כִּֽי־יַכְרִית֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהֶ֜יךָ אֶת־הַגּוֹיִ֗ם אֲשֶׁ֨ר אַתָּ֥ה בָא־שָׁ֛מָּה לָרֶ֥שֶׁת אוֹתָ֖ם מִפָּנֶ֑יךָ וְיָרַשְׁתָּ֣ אֹתָ֔ם וְיָשַׁבְתָּ֖ בְּאַרְצָֽם׃
29
29
Wenn der Ewige, dein G‑tt, ausrottet die Völker, zu denen du kommst, um sie vor dir zu vertreiben, und du hast sie vertrieben und wohnst in ihrem Land.
הִשָּׁ֣מֶר לְךָ֗ פֶּן־תִּנָּקֵשׁ֙ אַחֲרֵיהֶ֔ם אַחֲרֵ֖י הִשָּׁמְדָ֣ם מִפָּנֶ֑יךָ וּפֶן־תִּדְרֹ֨שׁ לֵֽאלֹהֵיהֶ֜ם לֵאמֹ֨ר אֵיכָ֨ה יַעַבְד֜וּ הַגּוֹיִ֤ם הָאֵ֙לֶּה֙ אֶת־אֱלֹ֣הֵיהֶ֔ם וְאֶעֱשֶׂה־כֵּ֖ן גַּם־אָֽנִי׃
30
30
So hüte dich, dass du dich nicht verwirren lässt, ihnen zu folgen, nachdem sie vernichtet worden sind vor dir, und dass du nicht nach ihren Göttern fragst und sagst: Wie diese Völker ihren Göttern dienen, so möchte auch ich tun.
dass du dich nicht verwirren lässt
Onkelos übersetzt פֶּן תִּנָּקֵשׁ in der Bedeutung von מוֹקֵשׁ „Fallstrick“. Ich meine aber, dass er [mit seiner Übersetzung דִּלְמָא תִתְּקֵיל בָּתְרֵיהוֹן, damit ihr ihnen nicht nachfolgt und zu Fall kommt] nicht wörtlich übersetzen wollte. Denn wir finden niemals den Buchstaben נ (Nun) in Ausdrücken für „Einfangen“ (יוֹקֵשׁ), nicht einmal als bisweilen abfallender Wurzelbuchstaben (יְסוֹד הַנּוֹפֵל מִמֶּנּוּ).
Dagegen finden wir den Buchstaben נ in Ausdrücken von „dagegenschlagen“, „daran klopfen“, [wie im Vers, Dan. 5:6] אַרְכֻבָּתֵהּ דָא לְדָא נָקְשָׁן „seine Knie schlugen aneinander (נָקְשָׁן)“. [Die Wurzel von תִּנָּקֵשׁ ist folglich נקש, das Inberührungkommen mit etwas. Der von Onkelos verwendete Begriff מוֹקֵשׁ hingegen stammt von der Wurzel יקש, das Fangen in einer Falle oder das Stolpern.] So erkläre ich auch im vorliegenden Vers, dass פֶּן תִּנָּקֵשׁ אַחֲרֵיהֶם bedeutet: Dass ihr euch nicht [von den Kna’anim] verleiten lasset, ihren Taten zu folgen. Ebenso (Teh. 109:11) יְנַקֵּשׁ נוֹשֶׁה לְכָל אֲשֶׁר לוֹ „der Gläubiger verfolge alles, was er besitzt“: [König David] verwünscht den Bösen, er möge viele Gläubiger haben, die hinter ihm her sind und versuchen, sich sein ganzes Vermögen anzueignen.
Raschi
als bisweilen abfallender Wurzelbuchstaben: Manche Wurzeln enthalten einen Buchstaben, der in bestimmten grammatischen Gefügen ausfällt. So entstammt etwa das Wort וּמַלְתֶּם „ihr sollt beschneiden“ (Dew. 10:16) der Wurzel נמל, enthält aber nicht den Buchstaben נ (Nun), da נ bei נמל ein bisweilen abfallender Buchstabe ist. Man könnte also argumentieren, dass das Fehlen des Buchstabens נ bei Begriffen für „Einfangen“ nicht gegen eine Ableitung von נקש spricht, da der Buchstaben נ wegfallen könnte.
Raschi widerlegt diese These: Begriffe für das „Einfangen“ (יקש) enthalten niemals den Buchstaben נ. Mitunter abfallende Wurzelbuchstaben tauchen aber in mindestens einigen Verbformen auf. Daher stammen die Begriffe für das „Einfangen“ nicht von der Wurzel נקש, sondern von einer anderen Wurzel.
seine Knie schlugen aneinander: Während eines Gelages beim babylonischen König Belschatzar, bei dem aus geraubten Gefäßen des Heiligtums getrunken wurde, erschien eine Hand und schrieb an die Wand. Belschatzar wurde bleich, seine Gedanken wirr und „seine Knie schlugen aneinander“. Siehe Daniel 5:1–6.
nachdem sie vernichtet worden sind
Wenn du siehst, dass Ich sie vor dir vernichte, sollst du darüber nachdenken: Warum sind diese vernichtet worden – wegen der schlechten Handlungen, die sie begangen haben. Tue du ihnen nicht gleich, dass nicht andere kommen und dich vernichten.
Raschi
Wie diese Völker ihren Göttern dienen
Weil der Vers beim Götzendienst eine Strafe nur für Schlachten (זִבּוּחַ), Verdampfen (קִטּוּר), Darbringen eines Gussopfers (נִסּוּךְ) und Bücken (הִשְׁתַּחֲוָאָה) bestimmt hat, wie es heißt (Schem. 22:19) בִּלְתִּי לַה׳ לְבַדּוֹ „nur dem Ewigen allein“, das heißt für die Dinge, die im Heiligtum geschehen. Darum kommt der Vers hier und lehrt dich, dass wenn es die Art des Götzen ist, ihm auf andere Weise zu dienen, wie vor dem Peor die Notdurft zu verrichten oder zur Merkursäule einen Stein zu werfen, dies der Dienst ist, durch den man schuldig wird. Auf Schlachten, Verdampfen, Gussopfer und Bücken aber ist man schuldig, auch wenn es nicht die Art der Verehrung des betreffenden Götzen ist (Sanh. 60b–61a).
Raschi
„nur dem Ewigen allein“: זֹבֵחַ לָאֱלֹהִים יׇחֳרָם בִּלְתִּי לַה׳ לְבַדּוֹ „Wer den falschen Göttern [ein Opfer] schlachtet, soll getötet werden – nur dem Ewigen allein“ (Schem. 22:19).
לֹא־תַעֲשֶׂ֣ה כֵ֔ן לַיהוָ֖ה אֱלֹהֶ֑יךָ כִּי֩ כָּל־תּוֹעֲבַ֨ת יְהוָ֜ה אֲשֶׁ֣ר שָׂנֵ֗א עָשׂוּ֙ לֵאלֹ֣הֵיהֶ֔ם כִּ֣י גַ֤ם אֶת־בְּנֵיהֶם֙ וְאֶת־בְּנֹ֣תֵיהֶ֔ם יִשְׂרְפ֥וּ בָאֵ֖שׁ לֵֽאלֹהֵיהֶֽם׃
31
31
Nicht so sollst du tun dem Ewigen, deinem G‑tt. Denn allen Gräuel des Ewigen, den Er hasst, haben sie für ihre Götter getan. Denn auch ihre Söhne und ihre Töchter verbrennen sie im Feuer für ihre Götter.
Denn auch ihre Söhne
Das Wort גַּם fügt ihre Väter und ihre Mütter hinzu. Rabbi Akiwa sagt, ich habe einen Heiden gesehen, der seinen Vater vor seinem Hund fesselte, dass dieser ihn fraß.
Raschi
אֵ֣ת כָּל־הַדָּבָ֗ר אֲשֶׁ֤ר אָנֹכִי֙ מְצַוֶּ֣ה אֶתְכֶ֔ם אֹת֥וֹ תִשְׁמְר֖וּ לַעֲשׂ֑וֹת לֹא־תֹסֵ֣ף עָלָ֔יו וְלֹ֥א תִגְרַ֖ע מִמֶּֽנּוּ׃
1
1
Alles dasjenige, was ich euch befehle, das sollt ihr hüten zu tun, nichts sollst du hinzutun und nichts davon wegnehmen.
Alles dasjenige: Leichtes wie Schweres.
Raschi
sollt ihr hüten zu tun
תִּשְׁמְרוּ לַעֲשׂוֹת „sollt ihr hüten zu tun“: damit legt der Vers ein ausdrückliches Verbot (לֹא תַעֲשֶׂה) auf die im Abschnitt enthaltenen Gebote. Denn der Ausdruck הִשָּׁמֶר „hüte dich“ hat überall die Bedeutung eines Verbotes. Nur wird auf „hüte dich“ bei einem Gebot nicht die Malkot-Strafe vollzogen (Makot 13b).
Raschi
auf die im Abschnitt enthaltenen Gebote: Der vorliegende Vers „Alles dasjenige, was ich euch befehle, das sollt ihr hüten (תִּשְׁמְרוּ) zu tun“ ist somit eine Warnung, keine der in den vorherigen Versen befohlenen Gebote (מִצְוֹת עֲשֵׂה) zu vernachlässigen.
Vernachlässigt jemand das Gebot רַק קׇדָשֶׁיךָ גו׳ וּבָאתָ אֶל הַמָּקוֹם אֲשֶׁר יִבְחַר ה׳ „Nur deine geheiligten Tieropfer … sollst du aufladen und damit hinkommen an den Ort, den der Ewige erwählen wird“ (zuvor, 12:26), oder das Gebot וְעָשִׂיתָ עֹלֹתֶיךָ הַבָּשָׂר וְהַדָּם עַל מִזְבַּח ה׳ אֱלֹהֶיךָ „Und du sollst bereiten deine Ganzopfer, das Fleisch und das Blut, auf den Altar des Ewigen, deines G‑ttes“ (zuvor, 12:27), oder das Gebot וְדַם זְבָחֶיךָ יִשָּׁפֵךְ עַל מִזְבַּח ה׳ אֱלֹהֶיךָ „das Blut deiner Mahlopfer soll ausgegossen werden auf den Altar des Ewigen, deines G‑ttes“ (ebd.), übertritt er sowohl ein Gebot (מִצְוַת עֲשֵׂה) als auch ein Verbot (לֹא תַעֲשֶׂה).
Malkot-Strafe: Körperstrafe durch Hiebe.
du sollst nichts hinzufügen
Fünf Gehäuse [statt vier] in den Tefillin, fünf Arten beim Lulaw [statt vier], vier Segnungen beim Kohen-Segen [statt drei].
Raschi
כִּֽי־יָק֤וּם בְּקִרְבְּךָ֙ נָבִ֔יא א֖וֹ חֹלֵ֣ם חֲל֑וֹם וְנָתַ֥ן אֵלֶ֛יךָ א֖וֹת א֥וֹ מוֹפֵֽת׃
2
2
Wenn in deiner Mitte aufsteht ein Prophet oder ein Träumer und dir ein Zeichen gibt oder ein Wunder;
und dir ein Zeichen gibt am Himmel, wie es bei Gideon heißt (Richt. 6:17) וְעָשִׂיתָ לִּי אוֹת „vollziehe vor mir ein Zeichen“, (Richt. 6:39) יְהִי נָא חֹרֶב אֶל הַגִּזָּה „möge Trockenheit auf der Wolle allein sein“.
Raschi
oder ein Wunder auf der Erde.
(Andere Version: und dir ein Zeichen gibt am Himmel, wie es heißt (Ber. 1:14) וְהָיוּ לְאֹתֹת וּלְמוֹעֲדִים „sie seien zu Zeichen und zu Zeiten“. Oder ein Wunder auf der Erde, wie es heißt (Richt. 6:37) אִם טַל יִהְיֶה עַל הַגִּזָּה לְבַדָּהּ וְעַל כָּל הָאָרֶץ חֹרֶב „wenn auf der Wolle allein Tau und auf der ganzen Erde Trockenheit sein wird“.)
Dennoch aber höre nicht auf ihn. Und wenn du sagst: Warum gibt ihm der Ewige die Macht, ein Zeichen zu vollbringen? כִּי מְנַסֶּה ה׳ אֱלֹהֵיכֶם אֶתְכֶם „Denn auf die Probe stellt dich damit der Ewige“ (Vers 4).
Raschi
bei Gideon: Zur Zeit der Richter rief ein Engel G‑ttes Gideon dazu auf, das jüdische Volk anzuführen und aus der Unterdrückung der Midianim zu befreien. Gideon bat um ein Zeichen, dass G‑tt mit ihm sei. Als sich die Midianim später zum Krieg sammelten, sagte Gideon zu G‑tt (Richt. 6:37): „Wenn du Israel durch meine Hand erretten willst, wie Du gesagt hast, so lege ich die Wolle hin in die Tenne: Wenn auf der Wolle allein Tau sein wird, auf dem ganzen Boden aber Trockenheit, so werde ich erkennen, dass du Israel durch meine Hand retten wirst“. Als er am nächsten Morgen aufstand, war die Wolle voller Tau und der Boden trocken. In dieser Nacht bat er um ein weiteres Zeichen (ebd., Vers 39–40): „Soll Trockenheit sein an der Wolle allein, auf dem ganzen Boden aber sei Tau, da tat G‑tt so in jener Nacht: Es war Trockenheit an der Wolle allein, auf dem ganzen Boden aber lag Tau.“
וּבָ֤א הָאוֹת֙ וְהַמּוֹפֵ֔ת אֲשֶׁר־דִּבֶּ֥ר אֵלֶ֖יךָ לֵאמֹ֑ר נֵֽלְכָ֞ה אַחֲרֵ֨י אֱלֹהִ֧ים אֲחֵרִ֛ים אֲשֶׁ֥ר לֹֽא־יְדַעְתָּ֖ם וְנָֽעָבְדֵֽם׃
3
3
und es trifft das Zeichen oder das Wunder ein, von dem er zu dir geredet hat, indem er auch sagt: Lass uns anderen Göttern nachgehen, die du nicht kennst, und ihnen dienen!
לֹ֣א תִשְׁמַ֗ע אֶל־דִּבְרֵי֙ הַנָּבִ֣יא הַה֔וּא א֛וֹ אֶל־חוֹלֵ֥ם הַחֲל֖וֹם הַה֑וּא כִּ֣י מְנַסֶּ֞ה יְהוָ֤ה אֱלֹֽהֵיכֶם֙ אֶתְכֶ֔ם לָדַ֗עַת הֲיִשְׁכֶ֤ם אֹֽהֲבִים֙ אֶת־יְהוָ֣ה אֱלֹהֵיכֶ֔ם בְּכָל־לְבַבְכֶ֖ם וּבְכָל־נַפְשְׁכֶֽם׃
4
4
So höre nicht auf die Worte dieses Propheten oder auf diesen Träumer; denn auf die Probe stellt dich damit der Ewige, euer G‑tt, um zu erkennen, ob ihr den Ewigen, euren G‑tt, liebt mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele.
אַחֲרֵ֨י יְהוָ֧ה אֱלֹהֵיכֶ֛ם תֵּלֵ֖כוּ וְאֹת֣וֹ תִירָ֑אוּ וְאֶת־מִצְוֹתָ֤יו תִּשְׁמֹ֙רוּ֙ וּבְקֹל֣וֹ תִשְׁמָ֔עוּ וְאֹת֥וֹ תַעֲבֹ֖דוּ וּב֥וֹ תִדְבָּקֽוּן׃
5
5
Dem Ewigen, eurem G‑tt, folgt nach und habt Ehrfurcht vor Ihm, Seine Gebote beachtet und auf Seine Stimme hört, Ihm sollt ihr dienen und Ihm sollt ihr anhängen.
Seine Gebote beachtet: die Torah von Mosche.
Raschi
auf Seine Stimme hört: auf die Stimme der Propheten.
Raschi
Ihm sollt ihr dienen: in Seinem Heiligtum.
Raschi
Ihm sollt ihr anhängen
Wie hängt man G‑tt an? Gehe auf Seinen Wegen: Vollbringe Wohltaten (Gemilut Chassadim), hilf beim Begräbnis von Toten, besuche Kranke, so wie G‑tt es tut (Sota 14a).
Raschi
וְהַנָּבִ֣יא הַה֡וּא א֣וֹ חֹלֵם֩ הַחֲל֨וֹם הַה֜וּא יוּמָ֗ת כִּ֣י דִבֶּר־סָ֠רָה עַל־יְהוָ֨ה אֱלֹֽהֵיכֶ֜ם הַמּוֹצִ֥יא אֶתְכֶ֣ם׀ מֵאֶ֣רֶץ מִצְרַ֗יִם וְהַפֹּֽדְךָ֙ מִבֵּ֣ית עֲבָדִ֔ים לְהַדִּֽיחֲךָ֙ מִן־הַדֶּ֔רֶךְ אֲשֶׁ֧ר צִוְּךָ֛ יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ לָלֶ֣כֶת בָּ֑הּ וּבִֽעַרְתָּ֥ הָרָ֖ע מִקִּרְבֶּֽךָ׃
6
6
Jener Prophet oder jener Träumer soll getötet werden, denn Unwahres über den Ewigen, eurem G‑tt, hat er geredet — der euch herausgeführt hat aus dem Land Mizraim und der dich erlöst hat aus dem Haus der Knechtschaft — um dich zu verleiten von dem Weg, den der Ewige, dein G‑tt, dir befohlen hat, darauf zu gehen. Und so entferne das Böse aus deiner Mitte.
Unwahres
סָרָה bedeutet „Unwahres“: eine Sache, die nicht in der Welt vorhanden ist (דָּבָר הַמּוּסָר מִן הָעוֹלָם); die noch nie war und nie erschaffen wurde und die Ich ihm nicht befohlen habe zu sagen. Auf Französisch destolude „abwegig“.
Raschi
und der dich erlöst hat aus dem Haus der Knechtschaft
Selbst, wenn Er dir sonst nicht geholfen hat, als dass Er dich erlöst hat, so wäre es genug.
Raschi
כִּ֣י יְסִֽיתְךָ֡ אָחִ֣יךָ בֶן־אִ֠מֶּךָ אֽוֹ־בִנְךָ֨ אֽוֹ־בִתְּךָ֜ א֣וֹ׀ אֵ֣שֶׁת חֵיקֶ֗ךָ א֧וֹ רֵֽעֲךָ֛ אֲשֶׁ֥ר כְּנַפְשְׁךָ֖ בַּסֵּ֣תֶר לֵאמֹ֑ר נֵֽלְכָ֗ה וְנַֽעַבְדָה֙ אֱלֹהִ֣ים אֲחֵרִ֔ים אֲשֶׁר֙ לֹ֣א יָדַ֔עְתָּ אַתָּ֖ה וַאֲבֹתֶֽיךָ׃
7
7
Wenn dich beredet dein Bruder oder der Sohn deiner Mutter, oder dein Sohn oder deine Tochter oder die Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir wie dein Leben ist, im Geheimen und sagt: Wir wollen gehen und anderen Göttern dienen, die weder du noch deine Väter gekannt haben.
Wenn dich beredet
כִּי יְסִיתְךָ „wenn dich beredet“. Unter „bereden“ versteht man „anreizen“; so heißt es (1 Schmu. 26:19) אִם ה׳ הֱסִיתְךָ בִי „wenn der Ewige dich gegen mich geschickt hat“. Ametra auf Französisch. Er überredet ihn, so zu tun.
Raschi
dein Bruder: väterlicherseits.
Raschi
oder der Sohn deiner Mutter: der Bruder mütterlicherseits.
Raschi
die Frau in deinen Armen
אֵשֶׁת חֵיקֶךָ „die Frau in deinen Armen“: die dir nahe und angeschlossen ist; afichiede auf Französisch. Ebenso (Jech. 43:14) וּמֵחֵיק הָאָרֶץ „vom Fundament in der Erde“, von der in die Erde gesenkten Grundmauer.
Raschi
dein Freund, der dir wie dein Leben ist: das ist dein Vater. Der Vers hat dir diejenigen genannt, die dir am liebsten sind, umso mehr gilt es für andere.
Raschi
im Geheimen
Der Vers sagt, wie es gewöhnlich vorkommt, denn der Verführer spricht nur im Geheimen. So sagt auch König Schlomo (Mischle 7:9) בְּנֶשֶׁף בְּעֶרֶב יוֹם בְּאִישׁוֹן לַיְלָה וַאֲפֵלָה „in der Dämmerung, wenn es Abend wird, im Dunkel der Nacht und in der Finsternis“.
Raschi
die weder du noch deine Väter gekannt haben
Das ist eine große Schande für dich. Denn selbst die Völker verlassen nicht, was ihre Väter ihnen überliefert haben. Und dieser sagt zu dir: Verlasse, was dir deine Väter überliefert haben.
Raschi
מֵאֱלֹהֵ֣י הָֽעַמִּ֗ים אֲשֶׁר֙ סְבִיבֹ֣תֵיכֶ֔ם הַקְּרֹבִ֣ים אֵלֶ֔יךָ א֖וֹ הָרְחֹקִ֣ים מִמֶּ֑ךָּ מִקְצֵ֥ה הָאָ֖רֶץ וְעַד־קְצֵ֥ה הָאָֽרֶץ׃
8
8
Von den Göttern der Völker, die rund um euch wohnen, die dir nahe sind oder die entfernt von dir sind von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde.
die dir nahe sind oder die entfernt von dir sind
Warum zählt der Vers „nahe“ und „ferne“ auf? Der Vers sagt: aus dem Wesen der Nahen kannst du das Wesen der Fernen lernen. Wie an den Nahen nichts Wirkliches ist, so ist auch an den Fernen nichts Wirkliches.
Raschi
von einem Ende der Erde: das sind die Sonne, der Mond und das Heer des Himmels, die von einem Ende der Welt bis zum anderen gehen.
Raschi
לֹא־תֹאבֶ֣ה ל֔וֹ וְלֹ֥א תִשְׁמַ֖ע אֵלָ֑יו וְלֹא־תָח֤וֹס עֵֽינְךָ֙ עָלָ֔יו וְלֹֽא־תַחְמֹ֥ל וְלֹֽא־תְכַסֶּ֖ה עָלָֽיו׃
9
9
Dann willige ihm nicht ein und höre nicht auf ihn, dein Auge schone ihn nicht, bemitleide ihn nicht und verdecke seine Schuld nicht.
willige ihm nicht ein
לֹא תֹאבֶה לוֹ „willige ihm nicht ein“: habe kein Wohlgefallen an ihm, liebe ihn nicht. Weil es heißt (Waj. 19:18) וְאָהַבְתָּ לְרֵעֲךָ כָּמוֹךָ „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ – diesen aber liebe nicht.
Raschi
höre nicht auf ihn
וְלֹא תִשְׁמַע אֵלָיו „höre nicht auf ihn“: wenn er um sein Leben bittet, ihm zu verzeihen. Weil es heißt (Schem. 23:5) עָזֹב תַּעֲזֹב עִמּוֹ „du sollst ihm beistehen“ – diesem aber sollst du nicht beistehen.
Raschi
dein Auge schone ihn nicht
וְלֹא תָחוֹס עֵינְךָ עָלָיו „dein Auge schone ihn nicht“. Weil es heißt (Schem. 23:5) לֹא תַעֲמֹד עַל דַּם רֵעֶךָ „bleibe nicht stehen bei der Lebensgefahr deines Nächsten“ – diesen aber sollst du nicht verschonen.
Raschi
bemitleide ihn nicht
וְלֹא תַחְמֹל „bemitleide ihn nicht“: bemühe dich nicht, ihn zu entschuldigen.
Raschi
und verdecke seine Schuld nicht
וְלֹא תְכַסֶּה עָלָיו „verdecke seine Schuld nicht“: verheimliche seine Schuld nicht. Wenn du eine Schuld von ihm weißt, darfst du nicht schweigen.
Raschi
כִּ֤י הָרֹג֙ תַּֽהַרְגֶ֔נּוּ יָֽדְךָ֛ תִּֽהְיֶה־בּ֥וֹ בָרִֽאשׁוֹנָ֖ה לַהֲמִית֑וֹ וְיַ֥ד כָּל־הָעָ֖ם בָּאַחֲרֹנָֽה׃
10
10
Sondern töten sollst du ihn; deine Hand soll zuerst gegen ihn sein, ihn zu töten, und die Hand des ganzen Volkes nachher.
Sondern töten sollst du ihn
Wenn er aus dem Gericht frei hervorgegangen ist, bringe ihn zurück, um ihn zu verurteilen. Ist er aus dem Gericht als schuldig hervorgegangen, bringe ihn nicht zurück, um ihn freizumachen.
Raschi
deine Hand soll zuerst gegen ihn sein
Es ist ein Gebot für denjenigen, der verführt werden sollte, dass er ihn töte. Ist er durch seine Hand nicht gestorben, so sterbe er durch die Hand der anderen, wie es heißt „und die Hand des ganzen Volkes“.
Raschi
וּסְקַלְתּ֥וֹ בָאֲבָנִ֖ים וָמֵ֑ת כִּ֣י בִקֵּ֗שׁ לְהַדִּֽיחֲךָ֙ מֵעַל֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ הַמּוֹצִיאֲךָ֛ מֵאֶ֥רֶץ מִצְרַ֖יִם מִבֵּ֥ית עֲבָדִֽים׃
11
11
Steinigen sollst du ihn, dass er sterbe, weil er versucht hat, dich abzubringen vom Ewigen, deinem G‑tt, der dich aus dem Land Mizraim geführt hat, aus dem Haus der Knechtschaft.
כִּֽי־תִשְׁמַ֞ע בְּאַחַ֣ת עָרֶ֗יךָ אֲשֶׁר֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהֶ֜יךָ נֹתֵ֥ן לְךָ֛ לָשֶׁ֥בֶת שָׁ֖ם לֵאמֹֽר׃
13
13
Wenn du sagen hörst in einer deiner Städte, die der Ewige, dein G‑tt, dir gibt, dort zu wohnen, wie folgt:
dort zu wohnen: das schließt Jeruschalaim aus, das nicht zum Wohnen gegeben wurde.
Raschi
Wenn du sagen hörst: dass man so sagt (nächster Vers) יָצְאוּ אֲנָשִׁים בְּנֵי בְלִיַּעַל מִקִּרְבֶּךָ וַיַּדִּיחוּ „es sind Männer, nichtswürdige Leute, aus deiner Mitte hervorgegangen …“.
Raschi
יָצְא֞וּ אֲנָשִׁ֤ים בְּנֵֽי־בְלִיַּ֙עַל֙ מִקִּרְבֶּ֔ךָ וַיַּדִּ֛יחוּ אֶת־יֹשְׁבֵ֥י עִירָ֖ם לֵאמֹ֑ר נֵלְכָ֗ה וְנַעַבְדָ֛ה אֱלֹהִ֥ים אֲחֵרִ֖ים אֲשֶׁ֥ר לֹא־יְדַעְתֶּֽם׃
14
14
Es sind Männer, nichtswürdige Leute, aus deiner Mitte hervorgegangen und haben die Bewohner ihrer Stadt verleitet, indem sie sagten: Lasst uns gehen und anderen Göttern dienen, die ihr nicht gekannt habt.
Männer: und nicht Frauen.
Raschi
die Bewohner ihrer Stadt: und nicht die Bewohner einer anderen Stadt; von hier hat man gelernt, dass sie nur dann zur „verleiteten Stadt“ (עִיר הַנִּדַּחַת) wird, wenn Männer sie verführen und ihre Verführer aus ihr selbst sind (Sanh. 111b).
Raschi
verleitete Stadt: Die „verleitete Stadt“ (hebr. עִיר הַנִּדַּחַת) bezeichnet eine jüdische Stadt, deren Einwohner sich mehrheitlich zum Götzendienst verführen ließen. Nach einer gründlichen gerichtlichen Untersuchung muss die Stadt vollständig zerstört und all ihr Besitz verbrannt werden.
וְדָרַשְׁתָּ֧ וְחָקַרְתָּ֧ וְשָׁאַלְתָּ֖ הֵיטֵ֑ב וְהִנֵּ֤ה אֱמֶת֙ נָכ֣וֹן הַדָּבָ֔ר נֶעֶשְׂתָ֛ה הַתּוֹעֵבָ֥ה הַזֹּ֖את בְּקִרְבֶּֽךָ׃
15
15
So sollst du nachforschen und untersuchen und genau nachfragen; und wenn es wahr ist und die Sache feststeht, dass ein solcher Gräuel in deiner Mitte begangen wurde:
So sollst du nachforschen und untersuchen und genau nachfragen
Von hier haben die Weisen die sieben Prüfungen (חֲקִירוֹת) der Zeugen gelernt, nämlich aus der Wiederholung im Vers. Hier stehen drei: וְדָרַשְׁתָּ „nachforschen“, וְחָקַרְתָּ „untersuchen“, הֵיטֵב „genau“. Der Begriff וְשָׁאַלְתָּ „nachfragen“ gehört nicht zur Zahl [der Prüfungen, sondern] davon lernten sie die Untersuchungen (בְּדִיקוֹת). Und an anderer Stelle heißt es (Dew. 19:18) וְדָרְשׁוּ הַשּׁוֹפְטִים הֵיטֵב „die Richter sollen genau nachforschen“, und an anderer Stelle (Dew. 17:4) וְדָרַשְׁתָּ הֵיטֵב „forsche genau nach“. Und man lernt durch gleichen Ausdruck „gut“ von „gut“, לָמְדוּ ״הֵיטֵב״ ״הֵיטֵב״ לִגְזֵרָה שָׁוָה, um das an der einen Stelle Gesagte mit dem an der anderen Stelle Gesagten zu verbinden.
Raschi
Untersuchungen (בְּדִיקוֹת): Fragen zu den Nebenumständen der Zeugenaussage, wie etwa die Kleidung der Personen oder das Tatwerkzeug (siehe Sanh. 41a). Anders als bei den Prüfungen (חֲקִירוֹת) führt es nicht zur Ungültigkeit der Aussage, wenn sich die Zeugen nicht an diese Einzelheiten erinnern; ihr Zweck ist es, Widersprüche zwischen den Zeugenberichten aufzudecken.
הַכֵּ֣ה תַכֶּ֗ה אֶת־יֹֽשְׁבֵ֛י הָעִ֥יר הַהִ֖יא לְפִי־חָ֑רֶב הַחֲרֵ֨ם אֹתָ֧הּ וְאֶת־כָּל־אֲשֶׁר־בָּ֛הּ וְאֶת־בְּהֶמְתָּ֖הּ לְפִי־חָֽרֶב׃
16
16
Dann sollst du schlagen, erschlagen die Bewohner dieser Stadt mit der Schärfe des Schwertes; zerstöre sie und alles was darin ist und auch ihr Vieh mit der Schärfe des Schwertes.
Dann sollst du schlagen, erschlagen
Wenn du sie nicht mit der für sie vorgeschriebenen Todesart töten kannst, so töte sie auf andere Weise.
Raschi
וְאֶת־כָּל־שְׁלָלָ֗הּ תִּקְבֹּץ֮ אֶל־תּ֣וֹךְ רְחֹבָהּ֒ וְשָׂרַפְתָּ֨ בָאֵ֜שׁ אֶת־הָעִ֤יר וְאֶת־כָּל־שְׁלָלָהּ֙ כָּלִ֔יל לַיהוָ֖ה אֱלֹהֶ֑יךָ וְהָיְתָה֙ תֵּ֣ל עוֹלָ֔ם לֹ֥א תִבָּנֶ֖ה עֽוֹד׃
17
17
Und alle Beute aus ihr sollst du zusammenbringen mitten auf ihren Platz. Verbrenne vollkommen im Feuer die Stadt und alle Beute aus ihr für den Ewigen, deinen G‑tt. Sie soll ein ewiger Schutthaufen bleiben, sie soll nicht wieder erbaut werden.
für den Ewigen, deinen G‑tt
לַה׳ אֱלֹהֶיךָ „für den Ewigen, deinen G‑tt“: in Seinem Namen und Seinetwegen.
Raschi
וְלֹֽא־יִדְבַּ֧ק בְּיָדְךָ֛ מְא֖וּמָה מִן־הַחֵ֑רֶם לְמַעַן֩ יָשׁ֨וּב יְהוָ֜ה מֵחֲר֣וֹן אַפּ֗וֹ וְנָֽתַן־לְךָ֤ רַחֲמִים֙ וְרִֽחַמְךָ֣ וְהִרְבֶּ֔ךָ כַּאֲשֶׁ֥ר נִשְׁבַּ֖ע לַאֲבֹתֶֽיךָ׃
18
18
Und es hafte nicht an deiner Hand das Geringste von dem zur Zerstörung Verbannten; damit sich der Ewige von der Glut Seines Zornes abwende und dir Erbarmen schenke, sich deiner erbarme und dich vermehre, wie Er deinen Vätern zugeschworen hat.
damit sich der Ewige … abwende
Die Worte לְמַעַן יָשׁוּב ה׳ „damit sich der Ewige [von der Glut Seines Zornes] abwende“, bezieht sich auf הַכֵּה תַכֶּה „schlagen sollst du, erschlagen“ [in Vers 16].
Raschi
damit sich der Ewige von der Glut Seines Zornes abwende: denn solange Götzendienst in der Welt ist, ist Zornesglut in der Welt.
Raschi
כִּ֣י תִשְׁמַ֗ע בְּקוֹל֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ לִשְׁמֹר֙ אֶת־כָּל־מִצְוֹתָ֔יו אֲשֶׁ֛ר אָנֹכִ֥י מְצַוְּךָ֖ הַיּ֑וֹם לַעֲשׂוֹת֙ הַיָּשָׁ֔ר בְּעֵינֵ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֶֽיךָ׃
19
19
Wenn du gehorchst der Stimme des Ewigen, deines G‑ttes, zu beachten alle Seine Gebote, die ich dir heute befehle, zu tun, was in den Augen des Ewigen, deines G‑ttes, recht ist.