וַיַּ֨רְא יוֹסֵ֣ף אִתָּם֮ אֶת־בִּנְיָמִין֒ וַיֹּ֙אמֶר֙ לַֽאֲשֶׁ֣ר עַל־בֵּית֔וֹ הָבֵ֥א אֶת־הָאֲנָשִׁ֖ים הַבָּ֑יְתָה וּטְבֹ֤חַ טֶ֙בַח֙ וְהָכֵ֔ן כִּ֥י אִתִּ֛י יֹאכְל֥וּ הָאֲנָשִׁ֖ים בַּֽצָּהֳרָֽיִם׃
16
16
Als Josef bei ihnen Binjamin sah, sagte er zu seinem Hausverwalter: Führe die Männer in das Haus und lasse Fleisch schlachten und vorbereiten, denn mit mir sollen die Männer zu Mittag essen.
lasse schlachten und vorbereiten
Die Worte וּטְבֹחַ טֶבַח וְהָכֵן sind so zu verstehen wie וְלִטְבֹּחַ טֶבַח וּלְהָכֵן „eine Schlachtung zu schlachten und vorzubereiten“; טְבֹחַ ist nicht die Befehlsform, sonst hätte der Vers sagen müssen וּטְבַח („schlachte“).
Raschi
zu Mittag
בַּצָּהֳרָיִם „Mittag“ wird in diesem Fall vom Targum mit בְּשֵׁירוּתָא übersetzt, das im Aramäischen eine Bezeichnung für „Mahlzeit“ ist, auf Französisch disner „zu Mittag essen“. Der Ausdruck kommt oft im Talmud vor שְׁדָא לְכַלְבָּא שֵׁירוּתֵהּ „dem Hund seine Mahlzeit hinwerfen“ (Taanit 11b), בְּצַע אַכֻּלָּא שֵׁירוּתָא „er schnitt für die ganze Mahlzeit Brot ab“ (Berachot 39b). Aber sonst ist der Targum von „Mittagszeit“ טִיהֲרָא.
Raschi
וַיִּֽירְא֣וּ הָֽאֲנָשִׁ֗ים כִּ֣י הֽוּבְאוּ֮ בֵּ֣ית יוֹסֵף֒ וַיֹּאמְר֗וּ עַל־דְּבַ֤ר הַכֶּ֙סֶף֙ הַשָּׁ֤ב בְּאַמְתְּחֹתֵ֙ינוּ֙ בַּתְּחִלָּ֔ה אֲנַ֖חְנוּ מֽוּבָאִ֑ים לְהִתְגֹּלֵ֤ל עָלֵ֙ינוּ֙ וּלְהִתְנַפֵּ֣ל עָלֵ֔ינוּ וְלָקַ֧חַת אֹתָ֛נוּ לַעֲבָדִ֖ים וְאֶת־חֲמֹרֵֽינוּ׃
18
18
Da fürchteten sich die Männer, weil sie in das Haus Josefs gebracht wurden, und sagten: Wegen des Silbers, das in unsere Säcke wieder gekommen ist das vorige Mal, werden wir hineingeführt, eine Verleumdung auf uns zu wälzen und über uns herzufallen, und uns als Sklaven zu nehmen, samt unseren Eseln.
Da fürchteten sich die Männer
Mit zwei Buchstaben Jud ist das Wort וַיִּירְאוּ geschrieben, und der Targum ist וּדְחִילוּ „sie fürchteten sich“.
Raschi
weil sie in das Haus Josefs gebracht wurden: und es war nicht die Art der anderen, die zum Kauf von Getreide kamen, im Haus Josefs zu übernachten, sondern in den Herbergen in der Stadt, und deshalb „fürchteten die Männer“, dass das nur den Zweck habe, sie in Gewahrsam zu nehmen.
Raschi
werden wir hineingeführt: in dieses Haus.
Raschi
auf uns zu wälzen
לְהִתְגֹּלֵל [auf uns] „zu wälzen“: dass die Verleumdung wegen des Silbers auf uns gewälzt werde und auf uns falle. Nach Onkelos, der mit וּלְאִסְתַּקָּפָא עֲלַנָא übersetzt, ist es ein Ausdruck für לְהִתְעוֹלֵל „verleumden“, wie wir übersetzen (Dew. 22:14) עֲלִילוֹת דְּבָרִים „verleumderische Worte“ – תַּסְקוֹפֵי מִלִּין. Und Onkelos hat den Ausdruck des Verses nicht wörtlich übersetzt.
Das Wort לְהִתְגֹּלֵל, das Onkelos übersetzt als לְאִתְרַבְרָבָא „sich erheben“, ist vom Ausdruck (Koh. 12:6) גֻּלַּת הַזָּהָב „die goldene Krone“; (Nachum 2:8) וְהֻצַּב גֻּלְּתָה הֹעֲלָתָה „die Krone der Königin ist fortgenommen“, wo es Herrschaft bedeutet.
Raschi
וַיֹּאמְר֖וּ בִּ֣י אֲדֹנִ֑י יָרֹ֥ד יָרַ֛דְנוּ בַּתְּחִלָּ֖ה לִשְׁבָּר־אֹֽכֶל׃
20
20
sie sagten: Bitte, mein Herr! Herabgekommen sind wir das vorige Mal, Nahrung zu kaufen.
Bitte, mein Herr
בִּי אֲדֹנִי ist der Ausdruck einer Bitte und des Flehens (Onkelos). Im Aramäischen (Joma 69b) ״בַּיָּיא, בַּיָּיא״, Weheklagen.
Raschi
Herabgekommen sind wir
יָרֹד יָרַדְנוּ „herabgekommen sind wir“: es ist für uns ein Abstieg, weil wir gewohnt waren, andere zu ernähren und jetzt dich brauchen.
Raschi
וַֽיְהִ֞י כִּי־בָ֣אנוּ אֶל־הַמָּל֗וֹן וַֽנִּפְתְּחָה֙ אֶת־אַמְתְּחֹתֵ֔ינוּ וְהִנֵּ֤ה כֶֽסֶף־אִישׁ֙ בְּפִ֣י אַמְתַּחְתּ֔וֹ כַּסְפֵּ֖נוּ בְּמִשְׁקָל֑וֹ וַנָּ֥שֶׁב אֹת֖וֹ בְּיָדֵֽנוּ׃
21
21
Und es geschah, als wir in die Herberge kamen und unsere Säcke öffneten, siehe, da war das Geld von jedem oben in seinem Getreidesack, unser eigenes Geld nach seinem Gewicht; und wir bringen es zurück in unseren Händen.
וַיֹּאמֶר֩ שָׁל֨וֹם לָכֶ֜ם אַל־תִּירָ֗אוּ אֱלֹ֨הֵיכֶ֜ם וֵֽאלֹהֵ֤י אֲבִיכֶם֙ נָתַ֨ן לָכֶ֤ם מַטְמוֹן֙ בְּאַמְתְּחֹ֣תֵיכֶ֔ם כַּסְפְּכֶ֖ם בָּ֣א אֵלָ֑י וַיּוֹצֵ֥א אֲלֵהֶ֖ם אֶת־שִׁמְעֽוֹן׃
23
23
Und Josef sagte: Friede mit euch! Fürchtet nicht! Euer G‑tt, der G‑tt eures Vaters, hat euch einen Schatz in eure Säcke gegeben; euer Geld ist an mich gekommen. Und er führte Schimon zu ihnen heraus.
Euer G‑tt: im Verdienst eurer Frömmigkeit, und wenn euer Verdienst nicht genügt, der G‑tt eures Vaters: wegen der Frömmigkeit eures Vaters hat Er euch einen Schatz gegeben.
Raschi
וַיָּבֵ֥א הָאִ֛ישׁ אֶת־הָאֲנָשִׁ֖ים בֵּ֣יתָה יוֹסֵ֑ף וַיִּתֶּן־מַ֙יִם֙ וַיִּרְחֲצ֣וּ רַגְלֵיהֶ֔ם וַיִּתֵּ֥ן מִסְפּ֖וֹא לַחֲמֹֽרֵיהֶֽם׃
24
24
Und der Mann führte die Leute in das Haus des Josef; er gab ihnen Wasser, sie wuschen sich die Füße, und ihren Eseln gab er Futter.
der Mann führte
וַיָּבֵא הָאִישׁ „der Mann führte“: es steht hier zum zweiten Mal, dass er sie ins Haus brachte [s. Verse 17–18], weil sie ihn hinausgedrängt hatten, bis sie mit ihm am Eingang des Hauses gesprochen hatten. Und erst als er zu ihnen gesagt hatte שָׁלוֹם לָכֶם „Friede mit euch“, folgten sie ihm und gingen hinter ihm hinein.
Raschi
וַיָּכִ֙ינוּ֙ אֶת־הַמִּנְחָ֔ה עַד־בּ֥וֹא יוֹסֵ֖ף בַּֽצָּהֳרָ֑יִם כִּ֣י שָֽׁמְע֔וּ כִּי־שָׁ֖ם יֹ֥אכְלוּ לָֽחֶם׃
25
25
Dann bereiteten sie das Geschenk, bevor Josef zu Mittag nach Hause kam; denn sie hatten gehört, dass sie dort eine Mahlzeit essen sollten.
bereiteten sie das Geschenk: ordneten es und schmückten es.
Raschi
eine Mahlzeit: wörtl. Brot essen.
וַיָּבֹ֤א יוֹסֵף֙ הַבַּ֔יְתָה וַיָּבִ֥יאּוּ ל֛וֹ אֶת־הַמִּנְחָ֥ה אֲשֶׁר־בְּיָדָ֖ם הַבָּ֑יְתָה וַיִּשְׁתַּחֲווּ־ל֖וֹ אָֽרְצָה׃
26
26
Als Josef nach Hause kam, da brachten sie ihm das Geschenk, das sie in ihren Händen hatten, ins Haus und bückten sich zur Erde.
ins Haus: von der Vorhalle in den Saal.
Raschi
וַיֹּאמְר֗וּ שָׁל֛וֹם לְעַבְדְּךָ֥ לְאָבִ֖ינוּ עוֹדֶ֣נּוּ חָ֑י וַֽיִּקְּד֖וּ וישתחו [וַיִּֽשְׁתַּחֲוּֽוּ׃]
28
28
Sie antworteten: Gut geht es deinem Diener, unserem Vater, er lebt noch; und sie verbeugten sich und warfen sich nieder.
sie verbeugten und warfen sich nieder für die Begrüßung. קִדָּה ist Verneigung des Kopfes, הִשְׁתַּחֲוָאָה zur Erde niederfallen (Megilla 22b).
Raschi
וַיִּשָּׂ֣א עֵינָ֗יו וַיַּ֞רְא אֶת־בִּנְיָמִ֣ין אָחִיו֮ בֶּן־אִמּוֹ֒ וַיֹּ֗אמֶר הֲזֶה֙ אֲחִיכֶ֣ם הַקָּטֹ֔ן אֲשֶׁ֥ר אֲמַרְתֶּ֖ם אֵלָ֑י וַיֹּאמַ֕ר אֱלֹהִ֥ים יָחְנְךָ֖ בְּנִֽי׃
29
29
Josef erhob seine Augen und sah seinen Bruder Binjamin, den Sohn seiner Mutter Rachel; und er fragte: Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr mir erzählt habt? Und er sagte zu Binjamin: G‑tt sei dir gnädig, mein Sohn!
G‑tt sei dir gnädig
אֱלֹהִים יָחְנְךָ בְּנִי „G‑tt sei dir gnädig, mein Sohn!“: bei den anderen Stämmen haben wir den Ausdruck חֲנִינָה „Gnade verleihen“ schon gehört (siehe Ber. 33:5) אֲשֶׁר חָנַן אֱלֹהִים אֶת עַבְדֶּךָ „mit denen G‑tt deinen Diener begnadet hat“. Binjamin aber war damals noch nicht geboren gewesen, darum segnete ihn Josef mit Gnade.
Raschi