עַשֵּׂ֣ר תְּעַשֵּׂ֔ר אֵ֖ת כָּל־תְּבוּאַ֣ת זַרְעֶ֑ךָ הַיֹּצֵ֥א הַשָּׂדֶ֖ה שָׁנָ֥ה שָׁנָֽה׃
22
22
Einen zehnten Teil sollst du auf die Seite legen von allem Ertrag deiner Saat, die hervorkommt auf dem Feld, Jahr für Jahr.
Einen zehnten Teil
[Der vorhergehende Vers am Ende der vierten Alija nennt das Verbot von Fleisch und Milch: לֹא תְבַשֵּׁל גְּדִי בַּחֲלֵב אִמּוֹ „Du sollst ein Jungtier nicht in der Milch seiner Mutter kochen“.] Wie kommt das eine [die hier erwähnte Zehntabgabe, מַעְשַׂר] zum anderen [dem zuvor erwähnten Verbot von Fleisch und Milch, בָּשָׂר בְּחָלָב]? Der Ewige sagt zu Israel: Veranlasst Mich nicht, das unreife Getreide im Inneren seiner Ähren zu verbrennen. Denn wenn ihr den Zehnten Teil (מַעְשַׂר) nicht nach Vorschrift absondert, lasse Ich kurz vor der Reife den Ostwind wehen, der das Getreide versengt (d.h. austrocknet, verbrennt), wie es heißt (2 Kön. 19:26) וּשְׁדֵפָה לִפְנֵי קָמָה „verdorrt, ehe es reif wird“, und ebenfalls bei בִּכּוּרִים, den Erstlingsfrüchten.
Raschi
Ähren zu verbrennen: wörtl. „zu kochen“ לְבַשֵּׁל, wie im Vers zuvor לֹא תְבַשֵּׁל גְּדִי וגו׳.
der das Getreide versengt: austrocknet, verbrennt.
Jahr für Jahr
Von hier geht hervor, dass man den Zehnten Teil (מַעְשַׂר) nicht vom Neuen für das Alte geben darf.
Raschi
וְאָכַלְתָּ֞ לִפְנֵ֣י׀ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֗יךָ בַּמָּק֣וֹם אֲשֶׁר־יִבְחַר֮ לְשַׁכֵּ֣ן שְׁמ֣וֹ שָׁם֒ מַעְשַׂ֤ר דְּגָֽנְךָ֙ תִּֽירֹשְׁךָ֣ וְיִצְהָרֶ֔ךָ וּבְכֹרֹ֥ת בְּקָרְךָ֖ וְצֹאנֶ֑ךָ לְמַ֣עַן תִּלְמַ֗ד לְיִרְאָ֛ה אֶת־יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ כָּל־הַיָּמִֽים׃
23
23
Und du sollst essen vor dem Ewigen, deinem G‑tt, an dem Ort, den Er erwählen wird, Seinen Namen dort wohnen zu lassen, den zehnten Teil deines Getreides, deines Mostes und deines Öls und die Erstgeborenen deiner Rinder und deines Kleinviehs; damit du lernest, den Ewigen, deinen G‑tt, zu fürchten alle Tage.
Und du sollst essen
Das ist der Zweite Zehnte (מַעֲשֵׂר שֵׁנִי), weil wir bereits gelernt haben, dass man den Ersten Zehnten (מַעֲשֵׂר רִאשׁוֹן) den Leviim gibt. So heißt es (Bam. 18:26) כִּי תִקְחוּ מֵאֵת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל אֶת הַמַּעֲשֵׂר „Wenn ihr von den Kindern Israel den zehnten Teil nehmt“. Und es war den Leviim erlaubt, ihn an jedem Ort zu essen, wie es dort heißt (Bam. 18:31) וַאֲכַלְתֶּם אֹתוֹ בְּכָל מָקוֹם „ihr dürft es an jedem Ort essen“. Notwendigerweise handelt es sich hier um eine andere Zehntabgabe.
Raschi
וְכִֽי־יִרְבֶּ֨ה מִמְּךָ֜ הַדֶּ֗רֶךְ כִּ֣י לֹ֣א תוּכַל֮ שְׂאֵתוֹ֒ כִּֽי־יִרְחַ֤ק מִמְּךָ֙ הַמָּק֔וֹם אֲשֶׁ֤ר יִבְחַר֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ לָשׂ֥וּם שְׁמ֖וֹ שָׁ֑ם כִּ֥י יְבָרֶכְךָ֖ יְהוָ֥ה אֱלֹהֶֽיךָ׃
24
24
Wenn dir aber der Weg zu viel ist, dass du es nicht tragen kannst — denn der Ort wird dir zu entfernt sein, den der Ewige, dein G‑tt, erwählen wird, Seinen Namen dort einzusetzen, weil dich der Ewige, dein G‑tt, segnen wird —
weil dich segnen wird: das Getreide wird zuviel sein, um den Zehnten Teil (מַעְשַׂר) „zu tragen [an den Ort, den der Ewige erwählen wird“].
Raschi
Demnach ist der Satztteil כִּי יְבָרֶכְךָ ה׳ אֱלֹהֶיךָ „weil dich der Ewige, dein G‑tt, segnen wird“ die Begründung ist für כִּי לֹא תוּכַל שְׂאֵתוֹ „dass du es nicht tragen kannst“: das Unvermögen, die Last des Ma∙asser zu tragen.
וְנָתַתָּ֣ה הַכֶּ֡סֶף בְּכֹל֩ אֲשֶׁר־תְּאַוֶּ֨ה נַפְשְׁךָ֜ בַּבָּקָ֣ר וּבַצֹּ֗אן וּבַיַּ֙יִן֙ וּבַשֵּׁכָ֔ר וּבְכֹ֛ל אֲשֶׁ֥ר תִּֽשְׁאָלְךָ֖ נַפְשֶׁ֑ךָ וְאָכַ֣לְתָּ שָּׁ֗ם לִפְנֵי֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ וְשָׂמַחְתָּ֖ אַתָּ֥ה וּבֵיתֶֽךָ׃
26
26
Du kannst das Geld hingeben für alles, was deine Seele begehrt — für Rind, Schaf, Wein und starkes Getränk, für alles, wonach deine Seele verlangt — und genieße es dort vor dem Ewigen, deinem G‑tt, und freue dich, du und deine Familie.
für alles, was deine Seele begehrt: ist eine allgemeine Regel.
für Rind, Schaf, Wein und starkes Getränk: sind Beispiele.
für alles, wonach deine Seele verlangt: ist wieder eine allgemeine Regel. Wie in den Beispielen nur solches ausgesprochen ist, was der Erde entstammt und zur Speise für Menschen geeignet ist, [so muss auch alles, was mit dem Geld vom Zweiten Ma∙asser gekauft wird, diesen Regeln entsprechen]. (Eruwin 27b)
Raschi
וְהַלֵּוִ֥י אֲשֶׁר־בִּשְׁעָרֶ֖יךָ לֹ֣א תַֽעַזְבֶ֑נּוּ כִּ֣י אֵ֥ין ל֛וֹ חֵ֥לֶק וְנַחֲלָ֖ה עִמָּֽךְ׃
27
27
Und den Levi, der in deinen Toren ist, lasse ihn nicht im Stich; denn er hat keinen Anteil und Besitz mit dir.
Und den Levi … lasse ihn nicht im Stich: ihm den Ersten Ma∙asser zu geben.
Raschi
denn er hat keinen Anteil und Besitz mit dir
Damit sind Nachlese (לֶקֶט), Vergessenes (שִׁכְחָה), Feldecke (פֵאָה) und Herrenloses (הֶפְקֵר) ausgeschlossen, woran auch der Levi Anteil bei dir hat und man darum nicht Ma∙asser davon nehmen muss.
Raschi
מִקְצֵ֣ה׀ שָׁלֹ֣שׁ שָׁנִ֗ים תּוֹצִיא֙ אֶת־כָּל־מַעְשַׂר֙ תְּבוּאָ֣תְךָ֔ בַּשָּׁנָ֖ה הַהִ֑וא וְהִנַּחְתָּ֖ בִּשְׁעָרֶֽיךָ׃
28
28
Am Ende von drei Jahren sollst du hinausnehmen alle Zehntabgabe deines Ertrages dieses Jahres und es in deinen Toren liegen lassen.
Am Ende von drei Jahren
Das lehrt: Wenn er den Ma∙asser vom ersten und zweiten Jahr eines Schmitta-Zyklus bei sich behielt und noch nicht dem Kohen und Levi gegeben hat, er sie im dritten Jahr aus dem Haus räumen muss.
Raschi
וּבָ֣א הַלֵּוִ֡י כִּ֣י אֵֽין־לוֹ֩ חֵ֨לֶק וְנַחֲלָ֜ה עִמָּ֗ךְ וְ֠הַגֵּר וְהַיָּת֤וֹם וְהָֽאַלְמָנָה֙ אֲשֶׁ֣ר בִּשְׁעָרֶ֔יךָ וְאָכְל֖וּ וְשָׂבֵ֑עוּ לְמַ֤עַן יְבָרֶכְךָ֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ בְּכָל־מַעֲשֵׂ֥ה יָדְךָ֖ אֲשֶׁ֥ר תַּעֲשֶֽׂה׃
29
29
Dann kann der Levi kommen — denn er hat keinen Anteil und Besitz mit dir — und der Fremde und die Waise und die Witwe, die in deinen Toren sind, und sie sollen essen und satt werden, damit dich der Ewige, dein G‑tt, segnet in allem Werk deiner Hand, das du tust.
Dann kann der Levi kommen: um den Ersten Ma∙asser in Empfang zu nehmen.
Raschi
und der Fremde und die Waise: um den Zweiten Ma∙asser in Empfang zu nehmen, der in diesem Jahr den Armen gehört und den nicht du in Jeruschalaim essen sollst, wie du verpflichtet bist, den Zweiten Ma∙asser der zwei ersten Jahre dort zu essen.
Raschi
sie sollen essen und satt werden
Gib ihnen, dass sie satt werden. Von hier lernt man, dass man einem Armen in der Tenne nicht weniger [als ein halbes Kaw Weizen oder ein Kaw Gerste gibt – das ist das Maß für zwei Mahlzeiten].
Und du gehst mit dem Zweiten Ma∙asser des ersten und zweiten Jahres, die noch bei dir sind, und verkündest: בִּעַרְתִּי הַקֹּדֶשׁ מִן הַבַּיִת „ich habe weggeschafft das Heilige aus dem Haus …“ , (weiter, Dew. 26:13), wie im später folgenden Abschnitt ausdrücklich steht, der mit den Worten beginnt כִי תְכַלֶּה לַעְשֵׂר „Wenn du vollendet hast, alle Zehntabgabe deines Ertrages zu verzehnten“ (Dew. 26:12).
Raschi
„ich habe weggeschafft das Heilige aus dem Haus …“: בִּעַרְתִּי הַקֹּדֶשׁ מִן הַבַּיִת וְגַם נְתַתִּיו לַלֵּוִי וְלַגֵּר לַיָּתוֹם וְלָאַלְמָנָה כְּכָל מִצְוָתְךָ אֲשֶׁר צִוִּיתָנִי „ich habe weggeschafft das Heilige aus dem Haus und habe es auch gegeben dem Levi, dem Fremden, der Waise und der Witwe ganz nach Deinem Gebot, das Du mir befohlen hast“ (Dew. 26:13).