וְכִ֣י תַשִּׂ֗יג יַ֣ד גֵּ֤ר וְתוֹשָׁב֙ עִמָּ֔ךְ וּמָ֥ךְ אָחִ֖יךָ עִמּ֑וֹ וְנִמְכַּ֗ר לְגֵ֤ר תּוֹשָׁב֙ עִמָּ֔ךְ א֥וֹ לְעֵ֖קֶר מִשְׁפַּ֥חַת גֵּֽר׃
47
47
Wenn ein Fremder oder Beisasse bei dir zu Vermögen kommt und dein Bruder neben ihm verarmt und sich einem fremden Beisassen neben dir verkauft oder dem Götzendienst einer Fremdenfamilie.
ein Fremder oder Beisasse
גֵּר וְתוֹשָׁב „ein Fremder oder Beisasse“. Ein Fremder, der ein Beisasse ist, wie der Targum sagt עָרֵל וְתוֹתָב „ein unbeschnittener Beisasse“. Das Ende des Verses beweist das וְנִמְכַּר לְגֵר תּוֹשָׁב „er verkauft sich einem fremden Beisassen“ (ohne ו׳ החיבור).
Raschi
Das Ende des Verses beweist es: in den Worten וְנִמְכַּר לְגֵר תּוֹשָׁב „er verkauft sich einem fremden Beisassen“ ist zwischen den Begriffen גֵּר und תּוֹשָׁב kein ו׳ החיבור. Daraus ist zu lernen, dass auch zu Beginn des Verses die Worte גֵּר וְתוֹשָׁב nicht: Fremder „oder“ Beisasse“ bedeuten, sondern: ein Fremder, der ein Beisasse ist.
Wenn ein Fremder oder Beisasse bei dir zu Vermögen kommt
Was hat ihm verursacht, reich zu werden? Dass er sich dir anschloss.
Raschi
und dein Bruder neben ihm verarmt
Was hat ihm verursacht, arm zu werden? Dass er sich ihm anschloss, dadurch dass er von seinen Taten lernte.
Raschi
oder dem Götzendienst einer Fremdenfamilie
מִשְׁפַּחַת גֵּר „Familie eines Fremden“, das ist der Nichtjude. Und wenn er sagt לְעֵקֶר, so ist derjenige gemeint, der sich dem Götzendienst (עֲבוֹדָה זָרָה) selbst verkauft hat, ihm ein Diener zu sein, nicht anzubeten, sondern für ihn Holz zu fällen und Wasser zu schöpfen (Kiduschin 20b).
Raschi
אַחֲרֵ֣י נִמְכַּ֔ר גְּאֻלָּ֖ה תִּהְיֶה־לּ֑וֹ אֶחָ֥ד מֵאֶחָ֖יו יִגְאָלֶֽנּוּ׃
48
48
Nachdem er sich verkauft hat, soll Einlösungsrecht für ihn sein; einer von seinen Brüdern soll ihn freikaufen und dadurch erlösen.
soll ihn erlösen
Kaufe ihn sofort frei; lass nicht zu, dass er sich unter jene vermische.
Raschi
אוֹ־דֹד֞וֹ א֤וֹ בֶן־דֹּדוֹ֙ יִגְאָלֶ֔נּוּ אֽוֹ־מִשְּׁאֵ֧ר בְּשָׂר֛וֹ מִמִּשְׁפַּחְתּ֖וֹ יִגְאָלֶ֑נּוּ אֽוֹ־הִשִּׂ֥יגָה יָד֖וֹ וְנִגְאָֽל׃
49
49
Entweder sein Onkel oder der Sohn seines Onkels soll ihn freikaufen und dadurch erlösen oder einer von seinen Blutsverwandten aus seiner Familie soll ihn freikaufen und dadurch erlösen oder er selbst kommt zu Vermögen, dann erlöse er sich selbst.
er kommt zu Vermögen
וְהִשִּׂיגָה יָדוֹ, wörtl. seine Hand erreicht es: er erreicht die benötigte Summe. [Rabbi Jona ibn Dschanach, שורש נשג]
er selbst kommt zu Vermögen: er findet verlorenes Gut (אֲבֵדָה) oder das Erbe eines Verwandten fällt ihm zu. [Ibn Esra]
dann erlöse er: sich selbst.
Targum Onkelos, Saadia Gaon
וְחִשַּׁב֙ עִם־קֹנֵ֔הוּ מִשְּׁנַת֙ הִמָּ֣כְרוֹ ל֔וֹ עַ֖ד שְׁנַ֣ת הַיֹּבֵ֑ל וְהָיָ֞ה כֶּ֤סֶף מִמְכָּרוֹ֙ בְּמִסְפַּ֣ר שָׁנִ֔ים כִּימֵ֥י שָׂכִ֖יר יִהְיֶ֥ה עִמּֽוֹ׃
50
50
Und er rechne mit seinem Käufer von dem Jahr an, in dem er sich verkauft hat, bis zum Joweljahr, und es sei das Kaufgeld für ihn nach Anzahl der Jahre; wie die Zeit eines Lohnarbeiters sei er bei ihm gewesen.
bis zum Joweljahr
Denn im ganzen hat er ihn nur erworben, dass er ihm bis zum Jowel diene. Denn im Jowel geht er frei, wie weiter steht (Vers 54) וְיָצָא בִּשְׁנַת הַיֹּבֵל „so gehe er im Joweljahr frei aus“. Der Vers spricht von einem Nichtjuden, der deiner Macht unterworfen ist, und dennoch darfst du nicht betrügerisch mit ihm verfahren. Das wäre eine Entweihung des g‑ttlichen Namens (חִלּוּל הַשֵּׁם). Sondern, wenn er zurückgekauft werden soll, berechne man genau: soviel, wie auf jedes Jahr kommt, ziehe ihm der Nichtjude von seinem Geld ab. Wenn zum Beispiel von da an, da er sich verkauft hat, bis zum Jowel 20 Jahre waren und er ihn für 20 Währungseinheiten (מָנֶה) gekauft hat, hat demnach der Nichtjude die Arbeit eines Jahres für eine Einheit gekauft. Und wenn er fünf Jahre bei ihm geblieben ist und ausgelöst werden soll, ziehe er ihm 5 Einheiten ab, und der Sklave gebe ihm 15 Einheiten. Das bedeutet וְהָיָה כֶּסֶף מִמְכָּרוֹ בְּמִסְפַּר שָׁנִים, כִּימֵי שָֹכִיר יִהְיֶה עִמּוֹ „es sei das Kaufgeld für ihn nach Anzahl der Jahre; wie die Zeit eines Lohnarbeiters sei er bei ihm gewesen“. (Bawa Kama 113b)
Raschi
wie die Zeit eines Lohnarbeiters sei er bei ihm gewesen
Die Rechnung, die auf jedes Jahr kommt, berechne er, als wenn er sich jedes Jahr für eine Einheit vermietet hätte, und ziehe ihm das ab.
Raschi
אִם־ע֥וֹד רַבּ֖וֹת בַּשָּׁנִ֑ים לְפִיהֶן֙ יָשִׁ֣יב גְּאֻלָּת֔וֹ מִכֶּ֖סֶף מִקְנָתֽוֹ׃
51
51
Wenn noch viele Jahre verbleiben, nach ihrem Verhältnis erstatte er sein Lösegeld von seinem Kaufgeld.
Wenn noch viele Jahre verbleiben: bis zum Jowel.
Raschi
nach ihrem Verhältnis
לְפִיהֶן „ihnen entsprechend“: alles, wie ich erklärt habe.
Raschi
וְאִם־לֹ֥א יִגָּאֵ֖ל בְּאֵ֑לֶּה וְיָצָא֙ בִּשְׁנַ֣ת הַיֹּבֵ֔ל ה֖וּא וּבָנָ֥יו עִמּֽוֹ׃
54
54
Wird er aber nicht erlöst auf diese Weise, so geht er frei im Joweljahr, er und seine Kinder mit ihm.
Wird er aber nicht erlöst auf diese Weise
Durch diese kann er zurückgekauft werden, aber durch sechs Jahre Dienst wird er nicht frei (Kiduschin 15b).
Raschi
כִּֽי־לִ֤י בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֙ עֲבָדִ֔ים עֲבָדַ֣י הֵ֔ם אֲשֶׁר־הוֹצֵ֥אתִי אוֹתָ֖ם מֵאֶ֣רֶץ מִצְרָ֑יִם אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
55
55
*Denn Mir sind die Kinder Israel Diener, Meine Diener sind sie, die Ich herausgeführt habe aus dem Land Mizraim. Ich bin der Ewige, euer G‑tt.*
Denn Mir sind die Kinder Israel Diener: Meine Urkunde ist älter (שְׁטָרִי קוֹדֵם).
Raschi
Ich bin der Ewige, euer G‑tt
Wer sie auf Erden knechtet, ist, als wenn er sie im Himmel knechtete.
Raschi
לֹֽא־תַעֲשׂ֨וּ לָכֶ֜ם אֱלִילִ֗ם וּפֶ֤סֶל וּמַצֵּבָה֙ לֹֽא־תָקִ֣ימוּ לָכֶ֔ם וְאֶ֣בֶן מַשְׂכִּ֗ית לֹ֤א תִתְּנוּ֙ בְּאַרְצְכֶ֔ם לְהִֽשְׁתַּחֲוֺ֖ת עָלֶ֑יהָ כִּ֛י אֲנִ֥י יְהוָ֖ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
1
1
Macht euch keine Götzen, ein Bild oder Steinmal dürft ihr nicht errichten und einen bedeckenden Stein stellt nicht in eurem Land hin, um euch darauf niederzuwerfen, denn Ich bin der Ewige, euer G‑tt.
Götzen: falsche Götter, עֲבוֹדָה זָרָה.
Macht euch keine Götzen
Das bezieht sich auf den, der sich an einen Nichtjuden verkauft hat. Er sage nicht, weil mein Herr unsittlich ist (מְגַלֶּה עֲרָיוֹת), werde ich es auch sein; weil mein Herr Götzen anbetet, werde ich es auch tun; weil mein Herr den Schabbat entweiht, werde ich auch so tun wie er. Darum stehen diese Verse.
Auch diese Abschnitte stehen nach der Ordnung. Zuerst ermahnt er wegen des siebten Jahres; wenn einer aber geldgierig ist und wegen des siebten Jahres in Verdacht kommt, wird er als Folge seine beweglichen Güter (מִּטַּלְטְּלִים) verkaufen müssen; darum folgt darauf, wenn ihr ein Kaufobjekt verkauft (was steht dabei אוֹ קָנֹה מִיַּד עֲמִיתֶךָ „oder kauft aus der Hand“, eine Sache, die von Hand zu Hand erworben wird). Lässt er nicht davon, wird er als Folge seinen Erbbesitz verkaufen. Lässt er nicht davon, wird er als Folge sein Haus verkaufen. Lässt er nicht davon, wird er als Folge gegen Zins leihen. Die letzten sind immer schwerer als die ersten Folgen. Lässt er nicht davon, wird er sich selbst zuletzt verkaufen. Lässt er immer noch nicht davon, nicht genug einem Juden, sondern sogar einem Nichtjuden (Kiduschin 20a).
Raschi
Bild: פֶסֶל, ein aus Stein gehauenes oder aus Holz geschnitztes Bild eines Götzen.
Steinmal: מַצֵּבָה, aufrecht hingestellter Stein, der angebetet wird.
einen bedeckenden Stein
וְאֶבֶן מַשְׂכִּית – לְשׁוֹן כִּסּוּי „bedecken“ wie (Schem. 33:22) וְשַׂכֹּתִי כַפִּי „ich breite meine Hand aus“. Man bedeckte den Boden mit einem Überzug aus Steinplatten.
Raschi
um euch darauf niederzuwerfen: sogar vor dem Ewigen; denn הִשְׁתַּחֲוָאָה bedeutet „Ausbreiten von Händen und Füßen“ und die Torah verbietet, außerhalb des Mikdasch so zu tun (Megilla 22b).
Raschi
אֶת־שַׁבְּתֹתַ֣י תִּשְׁמֹ֔רוּ וּמִקְדָּשִׁ֖י תִּירָ֑אוּ אֲנִ֖י יְהוָֽה׃ (ס)
2
2
Meine Schabbattage sollt ihr beachten und Mein Heiligtum sollt ihr mit Ehrfurcht behandeln, Ich bin der Ewige.
Ich bin der Ewige: treu, den Lohn zu bezahlen.
Raschi