Der tägliche Chumasch-Abschnitt

24. Tischre 5788 | Issru Chag

Montag, 25. Oktober 2027

Heute

Bereschit

1.—2. Alija

(Bereschit 1:1 – 2:19)

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בְּרֵאשִׁ֖ית בָּרָ֣א אֱלֹהִ֑ים אֵ֥ת הַשָּׁמַ֖יִם וְאֵ֥ת הָאָֽרֶץ׃
1
1
Am ersten Tag der Schöpfung, am Beginn von G‑ttes Schöpfung aus dem Nichts von Himmel und Erde,
am Beginn
Rabbi Jizchak sagte: Die Torah hätte erst bei dem Abschnitt zu beginnen brauchen (Schem. 12:2) הַחֹדֶשׁ הַזֶּה לָכֶם „Dieser Monat soll euch [der Anfang der Monate] sein“, denn dieser enthält das erste Gebot (מִצְוָה) für Israel. Warum fängt die Torah aber mit der Schöpfung an? Weil „Er Seine Allmacht Seinem Volk verkündete, ihm das Erbe der Nationen zu geben“ כֹּחַ מַעֲשָׂיו הִגִּיד לְעַמּוֹ לָתֵת לָהֶם נַחֲלַת גּוֹיִם (Teh. 111:6). Wenn die Völker der Welt zu Israel sagen sollten: Ihr seid Räuber, denn ihr habt die Länder der sieben Nationen eingenommen, so antworten sie ihnen: Die ganze Erde gehört dem Ewigen. Er hat sie erschaffen und dem gegeben, der rechtschaffen ist in Seinen Augen. Nach Seinem Willen hat Er sie jenen gegeben und nach Seinem Willen sie ihnen genommen und uns gegeben.
Raschi
das erste Gebot für Israel: Die erste Mizwa, die dem jüdischen Volk als Nation durch Mosche gegeben wurde, war die Bestimmung des Monatsbeginns (Kiddusch haChodesch, Schem. 12:2). Die Gebote von Beschneidung und Hüftnerv wurden zwar früher gegeben (Brit Mila, Ber. 17:10; Gid ha‑nasche, Ber. 32:33), aber diese Mizwot wurden Awraham und Jaakow aufgetragen, noch bevor das jüdische Volk als Nation bestand; diese Gebote sind für die Nachkommen nur deshalb bindend, weil sie durch Mosche am Sinai wiederholt wurden. Das geschah erst, nachdem die Mizwa von Kiddusch haChodesch bereits gegeben worden war.
am Beginn von G‑ttes Schöpfung
Würde die Torah nicht mit der Erschaffung von Himmel und Erde beginnen, könnten Menschen ohne Glauben behaupten, dass die Erde schon immer bestanden habe und die Kreisläufe der Natur das Bestimmende seien.
Chiskuni
am Beginn von G‑ttes Schöpfung
Dieser Vers sagt, erkläre mich so, wie ihn unsere Lehrer (רַבּוֹתֵינוּ) erklärt haben. בְּרֵאשִׁית בָּרָא, G‑tt schuf – um der Torah willen, die רֵאשִׁית דַּרְכּוֹ „das Erste Seines Weges“ genannt wird (Mischle 8:22), und um Israel willen, das רֵאשִׁית תְּבוּאָתֹה „das Erste Seines Ertrages“ genannt wird (Jirm. 2:3).
Wenn du diesen Vers aber nach dem einfachen Sinn erklären willst, erkläre ihn so: (V. 1) Am Anfang der Erschaffung von Himmel und Erde – (V. 2) als die Erde erschreckend leer war – (V. 3) da sagte G‑tt: „Es werde Licht“. Der Vers will nicht die Reihenfolge der Schöpfung lehren, um zu sagen, dass Himmel und Erde zuerst erschaffen wurden. Wollte er das lehren, dann müsste der Ausdruck בָּרִאשׁוֹנָה בָּרָא אֶת הַשָּׁמַיִם gebraucht werden; denn רֵאשִׁית ist in der Torah immer mit dem nächsten Worte verbunden, so בְּרֵאשִׁית מַמְלְכוּת יְהוֹיָקִים „am Anfang der Regierung von Jehojakim“ (Jirm. 26:1), רֵאשִׁית מַמְלַכְתּוֹ „das Erste seines Reiches“ (Ber. 10:10), רֵאשִׁית דְּגָנְךָ „das Erste deines Getreides“ (Dew. 18:4).

Darum musst du auch hier sagen, am Beginn, als G‑tt erschuf, als ob stehen würde בְּרֵאשִׁית בְּרוֹא, am Beginn der Erschaffung. Ähnlich תְּחִלַּת דִּבֶּר ה׳ בְּהוֹשֵׁעַ „am Beginn, als der Ewige mit Hoschea sprach“ (Hosch. 1:2), das heißt, am Beginn der Rede des Ewigen mit Hoschea sagte der Ewige zu Hoschea.

Solltest du aber sagen, der Vers lehrt, dass Himmel und Erde zuerst erschaffen wurden, und der Sinn wäre, am Beginn von allem erschuf Er diese – denn tatsächlich gibt es Verse, die kurz gefasst sind und in denen ein Wort zu ergänzen ist, so כִּי לֹא סָגַר דַּלְתֵי בִטְנִי „weil man nicht die Tore des Schoßes meiner Mutter verschloss“ (Ijow 3:10), wo kein Subjekt genannt wird, ebenso שָּׂא אֶת חֵיל דַּמֶּשֶׂק „man wird das Vermögen von Damasek wegtragen“ (Jesch. 8:4), und es steht nicht, wer wegtragen wird, ferner אִם יַחֲרוֹשׁ בַּבְּקָרִים „Ich verkünde im Anbeginn das Ende“ (Am. 6:12), und er führt nicht aus, Ich verkünde im Anbeginn der Sache das Ende der Sache. Aber wenn es so wäre, müsstest du dich fragen, das Wasser war ja zuerst; denn es heißt (nächster Vers) וְרוּחַ אֱלֹהִים מְרַחֶפֶת עַל פְּנֵי הַמָּיִם „der Geist G‑ttes schwebte über der Fläche des Wassers“ und der Vers hat uns noch nicht offenbart, wann die Erschaffung des Wassers stattfand. Aus diesem Vers kannst du entnehmen, dass das Wasser schon vor der Erde erschaffen war.

Außerdem wurde der Himmel aus Feuer und Wasser gebildet; und du musst zum Schluss gelangen, dass uns der Vers nichts über die Reihenfolge lehrt, was früher und was später war.
Raschi
am Beginn von G‑ttes Schöpfung
Die hebräische Sprache nutzt ausschließlich das Verb בָּרָא, um das Erschaffen von Etwas aus dem Nichts zu beschreiben. [Ramban] Demgegenüber beschreibt das Verb יׇצַר das Schaffen einer neuen Form aus bestehender Materie. [Radak]

Das Verb בָּרָא („schuf“) beschreibt das Schaffen von Etwas aus dem Nichts. Demgegenüber beschreibt das Verb עׇשׇׂה („machen“) das Beenden einer Sache, wie in Vers 7 וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת הָרָקִיעַ „Und G‑tt machte die Ausdehnung“.
Malbim
G‑ttes Schöpfung von Himmel und Erde
בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ „G‑tt schuf Himmel und Erde“, so wie es heißt (Teh. 136:5) לְעֹשֵׂה הַשָּׁמַיִם בִּתְבוּנָה „der den Himmel schuf in Einsicht“, will sagen: der den Himmel auf eine Weise schuf, dass man daraus G‑tt erkennen kann. So heißt es (Jesch. 40:26) שְׂאוּ מָרוֹם עֵינֵיכֶם „Hebt hoch auf eure Augen“. G‑tt schuf Himmel und Erde, die Welt und Natur, dass der Mensch daraus G‑tt erkenne.
Rabbi Simcha Bunam
schuf G‑tt
Es steht בָּרָא אֱלֹהִים mit dem G‑ttesnamen אֱלֹהִים – G‑tt als Richter; und nicht בָּרָא ה׳ – G‑tt der Barmherzige. Denn zuerst bestand die Absicht, auf Grund der Gerechtigkeit zu erschaffen, da Er aber sah, dass die Welt dann nicht bestehen könne, schickte Er die Barmherzigkeit (מִדַּת רַחֲמִים) voran und verband sie mit der Gerechtigkeit, darum heißt es später mit der Erwähnung von beiden G‑ttesnamen (Ber. 2:4) בְּיוֹם עֲשׂוֹת ה׳ אֱלֹהִים אֶרֶץ וְשָׁמָיִם „am Tag, als der Ewige, G‑tt, Erde und Himmel schuf“.
Raschi
schuf G‑tt
Es steht der G‑ttesname אֱלֹהִים, dessen Zahlenwert (Gematria) dem des Wortes הַטֶּבַע („die Natur“) entspricht, um zu zeigen, dass G‑tt die Welt laut den von Ihm festgelegten Naturgesetzen führen wird.
Gaon von Wilna
וְהָאָ֗רֶץ הָיְתָ֥ה תֹ֙הוּ֙ וָבֹ֔הוּ וְחֹ֖שֶׁךְ עַל־פְּנֵ֣י תְה֑וֹם וְר֣וּחַ אֱלֹהִ֔ים מְרַחֶ֖פֶת עַל־פְּנֵ֥י הַמָּֽיִם׃
2
2
als die Erde erschreckend leer war, und Finsternis auf der Tiefe, d.h. den Wassermassen, lag; und der Geist G‑ttes über der Fläche des Wassers schwebte,
erschreckend leer
תֹהוּ bedeutet Staunen und Entsetzen. Ein Mensch hätte über die Leere auf ihr gestaunt und wäre entsetzt darüber. (Estordison auf Französisch, „Entsetzen“.) בֹּהוּ bedeutet leer.
Raschi
erschreckend leer
תֹהוּ ist die ursprüngliche Masse. Ihr Name תֹהוּ weist darauf hin, dass der menschliche Verstand ihr gegenüber ratlos ist (תּוֹהֶה עָלָיו), weil sie unbegreiflich und nicht zu beschreiben oder benennen ist.
בֹּהוּ besteht aus den Worten בּוֹ הוּא und beschreibt den Beginn der Form und Kontur der ursprünglichen Masse. Darin sind bereits die vier elementaren Elemente der Schöpfung enthalten: Feuer, Wasser, Erde, Luft.
Ramban
<b>תֹהוּ</b> Entsetzen.
<b>בהו</b> bedeutet Leere und Öde.
auf der Tiefe
עַל פְּנֵי תְהוֹם, auf der Fläche des Wassers auf der Erde.
Raschi
Nach Raschi steht תְהוֹם hier nicht für „Tiefe“, sondern für Wassermassen, selbst wenn sie sich an der Oberfläche der Erde befinden. So auch im Vers (Dew. 32:10) עֲיָנֹת וּתְהֹמֹת „[Denn der Ewige, dein G‑tt, bringt dich in ein gutes Land: ein Land mit Wasserbächen,] Quellen und Gewässern“; und im Vers (Schem. 15:5) תְּהֹמֹת יְכַסְיֻמוּ „die Fluten haben sie zugedeckt“.
Hawanat haMikra
Finsternis auf der Tiefe
תְהוֹם ist die Tiefe des Wassers, zu der das Licht niemals vordringt.
Radak, Bechor Schor
und der Geist G‑ttes schwebte
Der Thron Seiner Herrlichkeit stand im Raum und schwebte über dem Wasser durch das Wort G‑ttes und Seinen Befehl, wie eine Taube, die über dem Nest schwebt. Acoveter auf Französisch, „über etwas schweben“.
Raschi
der Geist G‑ttes
רוּחַ אֱלֹהִים hat hier die Bedeutung רָצוֹן „Wille“, חֵפֶץ „Verlangen“, wie im Vers (Bam. 14:24) הָיְתָה רוּחַ אַחֶרֶת עִמּוֹ „[Aber mein Diener Kalew] hatte einen anderen Willen in sich“: der Wille und Wunsch G‑ttes zur Erschöpfung der Welt.
Radak
וַיֹּ֥אמֶר אֱלֹהִ֖ים יְהִ֣י א֑וֹר וַֽיְהִי־אֽוֹר׃
3
3
sagte G‑tt: Es werde Licht! Und es wurde Licht.
Es werde Licht!
Nicht mit Mühe und Anstrengung schuf der Ewige die Welt, sodass es im Vers nicht וְהָיָה אוֹר „und dann wurde Licht“ heißt, sondern וַיְהִי אוֹר „sofort wurde es Licht“.
Bereschit Rabba 3:2
וַיַּ֧רְא אֱלֹהִ֛ים אֶת־הָא֖וֹר כִּי־ט֑וֹב וַיַּבְדֵּ֣ל אֱלֹהִ֔ים בֵּ֥ין הָא֖וֹר וּבֵ֥ין הַחֹֽשֶׁךְ׃
4
4
Und G‑tt sah das Licht, dass es gut war, und G‑tt trennte zwischen Licht und Finsternis.
Und G‑tt sah das Licht, dass es gut war, und G‑tt trennte …
Auch hier sind wir auf die Worte der Aggada angewiesen. G‑tt sah, dass es das Licht nicht verdient habe, von den Bösen gebraucht zu werden, und sonderte das Licht für die Zaddikim in der Künftigen Welt ab (Chagiga 12a).
Nach dem einfachen Sinn erkläre so: Er sah, dass es gut war und es nicht angemessen sei, dass das Licht mit der Finsternis zusammen vermischt gebraucht werde, darum wies Er dem einen sein Gebiet am Tag und dem anderen sein Gebiet in der Nacht zu.
Raschi
Und G‑tt sah das Licht, dass es gut war
כִּי טוֹב „dass es gut war“: Sieht der Mensch den Buchstaben ט (Tet) im Traum, ist es ein gutes Zeichen, denn ab Bereschit, dem ersten Wort in der Torah, kommt der Buchstabe Tet erstmals im Wort tow, „gut“ vor.
Bawa Kama 55a
Und G‑tt sah, dass es gut war
Auch die Dunkelheit hat Vorteile für die Schöpfung, doch sind ihre Vorzüge verdeckt und ihre Nachteile offenbar. Anders beim Licht, dessen Vorzug offenbar ist, wie es heißt (Koh. 11:7) וּמָתוֹק הָאוֹר וְטוֹב לַעֵינַיִם „Süß ist das Licht und wohl tut’s den Augen“. Überall, wo in der Schöpfungsgeschichte der Ausdruck כִּי טוֹב „dass es gut war“ vorkommt, ist die Bedeutung: etwas vollkommen Gutes, dem kein Schlechtes beigemischt ist.
Radak
trennte zwischen Licht und Finsternis
Die Trennung geschah anhand eines eigenen Namens für Licht und Finsternis, wie es im nächsten Vers heißt: „Und G‑tt nannte das Licht – ‚Tag‘ und die Finsternis nannte Er ‚Nacht‘“.
Ibn Esra, Radak
trennte zwischen Licht und Finsternis
וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים „G‑tt ließ durch Sein Wort das Licht entstehen“, וַיַּרְא אֱלֹהִים „und Er hatte weiter den Willen zur Schöpfung“, denn denn sollte der Wille G‑ttes auch nur für einen Augenblick aussetzen, so zerfiele alle Schöpfung zu nichts und wäre, als ob sie nie gewesen.
Ramban
וַיִּקְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ לָאוֹר֙ י֔וֹם וְלַחֹ֖שֶׁךְ קָ֣רָא לָ֑יְלָה וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם אֶחָֽד׃ (פ)
5
5
Und G‑tt nannte das Licht — „Tag“ und die Finsternis nannte Er „Nacht“. Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein Tag.
nannte das Licht … und die Finsternis nannte Er: die Namen „Tag“ und „Nacht“ gab der Ewige dem Licht und der Finsternis.
Saadia Gaon, Raschbam
nannte das Licht … und die Finsternis nannte Er
וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לָאוֹר „Der Ewige rief das Licht“ und teilte ihm den Tag als Wirkungsgebiet zu, „und die Finsternis rief Er“ und teilte ihr die Nacht als Wirkungsgebiet zu.
Ramban, und siehe Bereschit Rabba 3:6, Pessachim 2a
Ein Tag
יוֹם אֶחָד „ein Tag“: nach der Ordnung des Ausdrucks in diesem Abschnitt hätte es heißen müssen „der erste Tag“ (יוֹם רִאשׁוֹן), so wie bei den anderen Tagen steht „der zweite Tag“, „der dritte Tag“, „der vierte Tag“. Warum steht hier אֶחָד (Tag des Einzigen)? Weil an ihm der Ewige in Seiner Welt noch allein war; denn die Engel wurden erst am zweiten Tag erschaffen. So wird in Bereschit Rabba (3:8) erklärt.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים יְהִ֥י רָקִ֖יעַ בְּת֣וֹךְ הַמָּ֑יִם וִיהִ֣י מַבְדִּ֔יל בֵּ֥ין מַ֖יִם לָמָֽיִם׃
6
6
Und G‑tt sagte: Es werde eine Ausdehnung mitten im Wasser und sie trenne zwischen Wasser und Wasser.
Es werde eine Ausdehnung
יְהִי רָקִיעַ „Es werde eine Ausdehnung“ im Sinn von: es werde fest die Ausdehnung. Obwohl der Himmel bereits am ersten Tag erschaffen war, so war er noch flüssig und wurde am zweiten Tag durch das Drohen des Ewigen fest, als Er sagte יְהִי רָקִיעַ „es werde eine Ausdehnung“. Das meint der Vers (Ijow 26:11) עַמּוּדֵי שָׁמַיִם יְרוֹפָפוּ „die Säulen des Himmels wankten“ den ganzen ersten Tag, und am zweiten וְיִתְמְהוּ מִגַּעֲרָתוֹ „erstarrten sie durch Sein Drohen“; wie ein Mensch entsetzt stehen bleibt, wenn ihm jemand droht, der ihm Angst einflößt.
Raschi
Es werde eine Ausdehnung
Die Himmel, die G‑tt schuf, waren noch nicht ausgedehnt, und G‑tt befahl ihnen, sich wie ein Zelt auszudehnen inmitten des Wassers.
Ramban
Die Himmel waren in ihrer Substanz am ersten Tag geschaffen worden, doch am zweiten Tag verlieh G‑tt ihnen Form und dehnte sie aus, wie es heißt יְהִי רָקִיעַ „Es werde eine Ausdehnung“.
Or haChaim
Mit diesem Ausspruch begrenzte G‑tt die Ausdehnung der Himmel auf ein endliches Maß.
Kli Jakar
mitten im Wasser: mitten zwischen den Wassern. Denn es befindet sich ein ebenso großer Abstand zwischen dem Wasser in der Höhe und dem Himmel, wie zwischen dem Himmel und dem Wasser auf der Erde. Daraus kannst du entnehmen, dass das Wasser der Höhe vom Wort des Königs getragen wird.
Raschi
Und G‑tt sagte: Es werde eine Ausdehnung
Die Buchstaben, mit denen der Himmel erschaffen wurde, das heißt der Ausspruch „Es werde eine Ausdehnung“ stehen und verbleiben für immer im Himmel, um ihn jeden Augenblick von Neuem zu beleben und zu erhalten, wie es heißt (Teh. 119:89) לְעוֹלָם ה׳ דְּבָרְךָ נִצָּב בַּשָּׁמָיִם „Für ewig steht, G‑tt, Dein Wort fest im Himmel“. G‑tt ist nicht nur Schöpfer der Welt, Er ist auch in jedem Augenblick der Schaffende der Welt.
Rabbi Israel Baal Schem Tow
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִים֮ אֶת־הָרָקִיעַ֒ וַיַּבְדֵּ֗ל בֵּ֤ין הַמַּ֙יִם֙ אֲשֶׁר֙ מִתַּ֣חַת לָרָקִ֔יעַ וּבֵ֣ין הַמַּ֔יִם אֲשֶׁ֖ר מֵעַ֣ל לָרָקִ֑יעַ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
7
7
Und G‑tt machte die Ausdehnung und trennte zwischen dem Wasser unter der Ausdehnung und dem Wasser über der Ausdehnung; und so wurde es.
Und G‑tt machte die Ausdehnung
וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת הָרָקִיעַ „G‑tt machte die Ausdehnung“, Er stellte die Ausdehnung fertig, darin bestand das Machen. Ähnlich (Dew. 21:12) וְעָשְׂתָה אֶת צִפָּרְנֶיהָ „sie mache ihre Nägel“.
Raschi
„sie mache ihre Nägel“: Der Vers bezieht sich auf eine Frau, die im Krieg gefangen genommen wurde (Ischa Jafat Toar, Dew. 21:10–14). Begehrt der jüdische Krieger sie zur Frau, muss er sie zuerst in sein Haus bringen, wo sie ihren Kopf rasieren und ihre Nägel „machen“ soll. Dies bedeutet offensichtlich nicht, dass sie die Nägel neu erschaffen soll; vielmehr bedeutet es nach einer Meinung, dass sie sie kurz schneiden soll, und nach einer anderen Meinung, dass sie sie wachsen lassen soll (siehe Jewamot 48a). Somit wird der Begriff „machen“ im Sinne von „zurichten“ und „verfeinern“ verwendet.
über dem Raum
Es steht nicht עַל הָרָקִיעַ „auf der Ausdehnung“,
sondern מֵעַל לָרָקִיעַ „oberhalb der Ausdehnung“, weil das Wasser frei schwebt [durch das Wort G‑ttes].

Und warum steht am zweiten Tag nicht „es war gut“? Weil das Werk des Wassers erst am dritten Tag vollendet wurde, am zweiten Tag begann Er es nur. Eine Sache, die nicht vollendet ist, ist nicht in ihrer Vollkommenheit und Güte. Am dritten Tag, als das Werk des Wassers vollendet wurde und Er ein anderes Werk anfing und fertig machte, wiederholt die Torah und sagt zwei Mal כִּי טוֹב, einmal für die Vollendung des Werkes des zweiten Tages, und einmal für die Vollendung des Werkes dieses Tages.
Raschi
und so wurde es
וַיְהִי כֵן „und so wurde es“ seither und wird sich in Ewigkeit nicht ändern.
Radak, Ramban
Die Worte וַיְהִי כֵן beziehen sich auf den Vers danach; וַיְהִי כֵן „Und als es so wurde“, וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לָרָקִיעַ שָׁמָיִם „nannte G‑tt die Ausdehnung Himmel“.
Ibn Esra
וַיִּקְרָ֧א אֱלֹהִ֛ים לָֽרָקִ֖יעַ שָׁמָ֑יִם וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם שֵׁנִֽי׃ (פ)
8
8
Und G‑tt nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — zweiter Tag.
G‑tt nannte die Ausdehnung Himmel
Das Wort שָׁמָיִם „Himmel“ kann erklärt werden als
שָׂא מַיִם „trage Wasser“,

שָׁם מַיִם „dort ist Wasser“,

אֵשׁ וּמַיִם „Feuer und Wasser“, Er mischte sie miteinander und schuf daraus den Himmel. (Chagiga 12a)
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים יִקָּו֨וּ הַמַּ֜יִם מִתַּ֤חַת הַשָּׁמַ֙יִם֙ אֶל־מָק֣וֹם אֶחָ֔ד וְתֵרָאֶ֖ה הַיַּבָּשָׁ֑ה וַֽיְהִי־כֵֽן׃
9
9
Und G‑tt sagte: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort, und sichtbar soll das trockene Land werden; und so wurde es.
Es sammle sich das Wasser
Denn das Wasser war über die Fläche der ganzen Erde ausgebreitet, da sammelte Er es im Ozean, das ist das größte von allen Meeren.
Raschi
וַיִּקְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ לַיַּבָּשָׁה֙ אֶ֔רֶץ וּלְמִקְוֵ֥ה הַמַּ֖יִם קָרָ֣א יַמִּ֑ים וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
10
10
Und G‑tt nannte das Trockene — „Land“, und die Sammlung des Wassers nannte Er — „Meere“; und G‑tt sah, dass es gut war.
nannte Er „Meere“
Es ist doch nur ein Meer? Nur, es gleicht nicht der Geschmack eines Fisches, der in Akko aus dem Meer kommt, dem Geschmack eines Fisches in Spanien.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים תַּֽדְשֵׁ֤א הָאָ֙רֶץ֙ דֶּ֔שֶׁא עֵ֚שֶׂב מַזְרִ֣יעַ זֶ֔רַע עֵ֣ץ פְּרִ֞י עֹ֤שֶׂה פְּרִי֙ לְמִינ֔וֹ אֲשֶׁ֥ר זַרְעוֹ־ב֖וֹ עַל־הָאָ֑רֶץ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
11
11
Und G‑tt sagte: Die Erde bedecke sich mit Pflanzenwuchs, Gewächsen, die Samen bringen, Fruchtbäumen, die Frucht tragen, jeder nach seiner Art, in denen ihr Same ist, auf der Erde; und so wurde es.
Die Erde bedecke sich mit Pflanzenwuchs
תַּדְשֵׁא הָאָרֶץ דֶּשֶׁא עֵשֶׂב „Die Erde bedecke sich mit Pflanzenwuchs, Gewächsen“. Das Wort דֶּשֶׁא ist nicht gleichbedeutend mit עֵשֶׂב, und עֵשֶׂב ist nicht gleichbedeutend mit דֶּשֶׁא, und der Ausdruck des Verses hätte nicht lauten dürfen תַּעֲשִׂיב הָאָרֶץ, denn die Arten des Pflanzenwuchses (דֶּשֶׁא) sind voneinander verschieden und jedes für sich wird das und das Gewächs (עֵשֶׂב) genannt. Man könnte auch nicht sagen, der und der Pflanzenwuchs (דֶּשֶׁא); denn unter דֶּשֶׁא versteht man das Kleid der Erde, wenn sie mit Pflanzenwuchs überzogen ist.
Raschi
bedecke sich mit Pflanzenwuchs
תַּדְשֵׁא הָאָרֶץ, fülle sich die Erde und hülle sich in ein Kleid von Pflanzen. Auf Französisch wird דֶּשֶׁא als erbediz übersetzt, „Pflanzenwuchs“, alles durcheinander; jedes Gewächs für sich aber heißt עֵשֶׂב.
Raschi
Samen bringen
מַזְרִיעַ זֶרַע „Samen bringen“: es wachse sein Samen in ihm, um davon an einer anderen Stelle zu säen.
Raschi
Fruchtbaum
עֵץ פְּרִי „Fruchtbaum“: [עֵץ „Baum“ und פְּרִי „Frucht“ lehrt,] dass der Geschmack des Baumes dem Geschmack der Frucht gleiche. Die Erde aber tat nicht so, sondern brachte nur Bäume hervor, die zwar Früchte trugen, deren Holz selbst aber nicht wie die Frucht schmeckte. Als nun der Mensch wegen seiner Sünde verflucht wurde, wurde auch sie für ihre eigene Schuld heimgesucht, [nicht Bäume hervorgebracht zu haben, deren Holz wie der Geschmack der Frucht ist,] und verflucht.
Raschi
in denen ihr Samen ist
Das sind die Kerne in den Früchten, aus denen, wenn man sie einpflanzt, wieder ein Baum hervorgeht.
Raschi
וַתּוֹצֵ֨א הָאָ֜רֶץ דֶּ֠שֶׁא עֵ֣שֶׂב מַזְרִ֤יעַ זֶ֙רַע֙ לְמִינֵ֔הוּ וְעֵ֧ץ עֹֽשֶׂה־פְּרִ֛י אֲשֶׁ֥ר זַרְעוֹ־ב֖וֹ לְמִינֵ֑הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
12
12
Und die Erde ließ Pflanzenwuchs hervorgehen, Gewächs, das nach seiner Art Samen bringt, und fruchttragende Bäume, in denen Samen nach ihrer Art ist. Und G‑tt sah, dass es gut war.
Und die Erde ließ Pflanzenwuchs hervorgehen
Wenn auch bei dem Befehl, der an die einzelnen Gewächse erging, nicht לְמִינֵהוּ „nach seiner Art“ steht, so hörten sie, wie das den Bäumen befohlen wurde, da wandten sie auf sich den Schluss vom Leichten aufs Schwere an, wie das in der Aggada von Chulin (60a) erklärt wird.
Raschi
Als der Ewige sagte (V. 11) עֵץ פְּרִי עֹשֶׂה פְּרִי לְמִינוֹ „Fruchtbäume, die Frucht tragen, jeder nach seiner Art“, folgerten die Gewächse für sich selbst: wäre dem Ewigen ein Durcheinander erwünscht, so würde Er ja bezüglich der Bäume nicht gesagt haben לְמִינוֹ „nach seiner Art“. Auch ist ein Schluss vom Leichten aufs Schwere (קַל וָחֹמֶר) anzuwenden: wenn der Ewige hinsichtlich der Bäume, deren Art es nicht ist, durcheinander hervorzukommen, gesagt hat לְמִינוֹ „nach seiner Art“, um wieviel mehr gilt das von uns als zahlreiche und dicht zusammenstehende Gewächse, dass wir uns vor Vermischung zu hüten haben.
Chulin 60a
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם שְׁלִישִֽׁי׃ (פ)
13
13
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — dritter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים יְהִ֤י מְאֹרֹת֙ בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמַ֔יִם לְהַבְדִּ֕יל בֵּ֥ין הַיּ֖וֹם וּבֵ֣ין הַלָּ֑יְלָה וְהָי֤וּ לְאֹתֹת֙ וּלְמ֣וֹעֲדִ֔ים וּלְיָמִ֖ים וְשָׁנִֽים׃
14
14
Und G‑tt sagte: Es seien Lichtkörper in der Ausdehnung des Himmels, um zwischen Tag und Nacht zu trennen. Und sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre.
Es seien Lichtkörper
Sie waren schon am ersten Tag erschaffen worden (Chagiga 12a), am vierten Tag befahl Er ihnen, im Raum zu schweben. Ebenso wurden alle Geschöpfe des Himmels und der Erde schon am ersten Tag erschaffen und jedes an dem bestimmten Tag in sein Amt eingesetzt. [Darauf weist das Wort אֵת vor הַשָּׁמַיִם und vor הָאָרֶץ hin (Ber. 1:1),] אֵת הַשָּׁמַיִם fügt die Geschöpfe des Himmels hinzu, וְאֵת הָאָרֶץ fügt die Geschöpfe der Erde hinzu.
Raschi
Es seien Lichtkörper
יְהִי מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben ו (Waw) geschrieben, wie מְאֵרָה „Verwünschung“, weil dieser Tag die Gefahr mit sich bringt, dass eine gefährliche Halskrankheit (אַסְכָּרָה) die Kinder befällt, wie wir lernen (Taanit 27b): Am vierten Tag der Woche fasteten sie, dass nicht das Halsleiden die Kinder befalle.
Raschi
Es seien Lichtkörper
יְהִי מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben Waw geschrieben, wie מְאֵרָה „Verwünschung“, denn alle Geschöpfe, alle Taten und Geschehnisse unter der Sonne enthalten Schmerz und Leiden, sind bedingt und vergänglich, weil sie der Zeit unterliegen.
Kli Jakar
מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben Waw geschrieben, um zu lehren: Einzig die Sonne wurde zum Leuchten erschaffen. Der Mond hingegen wurde erschaffen, damit die Sonne nicht der einzige Himmelskörper sei und von den Menschen angebetet werde.
Baal haTurim
מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben Waw geschrieben, um zu lehren: Einzig die Sonne wurde zum Leuchten erschaffen. Der Mond hingegen wurde erschaffen, um das Datum festzulegen. Deshalb lässt sich das Wort als Einzahl מְאֹרַת lesen.
Chiskuni
um zwischen Tag und Nacht zu trennen: nachdem das erste Licht verborgen war. Aber in den sieben (sechs) Tagen der Schöpfung dienten das erste Licht und die erste Finsternis miteinander, das eine am Tag und das andere bei Nacht.
Raschi
sie seien Zeichen
Wenn die Lichter verdunkelt werden, ist es ein böses Zeichen für die Welt. So heißt es (Jirm. 10:2) וּמֵאוֹתוֹת הַשָּׁמַיִם אַל תֵּחָתּוּ „vor den Zeichen des Himmels zittere nicht“. Wenn ihr den Willen des Ewigen erfüllt, braucht ihr euch nicht vor den Strafen zu fürchten (Sukka 29a).
Raschi
für Zeiten
Das bezieht sich auf die Zukunft. Dem Volk Israel sollen die Festzeiten befohlen werden, und diese werden nach dem Eintritt des Neumondes gezählt.
Raschi
für Tage
Der Dienst der Sonne die Hälfte des Tages und der Dienst des Mondes die andere Hälfte, das ergibt einen ganzen Tag.
Raschi
und für Jahre
Nach 365 ¼ Tagen haben sie ihren Weg durch die zwölf Sternbilder vollendet, das ist ein Jahr. Dann beginnen sie von Neuem im Kreis zu wandeln, gleich ihrer ersten Bahn.
Raschi
וְהָי֤וּ לִמְאוֹרֹת֙ בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמַ֔יִם לְהָאִ֖יר עַל־הָאָ֑רֶץ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
15
15
Und sie sollen als Lichtträger in der Ausdehnung des Himmels auf die Erde leuchten; und so wurde es.
als Lichtträger
Auch noch dazu sollen sie dienen, die Welt zu erleuchten.
Raschi
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִ֔ים אֶת־שְׁנֵ֥י הַמְּאֹרֹ֖ת הַגְּדֹלִ֑ים אֶת־הַמָּא֤וֹר הַגָּדֹל֙ לְמֶמְשֶׁ֣לֶת הַיּ֔וֹם וְאֶת־הַמָּא֤וֹר הַקָּטֹן֙ לְמֶמְשֶׁ֣לֶת הַלַּ֔יְלָה וְאֵ֖ת הַכּוֹכָבִֽים׃
16
16
Und G‑tt machte die beiden großen Lichtkörper — den größeren zur Herrschaft des Tages, und den kleineren zur Herrschaft der Nacht, und die Sterne.
die beiden großen Lichtkörper
Sie wurden beide gleich groß erschaffen, und dann wurde der Mond verkleinert, weil er anklagte und sagte, es ist nicht möglich, dass zwei Könige sich ein und dieselbe Krone teilen (Chulin 60a).
Raschi
und die Sterne: weil Er den Mond verkleinerte, vermehrte Er seine Heerschar, um ihn zu beruhigen.
Raschi
וַיִּתֵּ֥ן אֹתָ֛ם אֱלֹהִ֖ים בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמָ֑יִם לְהָאִ֖יר עַל־הָאָֽרֶץ׃
17
17
Und G‑tt stellte sie in die Ausdehnung des Himmels, um auf die Erde zu leuchten,
וְלִמְשֹׁל֙ בַּיּ֣וֹם וּבַלַּ֔יְלָה וּֽלֲהַבְדִּ֔יל בֵּ֥ין הָא֖וֹר וּבֵ֣ין הַחֹ֑שֶׁךְ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
18
18
und am Tag und in der Nacht zu herrschen und zu trennen zwischen dem Licht und der Finsternis; und G‑tt sah, dass es gut war.
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם רְבִיעִֽי׃ (פ)
19
19
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — vierter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים יִשְׁרְצ֣וּ הַמַּ֔יִם שֶׁ֖רֶץ נֶ֣פֶשׁ חַיָּ֑ה וְעוֹף֙ יְעוֹפֵ֣ף עַל־הָאָ֔רֶץ עַל־פְּנֵ֖י רְקִ֥יעַ הַשָּׁמָֽיִם׃
20
20
Und G‑tt sagte: Es wimmle das Wasser von wimmelnden Lebewesen, und der Vogel fliege über der Erde an der Weite des Himmels.
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – שֶׁיְּהֵא בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
wimmelnd
שֶׁרֶץ „Kriechtier“. Jedes Tier, das sich nicht über die Erde erhebt, wird שֶׁרֶץ genannt. Unter den Vögeln Fliegen, unter den Kriechtieren Ameisen, Käfer und Würmer und unter größeren Tieren Wiesel, Mäuse und Schnecken und dergleichen und alle Fische.
Raschi
וַיִּבְרָ֣א אֱלֹהִ֔ים אֶת־הַתַּנִּינִ֖ם הַגְּדֹלִ֑ים וְאֵ֣ת כָּל־נֶ֣פֶשׁ הַֽחַיָּ֣ה ׀ הָֽרֹמֶ֡שֶׂת אֲשֶׁר֩ שָׁרְצ֨וּ הַמַּ֜יִם לְמִֽינֵהֶ֗ם וְאֵ֨ת כָּל־ע֤וֹף כָּנָף֙ לְמִינֵ֔הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
21
21
Und G‑tt schuf die großen Seetiere und alle Lebewesen, die sich bewegen, von denen das Wasser wimmelt, jedes nach seiner Art, und jeden geflügelten Vogel nach seiner Art; und G‑tt sah, dass es gut war.
die großen Seetiere
הַתַּנִּינִם, die großen Fische im Meer.
Und nach den Worten der Aggada (Bawa Batra 74b) sind das der Leviathan und sein Weibchen. Er erschuf sie, Männchen und Weibchen, aber Er tötete das Weibchen und bewahrte sein Fleisch für die Zaddikim in der Künftigen Welt auf. Denn wenn sie sich fortgepflanzt und vermehrt hätten, so hätte die Welt nicht vor ihnen bestehen können. So steht im Vers הַתַּנִּינִם (Bawa Batra 74b).
Raschi
Das erklärt, warum das Wort הַתַּנִּינִם in der Mehrzahl steht, aber ohne den Buchstaben Jud erscheint, der in der Mehrzahl vor dem schließenden Buchstaben Mem stehen müsste (הַתַּנִּינִים). Das ist ein Hinweis darauf, dass G‑tt zwar anfangs zwei von ihnen erschuf, was durch die Mehrzahlform in der Aussprache angedeutet wird, Er jedoch eines der beiden Tiere tötete und somit nur ein einziger Leviathan am Leben blieb.
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – נֶפֶשׁ שֶׁיֵּשׁ בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
וַיְבָ֧רֶךְ אֹתָ֛ם אֱלֹהִ֖ים לֵאמֹ֑ר פְּר֣וּ וּרְב֗וּ וּמִלְא֤וּ אֶת־הַמַּ֙יִם֙ בַּיַּמִּ֔ים וְהָע֖וֹף יִ֥רֶב בָּאָֽרֶץ׃
22
22
Und G‑tt segnete sie und sagte: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt das Wasser in den Meeren, und der Vogel soll sich auf der Erde mehren.
segnete sie
Weil der Mensch sie vermindert, indem er von ihnen fängt und isst, mussten sie gesegnet werden. Auch das Wild (חַיּוֹת) hätte den Segen gebraucht. Nur wegen der Schlange, die später verflucht wurde, darum segnete Er das Wild nicht, damit sich der Segen nicht auf sie erstrecke.
Raschi
Seid fruchbar
Das Wort פְּרוּ kommt von פְּרִי „Frucht“, das heißt, „bringt Früchte hervor“.
Raschi
und mehrt euch
וּרְבוּ „und mehrt euch“. Wenn Er nur gesagt hätte פְּרוּ „seid fruchtbar“, dann hätte eins immer nur eins und nicht mehr gezeugt. Darum kommt „mehrt euch“, dass eins viele zeuge.
Raschi
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם חֲמִישִֽׁי׃ (פ)
23
23
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — fünfter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים תּוֹצֵ֨א הָאָ֜רֶץ נֶ֤פֶשׁ חַיָּה֙ לְמִינָ֔הּ בְּהֵמָ֥ה וָרֶ֛מֶשׂ וְחַֽיְתוֹ־אֶ֖רֶץ לְמִינָ֑הּ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
24
24
Und G‑tt sagte: Es bringe die Erde lebende Wesen hervor, ein jedes nach seiner Art. Vieh, Würmer und Tiere des Landes nach ihrer Art. Und so wurde es.
Es bringe die Erde hervor
Das ist, was ich (zuvor, Vers 14) erklärt habe: alles war schon am ersten Tag erschaffen und hatte nur nötig, dass man es herausbringe.
Raschi
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – שֶׁיֵּשׁ בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
Würmer
רֶמֶשׂ „Kriechtiere“, das sind die niedrigen Kriechtiere, die sich auf der Erde bewegen, die aussehen, als würden sie geschleift, weil ihr Gehen nicht bemerkt wird. Überall, wo רֶמֶשׂ oder שֶׁרֶץ vorkommt, können wir übersetzen mit „sich regen“, conmovres auf Französisch.
Raschi
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִים֩ אֶת־חַיַּ֨ת הָאָ֜רֶץ לְמִינָ֗הּ וְאֶת־הַבְּהֵמָה֙ לְמִינָ֔הּ וְאֵ֛ת כָּל־רֶ֥מֶשׂ הָֽאֲדָמָ֖ה לְמִינֵ֑הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
25
25
Und G‑tt machte die Wildtiere des Landes und das Vieh, und alle Würmer des Erdbodens nach ihrer Art. Und G‑tt sah, dass es gut war.
machte
G‑tt bildete sie in ihrer Schönheit und ausgewachsenen Gestalt (Chulin 60a).
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים נַֽעֲשֶׂ֥ה אָדָ֛ם בְּצַלְמֵ֖נוּ כִּדְמוּתֵ֑נוּ וְיִרְדּוּ֩ בִדְגַ֨ת הַיָּ֜ם וּבְע֣וֹף הַשָּׁמַ֗יִם וּבַבְּהֵמָה֙ וּבְכָל־הָאָ֔רֶץ וּבְכָל־הָרֶ֖מֶשׂ הָֽרֹמֵ֥שׂ עַל־הָאָֽרֶץ׃
26
26
Und G‑tt sagte: Wir wollen einen Menschen machen in Unserer Erscheinung, in Ähnlichkeit mit Uns, damit die Menschen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh und über die ganze Erde und über alle Würmer, die sich auf der Erde bewegen.
Und G‑tt sagte
וַאֲמַר ה׳ לְמַלְאָכַיָא „Und G‑tt sagte zu den Engeln …“.
Targum Jonathan
Wir wollen machen
Die g‑ttliche Eigenschaft der Barmherzigkeit (מִדַּת רַחֲמִים) und die Eigenschaft des Gerichts (מִדַּת הַדִּין) stimmten gemeinsam zu, den Menschen zu schaffen.
Or haChaim
Wir wollen einen Menschen machen
Die Zurückhaltung G‑ttes lernen wir von hier. Weil der Mensch den Engeln gleicht, könnten sie ihn beneiden, darum beriet Er sich mit den Engeln. Auch wenn Er die Könige richtet, berät Er sich mit Seiner Umgebung.
So finden wir bei Achaw, dass Micha zu ihm sagte (1 Kön. 22:19) רָאִיתִי אֶת ה׳ יוֹשֵׁב עַל כִּסְאוֹ וְכָל צְבָא הַשָּׁמַיִם עוֹמֵד עָלָיו מִימִינוֹ וּמִשְּׂמֹאלוֹ „ich sah den Ewigen, auf dem Thron sitzend, und alles Heer des Himmels stand um Ihn zur Seiner Rechten und zu Seiner Linken“. Gibt es denn rechts und links vor Ihm? Nur, die zur Rechten sind die Verteidiger, und die zur Linken sind die Ankläger.

Ebenso (Dan. 4:14) בִּגְזֵרַת עִירִין פִּתְגָמָא, וּמֵאמַר קַדִּישִׁין שְׁאֵלְתָּא „durch das Urteil der Engel besteht das Wort und durch den Ausspruch der Heiligen der Befehl“. Auch hier beriet Er sich mit Seiner Umgebung und ließ sich ihre Zustimmung geben, indem Er zu ihnen sagte: Im Himmel sind Geschöpfe, die Mir gleichen. Sollten auf der Erde nicht solche sein, die Mir gleichen, so entsteht Neid im Schöpfungswerk (Sanh. 38b).
Raschi
Wir wollen einen Menschen machen
נַעֲשֶׂה אָדָם „Wir wollen einen Menschen machen“: Obwohl sie Ihm bei Seiner Entscheidung nicht halfen und der Ausdruck „Wir wollen einen Menschen machen“ Anlass für die Ungläubigen zu einem Angriff auf die Torah sein könnte, hielt sich die Torah dennoch nicht zurück, Anstand und Demut zu lehren, auch der Große berate sich mit dem Kleinen und hole seine Zustimmung ein.
Würde im Vers stehen אֶעֱשֶׂה אָדָם „Ich will einen Menschen machen“, so könnten wir nicht daraus entnehmen, dass Er zu Seinem Gerichtshof sprach (בֵּית דִּין), sondern zu sich selbst. Als Antwort gegen die Ungläubigen steht gleich im nächsten Vers וַיִּבְרָא אֱלֹהִים אֶת הָאָדָם „G‑tt erschuf den Menschen“, und es heißt nicht „sie erschufen“.
Raschi
in Unserer Erscheinung
בְּצַלְמֵנוּ – בִּדְפוּס שֶׁלָּנוּ, in unserer Erscheinung.
Raschi
Erscheinung“ bezieht sich nicht auf G‑tt selbst, denn G‑tt hat kein Abbild und keine Gestalt, wie es heißt (Dew. 4:12) וּתְמוּנָה אֵינְכֶם רֹאִים „Gestalt saht ihr nicht“, sondern auf die Erscheinung, die den Propheten erscheint, wenn sie G‑tt schauen.
Misrachi, Sifte Chachamim
in Ähnlichkeit mit Uns: zu unterscheiden und zu verstehen.
Raschi
damit die Menschen herrschen
Der Ausdruck וְיִרְדּוּ kann „Herrschaft“ (רִדּוּי), aber auch „Sinken“ (יְרִידָה) bedeuten. Ist der Mensch würdig, dann herrscht er über die wilden und die zahmen Tiere. Ist er nicht würdig, dann wird er ihnen unterworfen, und das Tier herrscht über ihn.
Raschi
וַיִּבְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ אֶת־הָֽאָדָם֙ בְּצַלְמ֔וֹ בְּצֶ֥לֶם אֱלֹהִ֖ים בָּרָ֣א אֹת֑וֹ זָכָ֥ר וּנְקֵבָ֖ה בָּרָ֥א אֹתָֽם׃
27
27
Und G‑tt alleine schuf den Menschen in Seiner Erscheinung, in der Erscheinung G‑ttes schuf Er den Menschen; männlich und weiblich schuf Er sie.
schuf
Das Verb וַיִּבְרָא weist auf eine höhere Stufe und damit die Erschaffung der Seele; anders als das Verb וַיִּיצֶר im Vers (Ber. 2:7) וַיִּיצֶר ה׳ אֱלֹהִים אֶת הָאָדָם עָפָר מִן הָאֲדָמָה „Und G‑tt, der Ewige, bildete den Menschen aus Staub vom Erdboden“, das die Erschaffung des Körpers beschreibt.
Radak
in Seiner Erscheinung
בְּצַלְמוֹ – בִּדְפוּס הֶעָשׂוּי לוֹ „in Seinem Ebenbild“: in der Form, die für ihn gebildet war. Alles wurde durch das Wort erschaffen, der Mensch aber durch die Hände, so heißt es (Teh. 139:5) וַתָּשֶׁת עָלַי כַּפֶּכָה „Du legst auf mich Deine Hand“, er wurde mit einem Siegel geformt wie eine Münze unter dem Stempel, den man Prägstock nennt (coin auf Französisch). So sagt auch der Vers (Ijow 38:14) תִּתְהַפֵּךְ כְּחוֹמֶר חוֹתָם „(die Erde) wandelt sich wie Ton unter dem Siegel“ (Sanh. 38a).
Raschi
in der Erscheinung G‑ttes
צֶלֶם אֱלֹקִים „in der Erscheinung G‑ttes“ ist die freie Entscheidung zwischen Gut und Böse, die jeder Mensch besitzt.
Meschech Chochma
in der Erscheinung G‑ttes schuf Er
Der Vers erklärt dir: die Form, die für ihn bereitet wurde, gleicht der Erscheinung seines Schöpfers.
Raschi
männlich und weiblich erschuf Er sie
Weiter aber heißt es (Ber. 2:21) וַיִּקַּח אַחַת מִצַּלְעוֹתָיו „Er nahm eine von seinen Seiten …“. Der Midrasch erklärt das: Er erschuf ihn bei seiner ersten Erschaffung mit doppeltem Angesicht, und dann teilte Er ihn (Bereschit Rabba 8:1).
Der einfache Sinn des Verses ist, hier teilt er dir mit, dass beide am sechsten Tag erschaffen wurden, und erklärt dir noch nicht, wie sie erschaffen wurde, das erklärt er dir an einer anderen Stelle.
Raschi
וַיְבָ֣רֶךְ אֹתָם֮ אֱלֹהִים֒ וַיֹּ֨אמֶר לָהֶ֜ם אֱלֹהִ֗ים פְּר֥וּ וּרְב֛וּ וּמִלְא֥וּ אֶת־הָאָ֖רֶץ וְכִבְשֻׁ֑הָ וּרְד֞וּ בִּדְגַ֤ת הַיָּם֙ וּבְע֣וֹף הַשָּׁמַ֔יִם וּבְכָל־חַיָּ֖ה הָֽרֹמֶ֥שֶׂת עַל־הָאָֽרֶץ׃
28
28
Und G‑tt segnete sie und sagte zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und bezwingt sie, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde bewegen.
und bezwingt sie
Das Wort וְכִבְשֻׁהָ ist ohne den Buchstaben ו (Waw) geschrieben [Einzahl, „bezwinge sie“], um zu lehren, dass der Mann die Frau beherrsche, dass sie nicht ständig das Haus verlasse. Und weiter um dich zu lehren, dass der Mann, dessen Art ist zu herrschen, zur Fortpflanzung verpflichtet ist, und nicht die Frau (Jewamot 65b).
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים הִנֵּה֩ נָתַ֨תִּי לָכֶ֜ם אֶת־כָּל־עֵ֣שֶׂב ׀ זֹרֵ֣עַ זֶ֗רַע אֲשֶׁר֙ עַל־פְּנֵ֣י כָל־הָאָ֔רֶץ וְאֶת־כָּל־הָעֵ֛ץ אֲשֶׁר־בּ֥וֹ פְרִי־עֵ֖ץ זֹרֵ֣עַ זָ֑רַע לָכֶ֥ם יִֽהְיֶ֖ה לְאָכְלָֽה׃
29
29
Und G‑tt sagte: Hier, Ich gebe euch alles Gewächs, das Samen trägt, auf der Fläche der ganzen Erde, und alle Bäume, an denen Baumfrucht die Samen trägt; für euch soll es zum Essen sein.
(29—30) für euch soll es zum Essen sein, Und allen Tieren des Landes
Die Torah hat ihnen die zahmen und die wilden Tiere in der Ernährung gleichgestellt und dem Menschen und seiner Frau nicht erlaubt, ein Geschöpf zu töten, um sein Fleisch zu essen, sondern alle ohne Ausnahme sollten allerlei grüne Gewächse essen. Erst als die Söhne Noachs kamen, erlaubte Er ihnen das Fleisch, so heißt es (Ber. 9:3) כָּל רֶמֶשׂ אֲשֶׁר הוּא חַי לָכֶם יִהְיֶה לְאָכְלָה כְּיֶרֶק עֵשֶׂב נָתַתִּי לָכֶם אֶת כֹּל „alles, was sich regt, was da lebt: gleich den grünen Gewächsen“, die Ich dem ersten Menschen erlaubt habe, „gebe Ich euch alles“ (Sanh. 59b).
Raschi
וּֽלְכָל־חַיַּ֣ת הָ֠אָרֶץ וּלְכָל־ע֨וֹף הַשָּׁמַ֜יִם וּלְכֹ֣ל ׀ רוֹמֵ֣שׂ עַל־הָאָ֗רֶץ אֲשֶׁר־בּוֹ֙ נֶ֣פֶשׁ חַיָּ֔ה אֶת־כָּל־יֶ֥רֶק עֵ֖שֶׂב לְאָכְלָ֑ה וַֽיְהִי־כֵֽן׃
30
30
Und Ich gebe allen Tieren des Landes und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde bewegt, worin eine Lebensseele ist — alles grüne Gewächs zum Essen; und so wurde es.
וַיַּ֤רְא אֱלֹהִים֙ אֶת־כָּל־אֲשֶׁ֣ר עָשָׂ֔ה וְהִנֵּה־ט֖וֹב מְאֹ֑ד וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם הַשִּׁשִּֽׁי׃ (פ)
31
31
Und G‑tt sah alles, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — der sechste Tag.
der sechste Tag
Der Vers hat zu dem Wort שִּׁשִּׁי bei der Vollendung der Schöpfung den Buchstaben ה [mit dem Zahlenwert 5] dazugegeben (יוֹם הַשִּׁשִּׁי), um zu sagen: Er machte für sie zur Bedingung, dass Israel die fünf Bücher der Torah auf sich nehme.
Noch eine Erklärung: יוֹם הַשִּׁשִּׁי, alles blieb in der Schwebe bis zum sechsten Tag, das ist der 6. Siwan, der zum Geben der Torah bestimmt war (Schabbat 88a). (Andere Version: Als am 6. Siwan Israel die Torah annahm, wurde das ganze Schöpfungswerk befestigt und betrachtet, als ob jetzt die Welt erschaffen worden wäre. Das bedeutet יוֹם הַשִּׁשִּׁי „der sechste Tag“, weil jener Tag der 6. Siwan war.)
Raschi
וַיְכֻלּ֛וּ הַשָּׁמַ֥יִם וְהָאָ֖רֶץ וְכָל־צְבָאָֽם׃
1
1
So wurden vollendet Himmel und Erde mit all ihrer Schar.
וַיְכַ֤ל אֱלֹהִים֙ בַּיּ֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י מְלַאכְתּ֖וֹ אֲשֶׁ֣ר עָשָׂ֑ה וַיִּשְׁבֹּת֙ בַּיּ֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י מִכָּל־מְלַאכְתּ֖וֹ אֲשֶׁ֥ר עָשָֽׂה׃
2
2
Und G‑tt hatte am siebten Tag Sein Werk vollendet, das Er gemacht hatte, und ruhte am siebten Tag von Seinem ganzen Werk, das Er gemacht hatte.
Und G‑tt hatte am siebten Tag Sein Werk vollendet
Rabbi Schimon sagt: Die Menschen, die ihre Zeiten und Augenblicke nicht genau kennen, müssen von Unheiligen zum Heiligen hinzufügen. Der Ewige aber, weil Er Seine Zeiten und Augenblicke genau kennt, trat in den siebten Tag mit Haaresbreite [d.h. ohne Übergang] ein, sodass es aussah, als hätte Er erst an ihm selbst vollendet.
Andere Erklärung: Was fehlte noch der Welt? Die Ruhe. Der Schabbat kam und mit ihm die Ruhe, da war das Werk zu Ende und vollendet.
Raschi
וַיְבָ֤רֶךְ אֱלֹהִים֙ אֶת־י֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י וַיְקַדֵּ֖שׁ אֹת֑וֹ כִּ֣י ב֤וֹ שָׁבַת֙ מִכָּל־מְלַאכְתּ֔וֹ אֲשֶׁר־בָּרָ֥א אֱלֹהִ֖ים לַעֲשֽׂוֹת׃ (פ)
3
3
Und G‑tt segnete den siebten Tag und heiligte ihn. Denn an ihm ruhte G‑tt von allem Werk, das Er erschaffen und gemacht hatte.
segnete und heiligte
„G‑tt segnete“ den Schabbat durch das Man, denn alle Tage der Woche kam für sie ein Omer pro Person vom Himmel, und am sechsten Tag doppeltes Brot [לֶחֶם מִשְׁנֶה, zwei Omer pro Person]. „G‑tt heiligte“ den Schabbat durch das Man, denn am Schabbat kam überhaupt kein Man herab. Der Vers bezieht sich auf die Zukunft.
Raschi
Und G‑tt segnete und heiligte
An den Werktagen ist der Tag für die Arbeit und die Nacht für die Ruhe bestimmt.
Am Schabbat aber gilt: Bezüglich der Arbeit ist er ein Tag vollkommener Ruhe, hinsichtlich des Torahlernens jedoch ein Tag voller Arbeit. Deshalb steht beim Schabbat, im Unterschied zu den übrigen Tagen, nicht וַיְהִי עֶרֶב וַיְהִי בֹקֶר „es wurde Abend, und es wurde Morgen“.
Kli Jakar
das Er erschaffen und gemacht hatte
אֲשֶׁר בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת „das Er erschaffen und gemacht hatte“: das Werk, das am Schabbat hätte erschaffen werden sollen, vollbrachte Er durch eine doppelte Schöpfung schon am sechsten, wie in Bereschit Rabba (11:9) erklärt wird.
Raschi
אֵ֣לֶּה תוֹלְד֧וֹת הַשָּׁמַ֛יִם וְהָאָ֖רֶץ בְּהִבָּֽרְאָ֑ם בְּי֗וֹם עֲשׂ֛וֹת יְהוָ֥ה אֱלֹהִ֖ים אֶ֥רֶץ וְשָׁמָֽיִם׃
4
4
Das sind die Geschöpfe von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden, am Tag, als G‑tt, der Ewige, Erde und Himmel schuf.
Das: die zuvor genannten Geschöpfe,
sind die Geschöpfe von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden, am Tag, als G‑tt schuf: das lehrt dich, dass alle am ersten Tag erschaffen wurden.
Andere Erklärung: בְּהִבָּרְאָם – בְּהֵ״א בְּרָאָם, Er erschuf sie mit dem Buchstaben des G‑ttesnamens יָהּ, wie es heißt (Jesch. 26:4) בְּיָהּ ה׳ צוּר עוֹלָמִים „Mit יָהּ (J‑H) schuf der Ewige Welten“. Mit diesen beiden Buchstaben des G‑ttesnamens (י und ה) erschuf Er die zwei Welten (Menachot 29b). Und hier wird gelehrt, dass diese Welt mit dem Buchstaben ה erschaffen wurde. (Andere Version: eine Andeutung, wie der Buchstabe ה unten offen ist, so ist die Welt für diejenigen offen, die in Teschuwa zurückkehren. Und die Künftige Welt ist mit dem Buchstaben י erschaffen, um zu sagen, dass die Zaddikim in jener Zeit gering an Zahl sein werden wie ein י, der kleinste Buchstabe.) Eine Andeutung, dass die Geschöpfe dieser Welt in die Tiefe sinken, das Grab zu schauen, wie der Buchstabe ה, der von allen Seiten geschlossen und unten offen ist, dass sie dort hinabsinken.
Raschi
die zuvor genannten Geschöpfe: Das macht deutlich, dass der vorliegende Vers kein neues Thema einleitet, sondern eine Zusammenfassung und Fortsetzung des vorherigen Abschnitts ist.
die Geschöpfe von Himmel und Erde: die Himmelskörper sowie die Pflanzen und Tiere auf der Erde.
dass alle am ersten Tag erschaffen wurden: Auch die Abkömmlinge von Himmel und Erde wurden am ersten Tag erschaffen, aber noch nicht vollendet. Erst im Verlauf der sechs Schöpfungstage erhielten sie ihre endgültige Form.
die Geschöpfe von Himmel und Erde
G‑tt erschuf Himmel und Erde und befahl ihnen, weitere Geschöpfe hervorzubringen. So wird gelehrt לַכֹּל יֵשׁ תּוֹלָדוֹת „Alles hat seine Abkömmlinge“ (Bereschit Rabba 12:7).
Radak
וְכֹ֣ל ׀ שִׂ֣יחַ הַשָּׂדֶ֗ה טֶ֚רֶם יִֽהְיֶ֣ה בָאָ֔רֶץ וְכָל־עֵ֥שֶׂב הַשָּׂדֶ֖ה טֶ֣רֶם יִצְמָ֑ח כִּי֩ לֹ֨א הִמְטִ֜יר יְהוָ֤ה אֱלֹהִים֙ עַל־הָאָ֔רֶץ וְאָדָ֣ם אַ֔יִן לַֽעֲבֹ֖ד אֶת־הָֽאֲדָמָֽה׃
5
5
Und alle Sträucher des Feldes waren noch nicht auf der Erde, und das Gewächs des Feldes wuchs noch nicht. Denn G‑tt, der Ewige, hatte es noch nicht auf der Erde regnen lassen, und der Mensch war noch nicht da, um die Erde zu bearbeiten.
waren noch nicht auf der Erde
Überall, wo טֶרֶם in der Torah vorkommt, bedeutet es „noch nicht“ und nicht „zuerst“. Es gibt davon keine Verbalform הִטְרִים, wie man הִקְדִּים sagt. Das beweist unser Vers, und weiters (Schem. 9:30) כִּי טֶרֶם תִּירְאוּן „denn ihr fürchtet euch noch nicht“. Und auch unsere Stelle erkläre so: war noch nicht auf der Erde, als die Erschaffung der Welt am sechsten Tag vollendet war, bevor der Mensch erschaffen war. Und das Gewächs des Feldes wuchs noch nicht: es war noch nicht gewachsen. Dass es aber am dritten Tag heißt וַתּוֹצֵא הָאָרֶץ „die Erde soll hervorbringen“, da kamen sie noch nicht hervor, sondern blieben am Ausgang aus dem Boden stehen bis zum sechsten Tag.
Raschi
Denn G‑tt hatte es noch nicht regnen lassen
Und warum hatte Er nicht regnen lassen? Weil der Mensch noch nicht da war, den Erdboden zu bebauen, und keiner die Wohltat des Regens erkannte. Als aber der Mensch kam und einsah, dass der Regen für die Welt nötig war, bat er um ihn, und er fiel herab, und die Bäume und Gräser wuchsen (Chulin 60b).
Raschi
G‑tt, der Ewige
ה׳ אֱלֹהִים „G‑tt, der Ewige“. ה׳ „G‑tt“ ist Sein Name, אֱלֹהִים „Ewiger“ bedeutet, Er ist der Richter und der Herrscher über Alles. Das Namenspaar ה׳ אֱלֹהִים „G‑tt, der Ewige“ nach dem einfachen Sinn (פְּשׁוּטוֹ שֶׁל מִקְרָא) hat überall diese Bedeutung.
Raschi
Der Name י­ה­ו­ה ist gleichsam der Wesensname G‑ttes und bezieht sich auf das Sein G‑ttes, das der Ursprung allen Daseins ist. Der Name enthält auch die Worte הָיָה, הוֹוֶה, יִהְיֶה, „Er war, Er ist, Er wird sein“.
Schulchan Aruch, Orach Chajim 5:1
Das Namenspaar ה׳ אֱלֹהִים „G‑tt, der Ewige“: Der Name י­ה­ו­ה ist gleichsam der Wesensname G‑ttes. Der Name „Elokim“ hingegen beschreibt Sein Verhältnis zu den Menschen und drückt aus, dass Er Herrscher und Richter über die gesamte Schöpfung ist. Der Name „Elokim“ kann im Sinne eines Attributs zusammen mit Seinem Wesensnamen verwendet werden.
וְאֵ֖ד יַֽעֲלֶ֣ה מִן־הָאָ֑רֶץ וְהִשְׁקָ֖ה אֶֽת־כָּל־פְּנֵֽי־הָֽאֲדָמָֽה׃
6
6
Da stieg Nebel von der Erde auf und tränkte die ganze Fläche der Erde.
Da stieg Nebel von der Erde auf
וְאֵד יַעֲלֶה „Nebel“, „Dunst“. Zum Zweck der Erschaffung des Menschen ließ Er die unterirdische Flut aufsteigen und tränkte die Wolken, um den Staub feucht werden zu lassen. Und dann wurde der Mensch erschaffen. Wie ein Kneter erst Wasser zugießt und dann den Teig knetet, so auch hier וְהִשְׁקָה „Er tränkte“, und dann (nächster Vers) וַיִּיצֶר „Er bildete“.
Raschi
tränkte: bewässerte.
וַיִּיצֶר֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהִ֜ים אֶת־הָֽאָדָ֗ם עָפָר֙ מִן־הָ֣אֲדָמָ֔ה וַיִּפַּ֥ח בְּאַפָּ֖יו נִשְׁמַ֣ת חַיִּ֑ים וַֽיְהִ֥י הָֽאָדָ֖ם לְנֶ֥פֶשׁ חַיָּֽה׃
7
7
Und G‑tt, der Ewige, bildete den Menschen aus Staub vom Erdboden und blies in seine Nase die Seele des Lebens. So wurde der Mensch zu einem lebenden Wesen.
bildete
וַיִּיצֶר mit doppeltem Buchstaben י (Jud): Er bildete eine doppelte Bildung, eine Bildung für diese Welt und für die Wiederbelebung der Toten. Beim Tier aber, das zum Gericht nicht aufersteht, ist die Bildung nicht mit doppeltem Jud geschrieben.
Raschi
Beim Tier aber: וַיִּצֶר ה׳ אֱלֹהִים מִן הָאֲדָמָה כָּל חַיַּת הַשָּׂדֶה „G‑tt, der Ewige, bildete vom Erdboden alle Tiere des Feldes“ (Ber. 1:19).
aus Staub vom Erdboden
Er häufte seinen Staub vom ganzen Erdboden von allen vier Seiten zusammen, damit jeder Ort, wo er sterbe, ihn zum Grab aufnehme.
Andere Erklärung: Er nahm Staub von dem Ort, von dem es heißt (Schem. 20:24) מִזְבַּח אֲדָמָה תַּעֲשֶׂה לִי „einen Altar von Erde sollst du Mir machen“, indem Er sagte: Möge das eine Sühne für ihn sein, dass er bestehen könne.
Raschi
blies in seine Nase die Seele des Lebens
Er schuf den Menschen aus Erdgebundenem (תַּחְתּוֹנִים) und aus Himmlischem (עֶלְיוֹנִים), den Körper aus Erdgebundenem und die Seele aus Himmlischem. Weil am ersten Tag Himmel und Erde erschaffen wurden, Er am zweiten Tag den Raum erschuf für die Himmlischen, am dritten Tag das Trockene sichtbar wurde für die Erdgebundenen, Er am vierten Tag die Lichter erschuf für die Himmlischen, am fünften Tag die Wasser wimmelten für die Erdgebundenen, war am sechsten Tag nötig, dass an ihm von den Himmlischen und von den Erdgebundenen eine Schöpfung vollbracht wurde, sonst wäre Neid in der Schöpfung entstanden, wenn die einen um die Schöpfung eines Tages mehr gewesen wären als die anderen.
Raschi
Seele des Lebens: die ewigen Bestand hat und nicht mit dem Tod des Körpers stirbt.
Ibn Esra, Chiskuni
zu einem lebenden Wesen
לְנֶפֶשׁ חַיָּה „zu einem lebenden Wesen“: auch zahme und wilde Tiere werden „Lebewesen“ (נֶפֶשׁ חַיָּה) genannt, der Ausdruck beim Menschen aber bedeutet die höchste Steigerung des Lebens, weil ihm Vernunft und Sprache dazugegeben wurden.
Raschi
zu einem lebenden Wesen
נֶפֶשׁ חַיָּה bedeutet: ein sprachbegabter Geist (רוּחַ מְמַלְּלָא).
Targum Onkelos
וַיִּטַּ֞ע יְהוָ֧ה אֱלֹהִ֛ים גַּן־בְעֵ֖דֶן מִקֶּ֑דֶם וַיָּ֣שֶׂם שָׁ֔ם אֶת־הָֽאָדָ֖ם אֲשֶׁ֥ר יָצָֽר׃
8
8
Und es pflanzte G‑tt, der Ewige, einen Garten in Eden, im Osten gelegen, und setzte dorthin den Menschen, den Er gebildet hatte.
im Osten gelegen
מִקֶּדֶם „zur Ostseite“ von Eden pflanzte Er den Garten. Wenn du nun sagen wirst, es steht doch bereits (Ber. 1:27) וַיִּבְרָא אֱלֹהִים אֶת הָאָדָם „Er erschuf den Menschen“, siehe, so habe ich in einer Baraita von R. Eliëser ben R. Jose haGlili gesehen, über die 32 Regeln, mit denen die Torah erklärt wird. Das ist eine von ihnen: Wenn auf eine zusammenfassende Angabe eine Erzählung folgt, dann ist diese die Ausführung der ersteren.
„Er erschuf den Menschen“ ist eine zusammenfassende Angabe, die verschweigt, woraus Er ihn erschuf, und Seine Werke verschweigt. Dann aber erklärt die Torah וַיִּיצֶר ה׳ אֱלֹהִים „G‑tt, der Ewige, schuf“, pflanzte für ihn den Garten Eden, setzte ihn in den Garten Eden, ließ auf ihn einen tiefen Schlaf fallen. Wer das hört, meint, das sei eine andere Begebenheit, es ist aber nur die Ausführung der ersten.

Ebenso wiederholt die Torah bei den Tieren und schreibt (Ber. 1:19) וַיִּצֶר ה׳ אֱלֹהִים מִן הָאֲדָמָה כָּל חַיַּת הַשָּׂדֶה „der Ewige bildete vom Erdboden alle Tiere des Feldes“, um zu erklären וַיָּבֵא אֶל הָאָדָם „und brachte sie zum Menschen“, dass er ihnen Namen gebe, und um zu lehren, dass die Vögel aus dem Sumpf [Mischung von Erde und Wasser] erschaffen wurden.
Raschi
וַיַּצְמַ֞ח יְהוָ֤ה אֱלֹהִים֙ מִן־הָ֣אֲדָמָ֔ה כָּל־עֵ֛ץ נֶחְמָ֥ד לְמַרְאֶ֖ה וְט֣וֹב לְמַאֲכָ֑ל וְעֵ֤ץ הַֽחַיִּים֙ בְּת֣וֹךְ הַגָּ֔ן וְעֵ֕ץ הַדַּ֖עַת ט֥וֹב וָרָֽע׃
9
9
Und G‑tt, der Ewige, ließ aus der Erde allerlei Bäume wachsen, nett zum Ansehen und gut zum Essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten, und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
ließ wachsen
וַיַּצְמַח „ließ wachsen“: der Vers spricht vom Garten.
Raschi
im Garten
בְּתוֹךְ הַגָּן „im Garten“: mitten im Garten.
Raschi
Baum des Lebens
Wer davon isst, erwirbt langes Leben.
Ramban
וְנָהָר֙ יֹצֵ֣א מֵעֵ֔דֶן לְהַשְׁק֖וֹת אֶת־הַגָּ֑ן וּמִשָּׁם֙ יִפָּרֵ֔ד וְהָיָ֖ה לְאַרְבָּעָ֥ה רָאשִֽׁים׃
10
10
Und ein Fluss kam aus Eden, den Garten zu bewässern, und von da aus teilte er sich und wurde zu vier Hauptflüssen.
שֵׁ֥ם הָֽאֶחָ֖ד פִּישׁ֑וֹן ה֣וּא הַסֹּבֵ֗ב אֵ֚ת כָּל־אֶ֣רֶץ הַֽחֲוִילָ֔ה אֲשֶׁר־שָׁ֖ם הַזָּהָֽב׃
11
11
Der Name des einen ist Pischon, das ist der, der um das ganze Land Chawila fließt, wo das Gold ist.
Pischon
Das ist der Nil, der Fluss Mizraims. Weil sein Wasser gesegnet ist, steigt und das Land bewässert, wird er Pischon genannt. [Der Begriff פִּישׁוֹן kommt von der Wurzel פוש „anwachsen“, „zunehmen“,] wie im Vers (Chab. 1:8) וּפָשׁוּ פָּרָשָׁיו „seine Reiter breiten sich aus“.
Andere Erklärung: Pischon ist der Fluss, der Flachs (hebr. Pischtan) groß werden lässt. Denn von Mizraim heißt es (Jesch. 19:9) וּבֹשׁוּ עֹבְדֵי פִשְׁתִּים „beschämt sind die, die aus Flachs anfertigen“.
Raschi
וּֽזֲהַ֛ב הָאָ֥רֶץ הַהִ֖וא ט֑וֹב שָׁ֥ם הַבְּדֹ֖לַח וְאֶ֥בֶן הַשֹּֽׁהַם׃
12
12
Das Gold dieses Landes ist gut, dort ist der Bedolach und der Schohamstein.
וְשֵֽׁם־הַנָּהָ֥ר הַשֵּׁנִ֖י גִּיח֑וֹן ה֣וּא הַסּוֹבֵ֔ב אֵ֖ת כָּל־אֶ֥רֶץ כּֽוּשׁ׃
13
13
Der Name des zweiten Flusses ist Gichon, das ist der, der um das ganze Land Kusch fließt.
Gichon
גִּיחוֹן, Gichon, der rauschend dahinzieht mit mächtigem Rauschen. [Der Begriff גִּיחוֹן ist verwandt mit נגיחה „[mit den Hörnern] stoßen“,] wie im Vers (Schem. 21:28) וְכִי יִגַּח „wenn [der Ochse] stößt“; der Fluss stößt hervor und zieht rauschend dahin.
Raschi
וְשֵׁ֨ם הַנָּהָ֤ר הַשְּׁלִישִׁי֙ חִדֶּ֔קֶל ה֥וּא הַֽהֹלֵ֖ךְ קִדְמַ֣ת אַשּׁ֑וּר וְהַנָּהָ֥ר הָֽרְבִיעִ֖י ה֥וּא פְרָֽת׃
14
14
Der Name des dritten Flusses ist Chidekel, das ist der, der auf der Ostseite von Aschur fließt. Und der vierte Fluss ist Prat.
Chidekel
חִדֶּקֶל – שֶׁמֵּימָיו חַדִּין וְקַלִּין, Chidekel, dessen Wasser schnell und leicht sind (Berachot 59b).
Raschi
Prat
פְּרָת – שֶׁמֵּימָיו פָּרִין וְרָבִין וּמַבְרִין אֶת הָאָדָם, Prat, dessen Wasser fruchtbar ist und sich vermehrt, und den Menschen gesund macht (Bechorot 55b). [Raschi]
Kusch, Aschur: diese Länder gab es noch nicht, und der Vers schreibt in Bezug auf die Zukunft (Ketubot 10b).
Raschi
Ostseite von Aschur
קִדְמַת אַשּׁוּר, im Osten von Aschur.
Raschi
ist Prat: der angesehenste von allen, weil er wegen des Landes Israel erwähnt wird.
Raschi
wegen des Landes Israel: Die Torah erwähnt den Fluss Prat als eine der Grenzen des Landes Israel (Ber. 15:18, Dew. 11:24).
וַיִּקַּ֛ח יְהוָ֥ה אֱלֹהִ֖ים אֶת־הָֽאָדָ֑ם וַיַּנִּחֵ֣הוּ בְגַן־עֵ֔דֶן לְעָבְדָ֖הּ וּלְשָׁמְרָֽהּ׃
15
15
Und G‑tt, der Ewige, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bearbeite und bewache.
der Ewige nahm den Menschen:
וַיִּקַּח „Er nahm“: G tt bewegte ihn durch schöne Worte und führte ihn dazu, hineinzugehen.
Raschi
וַיְצַו֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהִ֔ים עַל־הָֽאָדָ֖ם לֵאמֹ֑ר מִכֹּ֥ל עֵֽץ־הַגָּ֖ן אָכֹ֥ל תֹּאכֵֽל׃
16
16
Und G‑tt, der Ewige, befahl dem Menschen und sagte: Von jedem Baum des Gartens kannst du essen.
Von jedem Baum des Gartens kannst du essen
אָכֹל תֹּאכֵל ist kein Befehl, sondern eine Erlaubnis: „essen darfst du“ davon.
Saadia Gaon
תֹּאכֵל „essen darfst du, essen“: du und alle, die von dir abstammen.
Andere Erklärung:

אָכֹל – du

תֹּאכֵל – deine Frau.
Or haChaim
Und G‑tt, der Ewige, befahl dem Menschen
Die sieben Gesetze der Söhne Noachs, die dem ersten Menschen Adam aufgetragen wurden, sind hier angedeutet:
וַיְצַו „Befahl“ – das sind die Gesetze; ה׳ „G‑tt“ – das ist die Lästerung des G‑ttesnamens, אֱלֹהִים „der Ewige“ – das ist der Götzendienst; עַל הָאָדָם „dem Menschen“ – das ist das Blutvergießen; לֵאמֹר „und sagte“ – das ist die Unzucht;

מִכֹּל עֵץ הַגָּן „von jedem Baum des Gartens“ – aber keinen Raub; אָכֹל תֹּאכֵל „kannst du essen“ – nicht aber einen Teil eines lebenden Tieres.
Sanhedrin 56b
וּמֵעֵ֗ץ הַדַּ֙עַת֙ ט֣וֹב וָרָ֔ע לֹ֥א תֹאכַ֖ל מִמֶּ֑נּוּ כִּ֗י בְּי֛וֹם אֲכָלְךָ֥ מִמֶּ֖נּוּ מ֥וֹת תָּמֽוּת׃
17
17
Nur von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, von diesem sollst du nicht essen! Denn am Tag, an dem du davon isst, musst du sterben.
Baum der Erkenntnis von Gut und Böse
Rabbi Meir sagt: Es war ein Weinstock.
Rabbi Nechemja sagt: Es war ein Feigenbaum.

Rabbi Jehuda sagt: Es war Weizen. [Berachot 40a]

Rabbi Abba sagt: Ein Etrogbaum war es.
Bereschit Rabba 15:7
וַיֹּ֙אמֶר֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהִ֔ים לֹא־ט֛וֹב הֱי֥וֹת הָֽאָדָ֖ם לְבַדּ֑וֹ אֶֽעֱשֶׂהּ־לּ֥וֹ עֵ֖זֶר כְּנֶגְדּֽוֹ׃
18
18
Und G‑tt, der Ewige, sagte: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht.
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist
Dass man nicht sage, es gibt zwei Regierungen: der Ewige ist einzig bei den Himmlischen und ohne Zweiten, und dieser, der Mensch, ist einzig bei den Erdgebundenen und ohne Zweiten.
Raschi
eine Gehilfin machen, die ihm entspricht
עֵזֶר כְּנֶגְדוֹ, Hat er das Glück, dann ist sie ihm eine Gehilfin (עֵזֶר). Hat er nicht das Glück, dann steht sie ihm gegenüber (כְּנֶגְדּוֹ), um ihn zu bekämpfen (Jewamot 63a).
Raschi
וַיִּצֶר֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהִ֜ים מִן־הָֽאֲדָמָ֗ה כָּל־חַיַּ֤ת הַשָּׂדֶה֙ וְאֵת֙ כָּל־ע֣וֹף הַשָּׁמַ֔יִם וַיָּבֵא֙ אֶל־הָ֣אָדָ֔ם לִרְא֖וֹת מַה־יִּקְרָא־ל֑וֹ וְכֹל֩ אֲשֶׁ֨ר יִקְרָא־ל֧וֹ הָֽאָדָ֛ם נֶ֥פֶשׁ חַיָּ֖ה ה֥וּא שְׁמֽוֹ׃
19
19
Es hatte der Ewige, G‑tt, aus der Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels gebildet, und Er brachte sie dem Menschen, um zu sehen, wie der Mensch sie nennen würde. Und jedes Lebewesen, das der Mensch benannte, so sollte sein Name sein.
aus der Erde gebildet
וַיִּצֶר מִן הָאֲדָמָה „aus der Erde gebildet“: dieses Bilden ist die oben erwähnte Erschaffung (1:25) וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת חַיַּת הָאָרֶץ „G‑tt erschuf das Wild der Erde“, und der Vers kommt nur und erklärt, dass die Vögel aus dem Sumpf [Mischung von Wasser und Erde] erschaffen wurden. Denn oben sagt der Vers, sie wurden aus dem Wasser erschaffen, und hier sagt er, sie wurden aus der Erde erschaffen.
Weiters lehrt dich der Vers hier, in der Stunde ihrer Erschaffung, sofort an demselben Tag noch brachte Er sie zum Menschen, dass er ihnen Namen gebe.

In den Worten der Aggada heißt es: Dieses Erschaffen (יְצִירָה) bedeutet soviel wie „beherrschen“ (רִדּוּי) und „unterwerfen“ (כִבּוּשׁ), wie (Dew. 20:19) כִּי תָצוּר אֶל עִיר „wenn du eine Stadt belagerst“. Er unterwarf sie der Hand des Menschen (Bereschit Rabba 17:4).
Raschi
Und jedes Lebewesen, das der Mensch benannte
[Der Vers lautet וְכֹל אֲשֶׁר יִקְרָא לוֹ הָאָדָם נֶפֶשׁ חַיָּה הוּא שְׁמוֹ.] Stelle den Vers um und erkläre ihn so כָּל נֶפֶשׁ חַיָּה אֲשֶׁר יִקְרָא לוֹ הָאָדָם שֵׁם „jedes Lebewesen, das der Mensch benannte“, הוּא שְׁמוֹ „sollte diesen seinen Namen behalten“ für immer.
Raschi