Der tägliche Chumasch-Abschnitt

25. Elul 5786

Montag, 7. September 2026

Heute

Ha’asinu

2. Alija

(Dewarim 32:7 – 32:12)

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זְכֹר֙ יְמ֣וֹת עוֹלָ֔ם בִּ֖ינוּ שְׁנ֣וֹת דּוֹר־וָד֑וֹר שְׁאַ֤ל אָבִ֙יךָ֙ וְיַגֵּ֔דְךָ זְקֵנֶ֖יךָ וְיֹ֥אמְרוּ לָֽךְ׃
7
7
Denke an die Tage der Vorzeit, betrachte die Jahre von Generation zu Generation! Frage deinen Vater, er wird es dir sagen, deine Ältesten, sie werden es dir berichten.
Denke an die Tage der Vorzeit: was Er den früheren Generationen getan hat, die Ihn zornig machten.
Raschi
betrachte die Jahre von Generation zu Generation: die Generation von Enosch, die Er mit dem Wasser des Ozeans überschwemmte, und die Generation der Sündflut (דוֹר הַמַּבּוּל), die Er auslöschte.
Andere Erklärung: זְכֹר יְמוֹת עוֹלָם – ihr habt auf die Vergangenheit nicht geachtet, בִּינוּ שְׁנוֹת דּוֹר וָדוֹר – so denkt an die Jahre der kommenden Generationen. Achtet auf die Zukunft, dass Er die Macht hat, euch Gutes zu tun und euch die Tage des Maschiach und die Künftige Welt (עוֹלָם הַבָּא) zu geben.
Raschi
Die Generation von Enosch war die erste, die G‑ttes Name durch Götzendienst entweihte.G‑tt strafte sie, indem Er ein Drittel der Menschheit im Wasser zu Tode kommen ließ.
Siehe Raschi zu Ber. 4:26; Rambam, Hil. Awoda Sara 1:1; Raschi zu Ber. 6:4
Frage deinen Vater
שְׁאַל אָבִיךָ „Frage deinen Vater“: das sind die Propheten (נְּבִיאִים), die Väter genannt werden; wie es über Elijahu heißt (2 Kön. 2:12) אָבִי אָבִי רֶכֶב יִשְׂרָאֵל „Vater, Vater, Wagen Israels“.
Raschi
Der Prophet Elijahu wurde von Elischa, seinem Schüler, „Vater“ genannt. Der Begriff „Vater“ ist hier bildlich zu verstehen, im Sinne eines Lehrmeisters und Wegweisers. Die Propheten werden „Väter des Volkes“ genannt, weil sie das Volk leiten.
deine Ältesten
זְקֵנֶיךָ „deine Ältesten“: das sind die Torahgelehrten (חֲכָמִים).
Raschi
Ein Torahgelehrter – selbst im jungen Alter – wird mitunter als זָקֵן „Alter“ bezeichnet; das Wort זָקֵן als Zusammenziehung der Worte זֶה קָּנָה חָכְמָה „dieser hat Weisheit erworben“.
Sifte Chachamim
sie werden es dir berichten: die Ereignisse aus früheren Zeiten.
Raschi
בְּהַנְחֵ֤ל עֶלְיוֹן֙ גּוֹיִ֔ם בְּהַפְרִיד֖וֹ בְּנֵ֣י אָדָ֑ם יַצֵּב֙ גְּבֻלֹ֣ת עַמִּ֔ים לְמִסְפַּ֖ר בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
8
8
Als der Höchste den Völkern Besitz verteilte, als Er die Menschen trennte, setzte Er fest die Grenzen der Völker nach der Zahl der Kinder Israel.
Als der Höchste den Völkern Besitz verteilte
Als der Ewige denen, die Ihn erzürnten, den Anteil ihres Besitzes gab, überschwemmte Er sie und vernichtete sie.
Raschi
Als Er die Menschen trennte
Als Er die Generation der Zerstreuung [דּוֹר הַפַּלָּגָה, nach dem Turmbau] auseinandertrieb, hätte Er die Macht gehabt, sie von der Welt zu vernichten. Er tat aber nicht so, sondern Er setzte die Gebiete der Völker fest, Er erhielt sie und ließ sie nicht untergehen.
Raschi
nach der Zahl der Kinder Israel
Wegen der Zahl der Kinder Israel, die von den Söhnen Schems hervorgehen sollte; und wegen der Zahl der 70 Seelen der Kinder Israel, die nach Mizraim zogen, setzte Er als Gebieter der Völker 70 Sprachen fest.
Raschi
כִּ֛י חֵ֥לֶק יְהֹוָ֖ה עַמּ֑וֹ יַעֲקֹ֖ב חֶ֥בֶל נַחֲלָתֽוֹ׃
9
9
Denn der Anteil des Ewigen ist Sein Volk, Jaakow der Strang Seines Erbteils.
Denn der Anteil des Ewigen ist Sein Volk
Warum all das? Weil Sein Anteil in ihnen enthalten war und von ihnen hervorgehen sollte. Und wer ist Sein Anteil? Sein Volk. Und wer ist Sein Volk?
Raschi
Jaakow ist der Strang Seines Erbteils, (חֶבֶל נַחֲלָתוֹ). Jaakow ist der dritte der Stammväter, der mit einem dreifachen Verdienst (זְכוּת) ausgestattet war – dem Verdienst des Großvaters [Awraham], des Vaters [Jizchak] und dem eigenen. Das sind drei Teile, so wie die Schnur (חֶבֶל) aus drei Fäden gemacht ist; er und seine Söhne wurden Sein Besitz, nicht Ischmael [obwohl er] der Sohn Awrahams [war], und nicht Esaw [obwohl er] der Sohn Jizchaks [war].
Raschi
יִמְצָאֵ֙הוּ֙ בְּאֶ֣רֶץ מִדְבָּ֔ר וּבְתֹ֖הוּ יְלֵ֣ל יְשִׁמֹ֑ן יְסֹֽבְבֶ֙נְהוּ֙ יְב֣וֹנְנֵ֔הוּ יִצְּרֶ֖נְהוּ כְּאִישׁ֥וֹן עֵינֽוֹ׃
10
10
Er fand das Volk Israel im Land der Wüste und in der Einöde, im Geheul der Wildnis. Er umgab es, belehrte es, behütete es wie Seinen Augapfel.
Er fand im Land der Wüste: das Volk Israel fand Er treu im Land der Wüste, da sie Seine Torah, Sein Reich und Sein Joch auf sich nahmen, was Ischmael und Esaw nicht getan hatten; wie es heißt (Dew. 33:2) וְזָרַח מִשֵּׂעִיר לָמוֹ הוֹפִיעַ מֵהַר פָּארָן „Er strahlte ihnen vom Se’ir her, leuchtete vom Berg Paran“.
Raschi
Seine Torah, Sein Reich und Sein Joch: Beim Geben der Torah nahm das jüdische Volk drei Dinge auf sich. Sie nahmen die Torah auf sich, um sie zu lernen. Sie nahmen G‑ttes Herrschaft auf sich und legen Zeugnis ab, dass Er Herrscher der Welt ist. Sie nahmen Sein Joch auf sich, indem sie Seine Gebote ausführen.
Tora u Piruscha
in der Einöde, im Geheul der Wildnis: trockenes, ödes Land, wo die wilden Wüstentiere (תַּנִּים וּבְנוֹת יַעֲנָה) heulen. Auch dort bewahrten sie die Treue und sagten nicht zu Mosche: Wie können wir in die Wüste hinausgehen, die Stätte der Dürre und der Öde, wie es heißt (Jirm. 2:2) לֶכְתֵּךְ אַחֲרַי בַּמִּדְבָּר „dass du mir in die Wüste folgst“.
Raschi
Er umgab es
יְסֹבְבֶנְהוּ, dort umgab und umringte Er sie mit Wolken. Zudem stellte Er sie nach den Stammesordnungen in allen vier Himmelsrichtungen auf. [Als dritte Art des „Umgebens“, als sie am Berg Sinai ihr Lager aufgeschlagen hatten,] umringte Er sie mit dem Fuß des Berges, den Er wie ein Fass über sie wölbte.
Raschi
belehrte es: belehrte es dort in der Torah und Einsicht.
Raschi
behütete es: vor giftigen Schlangen, Skorpionen und den Völkern.
Raschi
wie Seinen Augapfel
כְּאִישׁוֹן עֵינוֹ „wie den Stern seines Auges“; das ist das Schwarze im Auge (Pupille), aus dem das Licht [d.h. die Sehkraft] kommt.
Onkelos übersetzt das Wort יִמְצָאֵהוּ mit יַסְפִּיקֵהוּ כָּל צָרְכּוֹ בַמִּדְבָּר, Er versorgte es mit allen, was es brauchte, in der Wüste; wie (Bam. 11:22) מָצָא לָהֶם „wird es für sie reichen“; (Jesch. 17:16) לֹא יִמָּצֵא לָנוּ הָהָר „der Berg reicht nicht für uns“.
Raschi
Er umgab es
Das Wort יְסֹבְבֶנְהוּ wird vom Targum übersetzt mit
אַשְׁרִינוּן סְחוֹר סְחוֹר לִשְׁכִנְתֵּיהּ „ließ sie rings um Seine Schechina lagern“, das Zelt der Offenbarung (אֹהֶל מוֹעֵד) in der Mitte und die vier Stammesordnungen auf den vier Seiten.
Raschi
כְּנֶ֙שֶׁר֙ יָעִ֣יר קִנּ֔וֹ עַל־גּוֹזָלָ֖יו יְרַחֵ֑ף יִפְרֹ֤שׂ כְּנָפָיו֙ יִקָּחֵ֔הוּ יִשָּׂאֵ֖הוּ עַל־אֶבְרָתֽוֹ׃
11
11
Wie der Adler sein Nest weckt, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet und sie aufnimmt, hochträgt auf seinen Schwingen,
Wie der Adler sein Nest weckt
כְּנֶשֶׁר יָעִיר קִנּוֹ „wie der Adler sein Nest weckt“: G‑tt führte sie mit Erbarmen und Liebe, wie der Adler barmherzig mit seinen Jungen ist und nicht plötzlich in sein Nest kommt, bevor er über seinen Jungen mit seinen Flügeln zwischen Baum und Baum, zwischen Zweig und Zweig geschlagen und Geräusch gemacht hat, damit seine Jungen aufwachen und imstande seien, ihn aufzunehmen.
Raschi
Der Adler steht als Bild für einen barmherzigen Vater, denn kein anderes Lebewesen ist seinen Kindern gegenüber so barmherzig und mitfühlend wie ein Adler.
Sohar, Pinchas 233a
sein Nest weckt
יָעִיר קִנּוֹ „sein Nest weckt“: seine Jungen weckt.
Raschi
über seinen Jungen schwebt
עַל גּוֹזָלָיו יְרַחֵף „über seinen Jungen schwebt“: sich nicht schwer auf sie herabsenkt; sondern sie nur streift, berührt und nicht berührt; so auch der Ewige, wie es heißt (Ijow 37:23) שַׁדַּי לֹא מְצָאנֻהוּ שַׂגִּיא כֹחַ „den Allmächtigen, wir fühlten nicht Seine große Kraft“. Als Er kam, die Torah zu geben, erschien Er ihnen nicht von einer Seite aus, sondern von vier Seiten; so heißt es (Dew. 33:2) ה׳ מִסִּינַי בָּא וְזָרַח מִשֵּׂעִיר לָמוֹ הוֹפִיעַ מֵהַר פָּארָן „der Ewige kam vom Sinai und strahlte ihnen vom Se’ir, leuchtete vom Berg Paran“; (Chab. 3:3) אֱלוֹהַּ מִתֵּימָן יָבוֹא „G‑tt kam von Süden“, das ist die vierte Seite.
Raschi
seine Flügel ausbreitet und sie aufnimmt
Wenn der Adler seine Jungen von einem Ort zum anderen tragen will, trägt er sie nicht mit seinen Füßen wie andere Vögel. Weil sich die anderen Vögel vor dem Adler fürchten, der sehr hoch fliegt und von oben auf sie herabkommt, darum tragen jene Vögel sie mit den Füßen, um sie vor dem Adler zu schützen. Der Adler aber fürchtet sich nur vor dem Pfeil; darum trägt er seine Jungen auf den Flügeln, indem er sagt: Besser, dass der Pfeil mich treffe, als meine Kinder. So auch der Ewige, der sagte (Schem. 19:4) וָאֶשָּׂא אֶתְכֶם עַל כַּנְפֵי נְשָׁרִים „Ich trug euch auf Adlersflügeln“; als die Mizrim sie verfolgten und sie am Meer erreichten, schleuderten sie gegen Israel Pfeile und Wurfsteine, sofort (Schem. 14:19) וַיִּסַּע מַלְאַךְ הָאֱלֹהִים גו׳ וַיָּבֹא בֵּין מַחֲנֵה מִצְרַיִם „brach der Engel G‑ttes auf … und begab sich zwischen das Lager der Mizrim“.
Raschi
„brach der Engel G‑ttes auf …“: וַיִּסַּע מַלְאַךְ הָאֱלֹהִים הַהֹלֵךְ
לִפְנֵי מַחֲנֵה יִשְׂרָאֵל וַיֵּלֶךְ מֵאַחֲרֵיהֶם „Und der Engel G‑ttes, der vor dem Lager Israels zog, brach auf und trat hinter sie“, וַיִּסַּע עַמּוּד הֶעָנָן מִפְּנֵיהֶם וַיַּעֲמֹד מֵאַחֲרֵיהֶם „und die Wolkensäule vor ihnen brach auf und stellte sich hinter sie“, וַיָּבֹא בֵּין מַחֲנֵה מִצְרַיִם וּבֵין מַחֲנֵה יִשְׂרָאֵל „und die Wolkensäule trat zwischen das Lager von Mizraim und das Lager von Israel“ (Schemot 14:19–20). Das heißt, der Engel G‑ttes trat in die Wolkensäule und hielt die Pfeile davon ab, das jüdische Volk zu erreichen, sodass der Pfeil gleichsam ihn selbst durchbohrte; ganz so, wie der Adler sich schützend vor seine Jungen stellt, um den Pfeil des Jägers mit dem eigenen Körper abzufangen.
יְהוָ֖ה בָּדָ֣ד יַנְחֶ֑נּוּ וְאֵ֥ין עִמּ֖וֹ אֵ֥ל נֵכָֽר׃
12
12
so leitet der Ewige Sein Volk allein und kein fremder Gott neben Ihm.
der Ewige allein: der Ewige führt sie in der Wüste allein und sicher.
Raschi
und kein fremder Gott neben Ihm
Keiner von allen Göttern der Völker hatte die Kraft, seine Macht zu zeigen und mit ihnen zu kämpfen. Unsere Lehrer beziehen den Vers auf die Zukunft, und so übersetzt auch Onkelos.
Ich meine, es sind Worte der Zurechtweisung (דִּבְרֵי תּוֹכֵחָה), die Himmel und Erde bezeugen sollen. Schirat Ha’asinu sei ein Zeuge für sie, wenn sie später untreu würden und weder an das Frühere denken, das Er ihnen getan hatte, noch an das Spätere, das Er ihnen tun werde. Darum muss man die Worte auf beides – Vergangenheit und Zukunft – anwenden. Die ganze Ausführung ist im Anschluss zu sehen an (Vers 7) זְכֹר יְמוֹת עוֹלָם „Gedenke der Tage der Vorzeit“, בִּינוּ שְׁנוֹת דּוֹר וָדוֹר „achtet auf die Jahre von Generation zu Generation“. So hat Er ihnen getan, und so wird Er tun; an all das sollen sie denken.
Raschi
so übersetzt auch Onkelos: Onkelos übersetzt den Vers folgendermaßen: ה׳ בִּלְחוֹדֵיהוֹן עֲתִיד לְאַשְׁרָיוּתְהוֹן בְּעָלְמָא דְּהוּא עֲתִיד לְחַדָּתָא „G‑tt lässt sie allein wohnen in der Welt, die Er erneuern wird“, וְלָא יִתְקַיַּים קֳדָמוֹהִי פּוּלְחַן טָעֲוָן, „und der Dienst falscher Götter wird vor Ihm keinen Bestand haben.“ Wie in der Auslegung der Weisen im Sifre bedeutet ה׳ בָּדָד יַנְחֶנּוּ: G‑tt wird das Volk Israel allein wohnen lassen; das heißt, sie allein werden die Freuden der Kommenden Welt genießen. Onkelos legt die Wendung וְאֵין עִמּוֹ אֵל נֵכָר jedoch anders aus. Seine Übersetzung lautet: und es wird kein [Dienst] fremder Götter vor Ihm sein. Das bedeutet, dass die Völker ihren Götzendienst aufgeben, wodurch das jüdische Volk G‑tt in Frieden dienen kann.