eine Form von הִפְעִיל oder הִתְפַּעֵל; wie (2 Kön. 4:27) הַרְפֵּה לָהּ „lass sie los“, lass sie gewähren; (Dew. 9:14) הֶרֶף מִמֶּנִּי „lass ab von mir“, ziehe dich von mir zurück.
Raschi
Der Vers beschreibt G‑ttes Stützung des Volkes Israel anhand des Bildes einer Person, die jemanden festhält, um ihn zu stützen. [Beer Maim Chaim, Beer Jizchak]
G‑tt wird das Volk Israel nicht im Stich lassen und in den geistigen Untergang sinken lassen, sondern es stützen, indem Er es zur Umkehr bewegt.
Or Chaim
כִּ֣י שְׁאַל־נָא֩ לְיָמִ֨ים רִֽאשֹׁנִ֜ים אֲשֶׁר־הָי֣וּ לְפָנֶ֗יךָ לְמִן־הַיּוֹם֙ אֲשֶׁר֩ בָּרָ֨א אֱלֹהִ֤ים׀ אָדָם֙ עַל־הָאָ֔רֶץ וּלְמִקְצֵ֥ה הַשָּׁמַ֖יִם וְעַד־קְצֵ֣ה הַשָּׁמָ֑יִם הֲנִֽהְיָ֗ה כַּדָּבָ֤ר הַגָּדוֹל֙ הַזֶּ֔ה א֖וֹ הֲנִשְׁמַ֥ע כָּמֹֽהוּ׃
32
32
Dann frage doch nach den früheren Zeiten, die vor dir gewesen sind, von dem Tag an, als G‑tt den Menschen geschaffen hat auf der Erde und von einem Ende des Himmels bis zum anderen Ende des Himmels: Ist jemals geschehen wie diese große Sache? Ist jemals solches gehört worden?
frage doch nach den früheren Zeiten
לְיָמִים רִאשׁוֹנִים ist so zu lesen wie עַל יָמִים רִאשׁוֹנִים „betreffend den früheren Zeiten“.
Raschi
von einem Ende des Himmels: und frage auch alle Menschen von einem Ende bis zum anderen, das ist die einfache Erklärung.
Der Midrasch sagt (Sanh. 38b): „den Menschen von einem Ende des Himmels bis zum anderen Ende des Himmels“, das lehrt, dass die Gestalt des ersten Menschen von der Erde bis zum Himmel reichte, und das ist dieselbe Ausdehnung wie von einem Ende bis zum anderen.
Raschi
ob jemals geschehen ist wie diese große Sache: und was ist diese große Sache? (Nächster Vers) „Hat ein Volk die Stimme G‑ttes gehört …“.
Raschi
א֣וֹ׀ הֲנִסָּ֣ה אֱלֹהִ֗ים לָ֠בוֹא לָקַ֨חַת ל֣וֹ גוֹי֮ מִקֶּ֣רֶב גּוֹי֒ בְּמַסֹּת֩ בְּאֹתֹ֨ת וּבְמוֹפְתִ֜ים וּבְמִלְחָמָ֗ה וּבְיָ֤ד חֲזָקָה֙ וּבִזְר֣וֹעַ נְטוּיָ֔ה וּבְמוֹרָאִ֖ים גְּדֹלִ֑ים כְּ֠כֹל אֲשֶׁר־עָשָׂ֨ה לָכֶ֜ם יְהוָ֧ה אֱלֹהֵיכֶ֛ם בְּמִצְרַ֖יִם לְעֵינֶֽיךָ׃
34
34
Hat ein Gott Wunder getan, zu kommen, sich zu nehmen ein Volk aus einem Volk heraus durch Prüfungen, durch Zeichen und durch Wunder und durch Krieg und mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und durch große furchtbare Taten ganz so, wie für euch getan hat der Ewige, euer G‑tt, in Mizraim vor deinen Augen?
Hat ein Gott Wunder getan
אוֹ הֲנִסָּה אֱלֹהִים „Hat je ein Gott Wunder getan, zu kommen, sich zu nehmen …“. All diese Buchstaben ה (He) zu Beginn der Worte sind Fragepartikel, darum sind sie mit Chataf-Patach punktiert. הֲנִהְיָה „Ist geschehen?“ (Vers 32), הֲנִשְׁמַע „Ist gehört worden?“ (Vers 32), הֲשָׁמַע „Hat gehört?“ (Vers 33), הֲנִסָּה „Hat Wunder getan?“ (dieser Vers).
Raschi
durch Prüfungen
בְּמַסֹּת „durch Prüfungen“ [vom Begriff נִסָּיוֹן, Erprobung, Versuchung]: durch Prüfungen tat Er ihnen Seine Allmacht kund; wie es im Vers heißt (Schem. 8:5) הִתְפָּאֵר עָלַי „verfüge über mich“, ob ich so tun kann, das ist eine Prüfung.
Raschi
durch Zeichen
בְּאֹתֹת „durch Zeichen“: Zeichen, um zu beweisen, dass Mosche der Bote des Ewigen ist; wie es im Vers heißt (Schem. 4:2) מַה זֶּה בְיָדֶךָ „was ist das in deiner Hand“.
Raschi
durch Wunder
וּבְמוֹפְתִים „durch Wunder“: das sind die Wunder, dass Er außergewöhnliche Plagen über sie brachte.
Raschi
durch Krieg
וּבְמִלְחָמָה „durch Krieg“: am Meer, wo es heißt (Schem. 14:25) כִּי ה׳ נִלְחָם לָהֶם „denn der Ewige kämpft für sie“.
Raschi
אַתָּה֙ הָרְאֵ֣תָ לָדַ֔עַת כִּ֥י יְהוָ֖ה ה֣וּא הָאֱלֹהִ֑ים אֵ֥ין ע֖וֹד מִלְבַדּֽוֹ׃
35
35
Dir ist gezeigt worden, damit du erkennest, dass der Ewige der G‑tt ist, keiner sonst außer Ihm.
Dir ist gezeigt worden
הָרְאֵתָ bedeutet, wie der Targum sagt אִתַּחְזִיתָא „dir ist gezeigt worden“. Als der Ewige die Torah gab, öffnete Er ihnen die sieben Himmelsräume. Und wie Er ihnen die oberen Regionen öffnete, so öffnete Er ihnen auch die unteren, dass sie sahen, dass Er einzig ist. Darum steht אַתָּה הָרְאֵתָ לָדַעַת „dir ist gezeigt worden, damit du erkennest“.
Raschi
וְתַ֗חַת כִּ֤י אָהַב֙ אֶת־אֲבֹתֶ֔יךָ וַיִּבְחַ֥ר בְּזַרְע֖וֹ אַחֲרָ֑יו וַיּוֹצִֽאֲךָ֧ בְּפָנָ֛יו בְּכֹח֥וֹ הַגָּדֹ֖ל מִמִּצְרָֽיִם׃
37
37
Und dafür, weil Er deine Väter geliebt hat und ihre Nachkommen nach ihnen erwählt hat, führte Er dich heraus unter Seiner Aufsicht, mit Seiner großen Kraft aus Mizraim.
Und dafür, weil Er liebte: all dies dafür, weil Er liebte. Führte Er dich heraus unter Seiner Aufsicht: wie ein Mensch, der seinen Sohn vor sich herführt; so heißt es (Schem. 14:19) וַיִּסַּע מַלְאַךְ הָאֱלֹהִים הַהֹלֵךְ גו׳ וַיֵּלֶךְ מֵאַחֲרֵיהֶם „… und der Engel G‑ttes, der [vor dem Heer Israels] herzog, brach auf und begab sich hinter sie“.
Andere Erklärung: hat Er dich vor ihnen, vor den Stammvätern der Nachkommen herausgeführt. Wie es heißt (Teh. 78:12) נֶגֶד אֲבוֹתָם עָשָׂה פֶלֶא „vor ihren Stammvätern vollbrachte Er Wunder“. Und wundere dich nicht darüber, dass der Vers sie mit der Einzahl [וַיּוֹצִאֲךָ, hat „dich“ herausgeführt] bezeichnet, da er sie zuvor auch mit der Einzahl erwähnt hat וַיִּבְחַר בְּזַרְעוֹ אַחֲרָיו, wörtl. „und seine Nachkommen nach ihm erwählt hat“.
Raschi
לְהוֹרִ֗ישׁ גּוֹיִ֛ם גְּדֹלִ֧ים וַעֲצֻמִ֛ים מִמְּךָ֖ מִפָּנֶ֑יךָ לַהֲבִֽיאֲךָ֗ לָֽתֶת־לְךָ֧ אֶת־אַרְצָ֛ם נַחֲלָ֖ה כַּיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃
38
38
Um vor dir Völker zu vertreiben, die größer und mächtiger sind als du; dich hinzubringen, dir zu geben ihr Land zum Besitz, wie am heutigen Tag.
vor dir … als du
Stelle den Vers um und erkläre [die Worte מִמְּךָ מִפָּנֶיךָ] so: לְהוֹרִישׁ מִפָּנֶיךָ גּוֹיִם גְּדוֹלִים וַעֲצוּמִים מִמְּךָ „Um vor dir Völker zu vertreiben, die größer und mächtiger sind, als du es bist“.
Raschi
wie am heutigen Tag: wie du heute siehst.
Raschi
וְשָׁמַרְתָּ֞ אֶת־חֻקָּ֣יו וְאֶת־מִצְוֹתָ֗יו אֲשֶׁ֨ר אָנֹכִ֤י מְצַוְּךָ֙ הַיּ֔וֹם אֲשֶׁר֙ יִיטַ֣ב לְךָ֔ וּלְבָנֶ֖יךָ אַחֲרֶ֑יךָ וּלְמַ֨עַן תַּאֲרִ֤יךְ יָמִים֙ עַל־הָ֣אֲדָמָ֔ה אֲשֶׁ֨ר יְהוָ֧ה אֱלֹהֶ֛יךָ נֹתֵ֥ן לְךָ֖ כָּל־הַיָּמִֽים׃
40
40
Und halte G‑ttes Anordnungen und Seine Gebote, die ich dir heute befehle, damit es dir wohl ergehe und deinen Kindern nach dir und damit du lange lebest auf der Erde, die der Ewige, dein G‑tt, dir gibt, auf alle Zeit.