צֵ֖א מִן־הַתֵּבָ֑ה אַתָּ֕ה וְאִשְׁתְּךָ֛ וּבָנֶ֥יךָ וּנְשֵֽׁי־בָנֶ֖יךָ אִתָּֽךְ׃
16
16
Gehe hinaus aus der Arche, du und deine Frau und deine Söhne und die Frauen deiner Söhne mit dir.
du und deine Frau: Mann und Frau, hier erlaubte Er ihnen den Eheverkehr.
Raschi
כָּל־הַחַיָּ֨ה אֲשֶֽׁר־אִתְּךָ֜ מִכָּל־בָּשָׂ֗ר בָּע֧וֹף וּבַבְּהֵמָ֛ה וּבְכָל־הָרֶ֛מֶשׂ הָרֹמֵ֥שׂ עַל־הָאָ֖רֶץ הוצא [הַיְצֵ֣א] אִתָּ֑ךְ וְשָֽׁרְצ֣וּ בָאָ֔רֶץ וּפָר֥וּ וְרָב֖וּ עַל־הָאָֽרֶץ׃
17
17
Alle Tiere, die bei dir sind, von allem Fleisch, von Vögeln und Vieh und allen Würmern, die sich regen auf Erden, lass hinausgehen mit dir, dass sie wimmeln auf Erden und fruchtbar seien und sich mehren auf Erden.
lass hinausgehen
Die geschriebene Form ist הוֹצֵא (Ktiw), die zu lesende Form aber ist הַיְצֵא (Kri). Die Kri Form הַיְצֵא bedeutet: Sage ihnen, sie sollen hinausgehen. Die Ktiw-Form הוֹצֵא bedeutet: Wenn sie nicht hinausgehen wollen, dann bringe du selbst sie hinaus.
Raschi
An mancher Stelle des Tanach weicht die Lesung einzelner Worte – zufolge der Überlieferung – von der geschriebenen Form (כְּתִיב, Ktiw) ab. Die geschriebene Form wird Ktiw (כְּתִיב) genannt, die zu lesende Form Kri (קְרֵי)
dass sie wimmeln auf Erden: und nicht in der Arche, das lehrt, dass auch den Landtieren und Vögeln die Fortpflanzung verboten gewesen war.
Raschi
כָּל־הַֽחַיָּ֗ה כָּל־הָרֶ֙מֶשׂ֙ וְכָל־הָע֔וֹף כֹּ֖ל רוֹמֵ֣שׂ עַל־הָאָ֑רֶץ לְמִשְׁפְּחֹ֣תֵיהֶ֔ם יָצְא֖וּ מִן־הַתֵּבָֽה׃
19
19
Alle Tiere, alle Würmer und alle Vögel, alles was sich regt auf der Erde, nach ihren Arten geordnet gingen sie aus der Arche.
nach ihren Arten
לְמִשְׁפְּחֹתֵיהֶם, wörtl. nach ihren Familien. Sie nahmen auf sich, dass sie sich ihren Arten anschließen würden.
Raschi
וַיִּ֥בֶן נֹ֛חַ מִזְבֵּ֖חַ לַֽיהוָ֑ה וַיִּקַּ֞ח מִכֹּ֣ל ׀ הַבְּהֵמָ֣ה הַטְּהוֹרָ֗ה וּמִכֹּל֙ הָע֣וֹף הַטָּהֹ֔ר וַיַּ֥עַל עֹלֹ֖ת בַּמִּזְבֵּֽחַ׃
20
20
Und Noach baute einen Altar für den Ewigen, und er nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und brachte Ganzopfer dar auf dem Altar.
von allem reinen Vieh
Noach sagte, der Ewige hat mir nur darum befohlen, von diesen je sieben hineinzubringen, um davon eine Opferung zu bringen.
Raschi
וַיָּ֣רַח יְהוָה֮ אֶת־רֵ֣יחַ הַנִּיחֹחַ֒ וַיֹּ֨אמֶר יְהוָ֜ה אֶל־לִבּ֗וֹ לֹֽא־אֹ֠סִף לְקַלֵּ֨ל ע֤וֹד אֶת־הָֽאֲדָמָה֙ בַּעֲב֣וּר הָֽאָדָ֔ם כִּ֠י יֵ֣צֶר לֵ֧ב הָאָדָ֛ם רַ֖ע מִנְּעֻרָ֑יו וְלֹֽא־אֹסִ֥ף ע֛וֹד לְהַכּ֥וֹת אֶת־כָּל־חַ֖י כַּֽאֲשֶׁ֥ר עָשִֽׂיתִי׃
21
21
Es roch der Ewige den lieblichen Geruch und es sagte der Ewige in Seinem Herzen: Ich will nicht mehr verfluchen den Erdboden wegen des Menschen. Denn der Trieb des Menschenherzens ist böse von seiner Jugend an. Und nicht noch einmal will Ich alles Lebendige schlagen, wie Ich es getan habe.
von seiner Jugend an
מִנְּעֻרָיו ist ohne den Buchstaben ו (Waw) geschrieben und bedeutet, מִשֶּׁנִּנְעַר לָצֵאת מִמְּעֵי אִמּוֹ, sobald er den Schoß seiner Mutter verlässt, wird der böse Trieb in ihn gelegt.
Raschi
Ich will nicht noch einmal
Im Vers steht zwei Mal לֹא אֹסִף, וְלֹא אֹסִף. G‑tt hat das Wort wiederholt, damit es ein Schwur sei. Das ist, was geschrieben steht (Jesch. 54:9) אֲשֶׁר נִשְׁבַּעְתִּי מֵעֲבוֹר מֵי נֹחַ „wie Ich geschworen habe, das Wasser Noachs nicht mehr zu bringen“. Wir finden hier keinen anderen Schwur, als dass Er Seine Worte wiederholt hat. Das ist ein Schwur, und so erklären es die Weisen in der Gemara Schewuot (36a).
Raschi
עֹ֖ד כָּל־יְמֵ֣י הָאָ֑רֶץ זֶ֡רַע וְ֠קָצִיר וְקֹ֨ר וָחֹ֜ם וְקַ֧יִץ וָחֹ֛רֶף וְי֥וֹם וָלַ֖יְלָה לֹ֥א יִשְׁבֹּֽתוּ׃
22
22
Solange die Erde bestehen wird, sollen Aussaat und Ernte, Kälte und Wärme, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören.
Solange die Erde bestehen wird: werden sie nicht aufhören. Von diesen sechs Jahreszeiten dauert jede zwei Monate, wie wir gelernt haben: die Hälfte des Monats Tischre, Cheschwan und die Hälfte des Kislew ist Aussaat. Die Hälfte des Monats Kislew, Tewet und die Hälfte des Schwat ist Kälte usw. (Bawa Mezia 106b)
Raschi
Kälte
קוֹר „Kälte“ ist stärker als Winter.
Raschi
und Winter
Die Zeit der Aussaat für Gerste und Hülsenfrüchte, die zuerst und rasch reifen, das ist die Hälfte des Monats Schwat, Adar und die Hälfte vom Monat Nissan.
Raschi
Ernte
Die Hälfte des Monats Nissan, Ijar und die Hälfte von Siwan.
Raschi
Sommer
„Sommer“ ist die Zeit des Pflückens der Feigen und die Zeit, wenn man sie auf den Feldern trocknet, sie werden darum Sommerfrucht genannt, wie (2 Schmu. 16:2) וְהַלֶּחֶם וְהַקַּיִץ לֶאֱכוֹל הַנְּעָרִים „das Brot und die Sommerfrucht [getrocknete Feigen] zur Speise für die Jünglinge“.
Raschi
Hitze
„Hitze“ ist das Ende des Sommers, die Hälfte von Aw, der Monat Elul und die Hälfte von Tischre, in denen die Welt besonders heiß ist, wie wir in der Gemara Joma (28b) gelernt haben שִׁלְהֵי קַיְיטָא קָשֵׁי מִקַּיְיטָא, das Ende des Sommers ist stärker als der Sommer.
Raschi
sollen Tag und Nacht nicht aufhören
„sollen Tag und Nacht nicht aufhören“: demnach hatten Tag und Nacht alle Tage der Flut aufgehört. Die Himmelskörper hatten ihren Dienst nicht versehen und es konnte nicht zwischen Tag und Nacht unterschieden werden.
Raschi
nicht aufhören
Alle diese werden nicht aufhören, sich nach ihrer Ordnung zu führen.
Raschi
וּמוֹרַאֲכֶ֤ם וְחִתְּכֶם֙ יִֽהְיֶ֔ה עַ֚ל כָּל־חַיַּ֣ת הָאָ֔רֶץ וְעַ֖ל כָּל־ע֣וֹף הַשָּׁמָ֑יִם בְּכֹל֩ אֲשֶׁ֨ר תִּרְמֹ֧שׂ הָֽאֲדָמָ֛ה וּֽבְכָל־דְּגֵ֥י הַיָּ֖ם בְּיֶדְכֶ֥ם נִתָּֽנוּ׃
2
2
Und Furcht vor euch und Angst vor euch soll auf allen Tieren der Erde sein und auf allen Vögeln des Himmels. Alles, was auf der Erde kriecht und alle Fische des Meeres, in eure Hand sind sie gegeben.
Furcht vor euch
וְחִתְּכֶם „Furcht vor euch“, wie (Ijow 6:21) תִּרְאוּ חֲתַת „ihr schaut Schrecken“.
Nach der Aggada (Schabbat 151b) bedeutet es חַיּוּת „Leben“. Solange ein Kind von einem Tag lebt, braucht man es nicht vor den Mäusen zu hüten. Wenn aber Og, König von Baschan, tot ist, muss man ihn vor den Mäusen hüten. Denn es heißt וּמוֹרַאֲכֶם וְחִתְּכֶם יִהְיֶה „Furcht und Angst vor euch wird sein“. Wann wird die Furcht vor euch auf den Tieren liegen? Solange ihr lebt.
Raschi
כָּל־רֶ֙מֶשׂ֙ אֲשֶׁ֣ר הוּא־חַ֔י לָכֶ֥ם יִהְיֶ֖ה לְאָכְלָ֑ה כְּיֶ֣רֶק עֵ֔שֶׂב נָתַ֥תִּי לָכֶ֖ם אֶת־כֹּֽל׃
3
3
Alle kriechenden Tiere, die leben, euch soll es zur Speise sein, wie grünes Kraut gebe Ich euch alles.
euch soll es zur Speise sein
Dem ersten Menschen (אָדָם הָרִאשׁוֹן) habe Ich nicht Fleisch, sondern nur grüne Kräuter erlaubt, euch aber so wie die grünen Kräuter, die Ich dem ersten Menschen freigegeben habe, euch habe Ich alles gegeben (Sanhedrin 59b).
Raschi
אַךְ־בָּשָׂ֕ר בְּנַפְשׁ֥וֹ דָמ֖וֹ לֹ֥א תֹאכֵֽלוּ׃
4
4
Doch Fleisch mit seinem Leben, nämlich sein Blut, dürft ihr nicht essen.
Doch Fleisch mit seinem Leben
G‑tt verbot ihnen einen Körperteil vom Lebenden (אֵבֶר מִן הַחַי). Das heißt, solange das Leben darin ist, dürft ihr das Fleisch nicht essen (Sanhedrin 57a).
Raschi
mit seinem Leben, nämlich sein Blut
בְּנַפְשׁוֹ דָמוֹ „mit dem Leben seines Blutes“: solange das Leben darin ist. Fleisch mit dem Leben seines Blutes dürft ihr nicht essen: das ist ein Teil vom Lebenden (אֵבֶר מִן הַחַי), und auch mit dem Leben seines
Blutes dürft ihr nicht essen: das ist Blut vom Lebenden (דָּם מִן הַחַי).
Raschi
וְאַ֨ךְ אֶת־דִּמְכֶ֤ם לְנַפְשֹֽׁתֵיכֶם֙ אֶדְרֹ֔שׁ מִיַּ֥ד כָּל־חַיָּ֖ה אֶדְרְשֶׁ֑נּוּ וּמִיַּ֣ד הָֽאָדָ֗ם מִיַּד֙ אִ֣ישׁ אָחִ֔יו אֶדְרֹ֖שׁ אֶת־נֶ֥פֶשׁ הָֽאָדָֽם׃
5
5
Doch euer eigenes Blut, worin euer Leben ist, werde Ich einfordern. Von jedem Tier werde Ich es einfordern, und von der Hand des Menschen, von der Hand jedes Bruders werde Ich das Leben des Menschen einfordern.
Doch euer eigenes Blut
Obwohl Ich euch beim Tier die Tötung erlaubt habe, euer Blut aber werde Ich fordern von dem, der das eigene Blut vergießt.
Raschi
worin euer Leben ist
לְנַפְשׁוֹתֵיכֶם, wörtl. worin eure Seele ist. Auch wenn er sich erwürgt hat, wenn auch kein Blut aus ihm ausgetreten ist.
Raschi
Von jedem Tier
מִיַּד כָּל חַיָּה, wörtl. aus der Hand jeden Tieres. Weil die Generation der Flut gesündigt hatte und den wilden Tieren als Nahrung preisgegeben worden war, dass die Tiere über die Menschen herrschten, wie es heißt (Teh. 49:21) נִמְשַׁל כַּבְּהֵמוֹת נִדְמוּ „er wurde dem Tier verglichen, das verstummt“, darum war es nötig, ihretwegen die wilden Tiere zu warnen.
Raschi
von der Hand des Menschen
Aus der Hand dessen, der vorsätzlich getötet hat, ohne dass Zeugen anwesend waren, werde Ich es fordern.
Raschi
von der Hand jedes Bruders
מִיַּד אִישׁ אָחִיו, den er wie einen Bruder liebte und aus Versehen getötet hat, werde Ich es fordern, wenn er nicht in die Verbannung geht und fleht, dass ihm seine Schuld verziehen werde. Denn auch, wenn es aus Versehen geschehen ist, braucht er Sühne. Und wenn keine Zeugen vorhanden sind, um ihn zur Verbannung zu verurteilen, und er demütigt sich nicht, so fordert es der Ewige von ihm. Wie unsere Weisen erklärt haben וְהָאֱלֹהִים אִנָּה לְיָדוֹ „G‑tt hat es in seine Hand gefügt“ (Schem. 21:13), in der Gemara Makot (10b), der Ewige lässt sie in einer Herberge zusammenkommen …
Raschi
[Makot 10b] Rabbi Schimon b. Lakisch begann den Abschnitt über den Totschläger mit folgendem Vers וַאֲשֶׁר לֹא צָדָה וְהָאֱלֹהִים אִנָּה לְיָדוֹ „wenn er es aber nicht vorsätzlich getan hat, sondern G‑tt hat es in seine Hand gefügt“ (Schem. 21:13). Die Torah spricht von zwei Personen, die Menschen getötet haben, einer ohne Vorsatz und einer mit Vorsatz, und bei beiden waren keine Zeugen anwesend. Der Ewige lässt sie in einer Herberge zusammentreffen. Der vorsätzlich getötet hat, sitzt unter der Leiter, und der ohne Vorsatz getötet hat, steigt von der Leiter, fällt auf jenen und erschlägt ihn. Der den Mord vorsätzlich begangen hat, wurde getötet, und der den Mord ohne Vorsatz begangen hat, muss in die Verbannung.
שֹׁפֵךְ֙ דַּ֣ם הָֽאָדָ֔ם בָּֽאָדָ֖ם דָּמ֣וֹ יִשָּׁפֵ֑ךְ כִּ֚י בְּצֶ֣לֶם אֱלֹהִ֔ים עָשָׂ֖ה אֶת־הָאָדָֽם׃
6
6
Wer das Blut eines Menschen vergießt, durch Menschen soll sein Blut vergossen werden. Denn im Ebenbild G‑ttes hat G‑tt den Menschen erschaffen.
durch Menschen soll sein Blut vergossen werden
Wenn Zeugen vorhanden sind, sollt ihr ihn töten, warum, denn im Ebenbild G‑ttes hat G‑tt den Menschen erschaffen.
Raschi
hat Er den Menschen erschaffen
עָשָׂה אֶת הָאָדָם „hat Er den Menschen erschaffen“, das ist ein kurzgefasster Vers, es müsste heißen עָשָׂה הָעוֹשֶׂה אֶת הָאָדָם „hat der Schöpfer den Menschen erschaffen“; ähnliches kommt im Vers oft vor.
Raschi
וְאַתֶּ֖ם פְּר֣וּ וּרְב֑וּ שִׁרְצ֥וּ בָאָ֖רֶץ וּרְבוּ־בָֽהּ׃ (ס)
7
7
Und ihr, seid fruchtbar und mehrt euch, wimmelt auf der Erde und mehrt euch auf ihr.
Und ihr, seid fruchtbar und mehrt euch
Nach der einfachen, wörtlichen Erklärung (פְשׁוּטוֹ שֶׁל מִקְרָא) ist die Aussage „Seid fruchtbar und mehrt euch“ beim ersten Mal (in Vers 9:1) ein Segen, und hier ist es ein Befehl (Ketubot 5a). Nach dem Midrasch: um denjenigen, der das Gebot der Familiengründung nicht erfüllt, mit einem zu vergleichen, der Blut vergießt (Jewamot 63b).
Raschi