Wajeze
4. Alija
(Bereschit 30:14 – 30:27)
וַיֵּ֨לֶךְ רְאוּבֵ֜ן בִּימֵ֣י קְצִיר־חִטִּ֗ים וַיִּמְצָ֤א דֽוּדָאִים֙ בַּשָּׂדֶ֔ה וַיָּבֵ֣א אֹתָ֔ם אֶל־לֵאָ֖ה אִמּ֑וֹ וַתֹּ֤אמֶר רָחֵל֙ אֶל־לֵאָ֔ה תְּנִי־נָ֣א לִ֔י מִדּוּדָאֵ֖י בְּנֵֽךְ׃
14
14
Rëuwen ging zur Zeit der Weizenernte hinaus, er fand Dudaim auf dem Feld und brachte sie seiner Mutter Leah. Da sagte Rachel zu Leah: Gib mir doch von den Dudaim deines Sohnes!
zur Zeit der Weizenernte
Der Vers erzählt das Lob der Stämme: Es war die Zeit der Ernte, und doch streckte er seine Hand nicht nach Raub aus, Weizen oder Gerste nach Hause zu bringen, sondern eine herrenlose Sache (הֶפְקֵר), auf die kein Mensch Wert legt (Sanh. 99b).
Raschi
*Dudaim: Wohlriechende Blume, es ist das ein Kraut. Im Arabischen Jasmin*.
Raschi
*Dudaim:* ein Gewächs, auf Deutsch Alraune.
וַתֹּ֣אמֶר לָ֗הּ הַמְעַט֙ קַחְתֵּ֣ךְ אֶת־אִישִׁ֔י וְלָקַ֕חַת גַּ֥ם אֶת־דּוּדָאֵ֖י בְּנִ֑י וַתֹּ֣אמֶר רָחֵ֗ל לָכֵן֙ יִשְׁכַּ֤ב עִמָּךְ֙ הַלַּ֔יְלָה תַּ֖חַת דּוּדָאֵ֥י בְנֵֽךְ׃
15
15
Und sie antwortete ihr: Nicht genug, dass du meinen Mann nimmst, willst du auch noch die Dudaim meines Sohnes nehmen? Da sagte Rachel: Darum soll er heute Nacht bei dir schlafen für die Dudaim deines Sohnes.
willst du auch noch die Dudaim meines Sohnes nehmen?
וְלָקַחַת גַּם אֶת דּוּדָאֵי בְּנִי ist eine Frage: willst du auch noch das tun, auch die Dudaim meines Sohnes zu nehmen? Auch der Targum übersetzt [das Wort וְלָקַחַת als] וּלְמִיסַּב „und zu nehmen“.
Raschi
וּלְמִיסַּב ist die Version in Raschis Text von Targum Onkelos. Andere Versionen haben die Form וְתִסְּבִין „und du wirst nehmen“.
Darum soll er heute Nacht bei dir schlafen: er sollte diese Nacht bei mir schlafen, und ich überlasse dir mein Recht für die Dudaim deines Sohnes. Weil sie aber das Beisein des Zaddik geringschätzte, wurde ihr nicht gewährt, neben ihm begraben zu werden.
Raschi
וַיָּבֹ֨א יַעֲקֹ֣ב מִן־הַשָּׂדֶה֮ בָּעֶרֶב֒ וַתֵּצֵ֨א לֵאָ֜ה לִקְרָאת֗וֹ וַתֹּ֙אמֶר֙ אֵלַ֣י תָּב֔וֹא כִּ֚י שָׂכֹ֣ר שְׂכַרְתִּ֔יךָ בְּדוּדָאֵ֖י בְּנִ֑י וַיִּשְׁכַּ֥ב עִמָּ֖הּ בַּלַּ֥יְלָה הֽוּא׃
16
16
Als Jaakow abends vom Feld kam, ging Leah ihm entgegen und sagte: Zu mir kommst du, denn Lohn habe ich für dich gegeben mit den Dudaim meines Sohnes. Und er schlief bei ihr in jener Nacht.
denn ich habe Lohn für dich gegeben: ich habe Rachel ihren Lohn gegeben.
Raschi
in jener Nacht
Es steht nicht בַּלַּיְלָה הַהוּא, sondern בַּלַּיְלָה הוּא, „Er, der Ewige“ bewirkte es, dass Jissachar davon hervorging (Nida 31a).
Raschi
Als Jaakow an diesem Abend vom Feld zurückkehrte, lenkte der Ewige seinen Esel in Richtung Leahs Zelt, obwohl Jaakow nicht die Absicht hatte, dort zu übernachten.
Nida 31a
Jaakow ritt auf seinem Esel nach Hause und Leah hörte das Schreien des Esels, da ging sie ihm sofort entgegen. So sagt der Vers (Ber. 49:14) über Jissachar יִשָּׂשכָר חֲמֹר גָּרֶם, im Sinn von ״חֲמֹר גָרַם״, der Esel führte dazu, dass Jissachar auf die Welt kam.
Targum Jonathan, Bereschit Rabba
וַיִּשְׁמַ֥ע אֱלֹהִ֖ים אֶל־לֵאָ֑ה וַתַּ֛הַר וַתֵּ֥לֶד לְיַעֲקֹ֖ב בֵּ֥ן חֲמִישִֽׁי׃
17
17
Und G‑tt erhörte Leah, sie wurde schwanger und gebar Jaakow einen fünften Sohn.
Und G‑tt erhörte Leah: die sich danach sehnte und sich bemühte, die Stämme zu vermehren.
Raschi
וַתֹּ֣אמֶר לֵאָ֗ה נָתַ֤ן אֱלֹהִים֙ שְׂכָרִ֔י אֲשֶׁר־נָתַ֥תִּי שִׁפְחָתִ֖י לְאִישִׁ֑י וַתִּקְרָ֥א שְׁמ֖וֹ יִשָּׂשכָֽר׃
18
18
Da sagte Leah: G‑tt hat meine Belohnung (sachar) dafür gegeben, dass ich meine Dienerin meinem Mann gegeben habe. Und sie nannte ihn Jissachar.
וַתַּ֤הַר עוֹד֙ לֵאָ֔ה וַתֵּ֥לֶד בֵּן־שִׁשִּׁ֖י לְּיַעֲקֹֽב׃
19
19
Und Leah wurde wieder schwanger und gebar Jaakow einen sechsten Sohn.
וַתֹּ֣אמֶר לֵאָ֗ה זְבָדַ֨נִי אֱלֹהִ֥ים ׀ אֹתִי֮ זֵ֣בֶד טוֹב֒ הַפַּ֙עַם֙ יִזְבְּלֵ֣נִי אִישִׁ֔י כִּֽי־יָלַ֥דְתִּי ל֖וֹ שִׁשָּׁ֣ה בָנִ֑ים וַתִּקְרָ֥א אֶת־שְׁמ֖וֹ זְבֻלֽוּן׃
20
20
Da sagte Leah: G‑tt hat mich beschenkt mit einem schönen Teil. Nunmehr wird mein Mann bei mir wohnen (jisbeleni), denn ich habe ihm sechs Söhne geboren. Und sie nannte ihn Sewulun.
mit einem schönen Teil
זֶבֶד טוֹב, wie der Targum übersetzt [חוּלָק טָב „schöner Teil“].
Raschi
wird mein Mann bei mir wohnen
Das Wort יִזְבְּלֵנִי ist wie בֵּית זְבוּל „ein Haus zur Stätte“ (1 Kön. 8:13). Auf Französisch Herberjerie, „Herberge“, „Schlafstätte“. Von jetzt an wird sein Hauptaufenthalt nur bei mir sein, weil ich allein soviel Kinder habe wie alle seine anderen Frauen.
Raschi
וְאַחַ֖ר יָ֣לְדָה בַּ֑ת וַתִּקְרָ֥א אֶת־שְׁמָ֖הּ דִּינָֽה׃
21
21
Darauf gebar sie eine Tochter und nannte sie Dina.
Dina vom Begriff דִּין „Urteil“.
Dina
דִּינָה – שֶׁדָּנָה לֵאָה דִּין בְּעַצְמָהּ, Unsere Lehrer erklären, Leah fällte selbst ein Urteil über sich, wenn es ein Sohn ist, wird meine Schwester Rachel nicht einmal wie eine der Dienerinnen sein. Und sie betete zu G‑tt, sodass der männliche Embryo in eine Tochter umgewandelt wurde (Berachot 60a).
Raschi
וַיִּזְכֹּ֥ר אֱלֹהִ֖ים אֶת־רָחֵ֑ל וַיִּשְׁמַ֤ע אֵלֶ֙יהָ֙ אֱלֹהִ֔ים וַיִּפְתַּ֖ח אֶת־רַחְמָֽהּ׃
22
22
Da gedachte G‑tt der Rachel, und G‑tt erhörte sie und öffnete ihren Schoß.
Da gedachte G‑tt der Rachel
וַיִּזְכֹּר אֱלֹהִים אֶת רָחֵל, G‑tt gedachte ihr, dass sie die Zeichen ihrer Schwester gegeben hatte. Sie fürchtete nämlich, sie könnte dem Los Esaws zufallen, Jaakow könnte sich scheiden lassen, weil sie keine Kinder hatte. Und auch der böse Esaw dachte so, als er hörte, dass sie keine Kinder hatte.
Das ist, was der Verfasser des Gebets zu Rosch haSchana (בשמו״ע דשחרית יום א׳ דר״ה, בפיוט אֶבֶן חוּג) in Worte fasst: הָאַדְמוֹן כְּבָט שֶׁלֹּא חָלָה „Als der Rote sah, dass sie nicht gekreißt“, צָבָה לְקַחְתָּהּ לוֹ וְנִתְבַּהֲלָה „hoffte er, sie zu erlangen, sie aber erschrak“.
Raschi
וַתַּ֖הַר וַתֵּ֣לֶד בֵּ֑ן וַתֹּ֕אמֶר אָסַ֥ף אֱלֹהִ֖ים אֶת־חֶרְפָּתִֽי׃
23
23
Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, und sie sagte: G‑tt hat meine Schande weggenommen.
G‑tt hat meine Schande weggenommen
אָסַף אֱלֹהִים אֶת חֶרְפָּתִי „fortgenommen“, an einen Ort gebracht, wo meine Schande nicht zu sehen ist.
Ebenso (Jesch. 4:1) אֱסֹף חֶרְפָּתֵנוּ „nimm unsere Schande fort“; (Schem. 9:19) וְלֹא יֵאָסֵף הַבַּיְתָה „was nicht ins Haus gebracht wird“; (Joel 4:15) אָסְפוּ נָגְהָם „sie ziehen ihr Licht zurück“; (Jesch. 60:20) וִירֵחֵךְ לֹא יֵאָסֵף „dein Mond wird nicht weggenommen“ [nicht verborgen].
Raschi
meine Schande
Ich war beschämt, weil ich unfruchtbar war und man von mir sagte, ich würde dem Los des bösen Esaw zufallen.
Eine Aggada sagt, solange eine Frau kein Kind hat, hat sie niemanden, dem man ihr Versehen zuschreiben kann. Sobald sie ein Kind hat, schreibt man es dem Kind zu. Wer hat dieses Gefäß zerbrochen? Dein Kind. Wer hat jene Feigen gegessen? Dein Kind (Bereschit Rabba 73:5).
Raschi
וַתִּקְרָ֧א אֶת־שְׁמ֛וֹ יוֹסֵ֖ף לֵאמֹ֑ר יֹסֵ֧ף יְהוָ֛ה לִ֖י בֵּ֥ן אַחֵֽר׃
24
24
Und sie nannte ihn Josef, damit wollte sie sagen: Der Ewige möge mir noch einen anderen Sohn dazugeben (josef)!
Der Ewige möge mir noch einen anderen Sohn dazugeben
Weil sie durch prophetischen Geist wusste, dass Jaakow nur zwölf Stämme aufstellen würde, sagte sie, möge es der Wille G‑ttes sein, dass jener Stamm, den er noch aufstellen wird, von mir sein wird. Darum betete sie nur für einen weiteren Sohn.
Raschi
וַיְהִ֕י כַּאֲשֶׁ֛ר יָלְדָ֥ה רָחֵ֖ל אֶת־יוֹסֵ֑ף וַיֹּ֤אמֶר יַעֲקֹב֙ אֶל־לָבָ֔ן שַׁלְּחֵ֙נִי֙ וְאֵ֣לְכָ֔ה אֶל־מְקוֹמִ֖י וּלְאַרְצִֽי׃
25
25
Nachdem Rachel ihren Sohn Josef geboren hatte, sagte Jaakow zu Lawan: Entsende mich heim und ich will in meine Heimat und in mein Land ziehen!
Nachdem Rachel Josef geboren hatte: nachdem der Gegner von Esaw geboren war. So heißt es (Ow. 1:18) וְהָיָה בֵית יַעֲקֹב אֵשׁ וּבֵית יוֹסֵף לֶהָבָה וּבֵית עֵשָׂו לְקַשׁ „das Haus Jaakows wird Feuer sein und das Haus Josefs eine Flamme und das Haus Esaws Stroh“. Feuer ohne Flamme hat über Fernes keine Macht. Als Josef geboren war, vertraute Jaakow auf den Ewigen und wollte zurückkehren.
Raschi
תְּנָ֞ה אֶת־נָשַׁ֣י וְאֶת־יְלָדַ֗י אֲשֶׁ֨ר עָבַ֧דְתִּי אֹֽתְךָ֛ בָּהֵ֖ן וְאֵלֵ֑כָה כִּ֚י אַתָּ֣ה יָדַ֔עְתָּ אֶת־עֲבֹדָתִ֖י אֲשֶׁ֥ר עֲבַדְתִּֽיךָ׃
26
26
Gib mir die Erlaubnis, mit mir zu nehmen meine Frauen und meine Kinder, um die ich dir gedient habe, dass ich heimziehe; denn du weißt ja, welche Dienste ich dir geleistet habe.
Gib mir meine Frauen: ich will nicht ohne Erlaubnis weggehen.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר אֵלָיו֙ לָבָ֔ן אִם־נָ֛א מָצָ֥אתִי חֵ֖ן בְּעֵינֶ֑יךָ נִחַ֕שְׁתִּי וַיְבָרֲכֵ֥נִי יְהוָ֖ה בִּגְלָלֶֽךָ׃
27
27
Da sagte Lawan zu ihm: Möchte ich doch Gunst gefunden haben in deinen Augen! Mir ahnt, als ob der Ewige mich um deinetwillen gesegnet hat.
Mir ahnt
נִחַשְׁתִּי „mir ahnt“: er glaubte an Vorbedeutungen (מְנַחֵשׁ הָיָה); ich habe meine Ahnung, dass der Segen durch dich zu mir gekommen ist. Als du hierher kamst, hatte ich keine Söhne; so heißt es (zuvor, Ber. 29:6) וְהִנֵּה רָחֵל בִּתּוֹ בָּאָה עִם הַצֹּאן „siehe, seine Tochter Rachel kommt mit den Schafen“. Ist es denkbar, dass, wenn er Söhne gehabt hätte, er seine Tochter zu den Hirten geschickt hätte? Jetzt aber hatte er Söhne, so heißt es (weiter, Ber. 31:1) וַיִּשְׁמַע אֶת דִּבְרֵי בְנֵי לָבָן „er hörte die Worte der Söhne Lawans“.
Raschi