כִּ֣י הָאָ֗רֶץ אֲשֶׁ֨ר אַתָּ֤ה בָא־שָׁ֙מָּה֙ לְרִשְׁתָּ֔הּ לֹ֣א כְאֶ֤רֶץ מִצְרַ֙יִם֙ הִ֔וא אֲשֶׁ֥ר יְצָאתֶ֖ם מִשָּׁ֑ם אֲשֶׁ֤ר תִּזְרַע֙ אֶֽת־זַרְעֲךָ֔ וְהִשְׁקִ֥יתָ בְרַגְלְךָ֖ כְּגַ֥ן הַיָּרָֽק׃
10
10
Denn das Land, wohin du kommst, es in Besitz zu nehmen, ist nicht wie das Land Mizraim, aus dem ihr gezogen seid, wo du deine Saat ausgesät hast und zu Fuß bewässert hast wie einen Gemüsegarten.
ist nicht wie das Land Mizraim: sondern besser als es.
[Wenn Mosche das Land Israel loben wollte, hätte es genügt, es als das beste aller Länder zu preisen. Warum vergleicht er es ausgerechnet mit Mizraim?] Dieses Versprechen wurde Israel bei ihrem Auszug aus Mizraim gesagt, als sie sagten, vielleicht kommen wir nicht in ein Land, das so gut und so schön wie dieses ist.
Ich hätte meinen können, dass der Vers etwas Nachteiliges vom Land Israel sagt: לֹא כְאֶרֶץ מִצְרַיִם הִוא „Es ist nicht wie das Land Mizraim“, sondern schlechter als es. Darum heißt es (Bam. 13:22) וְחֶבְרוֹן שֶׁבַע שָׁנִים נִבְנְתָה לִפְנֵי וגו׳ „Chewron war siebenfach so gut gebaut als [Zoan]“. Derselbe Mensch hatte beide gebaut, Cham baute Zoan für seinen Sohn Mizraim und Chewron für Kna’an. Und es ist üblich, dass man erst das Schöne baut, und dann das weniger Schöne. Denn den Abfall vom Ersten verwendet man zum Zweiten, und überall kommt das Teure zuerst. [Da der Vers lehrt, dass Chewron zuerst gebaut wurde,] kannst du daraus lernen, dass Chewron schöner war als Zoan.
Und Mizraim war das gerühmte aller Ländern, wie es heißt (Ber. 13:10) כְּגַן ה׳ כְּאֶרֶץ מִצְרַיִם „wie ein Garten des Ewigen, wie das Land Mizraim“. Und Zoan war der Ruhm von Mizraim, denn es war der Sitz der Regierung, so heißt es (Jesch. 30:4) כִּי הָיוּ בְצֹעַן שָׂרָיו „in Zoan waren seine Fürsten“. Und Chewron war der unfruchtbarste Teil von Eretz Israel, darum bestimmte man es zum Begräbnisplatz; und trotzdem war es schöner als Zoan.
In Ketubot (112a) wird es in anderer Weise erklärt. Ist es denkbar, dass einer zuerst für seinen jüngeren Sohn ein Haus baut und dann für seinen älteren Sohn? Nur, Chewron war siebenmal besser ausgebaut als Zoan.
Raschi
aus dem ihr gezogen seid
Sogar das Gebiet Raamses, in dem ihr gewohnt habt und das zum Besten des Landes Mizraim gehört, wie es heißt (Ber. 47:6) בְּמֵיטַב הָאָרֶץ „im Besten des Landes“, auch dieses Gebiet ist nicht wie das Land Israel.
Raschi
zu Fuß bewässert hast
וְהִשְׁקִיתָ בְרַגְלְךָ „zu Fuß bewässert hast“: im Land Mizraim musstest du zu Fuß (בְרַגְלְךָ) Wasser aus dem Nil holen; und um das Land zu bewässern, musstest du deinen Schlaf verscheuchen und dich abmühen; und weil nur die niedriggelegenen Flächen Wasser erhielten und nicht die hochgelegenen, brachtest du das Wasser aus der Niederung zur Höhe empor. Aber dieses Land [Israel] „trinkt Wasser durch den Regen des Himmels“ (nächster Vers): Während du auf deinem Bett schläfst, bewässert der Ewige niedere und hohe Flächen, Offenes und Verborgenes auf einmal.
Raschi
wie einen Gemüsegarten: dem der Regen nicht genügt und den man mit dem Fuß und der Schulter bewässert [indem man Wasser auf die Schultern lädt und zu Fuß in den Garten trägt].
Raschi
וְהָאָ֗רֶץ אֲשֶׁ֨ר אַתֶּ֜ם עֹבְרִ֥ים שָׁ֙מָּה֙ לְרִשְׁתָּ֔הּ אֶ֥רֶץ הָרִ֖ים וּבְקָעֹ֑ת לִמְטַ֥ר הַשָּׁמַ֖יִם תִּשְׁתֶּה־מָּֽיִם׃
11
11
Sondern das Land Israel, wohin ihr zieht, es in Besitz zu nehmen, ist ein Land mit Bergen und Tälern, durch den Regen des Himmels trinkt es Wasser.
ein Land mit Bergen und Tälern
Der Berg ist hochwertiger als die Ebene; denn in der Ebene kannst du auf [einer Fläche von] einem Bet Kor nur ein Kor Getreide säen. Dagegen in einem Bet Kor im Gebirge fünf Kor: vier an den vier Abhängen und zusätzlich eins auf dem Gipfel.
Raschi
Kor: Maßeinheit für das Volumen, mit der man Getreide misst.
und Tälern: das ist die Ebene.
Raschi
אֶ֕רֶץ אֲשֶׁר־יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ דֹּרֵ֣שׁ אֹתָ֑הּ תָּמִ֗יד עֵינֵ֨י יְהוָ֤ה אֱלֹהֶ֙יךָ֙ בָּ֔הּ מֵֽרֵשִׁית֙○ הַשָּׁנָ֔ה וְעַ֖ד אַחֲרִ֥ית שָׁנָֽה׃
12
12
Ein Land, auf das der Ewige, dein G‑tt, achtet; ständig sind die Augen des Ewigen, deines G‑ttes, darauf gerichtet, vom Anfang des Jahres bis zum Ende des Jahres.
auf das der Ewige, dein G‑tt, achtet
Achtet Er denn nicht auf alle Länder, wie es heißt (Ijow 38:26) לְהַמְטִיר עַל אֶרֶץ לֹא אִישׁ „lässt regnen auf die Erde, nicht Menschen“? Nur, wenn man so sagen darf, Er achtet nur auf das Land Israel, und durch die Beachtung, die Er ihm schenkt, beachtet Er auch alle anderen Länder.
Raschi
ständig sind die Augen des Ewigen, deines G‑ttes, darauf gerichtet
תָּמִיד עֵינֵי ה׳ אֱלֹהֶיךָ בָּהּ „ständig sind die Augen des Ewigen, deines G‑ttes, darauf gerichtet“: um zu sehen, was es braucht, und neue Bestimmungen für es zu treffen.
Zu manchen Zeiten zum Guten, zu manchen Zeiten zum Schlechten …, wie in Rosch haSchana (17b) vorkommt.
Raschi
Zu manchen Zeiten zum Guten: An anderen Stellen über G‑ttes Vorsehung für die Gerechten steht die Einzahl, wie es heißt (Teh. 33:18) הִנֵּה עֵין ה׳ אֶל יְרֵאָיו „Das Auge des Ewigen ruht auf denen, die ihn fürchten.“ Raschi erklärt, warum im vorliegenden Vers die Mehrzahl „die Augen des Ewigen“ (עֵינֵי ה׳) statt der Einzahl „das Auge des Ewigen“ genutzt wird, um G‑ttes Vorsehung zu beschreiben.
Gur Arye, Maskil leDavid
Zu manchen Zeiten zum Guten: An anderen Stellen über G‑ttes Vorsehung für die Gerechten steht die Einzahl, wie es heißt (Teh. 33:18) הִנֵּה עֵין ה׳ אֶל יְרֵאָיו „Das Auge des Ewigen ruht auf denen, die ihn fürchten.“ Raschi erklärt, warum im vorliegenden Vers die Mehrzahl „die Augen des Ewigen“ (עֵינֵי ה׳) statt der Einzahl „das Auge des Ewigen“ genutzt wird, um G‑ttes Vorsehung zu beschreiben.
Gur Arye, Maskil leDavid
vom Anfang des Jahres: am Anfang des Jahres wird bestimmt, was am Ende sein soll (Rosch haSchana 8a).
Raschi
וְהָיָ֗ה אִם־שָׁמֹ֤עַ תִּשְׁמְעוּ֙ אֶל־מִצְוֹתַ֔י אֲשֶׁ֧ר אָנֹכִ֛י מְצַוֶּ֥ה אֶתְכֶ֖ם הַיּ֑וֹם לְאַהֲבָ֞ה אֶת־יְהוָ֤ה אֱלֹֽהֵיכֶם֙ וּלְעָבְד֔וֹ בְּכָל־לְבַבְכֶ֖ם וּבְכָל־נַפְשְׁכֶֽם׃
13
13
Und es wird sein, wenn ihr gehorchen werdet Meinen Geboten, die Ich euch heute befehle, zu lieben den Ewigen, euren G‑tt, und Ihm zu dienen mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele.
Und es wird sein, wenn ihr gehorchen werdet
„Es wird sein“ bezieht sich auf das oben Gesagte (Vers 11) לִמְטַר הַשָּׁמַיִם תִּשְׁתֶּה מָּיִם „vom Regen des Himmels trinkt es Wasser“.
Raschi
Und es wird sein, wenn ihr gehorchen werdet
וְהָיָה אִם שָׁמֹעַ תִּשְׁמְעוּ, wörtl. „Und es wird sein, wenn ihr hören, hören werdet“. Wenn du auf das Alte hörst (אִם שָׁמֹעַ) [d.h. das Gelernte wiederholst], wirst du auch das Neue verstehen (תִּשְׁמְעוּ) [d.h. aus dem bereits Gelernten Neues verstehen].
Ebenso (Dew. 8:19) וְהָיָה אִם שָׁכֹחַ תִּשְׁכַּח „wenn du vergessen wirst“, wenn du anfängst zu vergessen, wirst du schließlich alles vergessen. Denn so steht in Megilat Chassidim, wenn du Mich einen Tag verläßt, verlasse Ich dich zwei Tage.
Raschi
Megilat Chassidim: „Die Rolle der Frommen“, ist ein nicht mehr erhaltenes Werk, aus dem sowohl Sifre (Abschn. 48) als auch der Talmud Jeruschalmi diesen Ausspruch entnehmen.
die Ich euch heute befehle: sie sollen euch stets neu sein, als ob ihr sie an demselben Tag erst gehört hättet.
Raschi
zu lieben den Ewigen
Sage nicht, ich lerne Torah, um reich zu werden, um „Raw“ genannt zu werden, um Lohn zu empfangen. Sondern alles, was ihr tut, das tut aus Liebe; die Ehre wird schließlich auch kommen (Nedarim 62a).
Raschi
Ihm zu dienen mit eurem ganzen Herzen
וּלְעָבְדוֹ בְּכָל לְבַבְכֶם „Ihm zu dienen mit eurem ganzen Herzen“: der Dienst mit dem Herzen – das ist das Gebet (Taanit 2a). Das Gebet wird „Dienst“ (עֲבוֹדָה) genannt, so heißt es (Dan. 6:17) אֱלָהָךְ דִּי אַנְתְּ פָּלַח לֵהּ בִּתְדִירָא „dein G‑tt, dem du ständig dienst“. Gab es denn einen Opferdienst in Bawel? Nur dadurch, dass er betete, wie es heißt (Dan. 6:11) וְכַוִּין פְּתִיחָן לֵהּ וגו׳ „und die Fenster waren bei ihm geöffnet“. Ebenso heißt es bei David (Teh. 141:2) תִּכּוֹן תְּפִלָּתִי קְטֹרֶת לְפָנֶיךָ „Möge mein Gebet wie Ketoret (Räucherwerk) vor Dir sein“.
Raschi
„und die Fenster waren bei ihm geöffnet in Richtung nach Jeruschalaim, und dreimal täglich fiel er auf die Knie und betete und dankte vor seinem G‑tt.“ (Dan. 6:11–12)
mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele
Die Torah hat doch bereits ermahnt (Dew. 6:5) בְּכָל לְבָבְךָ וּבְכָל נַפְשְׁךָ „mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele“? Nur, dort ist eine Ermahnung für den einzelnen und hier für die Gemeinde.
Raschi
וְנָתַתִּ֧י מְטַֽר־אַרְצְכֶ֛ם בְּעִתּ֖וֹ יוֹרֶ֣ה וּמַלְק֑וֹשׁ וְאָסַפְתָּ֣ דְגָנֶ֔ךָ וְתִֽירֹשְׁךָ֖ וְיִצְהָרֶֽךָ׃
14
14
Dann werde Ich Regen geben eurem Land zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen, damit du einsammelst dein Getreide und deinen Most und dein Öl.
Dann werde Ich Regen geben eurem Land
Wenn ihr getan habt, was eure Aufgabe ist, so werde Ich tun, was Meine Aufgabe ist.
Raschi
Frühregen
יוֹרֶה „Frühregen“: der Regen (רְבִיעָה), der nach der Aussaat fällt und die Erde und die Saaten tränkt.
Raschi
Das hebräische Wort יוֹרֶה „Frühregen“ kommt vom Begriff רָוֶה „tränken“, „mit Wasser versorgen“. Der Buchstabe ו wechselt dabei seine Stelle, so wie beim Wort כֶּשֶׂב und כֶּבֶשׂ „Schaf“.
Beer Maim Chaim
רְבִיעָה „Regen“ wird er genannt, weil er auf die Erde niederprasselt und sie niederdrückt, wie der Vers (Ber. 29:2) רֹבְצִים עָלֶיהָ „[da waren drei Schafherden,] die sich um ihn niederließen“ im Targum lautet רְבִיעִין עֲלַהּ.
R. Owadia Bartenura zu Schewiit 9:6
„wenn Israel säte“: „Und es war, so oft Israel gesät hatte, zogen Midian, die Amalekim und die Söhne des Ostens heran gegen sie. Sie lagerten gegen sie und vernichteten den Ertrag des Landes“ (Richt. 6:3–4). Der vorliegende Vers sichert dem jüdischen Volk zu, dass seine Ernte weder von Feinden gestohlen noch zerstört wird.
Sifre, Abschn. 42
Spätregen
מַלְקוֹשׁ „Spätregen“: der Regen, der kurz vor der Ernte fällt, um das Getreide im Halm anschwellen zu machen. Das Wort מַלְקוֹשׁ bedeutet etwas Spätes, wie wir übersetzen (Ber. 30:42) וְהָיָה הָעֲטֻפִים לְלָבָן „dass die Spätgeborenen Lawan gehörten“ – im Aramäischen לַקְשַׁיָּא.
Andere Erklärung: darum wird er מַלְקוֹשׁ (malkosch) genannt, weil er auf die Ähren (melilot, מְּלִילוֹת) und auf die Halme (kaschin, קַּשִּׁין) herabfällt.
Raschi
damit du einsammelst dein Getreide
Du wirst es ins Haus bringen und nicht deine Feinde; wie es heißt (Jesch. 62:8,9) אִם אֶתֵּן אֶת דְּגָנֵךְ גו׳ כִּי מְאַסְפָיו יֹאכְלֻהוּ „ich werde dein Getreide nicht weiter geben … sondern, die es einsammeln, werden es essen“. Und nicht, wie es heißt (Richt. 6:3) וְהָיָה אִם זָרַע יִשְׂרָאֵל וגו׳ „wenn Israel gesät hatte …“.
Raschi
„wenn Israel säte“: „Und es war, so oft Israel gesät hatte, zogen Midian, die Amalekim und die Söhne des Ostens heran gegen sie. Sie lagerten gegen sie und vernichteten den Ertrag des Landes“ (Richt. 6:3–4). Der vorliegende Vers sichert dem jüdischen Volk zu, dass seine Ernte weder von Feinden gestohlen noch zerstört wird.
Sifre, Abschn. 42
וְנָתַתִּ֛י עֵ֥שֶׂב בְּשָׂדְךָ֖ לִבְהֶמְתֶּ֑ךָ וְאָכַלְתָּ֖ וְשָׂבָֽעְתָּ׃
15
15
Ich werde Gras wachsen lassen auf deinem Feld für dein Vieh, und du wirst essen und satt werden.
Ich werde Gras wachsen lassen: dass du nicht nötig hast, das Vieh in die Wüsten zu treiben.
Andere Erklärung: du wirst dein Getreide den ganzen Winter hindurch abschneiden und deinem Vieh verfüttern und deine Hand nur dreißig Tage vor der Ernte davon zurückhalten, und es wird doch nicht weniger Ertrag an Körnern bringen.
Raschi
und du wirst essen und satt werden
Das ist eine neue Segnung, dass Segen im Brot in deinem Inneren sein wird: „du wirst essen und satt werden“.
Raschi
הִשָּֽׁמְר֣וּ לָכֶ֔ם פֶּ֥ן יִפְתֶּ֖ה לְבַבְכֶ֑ם וְסַרְתֶּ֗ם וַעֲבַדְתֶּם֙ אֱלֹהִ֣ים אֲחֵרִ֔ים וְהִשְׁתַּחֲוִיתֶ֖ם לָהֶֽם׃
16
16
Hütet euch, dass sich euer Herz nicht verführen lasse und ihr abweichet und falschen Göttern dienet, die wie Fremde sind und das Flehen ungehört verhallen lassen, und ihr euch vor ihnen bücket.
(15—16) und du wirst essen und satt werden. Hütet euch …
Wenn ihr esst und satt werdet (Vers zuvor), hütet euch, dass ihr nicht übermütig werdet. Denn der Mensch lehnt sich nur dann gegen G‑tt auf, wenn er gesättigt ist. So heißt es im Vers (Dew. 8:12–13) פֶּן תֹּאכַל וְשָׂבָעְתָּ וגו׳ וּבְקָרְךָ וְצֹאנְךָ יִרְבְּיֻן „dass du nicht isst und satt wirst und deine Rinder und Schafe sich mehren“; und wie heißt es nachher? (V. 14) וְרָם לְבָבֶךָ וְשָׁכַחְתָּ „Und dein Herz würde hochmütig und du würdest vergessen“.
Raschi
und ihr abweicht: euch von der Torah zu trennen und dadurch fremden Göttern zu dienen. Denn sobald sich ein Mensch von der Torah trennt, geht er hin und schließt sich dem Götzendienst an. So sagt auch David (1 Schmu. 26:19) כִּי גֵרְשׁוּנִי הַיּוֹם מֵהִסְתַּפֵּחַ בְּנַחֲלַת ה׳ לֵאמֹר לֵךְ עֲבֹד „denn sie haben mich heute verstoßen, mich dem Anteil des Ewigen anzuschließen, sprechend, geh, diene fremden Göttern“. Wer hat denn so zu ihm gesprochen? Nur, wenn ich verstoßen bin, mich mit der Torah zu beschäftigen, bin ich nahe daran, fremden Göttern zu dienen.
Raschi
Göttern wie Fremde
אֱלֹהִים אֲחֵרִים, wörtl. fremde Götter: die fremd sind denen, die ihnen dienen. Der Mensch ruft zu dem Götzen, und er erhört ihn nicht, also ist er für ihn wie ein Fremder.
Raschi
Das Wort אֲחֵר „andere“ beschreibt nicht einen Vergleich oder eine Beziehung zum wahren G‑tt, sondern das Verhältnis zwischem dem Götzen und dem Götzendiener.
Gur Arye
וְחָרָ֨ה אַף־יְהוָ֜ה בָּכֶ֗ם וְעָצַ֤ר אֶת־הַשָּׁמַ֙יִם֙ וְלֹֽא־יִהְיֶ֣ה מָטָ֔ר וְהָ֣אֲדָמָ֔ה לֹ֥א תִתֵּ֖ן אֶת־יְבוּלָ֑הּ וַאֲבַדְתֶּ֣ם מְהֵרָ֗ה מֵעַל֙ הָאָ֣רֶץ הַטֹּבָ֔ה אֲשֶׁ֥ר יְהוָ֖ה נֹתֵ֥ן לָכֶֽם׃
17
17
Dann wird der Zorn des Ewigen über euch entbrennen, Er verschließt den Himmel und es gibt keinen Regen, der Erdboden bringet seinen Ertrag nicht; ihr schwindet bald von dem guten Land, das der Ewige euch gibt.
seinen Ertrag: auch das, was du aufs Feld hinausträgst. Wie es heißt (Chagiga 1:6), ihr habt viel gesät und wenig heimgebracht.
Raschi
ihr schwindet bald: außer allen anderen Leiden werde Ich euch aus dem Land entfernen, das euch zur Sünde veranlasst hat. Das gleicht einem König, der seinen Sohn zu einem Gastmahl schickt; er sitzt und ermahnt ihn, iss nicht mehr, als du nötig hast, damit du rein nach Hause kommest. Der Sohn aber achtet nicht darauf, er isst und trinkt mehr, als er nötig hat, erbricht und beschmutzt noch alle Teilnehmer am Festmahl. Da nimmt man ihn an den Händen und den Füßen und wirft ihn hinter den Palast.
Raschi
bald: Ich gebe euch keinen Aufschub. Und wenn ihr sagen solltet, hast Du nicht der Generation der Sündflut Aufschub gegeben, wie es heißt (Ber. 6:3) וְהָיוּ יָמָיו מֵאָה וְעֶשְׂרִים שָׁנָה „seine Tage seien 120 Jahre“? Die Generation der Sündflut hatte noch niemanden, von dem sie hätte lernen können. Ihr aber habt jemanden, von dem ihr lernen könnt.
Raschi
„seine Tage seien 120 Jahre“: Der Menschheit wird eine Frist von 120 Jahren gewährt, um in Teschuwa umzukehren und die drohende Sündflut abzuwenden.
Raschi zu Bereschit 6:3
וְשַׂמְתֶּם֙ אֶת־דְּבָרַ֣י אֵ֔לֶּה עַל־לְבַבְכֶ֖ם וְעַֽל־נַפְשְׁכֶ֑ם וּקְשַׁרְתֶּ֨ם אֹתָ֤ם לְאוֹת֙ עַל־יֶדְכֶ֔ם וְהָי֥וּ לְטוֹטָפֹ֖ת בֵּ֥ין עֵינֵיכֶֽם׃
18
18
Nehmt diese Meine Worte in euer Herz und in eure Seele, ihr sollt sie als Zeichen auf eure Hand binden, und sie seien als Merkzeichen zwischen euren Augen.
Nehmt diese Meine Worte: auch wenn ihr im Exil seid, zeichnet euch durch die Mizwot aus. Legt Tefillin, bringt Mesusot an, damit sie euch nicht neu seien, wenn ihr zurückkehrt. So heißt es auch (Jirm. 31:20) הַצִּיבִי לָךְ צִיֻּנִים „mache dir Zeichen“.
Raschi
וְלִמַּדְתֶּ֥ם אֹתָ֛ם אֶת־בְּנֵיכֶ֖ם לְדַבֵּ֣ר בָּ֑ם בְּשִׁבְתְּךָ֤ בְּבֵיתֶ֙ךָ֙ וּבְלֶכְתְּךָ֣ בַדֶּ֔רֶךְ וּֽבְשָׁכְבְּךָ֖ וּבְקוּמֶֽךָ׃
19
19
Und lehrt sie eure Kinder, davon zu sprechen, wenn du sitzt in deinem Haus und wenn du gehst auf dem Weg und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst.
davon zu sprechen
Sobald das Kind zu sprechen versteht, lehre es den Vers (Dew. 33:4) תּוֹרָה צִוָּה לָנוּ מֹשֶׁה „Die Torah hat uns Mosche befohlen“, damit das seine Übung im Sprechen sei. Von hier haben unsere Weisen entnommen, dass, wenn das Kind zu sprechen beginnt, sein Vater mit ihm in der heiligen Sprache [Hebräisch] spreche und es Torah lehre. Und wenn er das nicht tut, ist es, als ob er es begrabe. So heißt es „Und lehrt sie eure Kinder, davon zu sprechen …“
Raschi
Raschis Worte beziehen sich weiter auf (Vers 21) לְמַעַן יִרְבּוּ יְמֵיכֶם וִימֵי בְנֵיכֶם „damit sich eure Lebenstage und die Lebenstage eurer Kinder mehren“.
Sefer Sikaron
לְמַ֨עַן יִרְבּ֤וּ יְמֵיכֶם֙ וִימֵ֣י בְנֵיכֶ֔ם עַ֚ל הָֽאֲדָמָ֔ה אֲשֶׁ֨ר נִשְׁבַּ֧ע יְהוָ֛ה לַאֲבֹתֵיכֶ֖ם לָתֵ֣ת לָהֶ֑ם כִּימֵ֥י הַשָּׁמַ֖יִם עַל־הָאָֽרֶץ׃
21
21
Damit sich mehren eure Lebenstage und die Lebenstage eurer Kinder auf dem Boden, den der Ewige mit einem Schwur zugesagt hat euren Vätern, ihnen zu geben, solange wie die Tage des Himmels dauern über der Erde.
Damit sich mehren eure Lebenstage und die Lebenstage eurer Kinder: wenn ihr so tut, werden sie sich mehren, und wenn nicht, werden sie sich nicht mehren. Denn die Worte der Torah werden so erklärt, dass aus dem verneinenden Fall der bejahende, und aus dem bejahenden Fall der verneinende entnommen werden kann.
Raschi
ihnen zu geben: „euch“ zu geben, steht hier nicht, sondern „ihnen“ zu geben. Von hier entnehmen wir, dass die Wiederbelebung der Toten in der Torah enthalten ist.
Raschi
Die Vorväter selbst werden auferstehen und sich im Land Israel niederlassen.
Misrachi