Der tägliche Chumasch-Abschnitt

24. Aw 5786

Freitag, 7. August 2026

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6. Alija

(Dewarim 15:1 – 15:18)

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מִקֵּ֥ץ שֶֽׁבַע־שָׁנִ֖ים תַּעֲשֶׂ֥ה שְׁמִטָּֽה׃
1
1
Am Ende von sieben Jahren sollst du einen Schuldenerlass halten.
Am Ende von sieben Jahren
Ich könnte meinen, sieben Jahre für jedes einzelne Darlehen. Darum heißt es (Vers 9) קָרְבָה שְׁנַת הַשֶּׁבַע שְׁנַת הַשְּׁמִטָּה „es kommt das siebte Jahr näher“. Solltest du aber sagen, die sieben Jahre werden je nach einzelnen Darlehen gezählt – wie kann dann „das siebte Jahr“ nahe sein? Daraus lernst du, am Ende von sieben Jahren in der Schmitta-Zählung.
Raschi
Ich könnte meinen, sieben Jahre für jedes einzelne Darlehen: dass jede Schuld einzeln sieben Jahre nach ihrem Entstehen erlöscht, statt alle Darlehen zu einem festen, einheitlichen Zeitpunkt gleichzeit zu erlassen.
וְזֶה֮ דְּבַ֣ר הַשְּׁמִטָּה֒ שָׁמ֗וֹט כָּל־בַּ֙עַל֙ מַשֵּׁ֣ה יָד֔וֹ אֲשֶׁ֥ר יַשֶּׁ֖ה בְּרֵעֵ֑הוּ לֹֽא־יִגֹּ֤שׂ אֶת־רֵעֵ֙הוּ֙ וְאֶת־אָחִ֔יו כִּֽי־קָרָ֥א שְׁמִטָּ֖ה לַֽיהוָֽה׃
2
2
Und das ist die Sache des Schuldenerlasses: Erlassen soll jeder Schuldherr, was er von seinem Nächsten zu fordern hat. Er soll nicht zur Zahlung drängen seinen Nächsten und seinen Bruder, denn eingetreten ist der Schuldenerlass dem Ewigen zu Ehren.
Erlassen soll jeder Schuldherr
שָׁמוֹט כָּל בַּעַל מַשֵּׁה יָדוֹ bedeutet שָׁמוֹט אֶת יָדוֹ, Erlasse die Hand, [d.h. das Recht zur Einziehung], שֶׁל כָּל בַּעַל מַשֶּׁה, jedes Schuldherrn. So sagt auch der Vers (3) weiter תַּשְׁמֵט יָדֶךָ „du sollst deine Hand“, [d.h. dein Recht zur Einziehung,] „erlassen.
Raschi
Erlasse die Hand: Wer ein Darlehen gewährt hat, hat auf sein Recht zur Einziehung desselben zu verzichten.
אֶת־הַנָּכְרִ֖י תִּגֹּ֑שׂ וַאֲשֶׁ֨ר יִהְיֶ֥ה לְךָ֛ אֶת־אָחִ֖יךָ תַּשְׁמֵ֥ט יָדֶֽךָ׃
3
3
Den Fremden sollst du zur Zahlung drängen, aber was du bei deinem Bruder hast, soll deine Hand erlassen.
Den Fremden: den Nichtjuden.
Den Fremden sollst du zur Zahlung drängen: ist ein Gebot (מִצְוַת עֲשֵׂה).
Raschi
אֶ֕פֶס כִּ֛י לֹ֥א יִֽהְיֶה־בְּךָ֖ אֶבְי֑וֹן כִּֽי־בָרֵ֤ךְ יְבָֽרֶכְךָ֙ יְהוָ֔ה בָּאָ֕רֶץ אֲשֶׁר֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ נֹֽתֵן־לְךָ֥ נַחֲלָ֖ה לְרִשְׁתָּֽהּ׃
4
4
Nur sollst du wissen, es wird kein Armer unter dir sein, denn segnen, segnen wird dich der Ewige in dem Land, das der Ewige, dein G‑tt, dir gibt als Erbbesitz, es einzunehmen,
Es wird unter dir kein Armer sein
Weiter (Vers 11) sagt er aber כִּי לֹא יֶחְדַּל אֶבְיוֹן „es wird nicht fehlen an Bedürftigen“. [Das scheint dem vorliegenden Vers zu widersprechen.] Zur Zeit, wenn ihr den Willen des Ewigen erfüllt, werden die Armen bei anderen und nicht unter euch sein. Wenn ihr aber nicht den Willen des Ewigen erfüllt, werden die Armen unter euch sein.
Der Begriff אֶבְיוֹן bedeutet: noch ärmer als ein Armer; vom Ausdruck תָּאֵב לְכָל דָּבָר, er hat nach allem Verlangen.
Raschi
„es wird nicht fehlen an Bedürftigen“: כִּי לֹא יֶחְדַּל אֶבְיוֹן מִקֶּרֶב הָאָרֶץ „es wird nicht fehlen an Bedürftigen im Land [Israel]“ (weiter, Vers 11).
רַ֚ק אִם־שָׁמ֣וֹעַ תִּשְׁמַ֔ע בְּק֖וֹל יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֑יךָ לִשְׁמֹ֤ר לַעֲשׂוֹת֙ אֶת־כָּל־הַמִּצְוָ֣ה הַזֹּ֔את אֲשֶׁ֛ר אָנֹכִ֥י מְצַוְּךָ֖ הַיּֽוֹם׃
5
5
doch nur, wenn du hören, hören wirst auf die Stimme des Ewigen, deines G‑ttes, zu beachten und zu tun dieses ganze Gebot, das ich dir heute befehle.
hören, hören wirst: hat einer wenig gehört, lässt man ihn viel hören.
Raschi
Wer sich bemüht, die Torah zu hören und zu begreifen, erhält durch himmlische Unterstützung ein immer tieferes Verständnis.
כִּֽי־יְהוָ֤ה אֱלֹהֶ֙יךָ֙ בֵּֽרַכְךָ֔ כַּאֲשֶׁ֖ר דִּבֶּר־לָ֑ךְ וְהַֽעֲבַטְתָּ֞ גּוֹיִ֣ם רַבִּ֗ים וְאַתָּה֙ לֹ֣א תַעֲבֹ֔ט וּמָֽשַׁלְתָּ֙ בְּגוֹיִ֣ם רַבִּ֔ים וּבְךָ֖ לֹ֥א יִמְשֹֽׁלוּ׃
6
6
Denn der Ewige, dein G‑tt, hat dich gesegnet, wie Er dir versprochen hat, und du wirst vielen Völkern leihen, du selbst aber wirst nicht leihen müssen, du wirst über viele Völker herrschen, über dich aber werden sie nicht herrschen.
wie Er dir versprochen hat
Und wo hat Er es versprochen? בָּרוּךְ אַתָּה בָּעִיר „Gesegnet wirst du sein in der Stadt“ (Dew. 28:3).
Raschi
du wirst vielen Völkern leihen
וְהַעֲבַטְתָּ „du wirst leihen“. Der Ausdruck leihen kommt überall, wo man vom Gläubiger spricht, in der Form הִפְעִיל vor; wie וְהִלְוִיתָ „du wirst verleihen“, וְהַעֲבַטְתָּ „du wirst pfänden“. Wird aber die Kal-Form וְעָבַטְתָּ gebraucht, so bezieht es sich auf den Schuldner; wie וְלָוִיתָ „du wirst dir ausleihen“.
Raschi
du wirst vielen Völkern leihen
וְהַעֲבַטְתָּ גּוֹיִם „du wirst Völkern leihen“. Ich hätte meinen können, indem du dir von dem einen entleihst und dem anderen verleihst. Darum heißt es וְאַתָּה לֹא תַעֲבֹט „du aber wirst nicht leihen müssen“.
Raschi
du wirst über viele Völker herrschen
וּמָשַׁלְתָּ בְּגוֹיִם רַבִּים „du wirst herrschen über viele Völker“. Ich hätte meinen können, und andere Völker herrschen über dich. Darum heißt es וּבְךָ לֹא יִמְשֹׁלוּ „über dich werden sie nicht herrschen“.
Raschi
כִּֽי־יִהְיֶה֩ בְךָ֨ אֶבְי֜וֹן מֵאַחַ֤ד אַחֶ֙יךָ֙ בְּאַחַ֣ד שְׁעָרֶ֔יךָ בְּאַ֨רְצְךָ֔ אֲשֶׁר־יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ נֹתֵ֣ן לָ֑ךְ לֹ֧א תְאַמֵּ֣ץ אֶת־לְבָבְךָ֗ וְלֹ֤א תִקְפֹּץ֙ אֶת־יָ֣דְךָ֔ מֵאָחִ֖יךָ הָאֶבְיֽוֹן׃
7
7
Wenn ein Bedürftiger unter dir sein wird, einer deiner Brüder, in einem deiner Tore in deinem Land, das dir gibt der Ewige, dein G‑tt, dann verhärte nicht dein Herz und verschließe nicht deine Hand vor deinem bedürftigen Bruder.
Wenn ein Bedürftiger unter dir sein wird: wer am bedürftigsten ist, kommt zuerst.
Raschi
einer deiner Brüder: dein Bruder väterlicherseits kommt vor deinem Bruder mütterlicherseits.
Raschi
in einem deiner Tore: die Armen deiner Stadt kommen vor den Armen einer anderen Stadt.
Raschi
verhärte nicht dein Herz
Es gibt Menschen, die Qual davon haben, ob sie geben oder nicht geben sollen. Darum steht לֹא תְאַמֵּץ „verhärte nicht“. Und es gibt Menschen, die erst die Hand öffnen und sie dann wieder schließen. Darum steht וְלֹא תִקְפֹּץ „verschließe nicht“.
Raschi
vor deinem bedürftigen Bruder: wenn du ihm nicht gibst, wirst du zuletzt der „Bruder“ des Bedürftigen werden, [d.h. bedürftig wie er].
Raschi
כִּֽי־פָתֹ֧חַ תִּפְתַּ֛ח אֶת־יָדְךָ֖ ל֑וֹ וְהַעֲבֵט֙ תַּעֲבִיטֶ֔נּוּ דֵּ֚י מַחְסֹר֔וֹ אֲשֶׁ֥ר יֶחְסַ֖ר לֽוֹ׃
8
8
Sondern öffnen, öffnen sollst du ihm deine Hand und leihen sollst du ihm genügend für seinen Mangel, was ihm mangelt.
öffnen, öffnen sollst du ihm deine Hand
פָתֹחַ תִּפְתַּח „öffnen, öffnen sollst du“: sogar viele Male.
Raschi
Sondern
Dieses כִּי hat die Bedeutung אֶלָּא „sondern“.
Raschi
und leihen sollst du ihm
וְהַעֲבֵט תַּעֲבִיטֶנּוּ „leihen sollst du ihm“: wenn er nicht geschenkt haben will, gib es ihm als Darlehen.
Raschi
genügend für seinen Mangel
דֵּי מַחְסֹרוֹ „genügend für seinen Mangel“: du bist aber nicht verpflichtet, ihn reich zu machen.
Raschi
was ihm mangelt: sogar ein Pferd, um darauf zu reiten, und ein Sklave, um vor ihm herzulaufen.
Raschi
ihm
לוֹ „ihm“ bezieht sich auf eine Frau. So heißt es auch (Ber. 2:18) אֶעֱשֶׂה לּוֹ עֵזֶר כְּנֶגְדוֹ „Ich will ihm (לּוֹ) eine Gehilfin machen, die ihm entspreche“.
Raschi
bezieht sich auf eine Frau: Das lehrt, dass man einer Person die finanziellen Mittel zum Heiraten bereitstellen muss.
„Ich will ihm eine Gehilfin machen“: Ebenso wie dort das Wort לּוֹ im Zusammenhang mit einer Ehefrau steht, deutet es auch hier auf eine Ehefrau hin.
Sifre, Abschn. 116, Ketubot 67b
הִשָּׁ֣מֶר לְךָ֡ פֶּן־יִהְיֶ֣ה דָבָר֩ עִם־לְבָבְךָ֨ בְלִיַּ֜עַל לֵאמֹ֗ר קָֽרְבָ֣ה שְׁנַֽת־הַשֶּׁבַע֮ שְׁנַ֣ת הַשְּׁמִטָּה֒ וְרָעָ֣ה עֵֽינְךָ֗ בְּאָחִ֙יךָ֙ הָֽאֶבְי֔וֹן וְלֹ֥א תִתֵּ֖ן ל֑וֹ וְקָרָ֤א עָלֶ֙יךָ֙ אֶל־יְהוָ֔ה וְהָיָ֥ה בְךָ֖ חֵֽטְא׃
9
9
Hüte dich, dass nicht ein hinterlistiger Gedanke in deinem Herzen ist, dass du sagest: Es kommt das siebte Jahr näher, das Jahr des Schuldenerlasses, und dein Auge missgünstig sei gegen deinen bedürftigen Bruder und du ihm nicht gebest. Er würde gegen dich zum Ewigen rufen und an dir würde eine Sünde sein.
Er würde gegen dich zum Ewigen rufen
וְקָרָא עָלֶיךָ „er ruft gegen dich“: ich könnten meinen, es sei das ein Gebot, darum steht (Dew. 24:15) וְלֹא יִקְרָא עָלֶיךָ אֶל ה׳ „dass er nicht rufe“.
Raschi
„dass er nicht rufe“: Der Vers in Paraschat Ki Teze betrifft einen Tagelöhner, den man sofort bezahlen muss, ohne die Zahlung auf den nächsten Tag zu verschieben. בְּיוֹמוֹ תִתֵּן שְׂכָרוֹ וְלֹא תָבוֹא עָלָיו הַשֶּׁמֶשׁ כִּי עָנִי הוּא גו׳ וְלֹא יִקְרָא עָלֶיךָ אֶל ה׳„Am selben Tag noch sollst du ihm seinen Lohn geben, es soll nicht die Sonne darüber untergehen; denn er ist arm … damit er nicht deinetwegen zum Ewigen rufe.“
an dir würde eine Sünde sein: in jedem Fall, auch wenn er nicht ruft. Warum heißt es dann וְקָרָא עָלֶיךָ „er würde gegen dich [zum Ewigen] rufen“? Dann, wenn er ruft, beschleunige Ich die Strafe mehr, als wenn er nicht ruft.
Raschi
נָת֤וֹן תִּתֵּן֙ ל֔וֹ וְלֹא־יֵרַ֥ע לְבָבְךָ֖ בְּתִתְּךָ֣ ל֑וֹ כִּ֞י בִּגְלַ֣ל׀ הַדָּבָ֣ר הַזֶּ֗ה יְבָרֶכְךָ֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ בְּכָֽל־מַעֲשֶׂ֔ךָ וּבְכֹ֖ל מִשְׁלַ֥ח יָדֶֽךָ׃
10
10
Willig sollst du ihm geben, dein Herz soll nicht böse sein, wenn du ihm gibst. Denn wegen dieser Sache wird der Ewige, dein G‑tt, dich segnen in all deinem Tun und in allem Besitz deiner Hand.
Willig sollst du ihm geben
נָתוֹן תִּתֵּן לוֹ „geben, geben sollst du ihm“: sogar 100 Mal.
Raschi
ihm: unter vier Augen.
Raschi
denn wegen dieser Sache
כִּי בִּגְלַל הַדָּבָר „denn wegen dieser Sache“: auch wenn du nur gesprochen hast [דָּבָר – דִּיבּוּר], ihm zu geben, bekommst du Lohn für das Sagen außer dem Lohn für das Tun.
Raschi
auch wenn du nur gesprochen hast: das im Vers verwendete Wort דָּבָר „die Sache“ ist ähnlich dem Wort דִּיבּוּר „das Sprechen“.
כִּ֛י לֹא־יֶחְדַּ֥ל אֶבְי֖וֹן מִקֶּ֣רֶב הָאָ֑רֶץ עַל־כֵּ֞ן אָנֹכִ֤י מְצַוְּךָ֙ לֵאמֹ֔ר פָּ֠תֹחַ תִּפְתַּ֨ח אֶת־יָדְךָ֜ לְאָחִ֧יךָ לַעֲנִיֶּ֛ךָ וּלְאֶבְיֹנְךָ֖ בְּאַרְצֶֽךָ׃
11
11
Denn es wird nicht fehlen an Bedürftigen im Land; darum befehle ich dir und sage: Auftun sollst du deine Hand für deinen Bruder, für deinen Armen und deinen Bedürftigen in deinem Land.
darum
עַל כֵּן im Sinn von מִפְּנֵי כֵן „aus diesem Grund“.
Raschi
und sage
לֵאמֹר „und sage“: ich gebe dir einen Rat zu deinem Wohl.
Raschi
für deinen Bruder, für deinen Armen
לְאָחִיךָ לַעֲנִיֶּךָ „für deinen Bruder, für deinen Armen“: für welchen Bruder? לַעֲנִיֶּךָ, für den armen.
לַעֲנִיֶּךָ mit einem Buchstaben י (Jud) bedeutet „für einen Armen“, עֲנִיֶּיךָ mit den Buchstaben יי (zwei Jud) bedeutet „mehrere Arme“.
Raschi
כִּֽי־יִמָּכֵ֨ר לְךָ֜ אָחִ֣יךָ הָֽעִבְרִ֗י א֚וֹ הָֽעִבְרִיָּ֔ה וַעֲבָֽדְךָ֖ שֵׁ֣שׁ שָׁנִ֑ים וּבַשָּׁנָה֙ הַשְּׁבִיעִ֔ת תְּשַׁלְּחֶ֥נּוּ חָפְשִׁ֖י מֵעִמָּֽךְ׃
12
12
Wenn dir verkauft wird dein Bruder, ein Hebräer oder eine Hebräerin, dann soll er dir sechs Jahre dienen und im siebten Jahr sollst du ihn von dir frei entlassen.
Wenn dir verkauft wird
„Wenn dir verkauft wird“ durch andere. Der Vers spricht von dem Fall, dass ihn das Gericht (בֵּית דִּין) verkauft hat, weil er gestohlen hat (Kidd. 14b). Es steht aber bereits (Schem. 21:2) כִּי תִקְנֶה עֶבֶד עִבְרִי „wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst“, und jener Vers spricht auch von dem Fall, dass ihn das Gericht verkauft hat? Nur, es ist wegen zwei Dingen wiederholt, die hier neu stehen: Erstens steht אוֹ הָעִבְרִיָּה „oder eine Hebräerin“, dass auch sie mit sechs Jahren frei wird. Nicht, dass sie das Gericht verkauft, denn eine Frau wird nicht wegen eines Diebstahls verkauft, wie es heißt (Schem. 22:2) בִּגְנֵבָתוֹ „wegen seines Diebstahls“, und nicht wegen ihres Diebstahls (Sota 23b). Sondern es spricht von einer Minderjährigen [unter 12 Jahren], die ihr Vater verkauft hat. Und der Vers lehrt hier, dass wenn sechs Jahre vorüber sind, bevor sie die Zeichen der Großjährigkeit hervorgebracht hat, sie frei wird. Und weiters sagt der Vers neu (Vers 14) הַעֲנֵיק תַּעֲנִיק, dass du beschenken sollst.
Raschi
וְכִֽי־תְשַׁלְּחֶ֥נּוּ חָפְשִׁ֖י מֵֽעִמָּ֑ךְ לֹ֥א תְשַׁלְּחֶ֖נּוּ רֵיקָֽם׃
13
13
Und wenn du ihn von dir frei entlässt, sollst du ihn nicht leer entlassen.
הַעֲנֵ֤יק תַּעֲנִיק֙ ל֔וֹ מִצֹּ֣אנְךָ֔ וּמִֽגָּרְנְךָ֖ וּמִיִּקְבֶ֑ךָ אֲשֶׁ֧ר בֵּרַכְךָ֛ יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ תִּתֶּן־לֽוֹ׃
14
14
Du sollst ihm reichlich aufladen von deinen Schafen, von deiner Tenne und von deiner Kelter; womit dich der Ewige, dein G‑tt, gesegnet hat, sollst du ihm geben.
Du sollst ihm reichlich aufladen
הַעֲנֵיק תַּעֲנִיק לוֹ, wörtl. „aufladen, aufladen sollst du ihm“. Die erste Erklärung ist לְשׁוֹן ׳עֲדִי׳, mit etwas Großem schmücken, das in die Augen fällt; mit einer Sache, durch die erkannt wird, dass du ihm Gutes getan hast.
Manche erklären, es bedeutet לְשׁוֹן הַטְעָנָה עַל צַוָּארוֹ, den Hals beladen.
Raschi
von deinen Schafen, von deiner Tenne und von deiner Kelter
Ich hätte meinen können, dass ich nur von diesen allein zu geben brauche. Darum heißt es אֲשֶׁר בֵּרַכְךָ „womit dich gesegnet hat“: von allem, womit dich dein Schöpfer gesegnet hat. Warum stehen diese? Wie diese dadurch ausgezeichnet sind, dass sie zum Begriff „Segen“ gehören, so alles, was zum Begriff Segen gehört. Damit sind Maultiere (פְּרָדוֹת) ausgeschlossen[, die unfruchtbar sind].
Unsere Lehrer lernen in Kiduschin (17a) durch einen gleichen Ausdruck (גְזֵרָה שָׁוָה), wieviel er ihm von jeder Art zu geben hat.
Raschi
Tenne, die: der befestigte Boden einer Scheune, auf dem das Getreide nach der Ernte mit Dreschflegeln gedroschen wird.
Kelter, die: Presse zur Gewinnung von Traubensaft, als Vorstufe von Wein.
וְזָכַרְתָּ֗ כִּ֣י עֶ֤בֶד הָיִ֙יתָ֙ בְּאֶ֣רֶץ מִצְרַ֔יִם וַֽיִּפְדְּךָ֖ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֑יךָ עַל־כֵּ֞ן אָנֹכִ֧י מְצַוְּךָ֛ אֶת־הַדָּבָ֥ר הַזֶּ֖ה הַיּֽוֹם׃
15
15
Gedenke, dass du Sklave gewesen bist im Land Mizraim, und der Ewige, dein G‑tt, dich erlöst hat; darum befehle ich dir diese Sache heute.
Denn gedenke, dass du Sklave gewesen bist: und Ich dich wiederholt beschenkt habe, mit der Beute Mizraims und mit der Beute am Meer. So beschenke auch du ihn wiederholt.
Raschi
וְהָיָה֙ כִּֽי־יֹאמַ֣ר אֵלֶ֔יךָ לֹ֥א אֵצֵ֖א מֵעִמָּ֑ךְ כִּ֤י אֲהֵֽבְךָ֙ וְאֶת־בֵּיתֶ֔ךָ כִּי־ט֥וֹב ל֖וֹ עִמָּֽךְ׃
16
16
Und es geschehe, wenn der Sklave zu dir sagt: Ich will nicht von dir weggehen; denn er liebt dich und dein Haus, weil es ihm bei dir gut geht.
וְלָקַחְתָּ֣ אֶת־הַמַּרְצֵ֗עַ וְנָתַתָּ֤ה בְאָזְנוֹ֙ וּבַדֶּ֔לֶת וְהָיָ֥ה לְךָ֖ עֶ֣בֶד עוֹלָ֑ם וְאַ֥ף לַאֲמָתְךָ֖ תַּעֲשֶׂה־כֵּֽן׃
17
17
Dann nimm eine Ahle und setze sie an sein Ohr und an die Tür und er sei dir ein Sklave für immer; und auch mit deiner Sklavin sollst du so tun.
Ahle, die: Ein spitzer Metallstift mit Griff zum Stechen von Löchern.
ein Sklave für immer
עֶבֶד עוֹלָם „ein Sklave für immer“: ich hätte meinen können „für immer“. Aber es steht (Waj. 25:10) וְשַׁבְתֶּם אִישׁ אֶל אֲחֻזָּתוֹ וְאִישׁ אֶל מִשְׁפַּחְתּוֹ תָּשֻׁבוּ „da kehrt ihr zurück jeder zu seinem Eigentum und jeder zu seiner Familie sollt ihr zurückkehren“. Daraus lernst du, dass hier unter „immer“ nur bis zum Joweljahr (עוֹלָמוֹ שֶׁל יוֹבֵל) gemeint ist.
Raschi
und auch mit deiner Sklavin sollst du so tun
„Sollst du so tun“: sie zu entlassen und zu beschenken. Ich hätte meinen können, auch bezüglich des Loches im Ohr mit der Ahle (מַרְצֵעַ) wird sie dem männlichen Sklaven gleichgestellt, darum steht (Schem. 21:5) וְאִם אָמֹר יֹאמַר הָעֶבֶד „wenn der Sklave sagt …“ Dem männlichen Sklaven wird das Ohr gelocht, aber nicht einer Frau.
Raschi
„wenn der Sklave sagt“: Der Vers in Paraschat Mischpatim beschreibt den Vorgang des Durchstechens des Ohres, וְאִם אָמֹר יֹאמַר הָעֶבֶד אָהַבְתִּי אֶת אֲדֹנִי גו׳ לֹא אֵצֵא חׇפְשִׁי „Wenn aber der Sklave sagt: ,Ich liebe meinen Herrn … ich will nicht freigelassen werden‘“, וְרָצַע אֲדֹנָיו אֶת אׇזְנוֹ בַּמַּרְצֵעַ וַעֲבָדוֹ לְעֹלָם „durchsteche sein Herr ihm das Ohr mit einer Ahle, und er diene ihm für immer“ (Schem. 21:5–6). Das Wort „Sklave“ in diesem Vers erscheint überflüssig, da aus dem Zusammenhang bereits klar hervorgeht, dass der Vers sich auf ihn bezieht.
Beer Jizchak
לֹא־יִקְשֶׁ֣ה בְעֵינֶ֗ךָ בְּשַׁלֵּֽחֲךָ֙ אֹת֤וֹ חָפְשִׁי֙ מֵֽעִמָּ֔ךְ כִּ֗י מִשְׁנֶה֙ שְׂכַ֣ר שָׂכִ֔יר עֲבָֽדְךָ֖ שֵׁ֣שׁ שָׁנִ֑ים וּבֵֽרַכְךָ֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ בְּכֹ֖ל אֲשֶׁ֥ר תַּעֲשֶֽׂה׃
18
18
Es falle nicht schwer in deinen Augen, wenn du ihn von dir frei entlässt, dass um den doppelten Lohn eines Tagarbeiters er dir sechs Jahre gedient hat, denn dafür wird der Ewige, dein G‑tt, dich segnen in allem, was du tust.
um den doppelten Lohn eines Tagarbeiters
Von hier haben unsere Weisen entnommen, dass ein hebräischer Sklave bei Tag und bei Nacht arbeitet, das Doppelte eines Tagarbeiters. Und worin besteht sein Dienst bei Nacht? Dass sein Herr ihm eine kna’anische Sklavin gibt und die Kinder dem Herrn gehören (Kidd. 15a).
Raschi