אִם־כֵּנִ֣ים אַתֶּ֔ם אֲחִיכֶ֣ם אֶחָ֔ד יֵאָסֵ֖ר בְּבֵ֣ית מִשְׁמַרְכֶ֑ם וְאַתֶּם֙ לְכ֣וּ הָבִ֔יאוּ שֶׁ֖בֶר רַעֲב֥וֹן בָּתֵּיכֶֽם׃
19
19
Wenn ihr aufrichtig seid, so bleibe ein Bruder von euch eingesperrt im Haus eures Gewahrsams, ihr aber geht, bringt gekaufte Nahrung für den Hunger eurer Häuser.
im Haus eures Gewahrsams: in dem ihr jetzt eingesperrt seid. Damit aus dem Begriff בֵית מִשְׁמַרְכֶם „Haus eures Gewahrsams“ nicht geschlossen wird, dass es eigens für sie errichtet wurde.
Raschi, Kizur Misrachi
ihr aber geht, bringt: in das Haus eures Vaters.
Raschi
gekaufte Nahrung für den Hunger eurer Häuser:
שֶׁבֶר רַעֲבוֹן בָּתֵּיכֶם, was ihr für den Hunger eurer Familien gekauft habt.
Raschi
וְאֶת־אֲחִיכֶ֤ם הַקָּטֹן֙ תָּבִ֣יאוּ אֵלַ֔י וְיֵאָמְנ֥וּ דִבְרֵיכֶ֖ם וְלֹ֣א תָמ֑וּתוּ וַיַּעֲשׂוּ־כֵֽן׃
20
20
Und euren kleinen Bruder bringt zu mir, damit eure Worte sich als wahr erweisen, und ihr sollt nicht sterben! Und sie handelten danach.
eure Worte sich als wahr erweisen
וְיֵאָמְנוּ דִבְרֵיכֶם – יִתְאַמְּתוּ וְיִתְקַיְּמוּ, damit sich eure Worte bewahrheiten und bestätigen; wie (Bam. 5:22) אָמֵן אָמֵן „es ist wahr“; und wie (1 Kön. 8:26) יֵאָמֶן נָא דְּבָרְךָ „möge dein Wort in Erfüllung gehen“.
Raschi
וַיֹּאמְר֞וּ אִ֣ישׁ אֶל־אָחִ֗יו אֲבָל֮ אֲשֵׁמִ֣ים ׀ אֲנַחְנוּ֮ עַל־אָחִינוּ֒ אֲשֶׁ֨ר רָאִ֜ינוּ צָרַ֥ת נַפְשׁ֛וֹ בְּהִתְחַֽנְנ֥וֹ אֵלֵ֖ינוּ וְלֹ֣א שָׁמָ֑עְנוּ עַל־כֵּן֙ בָּ֣אָה אֵלֵ֔ינוּ הַצָּרָ֖ה הַזֹּֽאת׃
21
21
Da sagten sie, ein Bruder zum anderen: Wahrlich, schuldig sind wir wegen unseres Bruders! Denn wir sahen seine Seelenangst, als er zu uns flehte, und wir hörten nicht; darum ist diese Not über uns gekommen.
Wahrlich
אֲבָל, wie der Tagum sagt בְּקוּשְׁטָא „in Wirklichkeit“. In Bereschit Rabba (91:8) habe ich gesehen, in der Sprache von Südpalästina bedeutet אֲבָל soviel wie בְּרַם „in Wahrheit“.
Raschi
ist gekommen
Beim Wort בָּאָה ist die Betonung ist auf dem Buchstaben ב (Bet), der ersten Silbe, weil es die Vergangenheitsform ist „ist bereits gekommen“; der Targum dazu ist אֲתָת לַנָא.
Raschi
וַיַּעַן֩ רְאוּבֵ֨ן אֹתָ֜ם לֵאמֹ֗ר הֲלוֹא֩ אָמַ֨רְתִּי אֲלֵיכֶ֧ם ׀ לֵאמֹ֛ר אַל־תֶּחֶטְא֥וּ בַיֶּ֖לֶד וְלֹ֣א שְׁמַעְתֶּ֑ם וְגַם־דָּמ֖וֹ הִנֵּ֥ה נִדְרָֽשׁ׃
22
22
Da antwortete Rëuwen ihnen und sagte: Habe ich nicht zu euch gesagt: Versündigt euch nicht an dem Jungen! Aber ihr habt nicht gehört, und auch sein Blut wird nun gefordert.
und auch sein Blut
Jedes אֵת und גַם fügt etwas hinzu. In diesem Fall: וְגַם דָּמוֹ, sein Blut und das Blut seines greisen Vaters.
Raschi
וְהֵם֙ לֹ֣א יָֽדְע֔וּ כִּ֥י שֹׁמֵ֖עַ יוֹסֵ֑ף כִּ֥י הַמֵּלִ֖יץ בֵּינֹתָֽם׃
23
23
Sie wussten nicht, dass Josef sie verstand, denn der Dolmetscher war zwischen ihnen.
Sie wussten nicht, dass Josef sie verstand: dass Josef ihre Sprache verstand; in seiner Gegenwart sprachen sie so.
Raschi
denn der Dolmetscher war zwischen ihnen
Wenn sie mit ihm sprachen, war der Dolmetscher zwischen ihnen, der Hebräisch und Ägyptisch verstand, und übersetzte ihre Worte vor Josef und Josefs Worte vor ihnen. Darum glaubten sie, Josef verstehe kein Hebräisch.
Raschi
der Dolmetscher: das war Josefs Sohn Menasche.
Raschi
וַיִּסֹּ֥ב מֵֽעֲלֵיהֶ֖ם וַיֵּ֑בְךְּ וַיָּ֤שָׁב אֲלֵהֶם֙ וַיְדַבֵּ֣ר אֲלֵהֶ֔ם וַיִּקַּ֤ח מֵֽאִתָּם֙ אֶת־שִׁמְע֔וֹן וַיֶּאֱסֹ֥ר אֹת֖וֹ לְעֵינֵיהֶֽם׃
24
24
Und er wandte sich von ihnen ab und weinte, er kehrte sich wieder zu ihnen und redete zu ihnen, nahm Schimon von ihnen und ließ ihn binden vor ihren Augen.
er wandte sich von ihnen ab und weinte
Josef entfernte sich von ihnen, damit sie ihn nicht weinen sehen.
Raschi
und weinte: als er hörte, dass sie bereuten.
Raschi
nahm Schimon von ihnen
Schimon hatte ihn in die Grube geworfen; Schimon hatte zu Levi gesagt (Ber. 37:19) הִנֵּה בַּעַל הַחֲלֹמוֹת הַלָּזֶה בָּא „Siehe, dort kommt jener Mann der Träume daher“.
Andere Erklärung: Josef wollte ihn von Levi trennen, damit sie sich nicht zusammentun, um ihn zu töten.
Raschi
ließ ihn binden vor ihren Augen
binden: fesseln, festnehmen.
Vor ihren Augen nur ließ er ihn binden. Als sie aber hinaus¬gegangen waren, machte er ihn wieder frei und ließ ihm Essen und Trinken geben.
Raschi
וַיְצַ֣ו יוֹסֵ֗ף וַיְמַלְא֣וּ אֶת־כְּלֵיהֶם֮ בָּר֒ וּלְהָשִׁ֤יב כַּסְפֵּיהֶם֙ אִ֣ישׁ אֶל־שַׂקּ֔וֹ וְלָתֵ֥ת לָהֶ֛ם צֵדָ֖ה לַדָּ֑רֶךְ וַיַּ֥עַשׂ לָהֶ֖ם כֵּֽן׃
25
25
Dann gab Josef Befehl und sie füllten ihre Gefäße mit Getreide, und ihr Geld zurückzulegen einem jeden in seinen Sack und ihnen Wegzehrung mitzugeben, und so tat er ihnen.
Wegzehrung: Vorrat an Lebensmitteln für die Reise.
וַיִּפְתַּ֨ח הָאֶחָ֜ד אֶת־שַׂקּ֗וֹ לָתֵ֥ת מִסְפּ֛וֹא לַחֲמֹר֖וֹ בַּמָּל֑וֹן וַיַּרְא֙ אֶת־כַּסְפּ֔וֹ וְהִנֵּה־ה֖וּא בְּפִ֥י אַמְתַּחְתּֽוֹ׃
27
27
Es öffnete der eine seinen Sack, um Futter zu geben seinem Esel in der Herberge, da sah er sein Geld, und siehe, es war oben in seinem Getreidesack.
Es öffnete der eine
Das war Levi, der allein geblieben war, ohne Schimon, seinen Gefährten.
Raschi
Herberge
Das Wort מָּלוֹן bedeutet „Herberge“; der Ort, an dem sie übernachtet hatten.
Raschi
לִינָה bedeutet „übernachten“. Das Wort מָּלוֹן bezeichnet den Ort, an dem man übernachtet.
Misrachi
Weil das Wort בַּמָּלוֹן mit Patach punktiert ist, bedeutet es, dass sie bereits dort geschlafen hatten.
Be’er baSade
oben in seinem Getreidesack
הוּא בְּפִי אַמְתַּחְתּוֹ, wörtl. es war in der Öffnung seines Getreidesackes.
Das Wort אַמְתַּחַת bedeutet „Sack“.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר אֶל־אֶחָיו֙ הוּשַׁ֣ב כַּסְפִּ֔י וְגַ֖ם הִנֵּ֣ה בְאַמְתַּחְתִּ֑י וַיֵּצֵ֣א לִבָּ֗ם וַיֶּֽחֶרְד֞וּ אִ֤ישׁ אֶל־אָחִיו֙ לֵאמֹ֔ר מַה־זֹּ֛את עָשָׂ֥ה אֱלֹהִ֖ים לָֽנוּ׃
28
28
Und er sagte zu seinen Brüdern: Mein Geld ist zurückgelegt worden, es ist auch hier in meinem Getreidesack. Da fiel ihnen das Herz, sie erschraken einer vor dem anderen und sagten: Was hat uns G‑tt da getan!
es ist auch hier in meinem Getreidesack: auch das Geld ist darin beim Getreide.
Raschi
Was hat uns G‑tt da getan: uns diese Verleumdung zu bringen; denn es ist nur darum wieder hineingelegt worden, um uns zu verleumden.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֵלֵ֗ינוּ הָאִישׁ֙ אֲדֹנֵ֣י הָאָ֔רֶץ בְּזֹ֣את אֵדַ֔ע כִּ֥י כֵנִ֖ים אַתֶּ֑ם אֲחִיכֶ֤ם הָֽאֶחָד֙ הַנִּ֣יחוּ אִתִּ֔י וְאֶת־רַעֲב֥וֹן בָּתֵּיכֶ֖ם קְח֥וּ וָלֵֽכוּ׃
33
33
Da sagte zu uns der Mann, der Herr des Landes: Daran werde ich erkennen, dass ihr aufrecht seid: Einen Bruder von euch lasst bei mir, und für den Hunger eurer Familien nehmt Getreide mit und geht.
וְ֠הָבִיאוּ אֶת־אֲחִיכֶ֣ם הַקָּטֹן֮ אֵלַי֒ וְאֵֽדְעָ֗ה כִּ֣י לֹ֤א מְרַגְּלִים֙ אַתֶּ֔ם כִּ֥י כֵנִ֖ים אַתֶּ֑ם אֶת־אֲחִיכֶם֙ אֶתֵּ֣ן לָכֶ֔ם וְאֶת־הָאָ֖רֶץ תִּסְחָֽרוּ׃
34
34
Bringt euren kleinen Bruder zu mir, dann werde ich erkennen, dass ihr keine Kundschafter seid, dass ihr aufrecht seid. Euren Bruder gebe ich euch wieder und im Land könnt ihr herumreisen.
und im Land könnt ihr herumreisen
תִּסְחָרוּ – תְּסוֹבְבוּ „herumreisen“. Überall ist der Ausdruck סוֹחֲרִים („Kaufleute“) und סְחוֹרָה („Ware“) so zu erklären, weil sie sich bemühen und auf der Suche nach Ware umherziehen.
Raschi
וַיְהִ֗י הֵ֚ם מְרִיקִ֣ים שַׂקֵּיהֶ֔ם וְהִנֵּה־אִ֥ישׁ צְרוֹר־כַּסְפּ֖וֹ בְּשַׂקּ֑וֹ וַיִּרְא֞וּ אֶת־צְרֹר֧וֹת כַּסְפֵּיהֶ֛ם הֵ֥מָּה וַאֲבִיהֶ֖ם וַיִּירָֽאוּ׃
35
35
Und es geschah, als sie ihre Säcke ausleerten, da hatte jeder seinen Geldbeutel in seinem Sack. Als sie ihre Geldbeutel sahen, sie und ihr Vater, da fürchteten sie sich.
Geldbeutel
צְרוֹר כַּסְפּוֹ – קֶשֶׁר כַּסְפּוֹ, ein zusammengebundenes Tuch, in dem das Geld ist, ein Bündel.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר אֲלֵהֶם֙ יַעֲקֹ֣ב אֲבִיהֶ֔ם אֹתִ֖י שִׁכַּלְתֶּ֑ם יוֹסֵ֤ף אֵינֶ֙נּוּ֙ וְשִׁמְע֣וֹן אֵינֶ֔נּוּ וְאֶת־בִּנְיָמִ֣ן תִּקָּ֔חוּ עָלַ֖י הָי֥וּ כֻלָּֽנָה׃
36
36
Und es sagte zu ihnen ihr Vater Jaakow: Mir nehmt ihr das Kind! Josef ist nicht mehr, und Schimon ist nicht mehr, und auch Binjamin wollt ihr nehmen! Das alles kommt über mich!
Mir nehmt ihr das Kind!
Das lehrt, dass er sie im Verdacht hatte, sie könnten ihn umgebracht oder verkauft haben wie Josef.
Raschi
nehmt das Kind
שִׁכַּלְתֶּם, wem Kinder genommen werden, wird שַׁכּוּל „der Kinder beraubt“ genannt.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר רְאוּבֵן֙ אֶל־אָבִ֣יו לֵאמֹ֔ר אֶת־שְׁנֵ֤י בָנַי֙ תָּמִ֔ית אִם־לֹ֥א אֲבִיאֶ֖נּוּ אֵלֶ֑יךָ תְּנָ֤ה אֹתוֹ֙ עַל־יָדִ֔י וַאֲנִ֖י אֲשִׁיבֶ֥נּוּ אֵלֶֽיךָ׃
37
37
Da sagte Rëuwen zu seinem Vater, wie folgt: Meine zwei Söhne magst du töten, wenn ich Binjamin nicht wiederbringe zu dir. Gib ihn in meine Hand, und ich werde ihn zurückbringen zu dir.
וַיֹּ֕אמֶר לֹֽא־יֵרֵ֥ד בְּנִ֖י עִמָּכֶ֑ם כִּֽי־אָחִ֨יו מֵ֜ת וְה֧וּא לְבַדּ֣וֹ נִשְׁאָ֗ר וּקְרָאָ֤הוּ אָסוֹן֙ בַּדֶּ֙רֶךְ֙ אֲשֶׁ֣ר תֵּֽלְכוּ־בָ֔הּ וְהוֹרַדְתֶּ֧ם אֶת־שֵׂיבָתִ֛י בְּיָג֖וֹן שְׁאֽוֹלָה׃
38
38
Jaakow aber sagte: Mein Sohn soll nicht mit euch hinunterziehen. Denn sein Bruder ist tot, und er allein ist übrig von seiner Mutter Rachel. Wenn ihm ein Unglück begegnen sollte auf dem Weg, den ihr gehen werdet, dann bringt ihr hinab mein altes Haupt mit Kummer in das Grab.
Mein Sohn soll nicht mit euch hinunterziehen
Er nahm Rëuwens Worte nicht an und sagte, ich habe einen Dummkopf als Erstgeborenen; er sagt, ich solle seine Kinder töten. Sind es denn nur seine Kinder und nicht auch meine Kinder!?
Raschi
וַיְהִ֗י כַּאֲשֶׁ֤ר כִּלּוּ֙ לֶאֱכֹ֣ל אֶת־הַשֶּׁ֔בֶר אֲשֶׁ֥ר הֵבִ֖יאוּ מִמִּצְרָ֑יִם וַיֹּ֤אמֶר אֲלֵיהֶם֙ אֲבִיהֶ֔ם שֻׁ֖בוּ שִׁבְרוּ־לָ֥נוּ מְעַט־אֹֽכֶל׃
2
2
Es geschah, als völlig aufgegessen war das gekaufte Getreide, das sie aus Mizraim gebracht hatten, da sagte zu ihnen ihr Vater: Geht wieder hin, kauft für uns ein wenig Essen.
als völlig aufgegessen war
Jehuda sagte zu ihnen, wartet auf unseren Vater, bis das Brot im Haus zu Ende gegangen ist.
Raschi
als völlig aufgegessen war
כַּאֲשֶׁר כִּלּוּ לֶאֱכֹל, der Targum sagt כַּד שֵׁצִיאוּ. Wer aber übersetzt כַּד סַפִּיקוּ „als sie genügend gegessen hatten“, irrt. Der Vers (Ber. 24:22) כַּאֲשֶׁר כִּלּוּ הַגְּמַלִּים לִשְׁתּוֹת „als die Kamele genügend getrunken hatten“, wird übersetzt כַּד סַפִּיקוּ; wenn sie nämlich genug getrunken haben, dann ist das die Vollendung ihres Trinkens. Aber hier, כַּאֲשֶׁר כִּלּוּ לֶאֱכֹל „wenn sie vollendet haben zu essen“ bedeutet es, wenn die Nahrung zu Ende gegangen ist; und es ist zu übersetzen כַּד שֵׁצִיאוּ.
Raschi
וַיֹּ֧אמֶר אֵלָ֛יו יְהוּדָ֖ה לֵאמֹ֑ר הָעֵ֣ד הֵעִד֩ בָּ֨נוּ הָאִ֤ישׁ לֵאמֹר֙ לֹֽא־תִרְא֣וּ פָנַ֔י בִּלְתִּ֖י אֲחִיכֶ֥ם אִתְּכֶֽם׃
3
3
Aber Jehuda sagte zu ihm, wie folgt: Eindrücklich verwarnt hat uns der Mann und gesagt: Ihr sollt mein Gesicht nicht sehen ohne euren kleinen Bruder mit euch.
verwarnt
הָעֵד הֵעִד ist ein Ausdruck der Verwarnung, weil eine Verwarnung gewöhnlich vor Zeugen (hebr. עֵדִים) geschieht. Ebenso (Jirm. 11:7) הָעֵד הַעִדֹתִי בַּאֲבוֹתֵיכֶם „ich habe eure Väter verwarnt“; (Schem. 19:21) רֵד הָעֵד בָּעָם „geh, verwarne das Volk“.
Raschi
Ihr sollt mein Gesicht nicht sehen ohne euren Bruder mit euch
לֹא תִרְאוּ פָנַי, ihr sollt mich nicht sehen, בִּלְתִּי (בְּלֹא) אֲחִיכֶם אִתְּכֶם, wenn nicht euer Bruder bei euch ist. Onkelos übersetzt אֶלָּהֵן כַּד אֲחוּכוֹן עִמְּכוֹן „außer, wenn euer Bruder bei euch ist“, und hat die Sache dem Zusammenhang nach wiedergegeben, aber nicht genau nach dem Ausdruck des Verses übersetzt.
Raschi
וַיֹּאמְר֡וּ שָׁא֣וֹל שָֽׁאַל־הָ֠אִישׁ לָ֣נוּ וּלְמֽוֹלַדְתֵּ֜נוּ לֵאמֹ֗ר הַע֨וֹד אֲבִיכֶ֥ם חַי֙ הֲיֵ֣שׁ לָכֶ֣ם אָ֔ח וַנַ֨גֶּד־ל֔וֹ עַל־פִּ֖י הַדְּבָרִ֣ים הָאֵ֑לֶּה הֲיָד֣וֹעַ נֵדַ֔ע כִּ֣י יֹאמַ֔ר הוֹרִ֖ידוּ אֶת־אֲחִיכֶֽם׃
7
7
Und sie sagten: Der Mann hat uns genau ausgefragt nach uns und nach unserer Familie, indem er sagte: „Lebt euer Vater noch?“ „Habt ihr noch einen Bruder?“ Da berichteten wir ihm, nach diesen Worten. Konnten wir denn wissen, dass er sagen wird: Bringt mir euren Bruder?
nach uns und nach unserer Verwandschaft
לָנוּ וּלְמוֹלַדְתֵּנוּ – לְמִשְׁפְּחוֹתֵינוּ, nach unserer Familie.
Der Midrasch sagt, sogar das Holz, aus dem unsere Kinderbetten hergestellt waren, konnte er uns nennen.
Raschi
Da berichteten wir ihm, dass wir noch einen Vater und einen Bruder haben.
Raschi
nach diesen Worten
עַל פִּי הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה, aufgrund dieser Worte, aufgrund seiner Fragen, die er uns stellte, waren wir gezwungen, ihm zu berichten.
Raschi
dass er sagen wird
כִּי יֹאמַר hat die Bedeutung אֲשֶׁר יֹאמַר. Das Wort כִּי hat die Bedeutung אִם, und אִם hat auch die Bedeutung von אֲשֶׁר. Wir haben hier einen von den vier Anwendungen des Wortes כִּי, nämlich אִי. Dieses כִּי ist אִם, wie (Ber. 24:33) עַד אִם דִּבַּרְתִּי דְּבָרָי „bis dass ich meine Worte gesprochen habe“.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יְהוּדָ֜ה אֶל־יִשְׂרָאֵ֣ל אָבִ֗יו שִׁלְחָ֥ה הַנַּ֛עַר אִתִּ֖י וְנָק֣וּמָה וְנֵלֵ֑כָה וְנִֽחְיֶה֙ וְלֹ֣א נָמ֔וּת גַּם־אֲנַ֥חְנוּ גַם־אַתָּ֖ה גַּם־טַפֵּֽנוּ׃
8
8
Und Jehuda sagte zu seinem Vater Israel: Schicke den Jungen mit mir, dann wollen wir uns aufmachen und gehen, damit wir leben und nicht sterben, sowohl wir als auch du und unsere Kinder.
damit wir leben
וְנִחְיֶה „damit wir leben“: es leuchtete in ihm prophetischer Geist (רוּחַ הַקֹּדֶשׁ): durch diesen Weg wird dein Geist aufleben, so heißt es (Ber. 45:27) וַתְּחִי רוּחַ יַעֲקֹב אֲבִיהֶם „da lebte der Geist ihres Vaters Jaakow auf“.
Raschi
und nicht sterben: durch Hunger. Was Binjamin anlangt, ist es zweifelhaft, ob er festgehalten oder nicht festgehalten werden wird. Wir aber sterben sicher alle durch Hunger, wenn wir nicht gehen. Es ist darum besser, dass du den Zweifel lässt und das Sichere ergreifst.
Raschi
אָֽנֹכִי֙ אֶֽעֶרְבֶ֔נּוּ מִיָּדִ֖י תְּבַקְשֶׁ֑נּוּ אִם־לֹ֨א הֲבִיאֹתִ֤יו אֵלֶ֙יךָ֙ וְהִצַּגְתִּ֣יו לְפָנֶ֔יךָ וְחָטָ֥אתִֽי לְךָ֖ כָּל־הַיָּמִֽים׃
9
9
Ich bürge für ihn, von meiner Hand sollst du ihn fordern. Wenn ich ihn nicht wiederbringe zu dir und vor dich hinstelle, dann soll ich gesündigt haben gegen dich alle Tage.
Ich bürge: übernehme volle Verantwortung.
und vor dich hinstelle: dass ich ihn nicht tot zu dir bringe, sondern lebend.
Raschi
dann soll ich gesündigt haben gegen dich alle Tage: auch in der Künftigen Welt (עוֹלָם הַבָּא).
Raschi
כִּ֖י לוּלֵ֣א הִתְמַהְמָ֑הְנוּ כִּֽי־עַתָּ֥ה שַׁ֖בְנוּ זֶ֥ה פַעֲמָֽיִם׃
10
10
Denn hätten wir nicht gezögert, jetzt wären wir schon zweimal zurückgekehrt.
Denn hätten wir nicht gezögert wegen dir, so wären wir bereits mit Schimon zurückgekehrt, und du wärest nicht alle diese Tage traurig gewesen.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר אֲלֵהֶ֜ם יִשְׂרָאֵ֣ל אֲבִיהֶ֗ם אִם־כֵּ֣ן ׀ אֵפוֹא֮ זֹ֣את עֲשׂוּ֒ קְח֞וּ מִזִּמְרַ֤ת הָאָ֙רֶץ֙ בִּכְלֵיכֶ֔ם וְהוֹרִ֥ידוּ לָאִ֖ישׁ מִנְחָ֑ה מְעַ֤ט צֳרִי֙ וּמְעַ֣ט דְּבַ֔שׁ נְכֹ֣את וָלֹ֔ט בָּטְנִ֖ים וּשְׁקֵדִֽים׃
11
11
Da sagte zu ihnen Israel, ihr Vater: Wenn es also so ist, dann tut das Folgende. Nehmt von den gerühmten Erzeugnissen des Landes Israel in eure Gefäße und bringt dem Mann ein Geschenk, ein wenig Balsam und ein wenig Honig, Wachs und Duftharz, Pistazien und Mandeln.
Wenn es also so ist
אֵפוֹא ist ein Ausdruck, der im Hebräischen hinzugefügt wird, um den Ausdruck eines Wortes im Hebräischen zu bereichern. „Wenn ich also gezwungen bin, das zu tun, dass ich ihn mit euch schicke, dann muss ich mich bemühen und suchen, wie ich euch ein Mittel und einen Rat geben kann; und ich sage darum, tut das Folgende …“
Raschi
Nehmt von den gerühmten Erzeugnissen des Landes
מִזִּמְרַת הָאָרֶץ, wie der Targum übersetzt מִדִּמְשַׁבַּח בְּאַרְעָא „vom Besten im Land“, worüber alle singen (שֶׁהַכֹּל מְזַמְּרִים עָלָיו), wenn es in die Welt kommt.
Raschi
Wachs
נְכֹאת „Wachs“.
Raschi
Pistazien
בָּטְנִים, ich weiß nicht, was es ist. Im Werk Alef-Bet von R. Machir habe ich gesehen pistachios; mir scheint, es sind Pfirsiche.
Raschi
Das Werk Alef-Bet von R. Machir war ein Wörterbuch mit Begriffen aus dem Tanach Schrift und dem Talmud, verfasst von R. Machir ben Jehuda (Mainz, Ende des 10. Jahrhunderts), dem Bruder von Rabbenu Gerschom Meor haGola. Dieses Werk wird in den Schriften der Rischonim ausführlich zitiert, ist heute aber nicht mehr erhalten.
וְכֶ֥סֶף מִשְׁנֶ֖ה קְח֣וּ בְיֶדְכֶ֑ם וְאֶת־הַכֶּ֜סֶף הַמּוּשָׁ֨ב בְּפִ֤י אַמְתְּחֹֽתֵיכֶם֙ תָּשִׁ֣יבוּ בְיֶדְכֶ֔ם אוּלַ֥י מִשְׁגֶּ֖ה הֽוּא׃
12
12
Und zweifaches Geld nehmt mit euch, nämlich auch das Geld, das von den Mizrim oben in eure Säcke zurückgelegt wurde beim ersten Mal, bringt es ihnen zurück in eurer Hand, vielleicht ist es ein Irrtum.
zweifaches Geld: das Doppelte vom Früheren,
nehmt mit: um Nahrung zu kaufen, vielleicht ist der Preis gestiegen.
Raschi
vielleicht ist es ein Irrtum: vielleicht hat es der Verwalter des Hauses aus Versehen vergessen.
Raschi
וְאֵ֣ל שַׁדַּ֗י יִתֵּ֨ן לָכֶ֤ם רַחֲמִים֙ לִפְנֵ֣י הָאִ֔ישׁ וְשִׁלַּ֥ח לָכֶ֛ם אֶת־אֲחִיכֶ֥ם אַחֵ֖ר וְאֶת־בִּנְיָמִ֑ין וַאֲנִ֕י כַּאֲשֶׁ֥ר שָׁכֹ֖לְתִּי שָׁכָֽלְתִּי׃
14
14
Und der allmächtige G‑tt gebe euch Barmherzigkeit vor dem Mann, damit er euren anderen Bruder Schimon aus der Gefangenschaft entlasse und auch Binjamin. Ich aber, wie ich die Kinder verloren habe, so habe ich die Kinder verloren.
der allmächtige G‑tt
Nun fehlt euch nur noch das Gebet, also will ich für euch beten.
Raschi
der allmächtige G‑tt
וְאֵל שַׁדַּי, G‑tt, der die Macht hat, Sein Erbarmen zu verleihen, und in dessen Hand die Macht und das Vermögen ist, solches finden zu lassen, Er lasse euch Erbarmen finden. Das ist die einfache Erklärung.
Der Midrasch sagt dazu: אֵל שַׁדַּי, Er, der zur Welt einst „Genug“ (דַּי) sagte, wird auch „Genug!“ sagen zu meinen Sorgen. Denn ich hatte keine Ruhe seit meiner Jugend, das Leid durch Lawan und Esaw, das Leid um Rachel, das Leid um Dina, das Leid um Josef, Schimon und Binjamin.
Raschi
damit er entlasse
וְשִׁלַּח לָכֶם, wörtl. „damit er euch entlasse“: euch freigibt, zu euch entlässt, wie der Targum übersetzt וְיִפְטַר לְכוֹן, aus dem Gefängnis befreit, vom Ausdruck (Schem. 21:26) לַחָפְשִׁי יְשַׁלְּחֶנּוּ „in die Freiheit entlasse er ihn“. Es wäre aber nicht richtig, zu übersetzen וְיִשְׁלַח „er schicke“, denn sie begaben sich ja selbst dorthin zu ihm.
Raschi
euren Bruder: das ist Schimon,
den anderen: prophetischer Geist (רוּחַ הַקֹּדֶשׁ) wurde in ihn gelegt, dass er Josef hinzufügte.
Ich aber: bis ihr zurückkehrt, werde ich durch den Zweifel die Kinder verloren haben.
Wie ich die Kinder verloren habe: ohne Josef und Schimon,
so habe ich die Kinder verloren: auch Binjamin.
Raschi
וַיִּקְח֤וּ הָֽאֲנָשִׁים֙ אֶת־הַמִּנְחָ֣ה הַזֹּ֔את וּמִשְׁנֶה־כֶּ֛סֶף לָקְח֥וּ בְיָדָ֖ם וְאֶת־בִּנְיָמִ֑ן וַיָּקֻ֙מוּ֙ וַיֵּרְד֣וּ מִצְרַ֔יִם וַיַּֽעַמְד֖וּ לִפְנֵ֥י יוֹסֵֽף׃
15
15
Da nahmen die Männer dieses Geschenk und zweifaches Geld nahmen sie in ihre Hand und auch ihren jüngsten Bruder Binjamin. Sie machten sich auf, reisten hinunter nach Mizraim und stellten sich vor Josef.
Binjamin
Bei den Worten וְאֶת בִּנְיָמִין fügt der Targum hinzu וּדְבַרוּ יָת בִּנְיָמִין „und sie führten Binjamin“, weil es im Aramäischen unterschiedliche Ausdrücke gibt für das Mitnehmen von Geld und das Mitnehmen eines Menschen. Bei einer Sache, die in der Hand mitgenommen wird, übersetzen wir וּנְסֵיב. Wenn aber jemand durch Worte veranlasst wird, mitzugehen, übersetzen wir וּדְבַר.
Raschi