Der tägliche Chumasch-Abschnitt

22. Aw 5786

Mittwoch, 5. August 2026

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Re’e

4. Alija

(Dewarim 14:1 – 14:21)

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בָּנִ֣ים אַתֶּ֔ם לַֽיהוָ֖ה אֱלֹהֵיכֶ֑ם לֹ֣א תִתְגֹּֽדְד֗וּ וְלֹֽא־תָשִׂ֧ימוּ קָרְחָ֛ה בֵּ֥ין עֵינֵיכֶ֖ם לָמֵֽת׃
1
1
Kinder seid ihr des Ewigen, eures G‑ttes. Ihr sollt euch keine Einschnitte machen und zwischen euren Augen keine Glatze machen als Zeichen der Trauer über einen Toten.
Ihr soll euch keine Einschnitte machen
Macht euch keinen Einschnitt und keine Verletzung in eurem Fleisch [als Zeichen der Trauer] über einen Toten, wie es die Emorim tun. Weil ihr die Kinder des Ewigen seid und es für euch passt, schön zu sein und nicht mit Einschnitten und kahlen Stellen.
Raschi
zwischen euren Augen
„Zwischen euren Augen“: neben der Stirn. An anderer Stelle sagt der Vers (Waj. 21:5) לֹא יִקְרְחֻה בְּרֹאשָׁם „sie sollen sich auf ihrem Kopf keine Glatze machen“, um das ganze Kopfhaar gleich der Stelle am Vorderkopf zu machen.
Raschi
כִּ֣י עַ֤ם קָדוֹשׁ֙ אַתָּ֔ה לַיהוָ֖ה אֱלֹהֶ֑יךָ וּבְךָ֞ בָּחַ֣ר יְהוָ֗ה לִֽהְי֥וֹת לוֹ֙ לְעַ֣ם סְגֻלָּ֔ה מִכֹּל֙ הָֽעַמִּ֔ים אֲשֶׁ֖ר עַל־פְּנֵ֥י הָאֲדָמָֽה׃
2
2
Denn ein heiliges Volk bist du dem Ewigen, deinem G‑tt, und dich hat der Ewige erwählt, dass du Ihm als Volk ein ausgesuchter Schatz seist vor allen Völkern auf dem Erdboden.
Denn ein heiliges Volk bist du: von deinen Vorvätern stammt deine Heiligkeit, und zusätzlich „dich hat der Ewige erwählt“.
Raschi
לֹ֥א תֹאכַ֖ל כָּל־תּוֹעֵבָֽה׃
3
3
Du sollst keinen Gräuel essen.
keinen Gräuel
כָּל „alles“: alles, was Ich dir für einen Gräuel erklärt habe. Wenn jemand beispielsweise das Ohr eines erstgeborenen Tieres verletzt, um es außerhalb des Heiligtums schlachten zu dürfen, so ist das eine Sache, die Ich dir für einen Gräuel erklärt habe; כָּל מוּם לֹא יִהְיֶה בּוֹ „irgendein Körperfehler sei (entstehe) nicht an ihm“ (Waj. 22:21). Dafür kommt der Vers hier und lehrt, dass man es auf diesen Körperfehler hin nicht schlachten und essen darf.
Hat jemand Fleisch mit Milch gekocht, so ist das eine Sache, die Ich dir für einen Gräuel erklärt habe; und hier verbietet der Vers, es zu essen (Chulin 114b).
Raschi
זֹ֥את הַבְּהֵמָ֖ה אֲשֶׁ֣ר תֹּאכֵ֑לוּ שׁ֕וֹר שֵׂ֥ה כְשָׂבִ֖ים וְשֵׂ֥ה עִזִּֽים׃
4
4
Das sind die Tiere, die ihr essen dürft: Ochse, Schaf und Ziege.
(4—5) Das sind die Tiere … Reh und Hirsch und *Jachmur*
[Der Begriff בְּהֵמָה beschreibt meist zahme Nutztiere. Weshalb beginnt der Vers mit זֹאת הַבְּהֵמָה „Das sind die Tiere“ und führt im Folgenden sowohl Nutztiere als auch Wildtiere auf?]

Von hier lernen wir, dass „Wild“ zum Begriff בְּהֵמָה gehört.

Weiters lernen wir, dass das unreine Vieh und Wild zahlreicher als das reine ist; denn überall zählt der Vers das auf, das weniger ist (Chulin 63b).
Raschi
אַיָּ֥ל וּצְבִ֖י וְיַחְמ֑וּר וְאַקּ֥וֹ וְדִישֹׁ֖ן וּתְא֥וֹ וָזָֽמֶר׃
5
5
Reh und Hirsch und Jachmur und Steinbock und Dischon und Teo und Semer.
Steinbock
Das Wort אַקּוֹ übersetzt der Targum mit יַעֲלָא; (Ijow 39:1) יַעֲלֵי סָלַע „Steinböcke“; das ist der Steinbock.
Raschi
Teo
Das Wort תְאוֹ übersetzt der Targum mit תּוֹרְבָּלָא „Waldtier“; בָּאלָא bedeutet „Wald“ im Aramäischen.
Raschi
וְכָל־בְּהֵמָ֞ה מַפְרֶ֣סֶת פַּרְסָ֗ה וְשֹׁסַ֤עַת שֶׁ֙סַע֙ שְׁתֵּ֣י פְרָס֔וֹת מַעֲלַ֥ת גֵּרָ֖ה בַּבְּהֵמָ֑ה אֹתָ֖הּ תֹּאכֵֽלוּ׃
6
6
Und jedes Vieh, das einen Huf bildet und ihn ganz durchspaltet zu zwei Hufen, und auch wiederkäuend ist unter dem Vieh, das dürft ihr essen.
das einen Huf bildet
מַפְרֶסֶת „gespalten“, wie der Targum übersetzt דִּסְדִיקָא פַרְסְתַהּ, dessen Huf gespalten ist.
Raschi
פַּרְסָה, die Sohle, plante auf Französisch.
Raschi
durchspaltet
שֹׁסַעַת, in zwei Hufe geteilt. Denn es gibt [Tiere, deren Huf zwar an der Spitze] gespalten ist, nicht aber völlig gespaltene Hufe bildet; und ein solches Tier ist unrein.
Raschi
unter dem Vieh
בַּבְּהֵמָה, wörtl. „im Vieh“. Daraus geht auch hervor, dass du das, was im Vieh gefunden wird, essen darfst. Davon lehrten sie, dass das im Inneren vorgefundene Junge durch die Schlachtung des Muttertieres zum Essen erlaubt wird (Chulin 69a, 74a).
Raschi
אַ֣ךְ אֶת־זֶ֞ה לֹ֤א תֹֽאכְלוּ֙ מִמַּֽעֲלֵ֣י הַגֵּרָ֔ה וּמִמַּפְרִיסֵ֥י הַפַּרְסָ֖ה הַשְּׁסוּעָ֑ה אֶֽת־הַ֠גָּמָל וְאֶת־הָאַרְנֶ֨בֶת וְאֶת־הַשָּׁפָ֜ן כִּֽי־מַעֲלֵ֧ה גֵרָ֣ה הֵ֗מָּה וּפַרְסָה֙ לֹ֣א הִפְרִ֔יסוּ טְמֵאִ֥ים הֵ֖ם לָכֶֽם׃
7
7
Doch das dürft ihr nicht essen von denen, die nur wiederkäuen, und von denen, die nur durchspaltene Hufe haben: das Gespaltene, das Kamel und den Hasen und Schafan, denn sie sind zwar wiederkäuend, haben aber keine durchspaltenen Hufe; unrein sollen sie euch sein.
das Gespaltene
הַשְּׁסוּעָה (haSchessua), das ist ein Geschöpf, das einen doppelten Rücken und eine doppelte Wirbelsäule hat (Chulin 60b).
Unsere Weisen sagen, warum sind die Säugetiere wiederholt? [Die Säugetiere sind wiederholt,] um Schessua hinzuzufügen, und die Vögel, um Raa (Vers 13) hinzuzufügen, die in Torat Kohanim nicht erwähnt sind (Chulin 63b).
Raschi
Torat Kohanim: das Buch Wajikra.
וְאֶת־הַ֠חֲזִיר כִּֽי־מַפְרִ֨יס פַּרְסָ֥ה הוּא֙ וְלֹ֣א גֵרָ֔ה טָמֵ֥א ה֖וּא לָכֶ֑ם מִבְּשָׂרָם֙ לֹ֣א תֹאכֵ֔לוּ וּבְנִבְלָתָ֖ם לֹ֥א תִגָּֽעוּ׃
8
8
Und das Schwein, denn es hat zwar durchspaltene Hufe, ist aber nicht wiederkäuend, unrein soll es euch sein. Von ihrem Fleisch dürft ihr nicht essen und ihr Aas nicht berühren.
Aas: Fleisch eines toten Tieres.
und ihr Aas nicht berühren
Unsere Lehrer erklären, am Fest (בָּרֶגֶל). Da man an den Festtagen verpflichtet ist, sich rein zu halten. Ich hätte meinen können, dass man das ganze Jahr dazu verpflichtet sei. Darum heißt es (Waj. 21:1) אֱמֹר אֶל הַכֹּהֲנִים „sprich zu den Kohanim“. Wenn vor der schweren Unreinheit einer Leiche nur Kohanim verwarnt sind, aber Israel nicht verwarnt ist, umso weniger vor der leichten Unreinheit eines Aases (Rosch haSchana 16b).
Raschi
אֶת־זֶה֙ תֹּֽאכְל֔וּ מִכֹּ֖ל אֲשֶׁ֣ר בַּמָּ֑יִם כֹּ֧ל אֲשֶׁר־ל֛וֹ סְנַפִּ֥יר וְקַשְׂקֶ֖שֶׂת תֹּאכֵֽלוּ׃
9
9
Das dürft ihr essen von allem, was im Wasser ist: Alles, was Flossen und Schuppen hat, dürft ihr essen.
וְכֹ֨ל אֲשֶׁ֧ר אֵֽין־ל֛וֹ סְנַפִּ֥יר וְקַשְׂקֶ֖שֶׂת לֹ֣א תֹאכֵ֑לוּ טָמֵ֥א ה֖וּא לָכֶֽם׃
10
10
Aber alles, was nicht Flossen und Schuppen hat, dürft ihr nicht essen; unrein soll es euch sein.
כָּל־צִפּ֥וֹר טְהֹרָ֖ה תֹּאכֵֽלוּ׃
11
11
Jeden reinen Vogel dürft ihr essen.
Jeden reinen Vogel dürft ihr essen: das erlaubt auch den beim Aussätzigen weggeschickten Vogel.
Raschi
den beim Aussätzigen weggeschickten Vogel: Ein Aussätziger (מְצֹרָע) ist von Aussatz (צָרַעַת) befallen: einem Hautleiden, das sich durch weiße oder weißliche Flecken auf dem Körper zeigt. Eine solche Person ist unrein (טָמֵא) und muss nach der Heilung ein besonderes Reinigungsverfahren durchlaufen. Dazu gehören zwei koschere Vögel: Einer wird über einem Gefäß mit Quellwasser geschächtet, der andere wird lebendig in die Mischung aus Blut und Wasser getaucht, mit der der Aussätzige besprengt wird. Nach dem Besprengen wird der lebende Vogel auf das freie Feld entlassen. Siehe Paraschat Mezora, Wajikra, Kap. 14.
וְזֶ֕ה אֲשֶׁ֥ר לֹֽא־תֹאכְל֖וּ מֵהֶ֑ם הַנֶּ֥שֶׁר וְהַפֶּ֖רֶס וְהָֽעָזְנִיָּֽה׃
12
12
*Und das ist, von denen ihr nicht essen dürft: Adler, Peres und Osnija.*
Und das ist, von denen ihr nicht essen dürft: das verbietet den Vogel des Aussätzigen, der geschächtet wird.
Raschi
Die Formulierung מֵהֶם „von denen“ bezieht sich auf die im vorherigen Vers erwähnten, erlaubten Vogelarten. Das zeigt, dass auch ein Vogel einer erlaubten Art unter bestimmten Umständen verboten sein kann. Damit ist der geschächtete Vogel des Aussätzigen gemeint.
Chulin 140a, Raschi ד״ה וזה אשר לא תאכלו מהם
וְהָרָאָה֙ וְאֶת־הָ֣אַיָּ֔ה וְהַדַּיָּ֖ה לְמִינָֽהּ׃
13
13
*Und Raa, Aja, Daja nach ihrer Art.*
Raa, Aja, Daja
Raa = Aja = Daja. Warum wird dieser Vogel „Raa“ (רָאָה) genannt? Weil er weit sieht (רוֹאָה בְּיוֹתֵר). Und warum hat ihn der Vers mit allen seinen Namen verboten? Um keine Ausrede zu lassen. Damit nicht derjenige, der verbietet, den Vogel „Raa“ nennt, während derjenige, der ihn erlaubt, sagt, dieser Vogel heiße „Daja“ oder „Aja“, und diesen habe die Torah nicht verboten.
Bei den Vögeln zählt die Torah die unreinen auf, um zu lehren, dass die reinen Vögel zahlreicher als die unreinen sind. Darum nennt sie diejenigen, die weniger sind.
Raschi
וְאֵ֥ת כָּל־עֹרֵ֖ב לְמִינֽוֹ׃
14
14
Und alle Raben nach ihrer Art.
וְאֵת֙ בַּ֣ת הַֽיַּעֲנָ֔ה וְאֶת־הַתַּחְמָ֖ס וְאֶת־הַשָּׁ֑חַף וְאֶת־הַנֵּ֖ץ לְמִינֵֽהוּ׃
15
15
*Und den Strauß und den Falken und Schachaf und Nez nach seiner Art.*
אֶת־הַכּ֥וֹס וְאֶת־הַיַּנְשׁ֖וּף וְהַתִּנְשָֽׁמֶת׃
16
16
**Kos und die Nachteule und Tinschemet.**
Tinschemet
תִּנְשָׁמֶת, chalve soriz auf Französisch. Fledermaus.
Raschi
וְהַקָּאָ֥ת וְאֶֽת־הָרָחָ֖מָה וְאֶת־הַשָּׁלָֽךְ׃
17
17
*Und Kaat und Rachama und Schalach.*
Schalach
שָׁלָךְ „Schalach“: der Fische aus dem Meer zieht (הַשּׁוֹלֶה דָּגִים מִן הַיָּם, Chulin 63a).
Raschi
Der Name „Schalach“ ist mit dem Wort „schole“ (שׁוֹלֶה, „herausziehen“) verwandt. Das verweist darauf, dass dieser Vogel Fische aus dem Meer zieht.
Targum Onkelos verwendet das Wort שָׁלֵינוּנָא, eine Zusammenziehung von שָׁלֵי (einer, der herauszieht) und נוּנָא (Fisch).
וְהַ֣חֲסִידָ֔ה וְהָאֲנָפָ֖ה לְמִינָ֑הּ וְהַדּוּכִיפַ֖ת וְהָעֲטַלֵּֽף׃
18
18
*Und den Storch und Anafa nach ihrer Art und Duchifat und Atalef.*
Duchifat ist der wilde Hahn, herupe auf Französisch. Er hat einen doppelten Kamm.
Raschi
וְכֹל֙ שֶׁ֣רֶץ הָע֔וֹף טָמֵ֥א ה֖וּא לָכֶ֑ם לֹ֖א יֵאָכֵֽלוּ׃
19
19
Und jedes geflügelte Kriechtier soll euch unrein sein, sie dürfen nicht gegessen werden.
geflügeltes Kriechtier
שֶׁרֶץ הָעוֹף „geflügeltes Kriechtier“. Das sind die niedrigen, die auf der Erde kriechen, wie Fliegen, Hornissen und unreine Heuschrecken; sie werden שֶׁרֶץ „Kriechtiere“ genannt.
Raschi
כָּל־ע֥וֹף טָה֖וֹר תֹּאכֵֽלוּ׃
20
20
Jedes reine Geflügel dürft ihr essen.
Jedes reine Geflügel dürft ihr essen
„Jedes reine Geflügel dürft ihr essen“, aber nicht einen unreinen Vogel. Damit fügt der Vers zu dem Verbot (לֹא תַּעֲשֶׂה) noch ein Gebot (מִצְוַת עֲשֵׂה) dazu. Ebenso beim Vieh (Vers 6) אֹתָהּ תֹּאכֵלוּ „das dürft ihr essen“, aber nicht unreines Vieh. Ein Verbot, das aus einem Gebot hervorgeht (לָאו הַבָּא מִכְּלַל עֲשֵׂה), ist ein Gebot, sodass er hierbei ein Gebot und ein Verbot übertritt.
Raschi
לֹ֣א תֹאכְל֣וּ כָל־נְ֠בֵלָה לַגֵּ֨ר אֲשֶׁר־בִּשְׁעָרֶ֜יךָ תִּתְּנֶ֣נָּה וַאֲכָלָ֗הּ א֤וֹ מָכֹר֙ לְנָכְרִ֔י כִּ֣י עַ֤ם קָדוֹשׁ֙ אַתָּ֔ה לַיהוָ֖ה אֱלֹהֶ֑יךָ לֹֽא־תְבַשֵּׁ֥ל גְּדִ֖י בַּחֲלֵ֥ב אִמּֽוֹ׃
21
21
Ihr sollt kein Aas essen; dem Fremden, der in deinen Toren ist, kannst du es geben, dass er es isst, oder du kannst es einem Nicht-Juden verkaufen, denn ein heiliges Volk bist du dem Ewigen, deinem G‑tt. Du sollst ein Jungtier nicht in der Milch seiner Mutter kochen.
dem Fremden, der in deinen Toren ist: das ist der Ger Toschaw, der auf sich genommen hat, nicht den Götzen zu dienen, der aber gefallenes Fleisch (נְבֵלוֹת) isst.
Raschi
denn ein heiliges Volk bist du dem Ewigen: heilige dich in dem, was dir erlaubt ist. Dinge, die erlaubt sind, die aber andere als verboten behandeln, erlaube nicht in ihrer Gegenwart.
Raschi
Du sollst ein Jungtier nicht kochen
[Das Wort גְּדִי „Jungtier“] steht drei Mal in der Torah. Das schließt Wild (חַיָּה), Geflügel (עוֹפוֹת) und unreines Vieh (בְהֵמָה טְמֵאָה) aus. (Chulin 113a)
Raschi