Der tägliche Chumasch-Abschnitt

19. Kislew 5787

Sonntag, 29. November 2026

Heute

Wajeschew

1. Alija

(Bereschit 37:1 – 37:11)

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וַיֵּ֣שֶׁב יַעֲקֹ֔ב בְּאֶ֖רֶץ מְגוּרֵ֣י אָבִ֑יו בְּאֶ֖רֶץ כְּנָֽעַן׃
1
1
Und Jaakow wohnte in dem Land, wo sein Vater sich aufgehalten hatte, im Land Kna’an.
Und Jaakow wohnte
Die Ansiedlungen Esaws und seine Nachkommen wurden in den vorhergehenden Versen nur kurz beschrieben, weil sie nicht geschätzt und würdig genug waren. Jetzt aber beschreibt die Torah die Ansiedlungen Jaakows und seine Nachkommen ausführlich, mit allen Einzelheiten, weil sie vor dem Ewigen angesehen waren.
Ein Gleichnis dazu: Eine Perle war in den Sand gefallen. Der Mensch durchsucht den Sand und lässt ihn durchs Sieb laufen, bis er die Perle findet. Sobald er sie gefunden hat, wirft er den Sand aus der Hand und nimmt nur die Perle.

Andere Erklärung: „Und Jaakow wohnte“. [Ein Gleichnis.] Die Kamele eines Flachshändlers zogen, beladen mit einer gewaltigen Menge Flachs, in die Stadt ein.

Ein Schmied fragte staunend: Wo wird all dieser Flachs Platz finden?

Ein Kluger antwortete ihm: Ein einziger Funke Feuer, der unter deinem Blasbalg hervorkommt, verbrennt den ganzen Flachs.

So sah Jaakow all die mächtigen Fürsten, die [am Ende von Paraschat Wajischlach] aufgezählt wurden und wunderte sich: Wer kann all diese besiegen? Was steht aber gleich im nächsten Vers? „Das sind die Nachkommen Jaakows: Josef …“ So heißt es (Ow. 1:18) וְהָיָה בֵית יַעֲקֹב אֵשׁ וּבֵית יוֹסֵף לֶהָבָה וּבֵית עֵשָׂו לְקַשׁ „und das Haus Jaakows wird Feuer sein und das Haus Josefs eine Flamme und das Haus Esaws Stoppeln“. Ein Funke geht von Josef aus, der alle verbrennt.
Raschi
אֵ֣לֶּה ׀ תֹּלְד֣וֹת יַעֲקֹ֗ב יוֹסֵ֞ף בֶּן־שְׁבַֽע־עֶשְׂרֵ֤ה שָׁנָה֙ הָיָ֨ה רֹעֶ֤ה אֶת־אֶחָיו֙ בַּצֹּ֔אן וְה֣וּא נַ֗עַר אֶת־בְּנֵ֥י בִלְהָ֛ה וְאֶת־בְּנֵ֥י זִלְפָּ֖ה נְשֵׁ֣י אָבִ֑יו וַיָּבֵ֥א יוֹסֵ֛ף אֶת־דִּבָּתָ֥ם רָעָ֖ה אֶל־אֲבִיהֶֽם׃
2
2
Das sind die Nachkommen Jaakows: Josef, siebzehn Jahre alt, war ein Hirte mit seinen Brüdern bei der Herde, und er war ein Junge bei den Söhnen Bilhas und bei den Söhnen Silpas, der Frauen seines Vaters; und Josef brachte schlechte Nachrede von ihnen an ihren Vater.
Das sind die Nachkommen Jaakows: Josef
Das gehört zu den Nachkommen Jaakows, das sind ihre Niederlassungen und ihre Wanderungen, bis sie zu einer endgültigen Heimat gelangten. Die erste Ursache war „Josef, siebzehn Jahre alt …“ Daraus ergab sich, dass sie nach Mizraim hinunterziehen mussten. Das ist der einfache Sinn des Verses (פְּשׁוּטוֹ שֶׁל מִקְרָא), sodass jedes Wort dem Zusammenhang des Ganzen entspricht (דָּבָר דָּבוּר עַל אָפְנָיו).
Der Midrasch erklärt: אֵלֶּה תֹּלְדוֹת יַעֲקֹב יוֹסֵף, der Vers hat die Nachkommen Jaakows aus vielen Gründen mit Josef verknüpft: Erstens, weil das eigentliche Ziel Jaakows, für das er Lawan diente, Rachel gewesen war. Zweitens waren die Gesichtszüge Josefs denen von Jaakow ähnlich. Und alles, was Jaakow passierte, passierte auch Josef: Jaakow wurde gehasst, ebenso Josef; den Jaakow wollte sein Bruder töten, ebenso den Josef seine Brüder; und so stehen noch viele Ähnlichkeiten in Bereschit Rabba (84:6).

Es gibt eine weitere Deutung zu diesem Vers: וַיֵּשֶׁב, Jaakow wollte in Ruhe wohnen, da überfiel ihn die Aufregung wegen Josef. Die Zaddikim möchten alle in Ruhe wohnen, da sagt der Ewige*, [Die Eigenschaft der Strenge klagt vor Mir mit der Behauptung an:] Genügt es den Zaddikim nicht, was für sie in der Künftigen Welt (עוֹלָם הַבָּא) bereit ist, dass sie schon in dieser Welt in Ruhe wohnen wollen?
Raschi
siebzehn Jahre alt … und er war ein Junge
[Mit siebzehn Jahren ist man bereits erwachsen, und warum nennt ihn der Vers נַעַר „ein Junge“?]
Josef beschäftigte sich mit Taten der Jugend: er ordnete sein Haar und pflegte seine Augen, um schön auszusehen.
Raschi
bei den Söhnen Bilhas
Er hielt sich bei den Söhnen Bilhas auf, weil seine Brüder diese geringschätzten. Er aber zog sie zu sich heran.
Raschi
und Josef brachte schlechte Nachrede
Josef brachte schlechte Nachrede:
a. seine Brüder hätten angeblich den Teil eines lebenden Tieres gegessen (אֵבֶר מִן הַחַי).

b. sie hätten die Söhne der Dienerinnen (Bilha und Silpa) respektlos behandelt und „Diener“ genannt.

c. sie seien verdächtig, verbotene Beziehungen mit Frauen zu haben.

Für alle drei Erzählungen wurde Josef bestraft:

a. Als sie ihn verkauften, schlachteten sie einen Ziegenbock und aßen ihn nicht lebendig.

b. Für die Geschichte, sie hätten ihre Brüder als „Diener“ bezeichnet – wurde er als Diener verkauft (לְעֶבֶד נִמְכַּר יוֹסֵף, Teh. 105:17).

c. Und für die dritte Geschichte – וַתִּשָּׂא אֵשֶׁת אֲדוֹנָיו גו׳ „Da erhob die Frau [des Potifar] ihre Augen zu Josef …“ (Ber. 39:7).
Raschi
schlachteten sie einen Ziegenbock: Josefs Verkauf stand nicht in direktem Zusammenhang mit der Schlachtung des Ziegenbockes. Tatsächlich wurde der Ziegenbock erst geschlachtet, nachdem Josef verkauft war. Dennoch wird es als Strafe „Maß für Maß“ (מִדָּה כְּנֶגֶד מִדָּה) angesehen: mit dem Blut des Ziegenbockes sollte Jaakow glauben gemacht werden, Josef sei aufgrund eines Tieranfalls ums Leben gekommen. Mit dieser List war es den Brüdern möglich, Josef zu verkaufen, ohne befürchten zu müssen, dass Jaakow nach ihm suchen würde.
Misrachi
schlechte Nachrede über sie
Überall bedeutet der Ausdruck דִּבָּה „Nachrede“ (parlediz auf Französisch). Alles Böse, das er ihnen nachsagen konnte, erzählte er.
Das Wort דִּבָּה kommt vom Ausdruck (Schir 7:10) דּוֹבֵב שִׂפְתֵי יְשֵׁנִים „bewegt die Lippen der Schlafenden“.
Raschi
Der Vers (Schir 7:10) דּוֹבֵב שִׂפְתֵי יְשֵׁנִים „bewegt die Lippen der Schlafenden“ bezieht sich auf die Wirkung von Wein, der den Menschen dazu veranlasst, übermäßig viel zu reden. Raschi verwendet den Vers als Beleg dass דִּבָּה („Nachrede“) übermäßiges Reden beschreibt: Josef erzählte seinem Vater alles Böse, das er seinen Brüdern nachsagen konnte.
Be’er Jizchak
וְיִשְׂרָאֵ֗ל אָהַ֤ב אֶת־יוֹסֵף֙ מִכָּל־בָּנָ֔יו כִּֽי־בֶן־זְקֻנִ֥ים ה֖וּא ל֑וֹ וְעָ֥שָׂה ל֖וֹ כְּתֹ֥נֶת פַּסִּֽים׃
3
3
Israel aber liebte Josef vor all seinen Söhnen, weil er ihm ein Kind des hohen Alters war, und machte ihm einen Umhang aus feiner Wolle.
ein Kind des hohen Alters
בֶן זְקֻנִים „ein Kind des hohen Alters“: ein Sohn, der ihm in der Zeit seines hohen Alters geboren worden war.
Onkelos übersetzt בַר חַכִּים הוּא לֵיהּ „Josef war ihm ein weiser Sohn“: alles, was Jaakow von Schem und Ewer gelernt hatte, gab er an Josef weiter.

Andere Erklärung: זְקֻנִים – זִיו אִקּוּנִין, Josefs Gesichtszüge glichen denen von Jaakow.
Raschi
einen Umhang aus feiner Wolle
פַּסִּים ist ein Ausdruck für ein Kleidungsstück aus feiner Wolle. Wie (Est. 1:6) כַּרְפַּס וּתְכֵלֶת „bunte Wolle“; und wie (2 Schmu. 13:18) כְּתוֹנֶת פַּסִּים „ein Umhang aus feiner Wolle“, bei Tamar und Amnon.
Der Midrasch deutet das Wort פַּסִּים nach seinen Leiden:

פּ – er wurde an Potifar verkauft,

ס – er wurde den Socharim (Kaufleuten) verkauft,

י – er wurde den Ischmaelim und den

ם – Midianim verkauft.
Raschi
וַיִּרְא֣וּ אֶחָ֗יו כִּֽי־אֹת֞וֹ אָהַ֤ב אֲבִיהֶם֙ מִכָּל־אֶחָ֔יו וַֽיִּשְׂנְא֖וּ אֹת֑וֹ וְלֹ֥א יָכְל֖וּ דַּבְּר֥וֹ לְשָׁלֹֽם׃
4
4
Als seine Brüder sahen, dass ihn sein Vater liebte vor all seinen Brüdern, da hassten sie ihn, und konnten nicht friedlich mit ihm reden.
konnten nicht friedlich mit ihm reden
Aus ihrer Schande lernen wir ihr Lob: Sie sprachen nicht mit dem Mund so und mit dem Herzen anders.
Raschi
mit ihm reden
דַּבְּרוֹ ist so wie לְדַבֵּר עִמּוֹ, mit ihm reden.
Raschi
וַיַּחֲלֹ֤ם יוֹסֵף֙ חֲל֔וֹם וַיַּגֵּ֖ד לְאֶחָ֑יו וַיּוֹסִ֥פוּ ע֖וֹד שְׂנֹ֥א אֹתֽוֹ׃
5
5
Josef hatte einen Traum und erzählte ihn seinen Brüdern, und sie hassten ihn noch mehr.
וַיֹּ֖אמֶר אֲלֵיהֶ֑ם שִׁמְעוּ־נָ֕א הַחֲל֥וֹם הַזֶּ֖ה אֲשֶׁ֥ר חָלָֽמְתִּי׃
6
6
Er sagte nämlich zu ihnen: Hört an diesen Traum, den ich geträumt habe:
וְ֠הִנֵּה אֲנַ֜חְנוּ מְאַלְּמִ֤ים אֲלֻמִּים֙ בְּת֣וֹךְ הַשָּׂדֶ֔ה וְהִנֵּ֛ה קָ֥מָה אֲלֻמָּתִ֖י וְגַם־נִצָּ֑בָה וְהִנֵּ֤ה תְסֻבֶּ֙ינָה֙ אֲלֻמֹּ֣תֵיכֶ֔ם וַתִּֽשְׁתַּחֲוֶ֖יןָ לַאֲלֻמָּתִֽי׃
7
7
Siehe, wir banden Garben mitten auf dem Feld, und siehe, meine Garbe richtete sich auf und blieb auch aufrecht stehen. Und siehe, eure Garben stellten sich rundum auf und verneigten sich vor meiner Garbe.
wir banden Garben
מְאַלְּמִים אֲלֻמִּים, wie der Targum übersetzt מְאַסְּרִין אֲסָרָן „wir banden Bündel“, Garben. Ebenso (Teh. 127:6) נוֹשֵׂא אֲלֻמֹּתָיו „wenn er seine Garben trägt“. Und ebenso in der Sprache der Mischna (Bawa Mezia 22b) וְהָאֲלֻמּוֹת נוֹטֵל וּמַכְרִיז „Garben hebt er auf und lässt sie ausrufen“.
Raschi
meine Garbe richtete sich auf
קָמָה אֲלֻמָּתִי – נִזְקָפָה „meine Garbe richtete sich auf“.
Raschi
und blieb auch stehen
וְגַם נִצָּבָה, blieb aufrecht an ihrer Stelle stehen.
Raschi
וַיֹּ֤אמְרוּ לוֹ֙ אֶחָ֔יו הֲמָלֹ֤ךְ תִּמְלֹךְ֙ עָלֵ֔ינוּ אִם־מָשׁ֥וֹל תִּמְשֹׁ֖ל בָּ֑נוּ וַיּוֹסִ֤פוּ עוֹד֙ שְׂנֹ֣א אֹת֔וֹ עַל־חֲלֹמֹתָ֖יו וְעַל־דְּבָרָֽיו׃
8
8
Da sagten seine Brüder zu ihm: Willst du etwa über uns regieren? Willst du über uns herrschen? Und sie hassten ihn noch mehr wegen seiner Träume und wegen seiner Worte.
wegen seiner Worte: wegen des bösen Geredes über sie, das er ihrem Vater gebracht hatte.
Raschi
וַיַּחֲלֹ֥ם עוֹד֙ חֲל֣וֹם אַחֵ֔ר וַיְסַפֵּ֥ר אֹת֖וֹ לְאֶחָ֑יו וַיֹּ֗אמֶר הִנֵּ֨ה חָלַ֤מְתִּֽי חֲלוֹם֙ ע֔וֹד וְהִנֵּ֧ה הַשֶּׁ֣מֶשׁ וְהַיָּרֵ֗חַ וְאַחַ֤ד עָשָׂר֙ כּֽוֹכָבִ֔ים מִֽשְׁתַּחֲוִ֖ים לִֽי׃
9
9
Und er träumte noch einen anderen Traum und auch den erzählte er seinen Brüdern. Er sagte: Siehe, noch einen Traum träumte ich, und siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne bückten sich vor mir.
וַיְסַפֵּ֣ר אֶל־אָבִיו֮ וְאֶל־אֶחָיו֒ וַיִּגְעַר־בּ֣וֹ אָבִ֔יו וַיֹּ֣אמֶר ל֔וֹ מָ֛ה הַחֲל֥וֹם הַזֶּ֖ה אֲשֶׁ֣ר חָלָ֑מְתָּ הֲב֣וֹא נָב֗וֹא אֲנִי֙ וְאִמְּךָ֣ וְאַחֶ֔יךָ לְהִשְׁתַּחֲוֺ֥ת לְךָ֖ אָֽרְצָה׃
10
10
Er erzählte das seinem Vater und seinen Brüdern, da fuhr ihn sein Vater an und sagte zu ihm: Was für ein Traum ist das, den du geträumt hast? Sollen wir denn kommen, ich, deine Mutter und deine Brüder, um uns zu bücken vor dir zu Erde?
Er erzählte seinem Vater und seinen Brüdern
Nachdem er den Traum seinen Brüdern erzählt hatte, erzählte er ihn noch einmal seinem Vater in ihrer Gegenwart.
Raschi
da fuhr ihn sein Vater an: weil er sich damit Hass zuzog.
Raschi
Sollen wir denn kommen?
Ist nicht deine Mutter schon gestorben? Und er wusste nicht, dass die Worte für Bilha bestimmt waren, die ihn wie seine Mutter aufgezogen hatte. Unsere Lehrer entnehmen von hier (Berachot 55a), dass es keinen Traum gibt, der frei ist von nichtigen Dingen (אֵין חֲלוֹם בְּלֹא דְּבָרִים בְּטֵלִים).
Raschi
וַיְקַנְאוּ־ב֖וֹ אֶחָ֑יו וְאָבִ֖יו שָׁמַ֥ר אֶת־הַדָּבָֽר׃
11
11
Und seine Brüder waren eifersüchtig auf ihn, sein Vater aber bewahrte die Sache.
bewahrte die Sache
שָׁמַר אֶת הַדָּבָר „bewahrte die Sache“: wartete und hoffte, bis sie kommen würde. Ebenso (Jesch. 26:2) שׁוֹמֵר אֱמוּנִים „das die Treue bewahrt hat“; ebenso (Ijow 14:16) לֹא תִשְׁמֹר עַל חַטָּאתִי „warte nicht auf meine Verfehlung“.
Raschi