וַיֹּ֧סֶף אַבְרָהָ֛ם וַיִּקַּ֥ח אִשָּׁ֖ה וּשְׁמָ֥הּ קְטוּרָֽה׃
1
1
Und Awraham nahm wieder eine Frau, ihr Name war Ketura.
Ketura
Das ist Hagar, man nannte sie Ketura, weil ihre Handlungen lieblich wie Ketoret (Räucherwerk) waren; und weil sie ihre Türe abgeschlossen hatte [קְטוּרָה – ׳קְשׁוּרָה׳ בְּלָשׁוֹן תַּרְגּוּם, wörtl. „gebunden“] und sich keinem angeschlossen hatte seit dem Tag, als sie sich von Awraham getrennt hatte.
Raschi
וְיָקְשָׁ֣ן יָלַ֔ד אֶת־שְׁבָ֖א וְאֶת־דְּדָ֑ן וּבְנֵ֣י דְדָ֔ן הָי֛וּ אַשּׁוּרִ֥ם וּלְטוּשִׁ֖ים וּלְאֻמִּֽים׃
3
3
Jokschan zeugte Schwa und Dedan. Und die Söhne des Dedan wurden die Oberhäupter der Aschurim und der Letuschim und der Le’umim.
Aschurim und Letuschim: Namen der Oberhäupter von Völkern.
Die Übersetzung Onkelos‘ kann ich nicht mit den Worten des Verses vereinigen. [Raschi]
(Onkelos erklärt diese Begriffe nicht als Volksnamen, sondern als Bezeichnung ihrer Lebensführung: לְמַשְׁרְיָין „in Zeltlagern Wohnende“, וְלִשְׁכוּנִין „in Zelten Umherziehende“ und וְלִנְגָוָון „auf Inseln Lebende“.
Onkelos erklärt אַשּׁוּרִם „Aschurim“ mit לְמַשְׁרְיָין im Sinn von מַחֲנֶה „Lager“. Solltest du allerdings einwenden, es könne nicht so sein, wegen des Buchstabens א (Alef) zu Beginn des Wortes אַשּׁוּרִם „Aschurim“, der nicht zum Wortstamm gehört? So haben wir Worte, in deren Wortstamm kein א am Anfang steht und denen ein א hinzugefügt wird, wie (Am. 7:7) חוֹמַת אֲנָךְ „Mauer nach dem Senkblei“, אֲנָךְ kommt von נְכֵה רַגְלָיִם „an den Füßen geschlagen“ (2 Schm., 4:4). Und wie (2 Kön. 4:2) אָסוּךְ שָׁמֶן „Ölkrug“, אָסוּךְ kommt von וְרָחַצְתְּ וָסַכְתְּ „wasche und salbe dich“ (Rut 3:3)
לְטוּשִׁם „Letuschim“ waren Besitzer von Zelten, die sich dahin und dorthin zerstreuten und weiterzogen, ein jeder in den Zelten seiner Wohnung. So sagt der Vers (1 Schmu. 30:16) וְהִנֵּה נְטֻשִׁים עַל פְּנֵי כָל הָאָרֶץ „siehe, sie sind über die Fläche des ganzen Landes zerstreut (netuschim)“; die Buchstaben ל (Lamed) und נ (Nun) werden miteinander vertauscht [und das Volk der Netuschim wurde auch Letuschim genannt]. (Dies ist eine Anmerkung zu Onkelos‘ Übersetzung, die in manchen Ausgaben irrtümlich Raschi zugeordnet wurde.)
וַיִּתֵּ֧ן אַבְרָהָ֛ם אֶת־כָּל־אֲשֶׁר־ל֖וֹ לְיִצְחָֽק׃
5
5
Und Awraham gab alles, was er hatte, seinem Sohn Jizchak.
Und Awraham gab
Rabbi Nechemja sagt, er gab den Segen als Testament [דִיאַתִּיקִי – דָּא תְּהֵא לְמֵיקַם וְלִהְיוֹת „Was heißt Testament? Wenn darin geschrieben steht: dies soll bestehen und ausgeführt werden.“ Bawa Batra 135b]. Der Ewige hatte zu Awraham gesagt (Ber. 12:2) וֶהְיֵה בְּרָכָה „werde zum Segen“, die Segnungen seien in deine Hand gegeben, zu segnen, wen du willst. Und Awraham übergab sie Jizchak.
Raschi
וְלִבְנֵ֤י הַפִּֽילַגְשִׁים֙ אֲשֶׁ֣ר לְאַבְרָהָ֔ם נָתַ֥ן אַבְרָהָ֖ם מַתָּנֹ֑ת וַֽיְשַׁלְּחֵ֞ם מֵעַ֨ל יִצְחָ֤ק בְּנוֹ֙ בְּעוֹדֶ֣נּוּ חַ֔י קֵ֖דְמָה אֶל־אֶ֥רֶץ קֶֽדֶם׃
6
6
Und den Söhnen der Nebenfrauen, die Awraham hatte, gab Awraham Geschenke. Und er schickte sie weg von seinem Sohn Jizchak, während er noch lebte, nach Osten in das Land des Ostens.
der Nebenfrauen
הַפִּילַגְשִׁם „Nebenfrauen“ ist ohne den Buchstaben י (Jud) geschrieben; denn es war nur eine Nebenfrau – Hagar war Ketura. Ehefrauen (נָשִׁים) verfügen über eine Ketuba (Ehevertrag), „Nebenfrauen“ (פִּלַגְשִׁים) besitzen keine Ketuba*, wie wir in Sanhedrin (21a) lernen bei den Frauen und Nebenfrauen von König David. [Raschi]
\ in unseren Sifre Torah mit dem Buchstaben י (Jud)*.
gab Awraham Geschenke
Unsere Lehrer erklären (Sanh. 91a), einen Namen vonseiten der Unreinheit übergab er ihnen.
Andere Erklärung: Was ihm um Saras willen gegeben worden war, und die anderen Geschenke, die ihm gegeben worden waren, alles gab er ihnen; denn er wollte davon keinen Nutzen haben.
Raschi
Einen Namen vonseiten der Unreinheit übergab er ihnen: auch den Nachkommen Noachs (בְּנֵי נֹחַ) ist verboten, die Kräfte der Unreinheit (מַעֲשֵׂה כְשָׁפִים) zu verwenden; deshalb ist hier die Bedeutung: er lehrte sie einen Weg, um die Kräfte der Unreinheit zu bezwingen und zu beseitigen.
Diwre David – Tas
Einen Namen vonseiten der Unreinheit übergab er ihnen: weil Awraham wusste, dass diese Söhne nicht auf Reinheit und Unreinheit achteten, übergab er ihnen einen Namen, den man auch in Unreinheit erwähnen darf (שֵׁם טוּמְאָה – שֵׁם שֶׁמּוּתָּר לְהַזְכִּירוֹ בְּטוּמְאָה).
Sifte Chachamim
Was ihm um Saras willen … und die anderen Geschenke: das ist, was Awraham ihnen gab, denn alles Geld und allen Besitz hatte er bereits seinem Sohn Jizchak überschrieben. [Misrachi]
וְאֵ֗לֶּה יְמֵ֛י שְׁנֵֽי־חַיֵּ֥י אַבְרָהָ֖ם אֲשֶׁר־חָ֑י מְאַ֥ת שָׁנָ֛ה וְשִׁבְעִ֥ים שָׁנָ֖ה וְחָמֵ֥שׁ שָׁנִֽים׃
7
7
Und das sind die Tage der Lebensjahre von Awraham, die er lebte: 175 Jahre.
175 Jahre: wörtl. „100 Jahre und 70 Jahre und 5 Jahre“. Mit 100 Jahren wie mit 70, und mit 70 wie mit 5 ohne Sünde.
Raschi
So wie Awraham im Alter von fünf Jahren ohne Sünde war, da er nicht das Alter erreicht hatte, in dem man für Übertretungen verantwortlich ist, so hatte er auch im Alter von siebzig und hundert Jahren keine Sünden.
Da sowohl das Alter von siebzig als auch das von hundert mit dem Alter von fünf verglichen wird, hätte es gereicht, zweimal „Jahre” zu schreiben: „hundertsiebzig Jahre und fünf Jahre” (מְאַת וְשִׁבְעִים שָׁנָה וְחָמֵשׁ שָׁנִים). Warum steht in dem Vers dreimal „Jahre”?
Man könnte denken, Awraham sei erst am Ende seines Lebens – als er das Alter von 170 Jahren erreichte – ohne Sünde gewesen, weil er im hohen Alter in Teschuwa umgekehrt war, habe aber in seinen mittleren Jahren einige Sünden begangen.
Die Tora wiederholt daher „Jahre“ nach jeder Kategorie von Stellenwerten, um mitzuteilen, dass Awraham sein ganzes Leben lang ohne Sünde war, sogar im Alter von siebzig Jahren, als er auf dem Höhepunkt seiner Lebenskraft und Aktivität stand, und ebenso im Alter von hundert Jahren.
Wir wissen auch, dass er bis zum Ende seines Lebens, als er 170 Jahre alt war, ohne Sünde blieb, weil der Vers die zusätzlichen Worte אֲשֶׁר חָי „die er lebte” enthält: alle Jahre seines Lebens waren gleichermaßen gut.
Gur Arye zu Ber. 23:1
וַיִּקְבְּר֨וּ אֹת֜וֹ יִצְחָ֤ק וְיִשְׁמָעֵאל֙ בָּנָ֔יו אֶל־מְעָרַ֖ת הַמַּכְפֵּלָ֑ה אֶל־שְׂדֵ֞ה עֶפְרֹ֤ן בֶּן־צֹ֙חַר֙ הַֽחִתִּ֔י אֲשֶׁ֖ר עַל־פְּנֵ֥י מַמְרֵֽא׃
9
9
Es begruben ihn Jizchak und Ischmael, seine Söhne, in der Höhle von Machpela, im Feld von Efron, dem Sohn von Zochar dem Chiti, das vor Mamre ist,
Jizchak und Ischmael
Von hier geht hervor, dass Ischmael in Teschuwa umgekehrt war und Jizchak den Vorrang einräumte. Das ist das „gute Greisenalter“ (שֵׂיבָה טוֹבָה, Vers zuvor), das bei Awraham erwähnt wird.
Raschi
וַיְהִ֗י אַחֲרֵי֙ מ֣וֹת אַבְרָהָ֔ם וַיְבָ֥רֶךְ אֱלֹהִ֖ים אֶת־יִצְחָ֣ק בְּנ֑וֹ וַיֵּ֣שֶׁב יִצְחָ֔ק עִם־בְּאֵ֥ר לַחַ֖י רֹאִֽי׃ (ס)
11
11
Es geschah nach dem Tod von Awraham, da segnete G‑tt seinen Sohn Jizchak. Und Jizchak wohnte bei dem Brunnen Lachai Roi.
nach dem Tod von Awraham, da segnete
Der Ewige tröstete ihn mit dem Trost für Trauernde (Sota 14a).
Andere Erklärung: Obwohl der Ewige die Segnungen Awraham übergeben hatte, fürchtete dieser, Jizchak zu segnen, weil er Esaw von ihm hervorgehen sah. Awraham sagte, es komme der Herr der Segnungen und segne den, der wohlgefällig ist in Seinen Augen. Darum kam der Ewige und segnete ihn.
Raschi