וַיֶּאֱהַ֥ב יַעֲקֹ֖ב אֶת־רָחֵ֑ל וַיֹּ֗אמֶר אֶֽעֱבָדְךָ֙ שֶׁ֣בַע שָׁנִ֔ים בְּרָחֵ֥ל בִּתְּךָ֖ הַקְּטַנָּֽה׃
18
18
Und Jaakow liebte Rachel und er sagte zu Lawan: Ich will dir sieben Jahre dienen für Rachel, deine Tochter, die jüngere.
Ich will dir sieben Jahre dienen
Das sind die einigen Jahre, die seine Mutter zu ihm gesagt hatte (zuvor, Ber. 27:44) וְיָשַׁבְתָּ עִמּוֹ יָמִים אֲחָדִים „bleibe bei ihm einige Jahre“. Dass es so ist, kannst du daran erkennen, weil hier steht (weiter, Vers 20) וַיִּהְיוּ בְעֵינָיו כְּיָמִים אֲחָדִים „sie waren in seinen Augen wie einige Jahre“.
Raschi
Rachel, deine Tochter, die jüngere
Warum alle diese Bezeichnungen? Weil er von Lawan wusste, dass er ein Betrüger war, sagte er zu ihm: „Ich will dir für Rachel dienen.“ Vielleicht wirst du aber sagen, es war eine andere Rachel gemeint, eine Rachel von der Straße. Darum steht „deine Tochter“. Vielleicht wirst du aber sagen, ich werde den Namen von Leah tauschen und sie Rachel nennen. Darum steht „die jüngere“. Und Lawan betrog ihn dennoch.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יַעֲקֹ֤ב אֶל־לָבָן֙ הָבָ֣ה אֶת־אִשְׁתִּ֔י כִּ֥י מָלְא֖וּ יָמָ֑י וְאָב֖וֹאָה אֵלֶֽיהָ׃
21
21
Und Jaakow sagte zu Lawan: Gib mir meine Frau, denn meine Zeit ist voll, dass ich zu ihr komme.
meine Zeit ist voll
מָלְאוּ יָמָי, wörtl. „meine Tage sind voll“. Meine Tage sind voll, die meine Mutter mir gesagt hat. Und meine Tage sind voll, denn ich selbst bin 84 Jahre alt, und wann soll ich die 12 Stämme aufstellen? Darum heißt es וְאָבוֹאָה אֵלֶיהָ „dass ich zu ihr komme“. Ein ganz würdeloser Mensch spricht nicht so! Nur, weil er Nachkommen zeugen sollte, sprach er so.
Raschi
וַיְהִ֣י בַבֹּ֔קֶר וְהִנֵּה־הִ֖וא לֵאָ֑ה וַיֹּ֣אמֶר אֶל־לָבָ֗ן מַה־זֹּאת֙ עָשִׂ֣יתָ לִּ֔י הֲלֹ֤א בְרָחֵל֙ עָבַ֣דְתִּי עִמָּ֔ךְ וְלָ֖מָּה רִמִּיתָֽנִי׃
25
25
Es war am Morgen, siehe, da war es Leah. Da sagte Jaakow zu Lawan: Was hast du mir da getan? Habe ich nicht für Rachel bei dir gedient? Warum hast du mich betrogen?
Es war am Morgen, siehe, da war es Leah
Aber in der Nacht war es nicht Leah, weil Jaakow der Rachel Erkennungszeichen übergeben hatte. Als Rachel nun sah, dass man Leah zu ihm hineinführen wollte, sagte sie, nun wird meine Schwester beschämt werden; und sie stand auf und übergab ihr die Erkennungszeichen (Megilla 13b, Bawa Batra 123a).
Raschi
מַלֵּ֖א שְׁבֻ֣עַ זֹ֑את וְנִתְּנָ֨ה לְךָ֜ גַּם־אֶת־זֹ֗את בַּעֲבֹדָה֙ אֲשֶׁ֣ר תַּעֲבֹ֣ד עִמָּדִ֔י ע֖וֹד שֶֽׁבַע־שָׁנִ֥ים אֲחֵרֽוֹת׃
27
27
Lass die Hochzeitswoche mit dieser voll sein, dann wollen wir dir auch diese Tochter – Rachel – geben für die Arbeit, die du bei mir noch sieben weitere Jahre arbeiten sollst.
Lass die Woche mit dieser voll sein
מַלֵּא שְׁבֻעַ זֹאת, wörtl. „Lass die Woche [mit] dieser voll sein“. Das Wort שְׁבֻעַ ist mit זֹאת verbunden, denn der Buchstabe שׁ (Schin) ist mit Chataf (Schwa, שְׁ) punktiert, im Sinn von: שָׁבוּעַ שֶׁל זֹאת, die Woche dieser, [d.h. die „Woche“ von Lea, ein Zeitraum von sieben Tagen, der Leas Feierlichkeiten gewidmet ist]. Das sind die sieben sieben Tage des Hochzeitsmahles (שִׁבְעַת יְמֵי הַמִּשְׁתֶּה). So wird [der Vers] im Jerusalemer Talmud, Moed Katan (1:7) erklärt.
Man kann aber nicht sagen, eine wirkliche Woche, „diese Woche“. Dann müsste der Buchstabe שׁ (Schin) mit Patach punktiert sein (שַׁ), und weiters ist שָׁבוּעַ eine männliche Form, wie es heißt (Dew. 16:9) שִׁבְעָה שָׁבוּעוֹת תִּסְפָּר לָךְ „sieben Wochen zähle dir“. Darum ist der Sinn von שָׁבוּעַ nur eine Siebenheit, septaine auf Französisch.
Raschi
dann wollen wir geben
וְנִתְּנָה לְךָ „dann wollen wir dir geben“ ist eine Form der Mehrzahl, wie (Ber. 11:7) נֵרְדָה וְנָבְלָה „wir wollen uns herablassen und wir wollen verwirren“, (Ber. 11:3) וְנִשְׂרְפָה „wir wollen brennen“. Auch hier bedeutet der Begriff וְנִתְּנָה so viel wie וְנִתֵּן „wir werden geben“.
Raschi
auch diese: sofort nach den sieben Tagen des Hochzeitsmahls; und nach der Hochzeit mit ihr wirst du wieder dienen.
Raschi
וַיָּבֹא֙ גַּ֣ם אֶל־רָחֵ֔ל וַיֶּאֱהַ֥ב גַּֽם־אֶת־רָחֵ֖ל מִלֵּאָ֑ה וַיַּעֲבֹ֣ד עִמּ֔וֹ ע֖וֹד שֶֽׁבַע־שָׁנִ֥ים אֲחֵרֽוֹת׃
30
30
Und Jaakow kam auch zu Rachel, und er liebte auch Rachel, mehr als Leah. Und er diente bei Lawan noch sieben weitere Jahre.
sieben weitere Jahre
שֶׁבַע שָׁנִים אֲחֵרוֹת, wörtl. sieben andere Jahre. „Andere“, damit vergleicht er sie mit den ersten: wie die ersten voll Treue gewesen waren, so waren auch die letzten voll Treue, obwohl Lawan mit Betrug sich ihm gegenüber benahm.
Raschi
Durch den Betrug Lawans nach den ersten sieben Jahren hätte sich Jaakow vielleicht berechtigt gefühlt, in den zweiten sieben Jahren weniger hart zu arbeiten, und er hätte das ohne Konsequenzen tun können, da Lawan ihm Rachel bereits zur Ehe gegeben hatte. Jaakow aber ging nicht diesen Weg, sonderen arbeitete in der zweiten Sieben-Jahres-Periode genauso gewissenhaft wie in der ersten.
Siehe Maharsu zu Bereschit Rabba 70:20
וַתַּ֤הַר לֵאָה֙ וַתֵּ֣לֶד בֵּ֔ן וַתִּקְרָ֥א שְׁמ֖וֹ רְאוּבֵ֑ן כִּ֣י אָֽמְרָ֗ה כִּֽי־רָאָ֤ה יְהוָה֙ בְּעָנְיִ֔י כִּ֥י עַתָּ֖ה יֶאֱהָבַ֥נִי אִישִֽׁי׃
32
32
Leah wurde schwanger und gebar einen Sohn und nannte ihn Rëuwen, denn sie sagte: Der Ewige hat mein Elend gesehen (raa), jetzt wird mein Mann mich lieben.
Rëuwen vom Begriff רְאִיָּה „sehen“.
nannte ihn Rëuwen
Nach der Erklärung unserer Weisen sagte Leah: רְאוּבֵן „Rëuwen“ vom Ausdruck רְאוּ בֵּן (re’u ben), seht den Unterschied zwischen meinem Sohn und [Esaw,] dem Sohn meines Schwiegervaters Jizchak. Esaw verkaufte seine Erstgeburt an Jaakow. [Meinem Sohn Rëuwen hingegen wurde die Erstgeburt gegen seinen Willen genommen und ging an Josef.] Mein Sohn Rëuwen verkaufte sie nicht an Josef und lehnte sich dennoch nicht gegen ihn auf. Und nicht nur das allein, dass er sich nicht gegen ihn auflehnte, versuchte er vielmehr noch, ihn aus der Grube herauszuholen (Berachot 7b).
Raschi
וַתַּ֣הַר עוֹד֮ וַתֵּ֣לֶד בֵּן֒ וַתֹּ֗אמֶר כִּֽי־שָׁמַ֤ע יְהוָה֙ כִּֽי־שְׂנוּאָ֣ה אָנֹ֔כִי וַיִּתֶּן־לִ֖י גַּם־אֶת־זֶ֑ה וַתִּקְרָ֥א שְׁמ֖וֹ שִׁמְעֽוֹן׃
33
33
Und Leah wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn, und sie sagte: Weil der Ewige gehört hat (schama), dass ich ungeliebt bin, darum gab Er mir auch diesen! Und sie nannte ihn Schimon.
Schimon vom Begriff שְׁמִיעָה „hören“.
וַתַּ֣הַר עוֹד֮ וַתֵּ֣לֶד בֵּן֒ וַתֹּ֗אמֶר עַתָּ֤ה הַפַּ֙עַם֙ יִלָּוֶ֤ה אִישִׁי֙ אֵלַ֔י כִּֽי־יָלַ֥דְתִּי ל֖וֹ שְׁלֹשָׁ֣ה בָנִ֑ים עַל־כֵּ֥ן קָרָֽא־שְׁמ֖וֹ לֵוִֽי׃
34
34
Und Leah wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn, und sie sagte: Dieses Mal wird sich mein Mann mir anschließen (jelawe), denn ich habe ihm drei Söhne geboren; darum nannte man ihn Levi.
Dieses Mal wird sich mein Mann mir anschließen
Weil die Mütter Prophetinnen waren und wussten, dass zwölf Stämme hervorgehen würden und dass Jaakow vier Frauen heiraten würde. Darum sagte Leah, von jetzt an hat er keine Klage mehr gegen mich, denn ich habe meinen ganzen Anteil an Kindern erhalten.
Raschi
darum
Jeder, bei dem עַל כֵּן („darum“) steht, wurde reich an Bevölkerung außer Levi, weil die Heilige Truhe (אֲרוֹן בְּרִית־ה׳) sie verminderte.
Raschi
nannte man ihn Levi
Bei allen steht וַתִּקְרָא „sie nannte“ und bei diesem steht קָרָא „er nannte“. Es gibt einen Midrasch dazu in Ele haDewarim Rabba: Der Ewige schickte Gawriel und ließ den Jungen vor sich bringen, gab ihm diesen Namen und verlieh ihm die Kohen-Abgaben (מַתְּנוֹת כְּהֻנָּה). Und weil Er ihn mit Gaben ausstattete, nannte Er ihn Levi („den Ausgestatteten“, עַל שֵׁם שֶׁלִּוָּהוּ בְּמַתָּנוֹת קְרָאוֹ לֵוִי).
Raschi
Ele haDewarim Rabba: Das zitierte Werk Ele haDewarim Rabba ist nicht das heute bekannte Dewarim Rabba, das im Midrasch Rabba abgedruckt ist. Es ist ein anderes Werk des Midrasch, das heute verloren ist.
Igeret Bikoret (צ״ה חיות), ד״ה תנחומה
וַתַּ֨הַר ע֜וֹד וַתֵּ֣לֶד בֵּ֗ן וַתֹּ֙אמֶר֙ הַפַּ֙עַם֙ אוֹדֶ֣ה אֶת־יְהוָ֔ה עַל־כֵּ֛ן קָרְאָ֥ה שְׁמ֖וֹ יְהוּדָ֑ה וַֽתַּעֲמֹ֖ד מִלֶּֽדֶת׃
35
35
Und Leah wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn, und sie sagte: Diesmal will ich dem Ewigen danken (ode)! Darum nannte sie ihn Jehuda. Dann hörte sie auf zu gebären.
Diesmal will ich danken
Weil ich über meinen Anteil erhalten habe, darum muss ich von jetzt an danken.
Raschi
וַתֵּ֣רֶא רָחֵ֗ל כִּ֣י לֹ֤א יָֽלְדָה֙ לְיַעֲקֹ֔ב וַתְּקַנֵּ֥א רָחֵ֖ל בַּאֲחֹתָ֑הּ וַתֹּ֤אמֶר אֶֽל־יַעֲקֹב֙ הָֽבָה־לִּ֣י בָנִ֔ים וְאִם־אַ֖יִן מֵתָ֥ה אָנֹֽכִי׃
1
1
Als Rachel sah, dass sie Jaakow keine Kinder gebar, beneidete Rachel ihre Schwester, und sie sagte zu Jaakow: Gib mir Kinder! Wenn nicht, sterbe ich!
beneidete Rachel ihre Schwester: beneidete sie um ihre guten Taten. Sie sagte, wenn sie nicht rechtschaffener als ich wäre, hätte sie nicht die Kinder erhalten.
Raschi
Gib mir Kinder!
Hat etwa dein Vater so deiner Mutter getan?! Er betete für sie!
Raschi
sterbe ich
Von hier geht hervor: wer keine Kinder hat, ist einem Toten gleich.
Raschi
וַיִּֽחַר־אַ֥ף יַעֲקֹ֖ב בְּרָחֵ֑ל וַיֹּ֗אמֶר הֲתַ֤חַת אֱלֹהִים֙ אָנֹ֔כִי אֲשֶׁר־מָנַ֥ע מִמֵּ֖ךְ פְּרִי־בָֽטֶן׃
2
2
Da wurde Jaakow zornig auf Rachel, und er sagte: Bin ich etwa an Stelle G‑ttes, der dir Kinder nicht geben will?
Bin ich etwa an Stelle G‑ttes
הֲתַחַת bedeutet: Bin ich etwa an Seiner Stelle, statt Ihm?
Raschi
Kinder: פְּרִי בָטֶן, wörtl. Frucht des Bauches.
der dir Kinder nicht geben will
Du sagst, ich soll wie mein Vater sein. Ich bin aber nicht wie mein Vater. Mein Vater hatte keine Kinder, und ich habe Kinder. Dir hat Er Kinder versagt, nicht mir (Bereschit Rabba 71:7).
Raschi
וַתֹּ֕אמֶר הִנֵּ֛ה אֲמָתִ֥י בִלְהָ֖ה בֹּ֣א אֵלֶ֑יהָ וְתֵלֵד֙ עַל־בִּרְכַּ֔י וְאִבָּנֶ֥ה גַם־אָנֹכִ֖י מִמֶּֽנָּה׃
3
3
Da sagte sie: Siehe, hier ist meine Dienerin Bilha, gehe zu ihr, dass sie auf meinem Schoß gebäre und auch ich durch sie zu Kindern komme.
auf meinem Schoß
עַל בִּרְכַּי „auf meinem Schoß“; wie der Targum sagt וַאֲנָא אֲרַבֵּי [sie wird gebären und] „ich werde erziehen“.
Raschi
und auch ich zu Kindern komme
וְאִבָּנֶה גַם אָנֹכִי, wörtl. und auch ich erbaut werde.
Was bedeutet der Ausdruck גַּם „auch“? Sie sagte zu ihm: Dein Großvater Awraham hatte Kinder von Hagar und gürtete doch seine Lenden für Sara [betete für sie]. Jaakow antwortete ihr: Meine Großmutter hatte sich eine Nebenfrau ins Haus genommen. Und Rachel sagte: Wenn es darauf ankommt, hier, meine Dienerin.
Raschi
und auch ich durch sie zu Kindern komme: so wie Sara.
Raschi
וַתֹּ֤אמֶר רָחֵל֙ דָּנַ֣נִּי אֱלֹהִ֔ים וְגַם֙ שָׁמַ֣ע בְּקֹלִ֔י וַיִּתֶּן־לִ֖י בֵּ֑ן עַל־כֵּ֛ן קָרְאָ֥ה שְׁמ֖וֹ דָּֽן׃
6
6
Da sagte Rachel: G‑tt hat mir Recht geschafft (danani) und auch auf meine Stimme gehört und mir einen Sohn gegeben; darum nannte sie ihn Dan.
hat mir Recht geschafft
דָּנַנִּי וְחִיְּבַנִי, G‑tt hat mich gerichtet und abgelehnt, דָּנַנִּי וְזִכַּנִי, G‑tt hat mich gerichtet und angenommen.
Raschi
וַתֹּ֣אמֶר רָחֵ֗ל נַפְתּוּלֵ֨י אֱלֹהִ֧ים ׀ נִפְתַּ֛לְתִּי עִם־אֲחֹתִ֖י גַּם־יָכֹ֑לְתִּי וַתִּקְרָ֥א שְׁמ֖וֹ נַפְתָּלִֽי׃
8
8
Da sagte Rachel: Ich krümmte mich und vermehrte meine Bitten vor G‑tt (niftalti), um gleich zu sein meiner Schwester, und wurde angenommen, und sie nannte das Kind Bilhas Naftali.
Ich vermehrte meine Bitten vor G‑tt
נַפְתּוּלֵי אֱלֹהִים, Menachem ben Seruk erklärt es unter der Wurzel von צָמִיד פָּתִיל „eng anliegender Deckel“ (Bam. 19:15): mit einer Verbindung vom Ewigen verband ich mich mit meiner Schwester, um Kinder zu bekommen.
Ich erkläre es mit dem Ausdruck עִקֵּשׁ וּפְתַלְתֹּל „gekrümmt und verdreht“ (Dew. 32:5): ich krümmte mich und vermehrte meine Bitten und wand mich viel vor dem Ewigen, um meiner Schwester gleich zu werden.
Raschi
und wurde angenommen
גַּם יָכֹלְתִּי – הִסְכִּים עַל יָדִי, G‑tt stimmte mir zu.
Onkelos deutet נַפְתּוּלֵי אֱלֹהִים נִפְתַּלְתִּי als Ausdruck für Gebet, als hätte Rachel gesagt, in meinem Fallen im Gebet vor G‑tt wurden meine Gebete angenommen. Mit Bitten, die lieb vor Ihm sind, wurde ich angenommen und erhört so wie meine Schwester.
Raschi
als Ausdruck für Gebet: Die Stelle נַפְתּוּלֵי אֱלֹהִים נִפְתַּלְתִּי עִם אֲחֹתִי wird von Onkelos übersetzt: קַבֵּיל בָּעוּתִי ה׳ בְּאִתְחַנָּנוּתִי בִּצְלוֹתִי חַמֵּידִית דִּיהֵי לִי וְלַד כַּאֲחָתִי, G‑tt hat mein Bitten angenommen, durch mein Flehen im Gebet. Ich wünschte mir ein Kind wie meine Schwester.
Onkelos deutet נַפְתּוּלֵי im Sinn von נִיפּוּלֵי, ein Fallen im Gebet. Das bezieht sich auf eine Form des Gebets, bei der der Betende in seiner Ergriffenheit zu Boden sinkt. So finden wir bei Mosche (Dew. 9:18) וָאֶתְנַפַּל לִפְנֵי ה׳ „ich warf mich vor dem Ewigen nieder“. Auch Dewarim Rabba 2:1 führt נִיפּוּל „fallen“ als eine von zehn Ausdrücken des Gebets an.
Sikaron, Josef Hallel
Ich flehte unablässig vor G‑tt
נִפְתַּלְתִּי bedeutet: mein Gebet wurde angenommen. Es gibt dazu viele Midraschim, die das Wort als נוֹטָרִיקוֹן, die Zusammenziehung mehrerer Worte, erklären.
Raschi
וַתֵּ֗לֶד זִלְפָּ֛ה שִׁפְחַ֥ת לֵאָ֖ה לְיַעֲקֹ֥ב בֵּֽן׃
10
10
Und Silpa, die Dienerin der Leah, gebar Jaakow einen Sohn.
Und Silpa gebar
Bei allen ist die Schwangerschaft erwähnt außer bei Silpa. Weil sie die jüngste von allen und noch ein Kind an Jahren war, sodass die Schwangerschaft an ihr nicht wahrgenommen wurde. Um Jaakow zu betrügen, hatte Lawan sie seiner Tochter Leah gegeben, damit er nicht merke, dass man Leah zu ihm hineinführte. Denn so war Gebrauch, die ältere Dienerin der älteren Tochter und die jüngere Dienerin der jüngeren zu geben.
Raschi
וַתֹּ֥אמֶר לֵאָ֖ה בגד [בָּ֣א] [גָ֑ד] וַתִּקְרָ֥א אֶת־שְׁמ֖וֹ גָּֽד׃
11
11
Da sagte Leah: Das Glück (gad) ist gekommen, und nannte seinen Namen Gad.
Das Glück ist gekommen
בָּא גָד – בָּא מַזָּל טוֹב „das Glück ist gekommen“ (Targum Jonathan), wie (Schabbat 67b) גָּד גַּדִּי וְסִנּוּק לָא „Bewähre dich, mein Glück, und ermüde nicht“. Ähnlich wie (Jesch. 65:11) הָעֹרְכִים לַגַּד שֻׁלְחָן „die für das Glück den Tisch decken“.
Der Midrasch sagt, er wurde beschnitten geboren. Wie im Vers (Dan. 4:11) גֹּדּוּ אִילָנָא „haut den Baum um“.
Ich weiß nicht, warum es in einem einzigen Wort geschrieben ist, בָּגָד.
Andere Erklärung: Warum kann es wie ein einziges Wort gelesen werden, בָּגָד? Wie wenn es heißen sollte, du wurdest mir untreu (בָּגַדְתָּ בִּי), als du zu meiner Dienerin kamst; wie ein Mann, der der Frau seiner Jugend untreu wird.
Raschi