Der tägliche Chumasch-Abschnitt

6. Kislew 5787

Montag, 16. November 2026

Heute

Wajeze

2. Alija

(Bereschit 29:1 – 29:17)

Optionen
Immer dabei
  • Vers Hebräisch
  • Vers Deutsch
  • Raschi Deutsch
  • Erklärungen zu Raschi
  • Redaktion
וַיִּשָּׂ֥א יַעֲקֹ֖ב רַגְלָ֑יו וַיֵּ֖לֶךְ אַ֥רְצָה בְנֵי־קֶֽדֶם׃
1
1
Jaakow hob seine Füße und wanderte in das Land der Söhne des Ostens.
Da hob Jaakow seine Füße
Als er die gute Nachricht erhalten hatte und ihm G‑ttes Schutz versprochen war, trug sein Herz seine Füße, und das Gehen wurde ihm leicht. So wird in Bereschit Rabba (70:8) erklärt.
Raschi
וַיַּ֞רְא וְהִנֵּ֧ה בְאֵ֣ר בַּשָּׂדֶ֗ה וְהִנֵּה־שָׁ֞ם שְׁלֹשָׁ֤ה עֶדְרֵי־צֹאן֙ רֹבְצִ֣ים עָלֶ֔יהָ כִּ֚י מִן־הַבְּאֵ֣ר הַהִ֔וא יַשְׁק֖וּ הָעֲדָרִ֑ים וְהָאֶ֥בֶן גְּדֹלָ֖ה עַל־פִּ֥י הַבְּאֵֽר׃
2
2
Und er blickte auf und siehe, ein Brunnen war auf dem Feld, und siehe, da waren drei Schafherden, die um ihn gelagert waren, denn von diesem Brunnen tränkte man die Herden, und der Stein auf der Mündung des Brunnens war groß.
tränkte man die Herden
Wer tränkte die Herden? Die Hirten tränkten die Herden. Der Vers verwendet einen kurzen Ausdruck.
Raschi
וְנֶאֶסְפוּ־שָׁ֣מָּה כָל־הָעֲדָרִ֗ים וְגָלֲל֤וּ אֶת־הָאֶ֙בֶן֙ מֵעַל֙ פִּ֣י הַבְּאֵ֔ר וְהִשְׁק֖וּ אֶת־הַצֹּ֑אן וְהֵשִׁ֧יבוּ אֶת־הָאֶ֛בֶן עַל־פִּ֥י הַבְּאֵ֖ר לִמְקֹמָֽהּ׃
3
3
Und erst wenn alle Herden dorthin versammelt waren, wälzte man den Stein von der Mündung des Brunnens, tränkte die Schafe und legte den Stein wieder auf die Mündung des Brunnens an seine Stelle zurück.
versammelt waren
וְנֶאֶסְפוּ – רְגִילִים הָיוּ לְהֵאָסֵף, sie pflegten sich zu versammeln, weil der Stein groß war.
Raschi
wälzte
וְגָלְלוּ – וְגוֹלְלִין, pflegten zu wälzen; im Targum וּמְגַנְדְּרִין „wälzend“ [Partizip]. Der Ausdruck für eine andauernde Handlung wechselt: manchmal steht die Zukunftsform und manchmal die Vergangenheitsform; denn jede Sache, die sich immer wiederholt, war bereits und wird wieder sein.
Raschi
legte zurück
וְהֵשִׁיבוּ „legte zurück“, im Targum וּמְתִיבִין als Partizip „zurücklegend“.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר לָהֶם֙ יַעֲקֹ֔ב אַחַ֖י מֵאַ֣יִן אַתֶּ֑ם וַיֹּ֣אמְר֔וּ מֵחָרָ֖ן אֲנָֽחְנוּ׃
4
4
Jaakow sagte zu ihnen: Meine Brüder, woher seid ihr? Und sie sagten: Aus Charan sind wir.
וַיֹּ֣אמֶר לָהֶ֔ם הַיְדַעְתֶּ֖ם אֶת־לָבָ֣ן בֶּן־נָח֑וֹר וַיֹּאמְר֖וּ יָדָֽעְנוּ׃
5
5
Er sagte zu ihnen: Kennt ihr Lawan, Sohn von Nachor? Und sie sagten: Wir kennen ihn.
וַיֹּ֥אמֶר לָהֶ֖ם הֲשָׁל֣וֹם ל֑וֹ וַיֹּאמְר֣וּ שָׁל֔וֹם וְהִנֵּה֙ רָחֵ֣ל בִּתּ֔וֹ בָּאָ֖ה עִם־הַצֹּֽאן׃
6
6
Und er sagte zu ihnen: Geht es ihm gut? Sie antworteten: Es geht ihm gut, und da kommt ja seine Tochter Rachel mit den Schafen.
kommt mit den Schafen
וְהִנֵּה רָחֵל בִּתּוֹ בָּאָה „da kommt Rachel mit den Schafen“: hier ist die Betonung im Wort בָּאָה auf der letzten Silbe, dem Buchstaben א (Alef) [in der hebräischen Grammatik מִלְּרָע genannt]; der Targum übersetzt mit אָתְיָא „kommt“.
Aber bei (Vers 9) רָחֵל בָּאָה „Rachel war gekommen“ ist die Betonung auf der Anfangssilbe, dem Buchstaben בּ (Bet) [מִלְּעֵיל genannt]; der Targum übersetzt mit אֲתַת „war gekommen“. Das erste bedeutet „sie tut jetzt“ das zweite „sie hat getan“.
Raschi
וַיֹּ֗אמֶר הֵ֥ן עוֹד֙ הַיּ֣וֹם גָּד֔וֹל לֹא־עֵ֖ת הֵאָסֵ֣ף הַמִּקְנֶ֑ה הַשְׁק֥וּ הַצֹּ֖אן וּלְכ֥וּ רְעֽוּ׃
7
7
Und Jaakow sagte: Ja, der Tag ist noch lang, es ist noch nicht Zeit, das Vieh einzutreiben. Tränkt die Schafe und geht hin und weidet.
Ja, es ist noch lange Tag
Weil er sie lagern sah, dachte er, sie wollten die Herden nach Hause bringen und nicht mehr weiden. Darum sagte er zu ihnen: Ja, der Tag ist noch lang. Das heißt, wenn ihr angestellt seid (שְׂכִירִים אַתֶּם), so habt ihr das Tagewerk nicht vollendet. Und wenn das Vieh euch gehört, ist es trotzdem noch nicht Zeit, die Herden einzusammeln.
Raschi
וַיֹּאמְרוּ֮ לֹ֣א נוּכַל֒ עַ֣ד אֲשֶׁ֤ר יֵאָֽסְפוּ֙ כָּל־הָ֣עֲדָרִ֔ים וְגָֽלֲלוּ֙ אֶת־הָאֶ֔בֶן מֵעַ֖ל פִּ֣י הַבְּאֵ֑ר וְהִשְׁקִ֖ינוּ הַצֹּֽאן׃
8
8
Sie antworteten: Wir können nicht tränken, bis alle Herden versammelt sind. Dann wird man den Stein von der Mündung des Brunnens wälzen, und wir tränken die Schafe.
Wir können nicht tränken: weil der Stein so groß ist.
Raschi
wälzt man
וְגָלְלוּ, an dieser Stelle sagt der Targum וִיגַנְדְּרוּן „werden wälzen“, weil es der Ausdruck für die Zukunft ist.
Raschi
עוֹדֶ֖נּוּ מְדַבֵּ֣ר עִמָּ֑ם וְרָחֵ֣ל ׀ בָּ֗אָה עִם־הַצֹּאן֙ אֲשֶׁ֣ר לְאָבִ֔יהָ כִּ֥י רֹעָ֖ה הִֽוא׃
9
9
Während er noch mit ihnen redete, war Rachel mit den Schafen ihres Vaters hinzugekommen, denn sie war eine Hirtin.
וַיְהִ֡י כַּאֲשֶׁר֩ רָאָ֨ה יַעֲקֹ֜ב אֶת־רָחֵ֗ל בַּת־לָבָן֙ אֲחִ֣י אִמּ֔וֹ וְאֶת־צֹ֥אן לָבָ֖ן אֲחִ֣י אִמּ֑וֹ וַיִּגַּ֣שׁ יַעֲקֹ֗ב וַיָּ֤גֶל אֶת־הָאֶ֙בֶן֙ מֵעַל֙ פִּ֣י הַבְּאֵ֔ר וַיַּ֕שְׁקְ אֶת־צֹ֥אן לָבָ֖ן אֲחִ֥י אִמּֽוֹ׃
10
10
Und es war, als Jaakow Rachel sah, Tochter von Lawan, dem Bruder seiner Mutter, und die Schafe Lawans, des Bruders seiner Mutter, da trat Jaakow näher, wälzte den Stein von der Mündung des Brunnens und tränkte die Schafe Lawans, dem Bruder seiner Mutter.
da trat Jaakow näher, wälzte den Stein: wie einer, der den Stöpsel von der Öffnung einer Flasche nimmt. Das sagt dir, wie groß seine Kraft war.
Raschi
Nicht aufgrund eines Wunders schaffte es Jaakow, den Stein vom Brunnen zu wälzen, denn aus den Worten וַיִּגַּשׁ יַעֲקֹב וַיָּגֶל „da trat Jaakow näher und wälzte“ ist zu ersehen, dass er wusste, dass er genügend Kraft habe, um den Stein zu bewegen. Das ist die Bedeutung der Worte Raschis „Das sagt dir, wie groß seine Kraft war“.
Maskil leDavid
וַיִּשַּׁ֥ק יַעֲקֹ֖ב לְרָחֵ֑ל וַיִּשָּׂ֥א אֶת־קֹל֖וֹ וַיֵּֽבְךְּ׃
11
11
Und Jaakow küsste Rachel, und er hob seine Stimme und weinte.
und weinte: weil er mit g‑ttlichem Geist sah, dass sie nicht mit ihm im Grab vereint sein werde.
Andere Erklärung: Weil er mit leeren Händen gekommen war. Er sagte: „Eliëser, der Knecht meines Großvaters, hatte Nasenringe, Armbänder und kostbare Gaben bei sich. Ich aber habe nichts bei mir.“ Denn Elifas, der Sohn von Esaw, hatte ihn im Auftrag seines Vaters verfolgt, um ihn zu töten, und ihn eingeholt. Weil Elifas aber im Schoß von Jizchak groß geworden war, hielt er seine Hand zurück und sagte zu ihm: „Was soll ich mit dem Auftrag meines Vaters machen?“ Da sagte Jaakow zu ihm: „Nimm alles, was ich bei mir habe“, denn ein Armer ist einem Toten gleichgesetzt.
Raschi
וַיַּגֵּ֨ד יַעֲקֹ֜ב לְרָחֵ֗ל כִּ֣י אֲחִ֤י אָבִ֙יהָ֙ ה֔וּא וְכִ֥י בֶן־רִבְקָ֖ה ה֑וּא וַתָּ֖רָץ וַתַּגֵּ֥ד לְאָבִֽיהָ׃
12
12
Und Jaakow erzählte Rachel, dass er ein Verwandter ihres Vaters und Sohn von Riwka sei. Da eilte sie und erzählte es ihrem Vater.
ein Verwandter ihres Vaters
כִּי אֲחִי אָבִיהָ הוּא, wörtl. dass er der Bruder ihres Vaters sei; ein Verwandter ihres Vaters; wie (Ber. 13:8) אֲנָשִׁים אַחִים אֲנָחְנוּ „wir sind verwandte Männer“.
Der Midrasch dazu sagt: Wenn er zu betrügen kommt, dann bin auch ich sein Bruder im Betrügen. Wenn er aber ein aufrechter Mensch ist, dann bin auch ich der Sohn von Riwka, seiner aufrechten Schwester.
Raschi
und erzählte es ihrem Vater: weil ihre Mutter gestorben war, hatte sie nur ihn, um es ihm zu erzählen.
Raschi
וַיְהִי֩ כִשְׁמֹ֨עַ לָבָ֜ן אֶת־שֵׁ֣מַע ׀ יַעֲקֹ֣ב בֶּן־אֲחֹת֗וֹ וַיָּ֤רָץ לִקְרָאתוֹ֙ וַיְחַבֶּק־לוֹ֙ וַיְנַשֶּׁק־ל֔וֹ וַיְבִיאֵ֖הוּ אֶל־בֵּית֑וֹ וַיְסַפֵּ֣ר לְלָבָ֔ן אֵ֥ת כָּל־הַדְּבָרִ֖ים הָאֵֽלֶּה׃
13
13
Und es geschah, als Lawan die Nachricht hörte von Jaakow, Sohn seiner Schwester, da lief er ihm entgegen, umarmte ihn und küsste ihn und brachte ihn in sein Haus, und er erzählte Lawan all diese Dinge.
lief er ihm entgegen
Er dachte, dass er mit Geld beladen sei, weil sogar ein Diener des Hauses [Eliëser] mit zehn beladenen Kamelen dorthin gekommen war.
Raschi
umarmte ihn
Als er nichts bei ihm sah, dachte er, vielleicht bringt er Goldstücke mit, die er verborgen hält.
Raschi
und küsste ihn
Er dachte, vielleicht hat er Perlen mitgebracht, und sie sind in seinem Mund.
Raschi
und er erzählte Lawan: dass er nur durch den Zwang seines Bruders gekommen sei und dass man ihm sein Geld weggenommen habe.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר לוֹ֙ לָבָ֔ן אַ֛ךְ עַצְמִ֥י וּבְשָׂרִ֖י אָ֑תָּה וַיֵּ֥שֶׁב עִמּ֖וֹ חֹ֥דֶשׁ יָמִֽים׃
14
14
Und Lawan sagte zu ihm: Dennoch, von meinem Gebein und Fleisch bist du! Und Jaakow blieb bei ihm einen Monat lang.
von meinem Gebein und Fleisch
עַצְמִי וּבְשָׂרִי „von meinem Gebein und Fleisch“: ein Blutsverwandter.
von meinem Gebein und Fleisch
Da du kein Gold und kein Vermögen bei dir hast, habe ich keinen anderen Grund als unsere Verwandschaft, dich in mein Haus aufzunehmen. Nur wegen der Verwandtschaft werde ich mich ein Monat um dich kümmern. Aber auch das nicht umsonst, denn Jaakow weidete seine Schafe.
Raschi
Laut Raschi ist das Wort אַךְ „dennoch“, „nichtsdestotrotz“ als Ausschließung zu verstehen: Obwohl du kein Vermögen bei dir hast, werde ich dich in mein Haus aufnehmen, weil wir verwandt sind.
Misrachi, Sifte Chachamim
וַיֹּ֤אמֶר לָבָן֙ לְיַעֲקֹ֔ב הֲכִי־אָחִ֣י אַ֔תָּה וַעֲבַדְתַּ֖נִי חִנָּ֑ם הַגִּ֥ידָה לִּ֖י מַה־מַּשְׂכֻּרְתֶּֽךָ׃
15
15
Da sagte Lawan zu Jaakow: Sollst du, weil du mein Bruder bist, für mich umsonst arbeiten? Sag mir, was dein Lohn sein soll.
weil du mein Bruder bist
הֲכִי אָחִי אַתָּה ist die Form einer Frage: Etwa, weil du mein Bruder bist, sollst du umsonst bei mir arbeiten?
Raschi
arbeiten
וַעֲבַדְתַּנִי „gearbeitet hast“ ist so wie וְתַעַבְדֵנִי „arbeiten wirst“ (Zukunftsform). Und so ist es bei jedem Verb in der Vergangenheitsform. Fügt man am Beginn den Buchstaben ו (Waw) dazu, so verwandelt dieser das Verb in die Zukunftsform.
Raschi
וּלְלָבָ֖ן שְׁתֵּ֣י בָנ֑וֹת שֵׁ֤ם הַגְּדֹלָה֙ לֵאָ֔ה וְשֵׁ֥ם הַקְּטַנָּ֖ה רָחֵֽל׃
16
16
Lawan hatte zwei Töchter, die ältere hieß Leah, die jüngere Rachel.
וְעֵינֵ֥י לֵאָ֖ה רַכּ֑וֹת וְרָחֵל֙ הָֽיְתָ֔ה יְפַת־תֹּ֖אַר וִיפַ֥ת מַרְאֶֽה׃
17
17
Und die Augen Leahs waren zart, Rachel aber war von schönem Gesicht und schöner Ausstrahlung.
die Augen Leahs
Leah dachte, sie würde Esaw zufallen und hatte viel geweint. Denn alle sagten, Riwka hat zwei Söhne und Lawan zwei Töchter, die ältere ist für den älteren und die jüngere für den jüngeren.
Raschi
von schönem Gesicht
תֹּאַר ist die Gestalt des Gesichtes, vom Ausdruck (Jesch. 44:13) יְתָאֲרֵהוּ בַשֶּׂרֶד „er formt es mit dem Zirkel“ (שֶּׂרֶד ist compas „Zirkel“ auf Französisch).
Raschi
von schöner Ausstrahlung
מַרְאֶה ist die Ausstrahlung des Gesichtes.
Raschi